Was ich noch sagen wollte zu… Aygül Özkan

Das kann ja noch sehr hei­ter wer­den mit Aygül Özkan: Zunächst erklärt sie ihre Zuge­hö­rig­keit als Mus­li­min zur CDU damit, dass sie über­ein­stimmt mit den Wer­ten, für die CDU steht. Das ist ja CDU-intern für sich schon ein Ham­mer: Jemand, der sich über sei­ne Den­k­ergeb­nis­se defi­niert, nicht über sei­nen Glau­ben. Und das als Mus­li­min. Dabei reprä­sen­tiert sie nur die vie­len, für die das C in CDU den­sel­ben Anspruch ent­hält wie das S in SPD: Die Ori­en­tie­rung an einem anstän­di­gen Mit­ein­an­der. Ob man das nun Nächs­ten­lie­be oder Soli­da­ri­tät nennt, das küm­mert die Wenigs­ten.
Aber damit noch nicht genug: Sie for­dert, dass sowohl Kopf­tü­cher als auch Kru­zi­fi­xe aus den Klas­sen­zim­mern ver­schwin­den. Deu­bel noch­mal! Ja, war­um soll­te es auch dem katho­li­schen Fun­da­men­ta­lis­mus anders erge­hen als dem isla­mi­schen?
Ich habe in mei­nem Bekann­ten­kreis auch Leu­te, die ich für offen hielt, die aber mit Sät­zen kamen wie: Das wird hier noch ganz anders, wenn die Mus­li­me über­all ihre Moscheen hoch­zie­hen und die­se Glau­bens­rich­tung an Gewicht zunimmt. Da steck­te eine laten­te Angst, eine ban­ge Vor­sicht drin. Als ob bei den Mus­li­ma eine auf­ge­klär­te Ori­en­tie­rung an so ein C oder S oder wie immer man es inter­pre­tie­ren möch­te, kom­plett undek­bar wäre.
Man sieht der­ar­ti­ge Hal­tun­gen auch ger­ne mal jour­na­lis­tisch auf­be­rei­tet in Über­schrif­ten wie heu­te bei der FAZ: Kann Aygül Özkan Minis­te­rin? Das soll wohl an die Lai­en-Cas­ting­show beim ZDF erin­nern und rückt Özkan in die Rol­le der maxi­mal talen­tier­ten Hob­by­po­li­ti­ke­rin. Dane­ben fin­det man bei der FAZ dann so böse Gedan­ken wie fol­gen­den:

Dass Aygül Özkan einen eben­falls tür­kisch­stäm­mi­gen Ehe­mann hat, einen Arzt aus Eppen­dorf, mag den einen zei­gen, wie sehr sie trotz allem „im Migra­ti­ons­hin­ter­grund“ ver­haf­tet geblie­ben ist. Den ande­ren ist genau das ver­mut­lich ein beson­de­rer kul­tu­rel­ler Gewinn der Inte­gra­ti­on.

Die Idee, dass jeman­dem der­ar­ti­ge Gedan­ken gar nicht kom­men, ist der FAZ offen­sicht­lich fremd. Das resprekt­lo­se Rum­spe­ku­lie­ren über Pri­vat­an­ge­le­gen­hei­ten hat offen­bar sei­nen siche­ren Platz in der FAZ.
Aber dar­um geht es mir nicht: Mit bei­den Gedan­ken­gän­gen reprä­sen­tiert Özkan den Typus des auf­ge­klär­ten Den­kers von heu­te. Wenn sie vor der eige­nen Par­tei nicht ein­knickt oder sich ihre Hal­tung als Oppor­tu­nis­mus ent­puppt, kann die Frau Gold wert sein. Das merkt man allei­ne schon an den Leu­ten, die sich so schnell gegen sie posi­tio­nie­ren:

