Wel­ding, Malte — Ver­siebt, ver­kackt, ver­hei­ra­tet | Das Liebesleben der anderen

Malte Weld­ing, Ver­siebt, verkackt, ver­heiratet: Vom Leben nach dem Hap­py End, 204 Seit­en, Piper Taschen­buch (9,99€) und eBook (8,49€), 2012

Der Flieger startet mor­gen früh nach Berlin. Wir kom­men zum Früh­stück an, das ist wichtig. Dann arbeit­et der gemeine Berlin­er und die Touris­ten sind noch nicht aus­geschwärmt. Aber es ist echt früh, der Flieger geht um Sech­suhrir­gend­was. Ich beende den Tag vorm Lap­top am Schreibtisch, da kommt mir Malte Weld­ings neues Buch zu. Das let­zte war nicht ganz mein Fall. Aber vielle­icht das. Vielle­icht sollte man es in Berlin lesen. Vielle­icht hil­ft das. Abgemacht. Weld­in­gle­sen in Berlin. Der Authen­tiz­ität wegen. (Vielle­icht meint nun der andere oder eine, dass das nicht fair ist: Sein eigenes Empfind­en und das Besprechen eines Buch­es zu ver­mis­chen. Wer das auseinan­der­hal­ten möchte, lese im Fol­gen­den ein­fach nur den eingerück­ten Text.)

Um zunächst etwas zum Autor ver­lieren: Malte Weld­ing ist Kolum­nist der Berlin­er Zeitung und in Inter­netkreisen als Blog­ger bekan­nt gewor­den. Er hat schöne Artikel zu Spree­blick beige­tra­gen, solche die man jet­zt dem Blog wieder wün­scht. Daneben hat er für die Blogs Fooli­gan, Neue Boden­ständigkeit und Deus ex machi­na geschrieben. 2010 erschien sein erstes Buch Frauen und Män­ner passen nicht zusam­men — auch nicht in der Mitte.

Der Flieger erhebt sich am fol­gen­den Tag pünk­tlich um 6.40 Uhr in die Lüfte. Die Stew­ardessen set­zen zu ihrer Mor­gengym­nas­tik an und ich schlage die ersten Seit­en auf.

Das Buch han­delt von den drei Brüdern Roman, Ben, Paul sowie Pauls Fre­und Jimo, deren Bekan­ntschaft Weld­ing hat und die es nach dem Abitur von Aachen nach Berlin verzieht. Alle­samt steck­en sie in Beziehun­gen, die ins Stock­en ger­at­en. Weld­ing scheint sie pri­vat zu ken­nen. Wird das jet­zt eine Fre­un­de­sanalyse? Oder ein Roman und mehr als man meint ist fik­tiv? Alles bleibt etwas dunkel für den Leser, der ins kalte Wass­er gewor­fen wird. Warum sind die Geschicht­en der vier so inter­es­sant? Ich füh­le mich an Mar­cel Reich-Ran­ic­ki erin­nert, der mal meinte, er wolle nur noch Prob­lem­schilderun­gen von Intellek­tuellen lesen. Ich kann das gut ver­ste­hen, auch wenn ich sel­ber ein­fache Lit­er­atur zu schätzen weiß. Es muss nicht immer Kaviar sein. Aber weil ich eben Liebe­sprob­lema­tisierun­gen in der Pop­kul­tur von David Bad­diel bis Ver­rückt nach dir inhaltlich durch­wa­t­en habe, fragt sich doch: Was bietet dieses Buch neues? Außer dass es ein Friends aus Berlin zu sein scheint? Der Blick in Beziehun­gen “nach dem Hap­py End”? Vielle­icht ist das Buch eher für Leute, die nur Liebesfilme kennen.

Als wir wieder fes­ten Boden unter den Füßen haben, bemerke ich, dass in Berlin ja noch Win­ter ist. Min­destens 7 Grad weniger als in Düs­sel­dorf. Es herrscht interkon­ti­nen­tales Kli­ma, wie ich mich aus dem Sachunter­richt zu erin­nern glaube. Der war aber auch vor der Wende. Ich habe Durst und ziehe mir was am Auto­mat­en. Meine Fre­undin fängt lau­thals an zu lachen, als sie die Büchse sieht und berlinert:

Ditt ken­nwa im West­en ja schon janich mehr: Dosen ohne Pfand!

