Sommerlese
Annika Büsing — Nordstadt Ausdrucksstarker Roman über junge Erwachsene. Nahe am Leben, treffend in den Forulierungen. 🤍🤍🤍
Hervé le Tellier — Die Anomalie Unterhaltsamer Verwirrungsthriller aus unterschiedlichen Persketiven. 🤍🤍
Sven Regener — Glitterschnitter Wieder sehr langatmiger Roman aus dem Lehman-Universum. Der Sound ist okay für Eingeweihte, alle anderen werden verständnislos mit den Schultern zucken. 🤍🤍
Jan Böhmermann — Gefolgt von niemandem, dem du folgst Wirklich nichts anderes als irgendwas aus seiner getwitterten Zeitleiste. Leute haben dafür Geld ausgegeben?
Atze Schröder — Blauäugig Von Till Hoheneder bemüht aufgehübschte Halbbiografie der selbsternannten Comedylegende ist im spannungslosen Hohenederstil so langweilig und seicht, dass es in der Literaturecke neben Kerkelings Pudelbuch seinen Platz findet. 🤍
Kevin Hearne — Do not eat! Wie ein T‑Shirt mich vor Aliens bewahrte Erwartungslos begonnenes Sci-Fi-Büchlein über eine Entführung durch Alien, die nichts Neues abliefert. Zum Duchblättern, wenn keine Supermarktprospekte zur Hand sind. 🤍
Klolektüre #31: Cnyrim, Petra — Erkläre den Begriff Vakuum
Schülerantworten
auf Prüfungsfragen gibt es in dieser Sammlung zu lesen. Man muss aber schon glauben, das sei alles so auch passiert (“Berechne die Differenz von 380 und 358. Wie bist du auf die Lösung gekommen?” klingt sonderbar), um ab und an zu schmunzeln (“Die Kinder von Rehen heißen Reh-Kids.”). Einerseits kann man wild in diesem Schmöker blättern, andererseits fehlt einem doch meist der Kontext, um die Irrwitzigkeit der Situation genießen zu können.
Ein Reinschmökerer ist diese Klolektüre in jedem Fall, hält aber nicht für jeden, was er sich davon verspricht. Von fünf möglichen Klorollen bekommt er:

2 von 5 Sternen
Sommerlese
Susanne Donner — Endlager Mensch: Wie Schadstoffe unsere Gesundheit belasten Erhellende Infos über die Gefahren chemikalischer Substanzen, die auf uns eingeben, so weit man überhaupt davon weiß. 🤍🤍🤍
Michelle Steinbeck — Eingesperrte Vögel singen mehr Die Gedichte Steinbecks sind zwischen erheiternd, wegkatapultierend und am Allerwertesten vorbeigehend anzusiedeln. Was will man mehr von einem Gedichtsband? 🤍🤍
Der Doppeldaumenmann — Vorsicht vor dem Abwasserclown Blödelgeschichten eines geforderten Vaters. Aktuell und witzig, aber schwankend in der Substanzialität der Geschichten. Zumindest was für Betroffene. 🤍🤍
Hape Kerkeling — Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich Irgendwie weil ich schon alles von Kerkeling gelesen habe, kam mir auch dieser trutschige Schinken unter die Augen. Nur für Fans erzählt der Humorist menschelnd, aber keine Höhen erklimmend, über seine vierbeinigen Freunde. Lahm. 🤍
Max Czollek — Desintegriert euch! Zwischen Slam-Poetry und bloßem Geschwätz wird gar nicht klar, was das Buch bezwecken soll. Ob man sich noch an die Rede Martin Walsers in der Paulskirche erinnere, fragt der Autor. Er habe damals wohl den Sandmann geschaut. Morgens um 11? Ungefähr so daneben ist das alles.
Junilese
Eva und Ilja Richter — Der deutsche Jude Der Titel ist der Reihe geschuldet, wird bedauert aber auch nicht ganz korrigiert. Der Schmöker von 1989 hat erstaunlich wenig Staub angesetzt und in einem Buch, das auch von Antisemitismus und den Gräueltaten der Nazis handelt, ist das eben auch ein bitterer Befund. Ilja Richters schalkhafte Art tritt in den Texten wiedererkennbar auf, die Texte der Mutter sind weniger jackelig, man wünschte sich etwas mehr Ausführlichkeit. Hätte ich zu meiner Schulzeit gerne gelesen. 🤍🤍
Gary Andrews — Finding Joy Emotionales Trauerbuch mit Zeichnungen und Geschichten von Gary Andrews zu seinem neuen Familienleben ohne seine verstorbene Frau. 🤍🤍
Jennifer Egan — Black Box In 140-Zeichen gehaltener Roman, so wie es mal auf Twitter Usus war, als Instruktionsgeben einer Spionin. Interessanter als ich erwartet hätte. Wegen der literarischen Sprache fühlt man sich manchmal in einen James-Bond-Streifen versetzt. 🤍🤍
Harry Rowohlt — Pooh’s Corner (1989–1996) Gesammelte Kolumnen, die immer noch unterhaltsam sind. 🤍🤍
Heiko Arntz; Gerd Haffmanns (Hrsg.) — Der-Harry-Rowohlt-Raabe Durch Bilder, Interviews und Briefe ist dieser Nachklapp zu Pooh’s Corner fast noch interessanter. 🤍🤍
Hans Kruppa — Nur für dich Kruppas Gedichte sind mir zu Abiturzeiten mal über den Weg gelaufen, da kam dann auch dieses Büchlein in meinen Bücherschrank. Ich kann an den seichten Liebesgedichten allerdings keinen Gefallen finden. 🤍
Klolektüre #30: Ehrlich, Andreas — Wissen für die Katz
Dieser
kleine Schmöker kommt hübsch aufgemacht daher, wirkt etwas billig, was irgendwie aber auch zu den sehr kurz gehaltenen Einträgen über “Skurriles, Amüsantes und Verblüffendes in seiner ”unnützesten” Form”, so dass es im DDR-Duden (zumindest bis 1985) keinen Eintrag zu “Weltreise” gab.
