Westfälisch – deutsch, deutsch – westfälisch (1)

Die deut­sche Spra­che hat über die Jahr­hun­der­te hin­weg im West­fä­li­schen und im angren­zen­den nie­der­säch­si­schen Raum eine eige­ne Sprech­wei­se erlangt, wes­we­gen man in West­fa­len auch sagt, man spre­che hier nicht so rich­ti­ges Hoch­deutsch, das wäre nur im Raum Han­no­ver der Fall.
Um Zuge­zo­ge­nen und sons­tig Inter­es­sier­ten einen klei­nen Blick in die sprach­li­che Eigen­ar­ten des West­fä­li­schen zu geben, hier der ers­te Teil von West­fä­lisch — deutsch, deutsch — west­fä­lisch:

  • Lek­ti­on 01: Die Erwei­te­rung von Kaf­fee-Ver­ben mit ’nach’
  • Lek­ti­on 02: Drum­zu
  • Lek­ti­on 03: Mit jeman­dem kra­men kön­nen
  • Lek­ti­on 04: Du kriegst die Tür nicht zu
  • Lek­ti­on 05: Das darf doch nicht War­stein!
  • Lek­ti­on 06: Etwas jeman­dem aus­kom­men
  • Lek­ti­on 07: Völ­lig Bana­ne sein
  • Lek­ti­on 08: Pröd­deln
  • Lek­ti­on 09: Tacken und Ocken
  • Lek­ti­on 10: Der Eumel
  • Was ich noch sagen wollte zur… Ideenlosigkeit der NRW-FDP

    Man könn­te fast schon Mit­leid haben mit der NRW-FDP. Kei­ner will mit ihr so recht koalie­ren, die Umfra­ge­wer­te sind im Kel­ler und eige­ne Ideen sind, wenn nicht vor­han­den, dann nicht ver­kauf­bar.
    Weil nichts ande­res ver­füg­bar ist, plat­ziert man ein selbst­aus­ge­füll­tes, an Lan­ge­wei­le kaum zu über­bie­ten­des Inter­view mit Andre­as Pink­wart auf die eige­ne Inter­net­sei­te. Nicht ein­mal Jour­na­lis­ten scheint inten­si­ver zu inter­es­sie­ren, was die NRW-FDP gera­de macht und was sie will, wenn sie denn was will.
    Die mit Abstand hirn­ris­sigs­te Idee bis­her war aller­dings, sich eine gera­de gehö­rig abge­watsch­te CDU-Akti­on unter den Nagel zu rei­ßen, sie auf die Par­tei, die ihr gera­de am unlieb­sams­ten erscheint, umzu­mün­zen und damit durchs Land zu fah­ren:

    Im Fuß­ball nennt man sowas einen ver­dien­ten Abstei­ger, der völ­lig über­rum­pelt wor­den ist, einen eige­nen Wahl­kampf zu füh­ren. Sowas konn­te ja auch nie­mand ahnen.
    Aber was soll auch über­haupt dabei her­um kom­men, wenn eine Par­tei, die der­zeit so mie­se Sym­pa­thie­wer­te hat wie die FDP einen Angst­wahl­kampf for­cie­ren will, ohne eige­ne Alter­na­tiv­ideen ver­ständ­lich zu machen? Du und ich — wir wissen’s nich’!

    Was ich noch sagen wollte zu… den pietätlosen Metaphern des Kölner Stadtanzeigers

    Es ist nicht lan­ge her, da jaul­te man bei Neven Dumont über den kri­seln­den Qua­li­täts­jour­na­lis­mus und das nicht zu knapp. Aller­dings kri­selt es intern schon, dass sich die Bal­ken bie­gen, noch bevor die Kri­se rich­tig zuge­schla­gen hat: In einem Text über den 1. FC Köln fand man fol­gen­de Wor­te:

    Der Kar­ne­vals­ver­ein, der Han­no­ver 96 zuletzt so gna­den­los über­roll­te wie ein Regio­nal­ex­press einen Lebens­mü­den, ist gegen Her­tha BSC eben­falls eher Außen­sei­ter, wenn man die Sta­tis­tik zu Rate zieht.

    und ersetz­te die­se Stel­le nach Leser­be­schwer­den mit fol­gen­dem Geschwur­bel:

    Der Kar­ne­vals­ver­ein, der Han­no­ver 96 zuletzt so übel zurich­te­te wie Mel Gib­son sei­nen Jesus-Dar­stel­ler, ist gegen Her­tha BSC eben­falls eher Außen­sei­ter, wenn man die Sta­tis­tik zu Rate zieht.