Die S‑Bahn ver­spätet sich, ich krame meine Lek­türe raus:

Weld­ing stellt jedem Kapi­tel Zitate voran. Sowas mag ich ja gar nicht. Die Zitate sind nicht son­der­lich vomhock­er­hauend, haben mit dem was fol­gt auch nicht direkt zu tun. Ich über­lese sie kon­se­quent. Die drei Brüder steck­en in Beziehun­gen: Roman hat Mia geheiratet, Mia tren­nt sich ger­ade von Paul und Ben ist mit Juila Mia zusam­men. Was sind das nun also für Leute?

Wir check­en bei meinem Fre­und am Ostkreuz ein und ler­nen Maren ken­nen, die auch dort wohnt. Sie hat Medi­zin studiert, aber nicht zu ende, ist Mitte 30 und sat­telt nun zur Immo­bilien­mak­lerin um. Die let­zte Prü­fung hat sie in Berlin ver­passt, kann sie aber, was sie heute erfahren hat, in Ros­tock able­gen. Und hin­ter­her vielle­icht noch etwas studieren — was man in Berlin eben so macht. Über die Brücke am Ostkreuz ver­schlägt es uns in das Datscha. Es gibt schw­eres rus­sis­ches Frühstück…

… und Zeit zum lesen:

Zunächst ler­nen wir Roman und Paul ken­nen, nach­dem Gre­ta Paul, der sich ger­ade auf einem LSD-Trip befind­et, den Lauf­pass gegeben hat. Von Roman und Gre­ta erfahren wir, dass bei­de ein Kind bekom­men wollen, aber etwas kon­trapro­duk­tiver­weise das mit dem Sex ger­ade so gar nicht läuft. Von Ben wis­sen wir, dass er Architek­tur studiert oder studiert hat und Paul ist ehrgei­zlos­er Recht­san­walt. Die Berufe spie­len aber im Fol­gen­den keine son­der­liche Rolle. Mia hängt an Roman, vielle­icht etwas lei­den­schaftlich­er als umgekehrt, Gre­ta scheint eine gutausse­hende, wil­lensstarke Frau zu sein. Generell bleibt es aber bei Typ­isierun­gen der Charak­tere, ein eigenes Bild will sich kaum ein­stellen. Die Ker­le kom­men mir vor wie phan­tasielose, unlustige Tunichtguts. Wenig inspiri­erend — wed­er zum Inter­esse an den Charak­teren, noch zum Weiterlesen.

Als wir nach­mit­tags so durch den Osten schlen­dern, fall­en mir die tra­di­tionellen Berliner­isms auf. In der Straßen­bahn hat gefühlt jed­er Zweite eine Bier­flasche dabei, im Osten flanieren Hun­deköt­tel die Gehwege, es herrscht dis­tanzierte Humor­losigkeit, hek­tis­ches Gehen, Gedrän­gel, und man sieht, was Frauen in Berlin für Mode hal­ten: Knal­lenge Leg­gins zu dunkel­wat­tierten Ret­tungswest­en. Oder wie meine Fre­undin sich ausdrückt:

Hier laufen selb­st die ganz hüb­schen Mäd­chen auf hässlich getrimmt rum.

Als irgend­wo waschechte Düs­sel­dor­ferin zieht es sie in eine der 111 Sehenswürdigkeit­en des Sehenswürdigkeit­en­buch­es, das in Berlin die Touris­ten erkennbar macht: Das ganzjährige Verkleidungsgeschäft.

Während sie den Laden auseinan­dern­immt und sich schließlich für eine überdi­men­sion­ierte Geburt­stags­brille, sowie 30er Absper­rband und Warn­schilder für ihren Geburt­stag entschei­det, lese ich…

… einen Witz. Tat­säch­lich. Ich lache auf Seite 130. So, dass einige mich schon komisch anschauen. Öffentlich­es, spon­tanes Lachen in Berlin ist so eine Sache. Ich werde aber qua­si mit dieser Stelle etwas wärmer mit dem Buch. Ich denke nicht mehr ans Wegle­gen. Immer­hin so gut muss die Lek­türe sein. Man kann sie weit­er­lesen. Ich habe die Hoff­nung aufgegeben, dass man sich, vielle­icht wie in einem Roman, mit irgen­dein­er Fig­ur der­art anfre­un­det, dass man mit­fiebert. Pustekuchen. Dafür gibt es Name­drop­ping: Dawkins, Pinker und die Inter­ne­taussteck­anek­dote von Franzen. Jaja.

