Lesezeichen vom 27. Juni 2014

Lesezeichen von heute
  • Das deutsche Inter­net, erk­lärt von Gabor Stein­gart | Mario Six­tus — Wie wirr mitunter weit­er­hin am Leis­tungss­chutzrecht herum­lob­by­isiert wird, beschreibt Mario Six­tus: “Leute wie Christoph Keese sind in der let­zten Leg­is­laturpe­ri­ode von einem Bun­destagsab­ge­ord­neten zum näch­sten gelaufen und haben dabei “Google stiehlt unsere Inhalte und wird damit reich” gerufen. Dass es bei dieser aben­teuer­lichen Behaup­tung a) nur um winzige Wörter­schnipsel geht, die Google als Anreißer anzeigt, und b) sowohl Google als auch das deutsche Inter­net pick­epack­evoll sind, mit Inhal­ten, mit denen deutsche Zeitungsver­lage über­haupt nichts zu tun haben, stört diese Räu­ber­pis­tole natür­lich unge­mein, weswe­gen diese bei­den Umstände gerne unter den Tisch geschoben werden.”
  • 10 Jahre BILD­blog — The Euro­pean — Ein von Springer bezahlter Jour­nal­ist meint, das Bild­blog habe seine besten Zeit­en hin­ter sich und sei über­flüs­sig. NEIN! DOCH! OH!
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Was ich noch sagen wollte… zu Dina Foxx

Auf der re:publica hat das ZDF neben dem Elek­trischen Reporter die Inter­net-Mit­mach-Irgend­was-Serie Dina Foxx vorgestellt. Doch nie­mand wusste so recht, was das soll. Während Mario Six­tus den Elek­trischen Reporter als seinen Schritt in die beru­fliche Eigen­ständigkeit darstellte, hielt sich auch beim danach vorgestell­ten Pro­jekt der Ein­druck, dies sei nicht mehr als eine Arbeitsbeschäftigungsmaßahme.

Gestern spiel­ten Real Madrid und der FC Barcelona um den spanis­chen Pokal. Das zeigte das ZDF. Im Anschluss sollte eine 50 minütige Folge von Diana Foxx kom­men, einem inter­ak­tiv­en Kri­mi, der einen Anschluss des Fernse­hens ans Inter­net her­stellen sollte. Pro­duziert wird das inner­halb des ZDF von der dor­ti­gen Sparte des kleinen Fernsehspiels, wobei der Name wohl Pro­gramm ist: Klein und Spiel. Es ist halt bloße Unter­hal­tung, zu sehen irgend­wann nach dem in die Ver­längerung gegan­genen spanis­chen Fußball­spiels und irgend­wo auf einem ungeguck­ten ZDF-Spartenkanal.

Die Zuhör­erkri­tik des Vorstel­lungsrunde des ZDF war auf der re:publica The­ma ver­fehlend bis höflich: Man wün­schte dem unbegeis­tern­den Pro­jekt wohlwol­lend viel Glück, immer­hin hat­te da jemand Arbeit, fragte nach der Nach­haltigkeit dieser Pro­duk­tion, beschw­erte sich über die Abset­zung der 3sat-Sendung neues und wün­schte sich, dass ZDF-Beiträge länger in der Mediathek zu sehen sein sollte. Kri­tik daran, dass hier ein über­flüs­siges Pro­gramm pro­duziert wird, dass selb­st im eige­nen Haus nur zur nach­mit­ternächtlichen Versendung taugt: Fehlanzeige.

Nun kann man vielle­icht ein­wen­den, dass es sich bei diesem Pro­jekt eben um ein Kun­st­pro­jekt han­delt, dass eben aus ein­er kleinen Nis­che kommt und nur bes­timmte Per­so­n­en in ihrem Kun­stempfin­gen ansprechen soll. Aber ger­ade als Kun­st­pro­jekt ist es durchge­fall­en: Das Test­pub­likum der re:publica zeigte sich wed­er am eigentlichen Film noch an der gewoll­ten Verbindung zu Inter­net­tech­niken inter­essiert. Der Grund ist ein­leuch­t­end: Inter­net­tech­niken sind Kom­mu­nika­tion­skanäle von Empfängern, die auch jed­erzeit Sender sind. Das ZDF-Pro­jekt posi­tion­iert sich aber eben nur als Sender und ist als Empfänger nicht rezip­ier­bar vorhan­den. Qua­si das Fernseh-Leserpost-Prinzip. 