    Wenn man dann aber noch schreibt:

    Lie­be Leser, die Redak­ti­on hat die­sen Text nach zahl­rei­cher Leser­kri­tik über­ar­bei­tet. Eine For­mu­lie­rung war als Anspie­lung auf den Selbst­mord des Tor­hü­ters Robert Enke ver­stan­den wor­den. Wir bit­ten hier­für um Ent­schul­di­gung.

    darf ja wohl die Fra­ge gestat­tet sein: Wie soll­te die­se Aus­sa­ge in bezug auf Han­no­ver 96 denn bit­te­schön anders ver­stan­den wer­den sol­len? Und wor­auf und an wen rich­tet sich die Ent­schul­di­gung denn genau? Für eine Inter­pre­ta­ti­on der nicht ein­leuch­ten­de­ren Jesus-Meta­pher wäre der gemei­ne Köl­ner Stadt­an­zei­ger ‑Leser bestimmt auch ganz schön dank­bar.

    Ein sol­ches Ver­grau­len von Lesern ist ja nahe­zu vor­sätz­lich. War das das Ziel? Du und ich — wir wissen’s nich’.

    Mädels von der Straße

    Das Tumb­lr Foto­blog “The Street” sam­melt Schnapp­schüs­se und Poli­zei­fo­tos von Pro­sti­tu­ier­ten, Stra­ßen­mäd­chen, Crack­hu­ren, Zuhäl­te­rin­nen und ande­ren Frau­en, deren Gesich­ter Geschich­ten erzäh­len. Ernüch­ternd, aber the­re are streets like this in every town. Die Stra­ße.

    Was ich noch sagen wollte zu… den Blogversuchen des ZDF

    Ja, wenn gestan­de­ne Jour­na­lis­ten neue Tech­ni­ken erler­nen, dann kann das cool sein. Das kann auch nur cool schei­nen, so wie beim ZDF. Denn dort will man auch irgend­wie mit­blog­gen. Das heisst, eigent­lich will man nur Tex­te online stel­len, Mei­nun­gen raus­hau­en, als hohe­iti­ge Mei­nungs­ma­cher gel­ten. Authen­ti­sche Blog­ger reagie­ren selbst auf Leser. Sowas will man beim ZDF natür­lich nicht, das wäre ja Arbeit.

    So muss sich das das ZDF auch beim Blog­ar­ti­kel über das Sper­ren von kin­der­por­no­gra­fi­schen Sei­ten von Patri­cia Wie­demey­er gedacht haben. Die­ser Arti­kel ist ein Mus­ter­bei­spiel an Unin­for­miert­heit über das The­ma und des­sen Aus­wir­kun­gen. Aber beim Fern­se­hen kann man das eigent­lich ja machen. da spricht man ja nur in die Kame­ra, da gibt es ja kei­ne Wider­wor­te. In Blogs nun lei­der aber schon, und so sam­mel­ten sich hun­der­te Kom­men­ta­to­ren unter die­sem Arti­kel, die mit der Ansicht der Autorin nicht ein­ver­stan­den erklär­ten.

    Und was macht nun das ZDF? Das ZDF beauf­tragt einen ein­ge­kauf­ten Blog­ger, die Kas­ta­ni­en aus dem Feu­er zu holen, die Frau Wie­demey­er da rein­ge­wor­fen hat:

    zdfblog

    Die­ser war zuvor für die­ses Blog gar nicht vor­ge­se­hen, jeden­falls ist er hier noch nicht ein­ge­bet­tet, dort aber schon. Und wie­so wer­den nur Blog­ger ange­schrie­ben, nicht stink­nor­mal irri­tier­te Leser? Und wie­so mel­det sich die ZDFheu­te-Redak­ti­on?