Am näch­sten Mor­gen hole ich Brötchen, Saft und Milch. Die B.Z. titelt “ENDLICH! Sauf Ver­bot in der BVG”. Kri­tik wird hier ja schnell umge­set­zt, denke ich. Ubrin­gens: Die schmieri­gen Graf­fi­ti sind auch scheiße! Ich gelange zur Brötchen­theke, an der ich mich nicht entsin­nen kann, wie Berlin­er noch mal in Berlin heißen, lerne dage­gen: “Good Cook­ies go to heav­en, bad cook­ies go to…”

Als ich mit den Früh­stückssachen wieder in die Woh­nung komme, erzählt Maren, dass sie nun eine Woh­nung in Ros­tock hat. Dafür die Prü­fung aber nicht machen kann. Ist nicht immer alles Ein­bahn­straße. Zum Mit­tagessen zieht es meine Fre­undin und mich wieder in den Osten. Hin­ter den Hack­eschen Höfen ist Sushi ange­sagt. Das Sushi kann es mit den Düs­sel­dor­fern aufnehmen. Da ich weniger Teller ver­putze als meine Begleitung…

… und mir die dor­ti­gen Klei­dungs­fachgeschäfte nicht so zusagen wie mein­er Fre­undin, blät­tere ich etwas.

Die han­del­nden Per­so­n­en im Buch lassen sich offen­bar immer von irgendwelchen Gefühlen treiben. Man erfährt eigentlich zu wenig über wirk­liche Gründe. Alles bleibt Speku­la­tion, alle Verän­derung wirkt wie Ein­bahn­straße. Das Buch ver­leit­et, selb­st über Pärchen nachzu­denken. Ich habe nach mein­er Abizeit selb­st gerne Pärchen analysiert, nach Zie­len gefragt, über das Wohlbefind­en der einzel­nen Part­ner nachgedacht. Ein­mal habe ich das einem Bekan­nten vorgelegt, worauf dieser meinte: “Japp, das klingt alles schlüs­sig. Und ich glaube auch nicht, dass Beziehun­gen immer son­der­lich glück­lich sind unterm Strich. Aber vielle­icht sind die damit zufrieden.” Da habe ich mich ange­fan­gen, mich in Zurück­hal­tung zu üben, was andere Pärchen angeht.

Als wir den Rück­weg antreten — Rot­front tritt abends für lau im So36 auf‑, kommt uns in Form dreier Per­so­n­en Mia. ent­ge­gen. Sagt zumin­d­est meine Fre­undin. Ich habe nur Augen für die schul­ter­be­pol­sterten Lilaanzüge, die mir einen Tick zu met­ro­sex­uell vorkom­men. Die blonde Begleitung ist zu klein, um mir aufz­u­fall­en. Kann sein, dass das Miet­ze war. Oder auch nicht.

Auf dem Rück­weg kom­men wir am St. Ober­holz vor­bei, uns ver­schlägt es aber in Unser Haus am Meer. Meine Fre­undin klagt seit 2 Tagen über Seit­en­stechen. Blind­darm, eventuell. Kann sein, meinte Maren. Ich lasse mir das Wlan-Pass­wort geben und google die 5 typ­is­chen Kennze­ichen ein­er Blind­dar­mentzün­dung. Ihre Wehwe­hchen qual­i­fizieren nicht für was mit Blinddarm.

“Wan­der­schmerz”, lese ich vor. “Ja, jet­zt, wo du’s sagst: im Rück­en zieht was!” — “Nee, das soll heißen, der Schmerz wan­dert zum Blind­darm hin, nicht quer durch den Kör­p­er.” — “Ach, so.”