Bei kurzen Klobesuchen ist dieser Schmöker für fixes, erstaunendes Wissen sehr gut geeignet. Von fünf möglichen Klorollen bekommt er:



4 von 5 Sternen
Mailese
David Baddiel — Jews don’t count Wellenschlagender Meinungsbeitrag des Schriftsteller und Komikers, der aufzeigt, wie Juden im englischspracheigen Raum als Randgruppe oft übersehen werden. Der deutsche Titel soll “Und die Juden?” heißen, was ich für einen unangebrachten Whataboutism halte. 🤍🤍🤍
Moritz Tschermak; Mats Schönauer — Ohne Rücksicht auf Verluste: Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet Die Blödzeitung ist ein widerliches Blatt, dass ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr in die Hand genommen habe. Die Bildblog-Artikel haben mich erst interessiert, dann weniger, weil ich die Blödzeitung einfach nicht lese. Mit diesem Buch kann man nachholen, was man verpasst hat: Sektenartigen Journalismus, der andere angreift. 🤍🤍🤍
Ulf Heuner — Dummes Denken deutscher Denker Gewitztes Auseinandernehmen deutscher Feuilletongrößen, das einen wundern lässt. Muss aber eingestehen, so intensiv kenne ich die alle nicht, als dass ich inhaltlich gut werten könnte. 🤍🤍
Paul Frommeyer — Möller
Seltener Einblick in das Alltagsleben eines Leichtathletikprofis. 🤍🤍
Constantin Schreiber — Die Kandidatin Die Grundidee bei Houellebecq klauen, dem dann aber stilistisch und inhaltlich nicht ansatzweise das Wasser reichen können, sowas ergibt einen ärgerlichen Trashroman.
Dezemberlese
Deborah Feldman — Unorthodox Süffig lesbare Befreiungsgeschichte einer jungen Jüdin aus ihrer sektenähnlichen Gemeinschaft. 🤍🤍
Tom Finnek — Galgenhügel Sprachlich überdurchschnittlich für einen Lokalkrimi macht dieser Schmöker doch ein paar Wendungen zu viel, um in einer flauen Auflösung zu enden. 🤍
Lucy Fricke — Töchter Hauptprotagonisten fährt beste Freundin und deren Vater zu dessen letztem Abend in der Schweiz. Es kommt alles anders und dieser netten Road-Movie-Geschichte mit witzigen Einschüben. 🤍🤍
Youp van ‘t Hek — In corontaine Beschwingte, klassische Kabarettkolumnen des niederländischen Altmeisters aus seiner Coronaquarantänezeit.🤍🤍🤍
Stefan Holtkötter — Das Geheimnis von Vennhues Atmosphärischer Lokalkrimi mit deutlichen Logiklöchern, unauthentischen Dialogen und einer hanebüchenen Auflösung, auf die zufällig gekommen wird. Ansprechend geschrieben, aber nur für das lokale Publikum interessant. 🤍
Simone Lappert — Der Sprung Eine Art Ensable-Roman: Diverse Figuren, die etwas erleben, beschreiben die Situation, wie sich eine Frau in den Tod stürzen will. Um dem Leser keine Deutung aufzuerlegen, sondern ihm die Deutung der Hauptfigur zu überlassen, wird diese nur indirekt über andere beschrieben. Ich fand es zwar dramatisch, aber zu vage, nicht tiefsinnig und dadurch zu langweilig. Und was, bitte schön, ist eine “halbherzig spielende Katze”? 🤍
China Mieville — Tha last days of New Paris Das Nachkriegsparis wird nach dem Abwurf einer S(urrealistischen)-Bombe von degenerierten und surrealistischen Kreaturen belagert, den Nazis ebenso und von Einheimischen verteidigt. Um der Grundidee gerecht zu werden, ist dieser trashige Geschichte ab und an nicht einfach zu folgen. 🤍
Minka Pradelski — Es wird wieder Tag Die traumatischen Belastungen von KZ-Lager-Geschädigten werden mit fantasierter Begleitgeschichte gekoppelt, kommt aber nicht ganz zum Punkt. 🤍🤍
Joachim Ringelnatz — Warten auf den Bumerang Schöne von Robert Gernhardt besorgte und mit einem Nachwort geadelte Gedichtssammlung. 🤍🤍🤍