Der CSU-Poli­ti­ker Herr­mann sag­te der “Rhei­ni­schen Post”, Deutsch­land sei von der christ­li­chen Tra­di­ti­on geprägt. Das sol­le auch der jun­gen Gene­ra­ti­on in den Schul­klas­sen ver­mit­telt wer­den. Der frü­he­re baye­ri­sche Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Tho­mas Gop­pel (CSU) ver­wies die Deutsch-Tür­kin Özkan auf das Grund­ge­setz. Die­ses sei nach der NS-Zeit mit aus­drück­li­cher Rück­be­sin­nung auf das christ­li­che Men­schen­bild ver­ab­schie­det wor­den, sag­te Gop­pel, Vor­sit­zen­der des Geprächs­krei­ses der “Christ­So­zia­len Katho­li­ken”.
Staats­mi­nis­te­rin Böh­mer sag­te am Mon­tag im Deutsch­land­funk, Deutsch­land ste­he in einer Jahr­hun­der­te alten christ­li­chen Tra­di­ti­on: “Kreu­ze in den Schu­len sind Aus­druck unse­rer Tra­di­ti­on und unse­res Wer­te­ver­ständ­nis­ses.” Die For­de­rung Özkans sieht Böh­mer jedoch nicht als Hin­der­nis für die CDU-Poli­ti­ke­rin, das Minis­ter­amt anzu­tre­ten. “Natür­lich sol­len Migran­ten alle Mög­lich­kei­ten in unse­rem Land haben”, beton­te Böh­mer.

Wie schön, dass man gleich einen Kri­ti­ker mit Begrif­fen wie Migrant deckelt. Aber die­se An-unse­re-Wer­te-Erin­ne­rer soll­ten sich ihrer­seits auch immer wie­der klar machen, dass die vor­ran­gi­ge Stel­lung, die das Chris­ten­tum heu­te in Deutsch­lands Bil­dungs­sys­tem genießt mehr mit Hit­ler als mit den Vätern des Grund­ge­set­zes zu tun hat. Und abge­se­hen davon: Das Kreuz ist mit­nich­ten Aus­druck “unse­res” Wer­te­ver­ständ­nis­ses.
Ihr Chef Chris­ti­an Wulff hat da wohl auch so sei­ne Pro­ble­me mit einer nicht dem Chris­ten­tum sich ver­pflich­tet füh­len­den Poli­ti­ke­rin:

In Nie­der­sach­sen wer­den christ­li­che Sym­bo­le, ins­be­son­de­re Kreu­ze in den Schu­len, sei­tens der Lan­des­re­gie­rung im Sin­ne einer tole­ran­ten Erzie­hung auf Grund­la­ge christ­li­cher Wer­te begrüßt.

Und Reli­gi­ons­frei­heit darf es da eben nur bei Schü­le­rin­nen und Zim­mer­wän­den geben:

Aus Grün­den der Reli­gi­ons­frei­heit wür­den auch Kopf­tü­cher bei Schü­le­rin­nen tole­riert — nicht aber bei Lehr­kräf­ten, was Özkan auch gemeint habe. „Frau Özkan hat ihre per­sön­li­che Mei­nung zur welt­an­schau­li­chen Neu­tra­li­tät geäu­ßert, aber sie stellt die nie­der­säch­si­sche Pra­xis nicht in Fra­ge.“

Zumin­dest nicht aus­drück­lich. Aber man kann so ein Abbü­geln natür­lich auch anti-auf­klä­re­risch auf­zie­hen, wie der Vor­sit­zen­de der Schü­ler-Uni­on:

Der Bun­des­vor­sit­zen­de der CDU-Nach­wuchs­or­ga­ni­sa­ti­on Schü­ler-Uni­on, Younes Oua­qas­se, for­der­te den nie­der­säch­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Christan Wulff (CDU) auf, auf die Ernenn­nung Özkans zur Minis­te­rin zu ver­zich­ten. “Die­se Frau hat ihre Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten”, sag­te Oua­qas­se der “Bild-Zei­tung”. Durch Aus­sa­gen wie die von Özkan ver­lö­ren die Volks­par­tei­en CDU und CSU ihre Glaub­wür­dig­keit und damit ihren Rück­halt in der Bevöl­ke­rung.

Und so lan­ge der Rück­halt in der Bevöl­ke­rung nicht gesi­chert ist, so lan­ge muss Wahr­heit auch mal hin­ten anste­hen. Jona­than Swift hat das mal so for­mu­liert:

Tritt ein wah­res Genie in die Welt, erkennt es an den Idio­ten, die sich dage­gen ver­schwö­ren.