Ihr geht es schla­gar­tig bess­er. Und während sie her­auszufind­en ver­sucht, wer die über­botoxte Frau im roten Kleid auf der anderen Seite ist, und ob sie ihren Begleit­er aus dem Fernse­hen ken­nt, lese ich das Buch zu ende.

Das Buch ist zu ende gele­sen und ver­han­delt. Das Ende wird nicht ver­rat­en. Wir erfahren mehr über Bens Dreier­erfahrung, Jimos Fam­i­lien­pla­nung und die Eltern der drei Brüder. Soviel sei gesagt.

Was rate ich nun einem poten­tiellen Leser? Vielle­icht das, was man einem zu Berlin auch empfehlen würde: Man sollte es selb­st erkun­den. Ich halte mich nicht für son­der­lich repräsen­ta­tiv, um dieses Buch geschmack­lich genau einzuord­nen. Dazu hat man, ger­ade was Liebe als The­ma ange­ht, doch viel Gepäck immer mit dabei.

Ob dieses Buch was für Sie ist, mein geneigter Leser, müssen sie selb­st her­auskriegen. Vielle­icht haben Sie durch die vor­ange­gan­gen Zeilen etwas Appetit bekommen.

Continue Reading

Guten Morgen

Morgenkaffee Heute ist also der Tag, an dem Con­ny Kramer starb Chris­t­ian Wulff als Bun­de­spräsi­dent kündigt — wenn man den ZDF-Infor­ma­tio­nen glaubt, ist das in etwa ein­er hal­ben Stunde der Fall. Dann schauen wir also alle mal inten­siv auf www.istChristianWulffnochimAmt.de [oder hier im ZDF-Livestream]. Bis dahin schauen wir Kalkofes let­zte Wulff-Par­o­die von heute — qua­si dem gemein­samen Abschluss.

Malte Weld­ing meint, Wulff wäre halt mit sein­er trotzi­gen Hal­tung ein Kind sein­er Gen­er­a­tion — mit Beto­nung auf Kind.

Wo wir ger­ade bei Woh­nungswech­sel sind: Sascha Lobo räumt auch seine Butze.

Und während ich mir die Frage stelle: Wird jet­zt eine Frau Bun­de­spräsi­dentin? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Continue Reading

Guten Morgen

Morgenkaffee

Dorin Popa merkt an, dass das ZDF anlässlich eines Fran­ka-Potente-Films Einzel­heit­en in der Biogra­phie Beate Uhses etwas beschöni­gen.

Fefe berichtet, dass man in Tope­ka, Kansas, aus finanziellen Grün­den erwägt, häus­liche Gewalt wieder und entkrim­i­nal­isieren. Land of the free.

Frédéric Valin führt seine bei Spree­blick begonnene Fuss­bal­lkolummne nun unter Zum blonden Engel.

Wo wir ger­ade bei neuen Blogs sind: Malte Weld­ing ist für die Berlin­er Zeitung unter die Liebeskaf­feesat­zleser gegan­gen.

Und während ich mir die Frage stelle: Hat das große Zurück-zu-den-Wurzel-Bloggen ange­fan­gen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Continue Reading

Guten Morgen

Morgenkaffee

Miri­am Meck­el beein­druckt die emo­tionale Reak­tion Hillary Clin­tons bei Betra­ch­tung der Tötungsak­tion zum Nachteil, wie die Juris­ten so sagen, von bin Laden.

Malte Weld­ing befasst sich mit dem Medi­en­spek­takel um den Kachel­man­nprozess und meint, Kachel­mann werde nicht verurteilt wer­den.

Felix Schwen­zel fragt, ob es absurd sei, sich über den SPIEGEL zu beschw­eren, wenn man dessen Infor­ma­tion­sliefer­un­gen dank Fil­ter­sou­veränität (noch so ein Wort) auch ein­fach ignori­eren kön­nte. Eine ähn­liche Idee hat Deef in Ein Herz für Selb­st­darsteller verfolgt.