Zadie Smith — Intimations Persönliche Gedanken über die Belastungen in der Corona-Pandemiezeit ohne sonderliche Höhepunkte. 🤍
Novemberlese
Sam Byers — Idiopathy Drei ehemalige Freunde treffen sich während der Rinderwahn-Zeit wieder. Witzig, aber uferlos. 🤍🤍
Ronald Giphart — Phileine zegt sorry Temperamentvolle, zynische Frau jagt ihrem Typen hinterher und kommt dahinter, was ihr eigentliches Problem ist. Tatsächlich ist die Verfilmung dank Straffung und der Hauptdarstellerin unterhaltsamer, das Buch an manchen Stellen zu langatmig, aber immer noch lesenswert. Auf deutsch heisst das Buch ”Der Volltreffer”. 🤍🤍
Marius Goldhorn — Park Wortgewaltiger Erstling, der aber etwas ziellos dahinplätschert und im Verlauf etwas uninteressant wird. 🤍
Thomas Hettche — Herzfaden Phantastischer Roman über die Entstehtung der Augsburger Puppenkiste. Zwischendurch dachte ich, es fehle der Geschichte noch etwas, dann würde sie von einer guten zu einer sehr guten. Faszinierend, wenn genau so eine Wendung dann eintritt. 🤍🤍🤍🤍
Jürgen Kehrer — Wilsberg. Das Schapdettenvirus Ich hatte geunkt, in dieserm Wilsberg-Schmöker könnte man Passendes zur aktuellen Pandamiezeit geben, gibt es aber eher nicht. Ansonsten spannungslos und nicht überzeugend. 🤍
Guus Kuijer — Das Buch von allen Dingen Religion- und gewaltthematisierendes Jugendbuch, das erstaunlich direkt zur Sache kommt. 🤍🤍
Scott McClanahan — Sarah Trennungsschmerzbuch, das nichts auslässt, so gar nichts. Wird besprochen im kommenden Bücherschwank. 🤍🤍🤍
Katja Oskamp — Marzahn, mon amour Wer Marzahn nur mit Cindy verbindet, kann hier Versöhnung finden: Ganz großartige biografische Geschichten von Kunden und Bediensteten eines Pedikürestudios. 🤍🤍🤍
Tex Rubinowitz — Irma Selbstreferenzielle Nabelschau, manchmal witzig, manchmal langatmig und irgendwelche nichtgekennzeichneten Übernahmen aus der Wikipedia. 🤍
Annie M.G. Schmidt — Minoes Zauberhaftes Kindermärchen und Katzenkrimi, dessen Verfilmung von 2001 mir schon ungemein gefallen hat. Auf deutsch heißen Buch und Film ”Die geheimnisvolle Minusch”. 🤍🤍🤍
Klolektüre #29: Feuerstein, Herbert — Feuersteins Reisen nach Alaska, Vanuatu, Arabien, Mexiko
Schon etwas älter, 20 Jahre, genau gesagt, ist diese Quasi-Sekundärliteratur zu Herbert Feuersteins damaliger Reisesendung. Es wird von chaotisch anmutenden Filmaufnahmen in aller Welt berichtet, kurzweilig und humorvoll. Intererssanterweise staubt das nicht mal sonderlich an. Und man erfährt, wie sich die Wolpers-Aversion so gesteigert hat.
Von fünf möglichen Klorollen bekommt dieser Schmöker:


3 von 5 Sternen
Wellenfutter #1: Hasters, Alice — Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten
Ich bin über dieses Buch wegen des Anstoßes an den Kommentaren von Dieter Nuhr über eben jenes geraten. Und da ich durchaus kritische Einschätzungen zu Nuhr teile, hatte ich etwas Hoffnungen in die Lektüre gesetzt. Aber ach: So wichtig es ist, Rassismus auf den Schirm zu bringen durch viele Stimmen, so ärgerlich ist es, wenn Autoren sich dabei durch unterschwellige Vorverurteilungen anderer so sehr selbst im Weg stehen. Hier wird mit anekdotischer Evidenz versucht, ein Rassismussystem aufzuzeigen, was schief läuft. Und so unterläuft diesem Buch eine peinliche Kant-Kritik, aus der deutlich wird, dass man ihn nicht gelesen hat, was ja Nuhr zu diesem Buch angekreidet wird, und dass Nuhrs Kritik, man verbessert eine Situation von Vorverurteilungen nicht über Vorverurteilungen seinerseits, zutreffend ist, obwohl er das Buch nicht gelesen hat.