[ Foto: http://www.flickr.com/photos/teller/ / CC BY-NC-SA 2.0 ]

Moin

morgenkaffee
Simon Colum­bus war auf der 10. Netz­wer­ker-Tagung der SPD und durf­te sich da von Huber­tus Heil anhö­ren, dass die SPD damals im Bun­des­tag “aus Feig­heit” dem Zugangs­er­schwe­rungs­ge­setz zuge­stimmt habe. Das klingt ja schon bei­na­he nach einer Ent­schul­di­gung.
Herr Paul­sen nimmt sich die Zeit, etwas zu sei­nen Kind­heits­er­in­ne­run­gen über den Grüno­fan­ten zu schrei­ben und des­sen Revi­val ein­zu­for­dern.
Aria­ne Brey­er disst die Oli­ver-Pocher-Show bezüg­lich deren Vor­ha­bens, den Zweit­plat­zier­ten von Deutsch­land sucht den Super­star in die Sen­dung zu holen, was ein wenig an die Ein­la­dung des Cal­gon-Man­nes von Ste­fan Raab erin­nert, aber schei­tern wird.
Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: War­um schreibt man eigent­lich über eine Sen­dung, die lang­wei­lig ist, mit einem Moder­ar­tor, der anödet, bei der ein Sän­ger ein­la­den wer­den soll, den man nicht hören möch­te? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.
[Foto: Luc van Gent]

Moin

morgenkaffee
Bei der FAZ traut man der Geschich­te des Wir-in-NRW-Blogs im Gegen­satz zur Süd­deut­schen ges­tern über­haupt nicht und ver­mu­tet, aller­dings ohne wei­te­re Bele­ge, dass es sich bei die­ser Akti­on ledig­lich um eine Schlamm­schlacht der SPD han­delt. Spä­tes­tens nach­dem man sich beim Wir-in-NRW-Blog eitel zurech­net, der Erst­den­ker einer nord­rhein-west­fä­li­schen Ampel-Koali­ti­on zu sein und kri­tik­los Spit­zen­po­li­ti­ker von Rot-Grün im Blog Wahl­kampf trei­ben lässt, kann von einer Unpar­tei­lich­keit des Blogs auch kei­ne Rede mehr sein.
Rou­ven hat in einer ZDF-Sen­dung sei­nen Lieb­lings­wohn­zim­mer­ein­rich­tungs­ge­gen­stand wie­der­ge­fun­den.
Felix Schwen­zel hat ges­tern im Zug von Ber­lin nach Ham­burg ein paar pod­Cast-Inter­views auf sei­nem Lap­top gefun­den und fühl­te sich her­vor­ra­gend unter­hal­ten.
Chris­ti­ne Dös­sel hat fol­gen­des frän­ki­sche April Hai­ku bekom­men, das man heu­te in der Früh­stücks­pau­se mal kurz aus­wen­dig ler­nen soll­te:

schau nauf däi wam­bäddn wol­kn
anne wam­bäd­dä wäi di andä
däi freg­gä gehm kann rouh bis reengd

Dage­gen ist Islän­disch ja pup­sig.
Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Sind sol­che die Gedan­ken antur­nen­den Über­ra­schun­gen eigent­lich näher gehend für den Beschenk­ten als mate­ri­el­le? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.
[Foto: Luc van Gent]

Das Burnout-Problem der FDP

David Schra­ven Ste­fan Lau­rin hat bei den Ruhr­ba­ro­nen den ganz ver­ständ­li­chen Ein­wurf gebracht, dass Gui­do Wes­ter­wel­le sich in sei­nen poli­ti­schen Akti­vi­tä­ten auf bestimm­te Din­ge kon­zen­trie­ren soll­te und nicht auf allen Hoch­zei­ten tan­zen soll. Gui­do Wes­ter­wel­le macht aller­dings genau das Gegen­teil und nerv­te am Wochen­en­de auf dem NRW-Par­tei­tag der FDP mit einer selt­sa­men Aus­flucht aus der Kri­tik an sei­ner Per­son, die er an Jour­na­lis­ten und Links­o­pli­ti­ker rich­te­te:

Die wol­len in Nord­rhein-West­fa­len eine lin­ke Mehr­heit schaf­fen, das ist es, wor­um es in Wahr­heit geht.