Und während ich mir die Frage stelle: Wird man denn nicht noch den SPIEGEL kri­tisieren dür­fen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Continue Reading

Guten Morgen

morgenkaffee
Da hat die Kan­z­lerin aber ein­mal ein religiös­es Macht­wort gesprochen: Es stimme wie Bun­de­spräsi­dent Wulff sagt, dass der Islam zu Deutsch­land gehöre wie Chris­ten­tum und Juden­tum, er gehöre aber eben nicht zum Selb­stver­ständ­nis Deutsch­lands. Das ist dann wohl die CDU-Vari­ante von: Ich bin nicht frem­den­feindlich, aber ich mag keine Ausländer.
Malte Weld­ing befasst sich mit dem Buch von Stephanie Gut­ten­berg über sex­uellen Kindesmißbrauch und trifft auf ein Mach­w­erk aus der Kitschk­iste:

Frau zu Gut­ten­berg macht dabei etwas, das sie ver­mut­lich nicht beab­sichtigt. Indem sie einen Zusam­men­hang her­stellt zwis­chen Videos, die Kinder sich anse­hen, und sex­uellem Miss­brauch, wirkt es auf ein­mal, als kön­nten die Kinder etwas an dem an ihnen verübten Ver­brechen ändern, wür­den sie statt MTV den Kinderkanal anschauen. Das erin­nert dann doch arg an die Argu­men­ta­tion früher­er Verge­wal­ti­gung­sprozesse: Wenn die Frau doch einen Minirock trägt, dann ist sie halt sel­ber Schuld.
Natür­lich meint zu Gut­ten­berg das nicht so, sie denkt halt ein­fach nicht beson­ders scharf. Oder lassen Sie es mich fre­undlich­er for­mulieren: Sie ist erstaunlich unsortiert. Tim Ren­ner (unter anderem Pro­fes­sor an der Pop-Akademie Baden-Würt­tem­berg) weist darüber hin­aus darauf hin, wie sich Stephanie zu Gut­ten­berg geschmückt mit Teufelshörnchen auf einem AC/DC-Konz­ert fotografieren lässt und schließt, es sei völ­lig inakzept­abel „sich ein­er­seits des Rock’n’Rolls zu bedi­enen, wenn es darum geht, sich und den Gat­ten in der Öffentlichkeit als lustige CSU-Rebellen zu posi­tion­ieren und ihn dann zu miss­brauchen, um einen pop­ulis­tis­chen Beleg für The­sen rings um ein so schreck­lich­es Phänomen wie Kindesmiss­brauch zu haben“.

Michael Spreng bew­ertet die Infor­ma­tion, dass Wolf­gang Schäu­ble eine Rück­nahme ermäßigter Mehrw­ert­s­teuer­sätze ( z.B. “sieben Prozent Mehrw­ert­s­teuer für Ren­npferde, Schnit­tblu­men, Hun­de­fut­ter – und auch für die Hote­liers” ) zurück­genehmen will als schlechte Nachricht für die Bürg­er Deutsch­lands.
Und während ich mir die Frage stelle: Hat — genau genom­men — nicht Chris­t­ian Wulff durch sein Goethe Zitat Men­schen wie Merkel der zweis­chnei­di­gen Zunge deklar­i­ert? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.
[Foto: Luc van Gent]

Continue Reading

Guten Morgen

morgenkaffee

Heute legt Malte Weld­ing seinen ersten Blog­beitrag für Deus ex machi­na vor, ein Blog, das ich gestern noch kri­tisch betra­chtet habe. Seine Sprache ist aber, anders als gestern beschrieben, deut­lich angenehmer, schnell find­et er zum Punkt seines Anliegens, wenn auch offen bleibt, was Lothar Matthäus mit der Balz im Inter­net zu tun haben soll.

Der Erste und der Zweite Sen­at des Bun­desver­fas­sungs­gericht­es stre­it­en sich über die Frage, ob die Bun­deswehr im Inneren der Bun­desre­pub­lik einge­set­zt wer­den darf.

