Es war abzusehen, dass auch bei den Plagiatsvorwürfen gegen die Doktorarbeit von Bundestagspräsident Norbert Lammert irgendwann Nebelkerzen geworden werden. Es ist bezeichnend, dass sich der sich selbst Qualitätsjournalismus dafür hergibt.

Das Schwierige an der Verteidigung der Promotion gegen die Vorwürfe sind diese selbst. Wie lauten sie? Im Kern: Lammert gibt fremde Rezeptionsleistungen, d.h. die Wiedergaben gelesener Literatur, als eigene aus. Kann das nachgewiesen werden, sehe ich nicht, wie eine derartige Promition gehalten werden kann.

Nun hat Norbert Lammert gemäß den Vorwürfen keine wortwörtlichen Plagiate begangen [Korrektur, 14.00 Uhr: Auch das wird ihm vorgeworden, s. S. 100 der Dissertation]. Auch das Auftauchen nahezu identischer Verweise allein ist kein Plagiat. Die Vorwürfe konzentrieren sich aber spezieller darauf, dass an vielen Stellen mit anderen Arbeiten inhaltsgleiche Analysen angestellt werden, bei denen inhaltsgleiche und fehlergleiche Fußnoten nahelegen, dass die dortigen Angaben und Analysen ungeprüft und ohne wissenschaftliche Eigenleistung übernommen wurden.

Es geht nicht um in den 70er Jahren unterschiedliche Zitiergepflogenheiten oder unzureichende Einzelfußnotenkennzeichnungen, wie die ZEIT seinen Lesern weißmachen will.

Auch bei der FAZ klingt der Nebelkerzenartikel zu Lammert merkwürdig:

Wenig spricht dafür, dass es sich bei Lammerts Doktorarbeit um Plagiate handelt.

Es reicht ja, wenn irgendetwas stichhaltig dafür spricht. Aber es wird noch skuriler:

Wenn es nach dem derzeitigen Kenntnisstand einen kritischen Einwand gegen diese Dissertation vorzubringen gäbe, dann wäre es die Fallstudie am eigenen CDU-Kreisverband, über dessen Entscheidungsprozesse der Autor nicht nur mehr wusste als andere, sondern an dessen Entscheidungen er auch selbst beteiligt war.

Und was ist mit dem Kernvorwurf, den die Autorin des Artikels nicht einmal thematisiert? Ist der überhaupt zur Kenntnis genommen worden?

Den Vogel schießt allerdings Dagobert Ernst bei der WAZ ab, der den Lammert-Kritiker einfach mal mit dem NSA-Skandal gleichsetzt, und so einen Tätertausch herbeizaubert:

Auch Plagiate-Jagd kann zu einer Form der Bespitzelung werden. Nur dass „Big Brother“ hier in jedem steckt, der dabei mitmischt.

Bedenkenswert, auch wenn der Zusammenhang zur Diskussion um Norbert Lammerts Dissertation nicht klar ist, ist, was Joachim Huber schreibt:

irgendwann hat es der Doktorenstand geschafft, den Nicht- Doktoren einzureden, dass der Herr Doktor und die Frau Doktorin etwas Besseres sind. Feingeister, Feinzüngler, feine Menschen halt. Politiker und Doktor, diese Kombination galt bald als unschlagbar. Deswegen diese tiefe Sehnsucht in den Reihen der Konservativen und der Liberalen nach dem „Dr.“ auf dem Wahlplakat.

Continue Reading

Dieser Beitrag in ivz-aktuell ist ein Produkt der IVZ-Redaktion.

steht natürlich auch unter dem Blaumeisen-Artikel der IVZ, direkt unter einem Info-Kasten zu Blaumeisen. Nur: Gerade der ist ein ungekennzeichnetes Plagiat aus dem Wikipedia-Artikel zu Blaumeisen und die dazugehörige Creative-Commons-Lizenz sieht eine derartige, ungekennzeichnete Verwendung nicht vor.

Beispiel:

Regelmäßig nutzen Blaumeisen auch ungewöhnliche Plätze im Siedlungsraum zum Brüten, beispielsweise Spalten im Mauerwerk oder im Freien stehende Briefkästen – manchmal sogar Ampeln …

[IVZ]

Nicht so häufig wie Kohlmeisen, aber dennoch regelmäßig, nutzen Blaumeisen auch ungewöhnliche Plätze im Siedlungsraum zum Brüten, beispielsweise Spalten im Mauerwerk oder im Freien stehende Briefkästen.

[Wikipedia]

Wie meinte IVZ-Geschäftsführer Klaus Rieping noch:

Die IVZ hat in den vergangenen Jahren erheblich in digitale Technik, Personal und Knowhow investiert; auch, um unabhängige lokale Berichterstattung künftig überhaupt weiter gewährleisten zu können.

Ansonsten wäre man wohl noch heute nicht in der Lage, Wikipedia-Artikel zu kopieren.

Continue Reading

Angeblich befürwortet auch die IVZ das Leistungsschutzrecht für Presseverleger, wobei ich nicht weiß, worauf diese Liste beruht. Dazu will nicht ganz passen, wie die IVZ scheinbar online Plagiate als eigene Qualitätsarbeit kennzeichnet.

Gestern brachte die IVZ online diesen Artikel über einen randalierenden Jugendlichen in der Innenstadt von Ibbenbüren auf ihrer Internetseite, gut platziert im Bilderwechselrahmen. Unter dem Artikel wird zwar kein Autor angegeben, dafür ist zu lesen

Dieser Beitrag in IVZ-aktuell ist ein Produkt der IVZ-Redaktion.

Falls Sie nun darunter verstehen, dass irgendein Satz in diesem Beitrag von jemandem in der IVZ-Redaktion geschrieben wurde: Pustekuchen. Offensichtlich stammt der Text vom Presseportal der Polizei Steinfurt und ist hier zu finden. Dieser Beitrag ist wohl eher ein Produkt von Copy & Paste.

Continue Reading