Wes­ter­wel­le selbst wirkt aus­ge­brannt, wenn er einer sach­li­chen Kri­tik mit inhalts­lo­sem Geschwätz kon­tern will. Mit die­sem Zitat befährt er im gro­ben die Schie­ne, die schon die NRW-CDU fah­ren woll­te: Angst­ma­che­rei vor einem angeb­lich bevor­ste­hen­dem rot-rot-grü­nen Bünd­nis. Der Erfolg die­ser Masche belibt aber bis­her aus: Die CDU konn­te damit nicht punk­ten. Die FDP ihrer­seits konn­te ihren Fall in den Umfra­gen nicht stop­pen, hat auch the­ma­tisch der­zeit nichts anzu­bie­ten. Und poli­tisch sieht es in NRW ganz anders aus:

Die erst bei der letz­ten NRW-Land­tags­wahl stark abge­straf­te SPD hat sich der inhalt­lich dif­fu­sen Links­par­tei kaum ange­nährt und ver­fügt mit den Grü­nen über kei­ne aus­rei­chen­de Mehr­heit. Rot-rot-grün wür­de also theo­re­tisch erreich­bar sein, aber wohl kaum umge­setzt: Die SPD wird sich sowas der­zeit in NRW nicht leis­ten kön­nen. CDU und FDP sind so weit von einer eige­nen Mehr­heit ent­fernt, dass auch das unwahr­schein­lich erscheint.

Wahr­schein­li­cher wäre es, dass es zu einem schwarz-grü­nen Bünd­nis kommt, wenn bei­de zusam­men eine Mehr­heit errei­chen, und das sieht gut aus. Soll­te es dazu nicht kom­men, käme als nächs­tes eine gro­ße Koali­ti­on unter Betracht, die nicht mal unter Rütt­gers, viel­leicht auch unter jeman­dem, der inner­halb der CDU sehr links ist, zustan­de kom­men könn­te. Die Optio­nen der CDU bei der dies­jäh­ri­gen Land­tags­wahl soll­te man nicht unter­schät­zen.

Ver­gli­chen damit hat die FDP es gänz­lich ver­säumt, eine Alter­na­ti­ve außer der CDU auf­zu­ma­chen. The­ma­tisch will der­zeit eh kei­ne ande­re Par­tei groß­ar­tig etwas mit der FDP zu tun haben. Die Reha-Bedürf­tig­keit der FDP erin­nert an die schlim­men Kri­sen der SPD der ver­gan­ge­nen Jah­re.

Alle mal lachen über den Axel Springer Verlag (V)

Lan­ge nichts mehr in die­ser Rubrik geschrie­ben. Der Axel Sprin­ger Ver­lag ist noch bekannt, oder? Das war der Ver­lag, der gemeint hat, dass in Deutsch­land der Qua­li­täts­jour­na­lis­mus durch eine Tages­schau-App fürs iPho­ne gefähr­det wird. Wobei Qua­li­täts­jour­na­lis­mus für die Bild ja nur das Schöp­fen der eige­nen Rea­li­tät ist:

Also, so inten­siv, wie der Axel Sprin­ger Ver­lag mit sei­nen Pro­duk­ten den Qua­li­täts­jour­na­lis­mus angreift, das wür­de ja so eine dösi­ge iPho­ne-App nie im Leben hin­krie­gen.

Digitale Kreationisten

Ein neu­es Gesicht aus NRW hat eine ganz gute Rede in der Debat­te um das Inter­net­sperr­ge­setz gehal­ten. Ans­gar Heve­ling aus Kor­schen­broich kri­ti­siert ganz zu Recht anfangs das Umschwen­ken der SPD…

… um dann aber lei­der hilf­los der aktu­el­len CDU-Argu­men­ta­ti­on zu ver­fal­len, nach der die Peten­ten kei­ne “neu­en” Grün­de gegen das Inter­net­sperr­ge­setz ange­führt hät­ten. Und dann die­se Heu­che­lei, man wür­de Kin­der schüt­zen wol­len, was über die­sen Geset­zes­weg nun aber ein­fach nicht mög­lich ist — ein heil­lo­ses Poli­tik­ge­fa­sel. Wenn die alten die Linie der CDU schon so mas­siv zer­stört haben, sind “neue” auch gar nicht nötig.
Die CDU/CSU hat der­zeit auch nur vor, was ihnen sei­tens der Peten­ten schon seit einem Jahr vor­ge­schla­gen wird: Löschen statt sper­ren, was pro­blem­los ohne neu­es Gesetz geht:

Von daher lau­fen in der CDU wohl nur noch digi­ta­le Krea­tio­nis­ten umher, im Kampf gegen jeg­li­che, sach­lich gestütz­te Argu­men­ta­tio­nen.
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Süd­deut­sche: Kon­ser­va­ti­ve sind weni­ger intel­li­gent

Rüttgers: SPD ist ein Taumelkäfer


Jür­gen Rütt­gers mein­te am poli­ti­schen Ascher­mitt­woch dadurch glän­zen zu kön­nen, dass er die SPD mit dem Tau­mel­kä­fer gleich­setzt. Und bei der CDU fin­det man das so lus­tig, dass man dazu extra ein klei­nes Film­chen macht:

Naja, stimmt halt so alles nicht. Das da ist ein Tau­mel­kä­fer, blind ist der nicht.
Aber offen­sicht­lich sind wir in Deutsch­land wie­der soweit, den poli­ti­schen Geg­ner als Insekt zu bezeich­nen. War­um dann nicht gleich Anoph­tal­mus hit­le­ri, zu Deutsch: Hit­ler­kä­fer? Der ist immer­hin wirk­lich blind.
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Toll! — Jür­gen und die Tau­mel­kä­fer

Jürgen Rüttgers mobilisiert zum NRW-Wahlkampf


Auf dem Blog Wir-in-NRW.de wur­de der ges­tern rum­ge­schick­te Brief von Jür­gen Rütt­gers ver­öf­fent­licht, mit der er die NRW-CDU-Basis mobi­li­sie­ren möch­te. Und dem geneig­ten Wäh­ler gibt dies die Mög­lich­keit, sich auf das gefasst zu machen, womit die CDU in kom­men­der Zeit punk­ten will: Der pau­scha­len Ver­ur­tei­lung der Links­par­tei. Die Links­par­tei wol­le
a) den Ver­fas­sungs­schutz auf­lö­sen, b) Dro­gen frei­ge­ben, c) Gym­na­si­en, Real­schu­len, Haupt­schu­len auf­lö­sen, d) Reli­gi­ons­un­ter­richt abschaf­fen, e) Unter­neh­men ver­staat­li­chen und f) Haus­be­sit­zer ent­eig­nen.
Zu a) den Ver­fas­sungs­schutz auf­lö­sen Die Lin­ke will in der Tat ohne den Ver­fas­sungs­schutz aus­kom­men, was für sie bedeu­tet, dass kei­ne Bür­ger­be­spit­ze­lung statt­fin­det. Man plant damit aber wohl erst für das Jahr 2080.
Zu b) Dro­gen frei­ge­ben Dro­gen wie Alko­hol und Ziga­ret­ten sind ja schon frei gege­ben. Prä­ven­tiv möch­te die Links­par­tei für eine staat­li­che Regu­lie­rung des Can­na­bis­mark­tes, unter Gewähr­leis­tung des Jugend­schut­zes, nach dem Vor­bild der Nie­der­lan­de, ein­tre­ten.
zu c) Gym­na­si­en, Real­schu­len, Haupt­schu­len auf­lö­sen Es ist schon selt­sam, dass Rütt­gers der SPD vor­wirft, mit einer Par­tei zusam­men arbei­ten zu wol­len, die das drei­stu­fi­ge bis­he­ri­ge Schul­sys­tem abschaf­fen möch­te. Das will die SPD schliess­lich zuguns­ten einer inte­grier­ten Gesamt­schu­le selbst auch.
zu d) Reli­gi­ons­un­ter­richt abschaf­fen Wer das NRW-Wahl­pro­gramm der Lin­ken sich ein­mal anschaut, der fin­det dort, die Links­par­tei sei: für die Ein­füh­rung eines gemein­sa­men Ethik­un­ter­richts als Pflicht­fach. Unter­richt in den ver­schie­de­nen Reli­gio­nen wird nach Mög­lich­keit ange­bo­ten, ist jedoch frei­wil­lig. Es ist in der Tat merk­wür­dig, wie man ernst­haft von einer Tren­nung von Kir­che und Staat spre­chen möch­te, wenn der Staat Schü­ler zu Reli­gi­ons­un­ter­richt in der jet­zi­gen Form ver­pflich­tet.
zu e) Unter­neh­men ver­staat­li­chen Das will die Links­par­tei zwar, aber auch nicht pau­schal alle, nur die­je­ni­gen, die zen­tra­ler Berei­che öffent­li­cher Ver­sor­gung betref­fen, was für die Links­par­tei nur Eon und RWE sind.
zu f) Haus­be­sit­zer ent­eig­nen Das ist etwas pau­schal aus­ge­drückt, schließ­lich sol­len nicht alle Haus­be­sit­zer ent­eig­net wer­den. Aller­dings meint die Links­par­tei: Ohne eine sozia­le Wohn­raum­ver­sor­gung als Teil einer soli­da­ri­schen Stadt­ent­wick­lung wer­den gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung von der Gesell­schaft aus­ge­schlos­sen. Des­halb ist eine öffent­li­che und sozia­le Woh­nungs­po­li­tik eine unver­zicht­ba­re Pflicht und Kern­auf­ga­be des Staa­tes. und for­dert Die Wie­der­ein­füh­rung einer mög­lichst flä­chen­de­cken­den Zweck­ent­frem­dungs­ver­ord­nung. Eine neue Kün­di­gungs­sperr­frist­ver­ord­nung soll­te nicht nur in Gebie­ten mit erhöh­tem Wohn­be­darf son­dern auch in Gebie­ten mit star­ker Umstruk­tu­rie­rung der Eigen­tums­ver­hält­nis­se gel­ten.
Nun soll die­ser Text nicht Wer­bung machen für die Links­par­tei, was ohne­hin bei so vie­len streit­ba­ren Posi­tio­nen unge­mein schwie­rig ist, son­dern nur auf die Paro­len des NRW-Lan­des­va­ters auf­merk­sam machen. Und die sind nun mal stark pole­misch und kaschie­ren, wie z. B. bei der Kon­tro­ver­se um den Reli­gi­ons­un­ter­richt und das Schei­tern der Haupt­schu­le, den Man­gel an eige­nen Posi­tio­nen.