Sebas­t­ian Beck schreibt bei der Süd­deutschen Zeitung über das tot­geschwiegene Trau­ma: Polizis­ten wer­den per­sön­lich ange­grif­f­en und mit dieser psy­chis­chen Belas­tung alleine gelassen:

Pfeif­fer sagt, es laste Druck auf Polizis­ten, sich unbeein­trächtigt zu zeigen und männliche Härte auszus­trahlen. “Wer das nicht aushält, der läuft Ver­dacht, dass er ein Weichei ist.” Beamte, die im Dienst schw­er ver­let­zt wur­den, berichteten den Wis­senschaftlern aus Han­nover, wie sehr sie darunter gelit­ten hät­ten, dass sie im Kranken­haus keinen Besuch von Kol­le­gen bekom­men hät­ten. Pfeif­fer hat eine ein­fache Erk­lärung dafür: Das eigene Leid und das der anderen werde ein­fach ver­drängt. Viele Beamte laufen nach sein­er Beobach­tung mit einem “emo­tionalen Panz­er” durch die Gegend.

Und während ich mir die Frage stelle: Warum gibt es keinen Unter­richt zur Achtung vor staatlichen Ein­rich­tun­gen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

Continue Reading

Guten Morgen

morgenkaffee

Bay­erns Jus­tizmin­is­terin Merk ver­leit­et wieder ein­mal zu Kopf­schüt­teln: Killer­spiele, Kinder­pornogra­phie und die lais­sez-faire Poli­tik der FDP seien Schuld an Kindesmiss­brauchs­fällen wie auf Ame­land. Zuvor war sie dadurch aufge­fall­en, dass sie der sex­uellen Rev­o­lu­tion Mitschuld an Kindesmiss­bräuchen durch Priester gab.

Was die Junge Union kann, kön­nen die Lib­eralen schon lange: Malte Weld­ing hat die Hymne der Jun­gen Lib­eralen aus­ge­graben. Da weiß man irgend­wann wirk­lich nicht mehr, gegen welche Wand man als erstes Ren­nen soll.

Ein CDU-Lan­despoli­tik­er hat Geert Wilders nach Berlin ein­ge­laden und sorgt so für Zoff in der Hauptstadt.

Und während ich mir die Frage stelle: Wozu brauchen Jugend­parteien eigentlich Hym­nen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

Continue Reading

Das Gegen-Manifest

Das Berlin­er Jour­nal­is­mus-Man­i­fest ist gut gemeint und schlecht for­muliert. Viel zu schlecht, als dass man so den Ver­fassern abnehmen würde, sie seien im Jour­nal­is­mus son­der­lich her­aus­ra­gend. Und zumin­d­est diese Hürde hätte man sehen­den Auges über­sprin­gen müssen.
nullen
Jet­zt ret­tet man sich auf All­ge­mein­plätze, dass man ja wenig­stens eine Diskus­sion angeregt habe. Aber diese Diskus­sion bestand schon zuvor. Disku­tiert wird ja ger­ade nur, wer da in wessen Namen was über­haupt vertreten möchte. Man stellt sich in die Ecke der Du-bist-Deutsch­land-Kam­panger, der Kern­ers dieser Welt.
Da hil­ft es nichts zu sagen, man habe nur Behaup­tun­gen aufgestellt. Das ist eine Form der Feigheit, die dem Text gle­ich zu Beginn die Ern­sthaftigkeit nimmt: Wir haben nicht gesagt, wir verkün­den die Wahrheit, wir haben nur mal fix braingestormt.
manifest
Um zu zeigen, wie schwach diese Behaup­tun­gen sind, habe ich ein­fach mal die entsprechen­den Gegen­be­haup­tun­gen aufge­führt, sofern den Punk­ten nicht von alleine die Luft ausging.
1. Das Inter­net ist anders.
— Das Inter­net ist ein nor­males Medi­um. Die Nutzer wehren sich nur gegen Vereinnahmung.

2. Das Inter­net ist ein Medi­en­im­peri­um in der Jackentasche.

— Das Inter­net ist kein Medienimperium.

3. Das Inter­net ist die Gesellschaft ist das Internet.

— Das Inter­net ist nicht die Gesellschaft.

4. Die Frei­heit des Inter­net ist unantastbar.

— Die “Frei­heit des Inter­nets” ist (bspw. in Chi­na) dur­chaus antastbar.

5. Das Inter­net ist der Sieg der Information.

— Das Inter­net ist das Überange­bot von Infor­ma­tion. Infor­ma­tion ist ein Sam­mel­be­griff. Sam­mel­be­griffe kön­nen nicht “siegen”.