Aber vielle­icht sollte man so die Öffentlich-Rechtlichen ver­ste­hen: Beste­hen­des wird lediglich adap­tiert und wiedergekäut. So kann man den Begriff re:publica schließlich auch ver­ste­hen. Bloß nichts neues.

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Guten Morgen

morgenkaffee

Im Taxi-Blog berichtet Torsten davon, dass die Nach­wei­h­nacht­szeit im Taxi am Mon­tag schon sehr skuril begann.

Mario Six­tus schreibt bei Car­ta über das geforderte Leis­tungss­chutzrecht von Verlegersseite.

Friedrich Küp­pers­busch plädiert für die Ver­wen­dung des neuen Wortes Winterloch:

[audio:http://httpmedia.radiobremen.de/mediabase/040473/040473_140551.mp3]

Und während ich mir die Frage stelle: Erwartet uns bah­n­tech­nisch eigentlich ein Sil­vester­chaos? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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Guten Morgen

morgenkaffee
Jeff Jarvis hält die deutsche Google-Street-View-Debat­te für eine Fort­set­zung des para­dox­en deutschen Ver­hal­tens gegenüber Google, auch wenn er selb­st ein­räumt, die Debat­te nicht genau ver­standen zu haben. Mario Six­tus hält die Debat­te für eine Vari­ante eines Online-Men­schen-Offline-Men­schen-Stre­its, bei dem Google Grun­drechte ver­weigert wer­den wür­den. Dabei über­sieht er völ­lig die Frage nach der infor­ma­tionellen Selb­st­bes­tim­mung, die in Deutsch­land unter Schutz steht.
Das Prov­inzkind schreibt einen ganz wun­der­baren Text über die Idee für seine eige­nen Belange zu kämpfen.
Sig­mar Gar­biel möchte Tilo Sar­razin offen­bar am lieb­sten aus der Partei haben, weil er dessen neueste The­sen “däm­lich” findet.
Beim Han­dels­blatt meint man, dass das Wikipedia-Pro­jekt die Lehre der VWL wider­lege, dass der Markt bei öffentlichen Gütern ver­sage. Chris­t­ian auf amendedestages.de hält dies für seicht­en Unsinn.
Und während ich mir die Frage stelle: Kann eigentlich der Ver­such, däm­liche Poli­tik­er aus Parteien zu schmeißen, ern­sthaft irgend­wann enden? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.
[Foto: Luc van Gent]

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Was ich noch sagen wollte zu… kontrollverlustigen Alphabloggern

Ich habe schon lange ein ges­paltenes Ver­hält­nis zu Chris­t­ian Sick­endieck und seinem Blog F!XMBR. Ich hat­te ihn lange im Fee­dread­er, aber rigend­wann war es mir zu lästig, seine Texte auf Gehalt abzuk­lopfen. Zu oft wur­den die Texte dort in irgendwelche Gedanken­wel­ten mitgenom­men, deren quind essence mir nicht mehr klar wurde, die ich ablehnte, was alles ins­ge­samt zu viel Zeit kostete. Aber er war nicht arro­gant, und sowas bleibt dann auch im Hinterkopf.

Nun hat Sick­endiek der junge world Rede und Antwort ges­tanden zur Angele­gen­heit von Michael See­mann, dessen FAZ-Blog von der FAZ-Redak­tion einge­stampft wor­den ist, nach­dem dieser wieder­holt Bilder­rechtsver­let­zun­gen began­gen hat­te. Dieses Ein­stampfen ver­band See­mann mit ein­er öffentlichen Lei­d­klage, und jed­er der mit See­manns Bekan­ntheits­grade im web2.0 unter­wegs ist, weiß, dass dies einen soge­nan­nten Shit­storm nach sich zieht.