Das Schwinden der Glaubwürdigkeit der SPD

Tho­mas Stad­ler bilan­ziert ganz rich­tig:
Wie nun­mehr bekannt wur­de, war [der Umstand, dass die gro­ße Mehr­zahl der Ser­ver, die auf aus­län­di­schen Sperr­lis­ten als kin­der­por­no­gra­fisch auf­ge­führt sind, in Euro­pa und den USA ste­hen,] den Bun­des­tags­frak­tio­nen, ins­be­son­de­re der SPD-Frak­ti­on, bereits vor der Abstim­mung im Bun­des­tag posi­tiv bekannt und zwar inter­es­san­ter Wei­se auf­grund eines Schrei­bens des BKA. (…)
Die SPD setzt dem nun­mehr die Kro­ne auf, indem sie die­se Infor­ma­ti­on, die ihr bereits im Zeit­punkt ihrer Zustim­mung zum Zugangs­er­schwe­rungs­ge­setz bekannt war, als Begrün­dung dafür her­an­zieht, sich nach­träg­lich gegen das Gesetz aus­zu­spre­chen. Damit setzt die Par­tei ein ein­sa­mes High­light in Sachen Unglaub­wür­dig­keit, das kaum mehr zu top­pen ist.

Aber, hier wird ja nur etwas offen­ge­legt, was auch schon län­ger bekannt gewe­sen ist: Die SPD hat aus Wahl­kampf­tak­tik dem Gesetz zu gestimmt.
Ich habe damals mal ein Mit­glied der SPD, das sich in den höhe­ren Krei­sen aus­kennt, gefragt, wie das denn ein­zu­schät­zen sei mit der Hal­tung der SPD, wo ihr doch gera­de so an die 132.000 poten­ti­el­le Wäh­ler flö­ten gehen.
Da wur­de ich gefragt, ob ich denn gar nicht wüss­te, wie das bei Par­tei­en so abgin­ge? Wenn bei abgeordnetenwatch.de bei­spiels­wei­se einem Abge­ord­ne­ten eine bestimm­te Fra­ge nach der Hal­tung der SPD gestellt wer­de, dann holt er die ihm zuge­schick­te vor­ge­fer­tig­te Mei­nung der Par­tei her­vor und kopiert die 1:1 da rein. Und so müs­se ich mir das dann auch bei die­ser Fra­ge vor­stel­len: Irgend­je­mand hat da was beschlos­sen, aus wel­chen Grün­den auch immer, und dass zieht man jetzt durch. Wenn das jetzt falsch begrün­det ist oder dem ein­zel­nen quer läuft: Pech!
spdglaube
Ich bin mir ziem­lich sicher, dass das genau­so auch bei der CDU und ande­ren Par­tei­en läuft. Nur: In der so agi­len Öffent­lich­keit wie sie momen­tan herrscht, funk­tio­niert das nicht mehr so sau­ber. Par­tei­en dür­fen sich eben nicht wun­dern, wenn Gepflo­gen­hei­ten, die intern nicht­au­to­no­me Par­tei­gän­ger zu akzep­tie­ren haben, extern von den Bür­gern als Quatsch ange­se­hen wer­den. Ganz ein­fach, weil es das ist: Quatsch.