6. Das Inter­net verbessert den Journalismus.

— Das Inter­net ver­wässert den Jour­nal­is­mus. Die neuen Fron­ten im Inter­net brechen aber offen­bar Verkrus­tun­gen bei Ver­legern auf.

7. Das Netz ver­langt Vernetzung.

— Das Netz ver­langt gar nichts.

8. Links lohnen, Zitate zieren.

— Links lohnen nicht. Ver­link­t­sein lohnt.

9. Das Inter­net ist der neue Ort für den politschen Diskurs.

— Im Inter­net kann man Sachver­halte darstellen. Diskurse sehen anders aus.

10. Die neue Presse­frei­heit heißt Meinungsfreiheit.

— Presse­frei­heit heißt nach wie vor Pressefreiheit.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.

— Selb­stver­ständlich gibt es Too much infor­ma­tion. s. 5., s. 6.

12. Tra­di­tion ist kein Geschäftsmodell.

— Selb­stver­ständlich sind tra­di­tionell ori­en­tierte Geschäftsmod­elle Geschäftsmodelle.

13. Im Inter­net wird das Urhe­ber­recht zur Bürgerpflicht.

— Das Inter­net gener­iert keine Pflicht­en, schon gar keine Bürgerpflichten.
14. Das Inter­net ken­nt viele Währungen.
15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.

— Geschwurbel. Vgl.. Video killed the radio star.

16. Qual­ität bleibt die wichtig­ste Qualität.

— Nicht Qual­ität, Ver­net­zt­sein bleibt die wichtig­ste Qualität.
17. Alle für alle.
— Alle alle.
Und über­haupt: Man­i­festiert hat dieser Text gar nichts.
Kri­tik an der Kritik:
Es gibt Kri­tik an der Kri­tik des Man­i­festes. Es sei oft­mals zu aus­ge­lassen­em Hass gegenüber den Ver­fassern gekom­men. Das ist bedauer­lich, ich habe diesen Hass aber nicht gese­hen, ich lese aber auch nicht sämtliche Kom­mentare der einzel­nen Blogs.
Die patzige Rep­lik, Kri­tik­er kön­nten doch zeigen, wie es denn bess­er geht, missver­ste­ht erneut die Rolle eines Kri­tik­ers: Dieser darf sagen, dass ein Bild unschön ist, er muss aber nicht wis­sen, wie man Bilder malt.
Mein Text sollte nur zeigen, dass ein den The­sen ent­ge­gen gerichtetes Man­i­fest eben­so plau­si­bel rüberkom­men kann, es sollte selb­st kein Man­i­fest aus­rufen. Genau­so ist die Beze­ich­nung “Berlin­er Inter­net-Man­i­fest” keine Unter­stel­lung, dass alle Unterze­ich­n­er Berlin­er sind, son­dern, dass es sich hier um eine auf wenige Köpfe begren­zte Dar­legung handelt.
Mitun­terze­ich­n­er des ursprünglichen Man­i­festes räumten ein, man hätte nicht unbe­d­ingt von einem “Inter­net-Man­i­fest” reden sollen, son­dern nur von Behaup­tun­gen über Jour­nal­is­mus; sprich wed­er von Inter­net, noch von Man­i­fest. Wenn die Autoren also schon eingeste­hen, dass sie die Bedeu­tung der Anfangsworte nicht genau auf dem Schirm hat­ten, muss die Frage erlaubt sein, ob sie denn den Rest auf dem Schirm hat­ten, und was genau dieser Rest ist. Eine solche Kri­tik aufzustellen ist berechtigt und kommt ohne Angriffe auf irgen­deine Per­son aus.
______________________________________________________
Lesenswert:
Bloggen für den Welt­frieden:  Das Man­i­fest gegen das Man­i­fest und gegen das Gegen-Manifest
Don Dahlmann: Die fehlende Brücke
Dragstrip­girl: Das Inter­net-Man­i­fest
F!XMBR: Hur­ra, wir haben ein Internet-Manifest
Freak­show: Blogi­man­i­fest
Julia Seel­iger: Bitte redet über Geld
Malte Weld­ing: Das Inter­net-Man­i­fest, Addendum
MH120480: Das Inter­net-Man­i­fest und das mh
wirres.net: 17 Behaup­tun­gen

Continue Reading