Der Onlinebere­ich der FAZ ist nicht davor eingeknickt, nichts hat sich dadurch pos­i­tiv für See­mann entwick­elt, er ist als Qual­itäts­blog­ger für Zeitun­gen eher verbrannt.

Sick­endieks Äußerun­gen hierzu sind pointiert und lesenswert:

Ich glaube, mit dem Fall bei der FAZ ste­hen wir vor ein­er Zäsur. Michael See­mann, Mario Sis­tus, Thomas Knüw­er und andere haben das Bloggen in Deutsch­land endgültig in Ver­ruf gebracht. Wer sich so unpro­fes­sionell ver­hält wie See­mann, wer wie Six­tus völ­lig hanebüchen von ein­er »Bücherver­bren­nung« spricht, wer wie Knüw­er die FAZ-Redak­tion belei­digt, kann nicht mehr ernst genom­men wer­den. Wir sprechen hier immer­hin von Blog­gern, die zu den etabliertesten und auch medi­al bekan­ntesten gehören. Sie sind wie so häu­fig in der Ver­gan­gen­heit ihrer großen Ver­ant­wor­tung nicht gerecht gewor­den. Wenn ich Tausende von Lesern täglich begrüßen darf, ob auf Twit­ter oder meinem Blog, wenn ich von vie­len Seit­en als Inter­view­part­ner ange­hört werde, wenn ich von den etablierten Medi­en und von Unternehmen auf Zukun­ft­skon­gresse ein­ge­laden werde, dann habe ich mich anders zu ver­hal­ten. Pro­fes­sionell. See­mann, Six­tus, Knüw­er und Co. haben das hässliche Bild des deutschen Blog­gers ein­drucksvoll bestätigt. Wer will denn jet­zt noch mit dieser Truppe etwas zu tun haben?

Ich sel­ber habe mich bish­er wed­er am FAZ-Protest noch an der Kri­tik an See­mann beteiligt. Das hängt für mich schlicht damit zusam­men, dass wegen mir die FAZ beschäfti­gen und feuern kann, wen sie will. Und See­mans FAZ-Blog fand ich quälend lan­gat­mig, unsauber for­muliert, wenn auch wohl gedankenreich.

Das einzig für mich Son­der­bare war nur der Umstand an sich, dass die FAZ jeman­den wie See­mann als Blog­ger beschäfti­gen wollte. Mir schien, dass man dabei eher auf den Bekan­ntheits­grad und die Reich­weite des Autors geschaut hat, als auf dessen Schreibqual­ität. Anson­sten hätte man sich­er an ihm fest­ge­hal­ten. Es gab ja schließlich auch keine konkreten Kla­gen wegen Bildrechtsverletzungen.

Insofern hat Sick­endiek wohl recht, wenn hier eine Zäsur entste­ht, wenn ich auch nicht glaube, dass sie der­art ist, wie er sie beschreibt. Mein­er Mei­n­ung nach gibt es Leute, die gut schreiben kön­nen, und Leute, die nicht gut schreiben kön­nen. Ein Bekan­ntheits­grad, eine Leser­re­ich­weite ist da nur spröde Maku­latur. Wer gut schreiben kann, kann dies in ein­er Zeitung oder einem Blog, das ist kaum unterschiedlich.

Jour­nal­is­ten haben es ab und an nur eben gar nicht nötig, zu bloggen. Blog­ger greifen das Ange­bot jour­nal­is­tisch zu arbeit­en dage­gen eher mit Hand­kuss auf, man betra­chte nur die Blog­ger-Welt-kom­pakt-Aus­gabe.

Nein, wenn nun eine Zäsur entste­ht, dann darin, dass seit­ens der zeitun­gen inten­siv­er geschaut wird, wer wo wie gut schreibt, und dass ver­sucht wird, diese Eigen­schaft vom Bekan­ntheits­grad entkop­pelt zu betra­cht­en. Dadurch wird sich noch einiges ändern. Reich­weite, Bekan­ntheit­srad, Massenkom­men­tier­er sind da nicht unin­ter­es­sant, aber eben nur I‑Tüpfelchen auf der eigentlichen Qual­ität eines Schreibers.

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