Frak­ti­ons­zwang war nie Bür­ger­wil­le. Frak­ti­ons­zwang oder wie die CDU es art­ver­wandt nennt: Geschlos­sen­heit soll nach einer auf­ge­klär­ten Dis­kus­si­on her­ge­stell­te, inner­par­tei­li­che Einig­keit dar­stel­len. Es wird aber durch die Öffent­lich­keit nur noch als Maul­korb­ver­fah­ren wahr­ge­nom­men. Das ist eben die öffent­li­che Ein­schät­zung von Poli­tik. Volks­par­tei ist da nie­mand mehr, wer lässt sich schon pri­vat so ein Maul­korb­ver­fah­ren gefal­len? Des­we­gen gibt es kei­nen Trend, in sol­che Par­tei­en ein­zu­tre­ten. Und die­ses Geschlos­sen­heits­dik­tum ist auch, weil es eben nicht mehr als ein Dik­tum ist, anti-auf­klä­re­risch, d.i. eine klä­ren­de, aber eben auch zeit­auf­wän­di­ge Dis­kus­si­on wird zuguns­ten der Bas­ta-Poli­tik auf­ge­ge­ben. Wer soll nun aber jeman­den wäh­len, der sei­nem eige­nen Den­ken, das zumin­dest den Anspruch einer auf­ge­klär­ten Hal­tung hat, so ekla­tant wider­spricht? Des­we­gen schwin­det die Wäh­ler­zu­stim­mung der Par­tei­en.
Die SPD hat ein paar Köp­fe aus­ge­tauscht, aber eben kei­ne Gepflo­gen­hei­ten geän­dert. Wenn sie sich jetzt ernt­haft wun­dert, wes­we­gen kei­ne Ver­än­de­rung bei der Zustim­mung der Bür­ger ein­tritt, so sei ihr gesagt: Noch ist die SPD in Umfra­gen 6% vor den Grü­nen. Noch.

Wie geht es eigentlich Herrn Wüst von der CDU?

Man macht sich doch so lang­sam Sor­gen um Hen­drik Wüst. Da ist es gar nicht so lan­ge her, dass er in das Visier der NRWSPD gera­ten ist, nun sieht er sei­ne Stun­de gekom­men, doch ein­mal zurück zu schla­gen. Die Bild­zei­tung meint unter Beru­fung auf Gerüch­te, dass links­extre­mis­ti­sche Taten ins­ge­samt in Deutsch­land zuge­nom­men haben, und Herr Wüst meint: Die SPD ist schuld, genau­er die NRWSPD. Denn die­se habe eine Zusam­men­ar­beit mit der Links­par­tei in Nord­rhein-West­fa­len bis­her künf­tig nicht aus­ge­schlos­sen.
Und bei einer so unkla­ren poli­ti­schen Lage in der Oppo­si­ti­on in Nord­rhein-West­fa­len, da ras­tet der Links­extre­me in Sach­sen-Anhalt ja gleich aus und haut irgend­wem auf die Müt­ze.
Gerüch­te der Bild­zei­tung zum Poli­ti­kum hoch­sti­li­sie­ren: Noch alles klar, Herr Wüst?
mehr:
Wir in NRW: Affä­re Wüst: Das Bau­ern­op­fer — Güte­ter­min geschei­tert / Erneu­te Kün­di­gung bei der CDU
Ste­fan Nig­ge­mei­er: Malen nach Zah­len