    Man mag ein­wen­den, dass die über Netzpolitik.org ange­schwemm­ten Leser in ihrer Viel­zahl etwas mas­siv erschei­nen, aber argu­men­ta­tiv hät­te sich ruhig die eigent­li­che Autorin zu Wort mel­den kön­nen.

    So wird der Aus­flug jeden­falls nichts, lie­bes ZDF. Man kann sich Sach­kom­pe­tenz nicht gren­zen­los ein­kau­fen. Und man kann eben­so­we­nig per­ma­nent zur Gesichts­wah­rung ande­re vor­schie­ben.

    Was ich noch sagen wollte zu… öffentlich-rechlichem Metapherslang


    Kat­rin Brand spricht heu­te beim WDR 2 Klar­text über
    Sci­ence-Fic­tion-Film
    Maga­zi­ne
    Ali­ens
    Kämp­fer
    wab­be­lig
    Figh­te­rin
    Unge­tüm
    die Welt ver­bün­de­te sich mit ihr
    das Wich­tigs­te über­haupt
    Quä­lern und Kun­den
    Unge­tüm Inter­net
    schmerz­haf­te Breit­sei­te
    zöger­li­che Bun­des­re­gie­rung
    Frei­zeit-Sur­fer
    Zen­sur oder Ein­griff in die Mei­nungs­frei­heit
    Kin­der­por­no­gra­fie
    nie, unter kei­nen Umstän­den

    … und das alles, sage und schrei­be, in der Rekord­zeit von einer Minu­te und 48 Sekun­den.
    Lie­be Frau Brand, Sie haben ver­ges­sen, fol­gen­de Begrif­fe in ihren sci­ence-fic­tion-las­ti­gen Text mit ein­zu­bau­en:
    Psiuuuu, Peng, Öff-öff, Kats­chaoo, Oink, unend­li­che Wei­ten, Nur du kannst die Welt ret­ten, Mafia­ge­bah­ren, zwusch, das Böse, Kämp­fen für Frei­heit und Gerech­tig­keit, die armen Kin­der, das Hei­ligs­te, das Gute muss sie­gen, schutz­los aus­ge­lie­fert, jedes Mit­tel recht, wehr­haf­te Demo­kra­tie darf nicht weg­schau­en.
    Wenn ihren Text irgend­je­mand ernst neh­men soll, dann ver­sach­li­chen Sie doch bit­te ihre Wort­wahl und ori­en­tie­ren Sie sich am gewon­ne­nen Niveau der Dis­kus­si­on über das The­ma. Möge die Macht mit Ihnen sein! Yee­ha.
    [via]

    Was ich noch sagen wollte zu… Sinnsprüchen


    Tra­di­tio­nell erfolg­rei­che Sinn­sprü­che krie­gen Kin­der oft schon von Früh auf an den Kopf gewor­fen. Die­se sol­len wohl auf Grund ihrer pro­sa­ischen Form irgend­wie schön ver­pack­te Wahr­hei­ten dar­stel­len. Das passt aber oft gar nicht. Hier mal ein paar Bei­spie­le:
    Es gibt kei­ne dum­men Fra­gen, es gibt nur dum­me Ant­wor­ten.
    — Natür­lich gibt es dum­me Fra­gen!
    Leh­rers Kin­der, Pas­tors Vieh — gedei­hen sel­ten oder nie.
    — Naja. Und über­haupt: Was ist denn mit Pas­tors Kin­dern, hä?
    Du darfst alles machen, du darfst bloß nicht auf­fal­len.
    — Man darf sicher­lich nicht alles machen. Dage­gen soll­te man in Kauf neh­men auf­zu­fal­len, wenn eine Sache dies erfor­dert.
    Wer ein­mal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahr­heit spricht.
    — Vor­ur­tei­le wer­den in Reim­form auch nicht bes­ser.
    Das Leben ist wie eine Pra­li­nen­schach­tel: Man weiss nie, was man bekommt.
    — Den hab ich echt noch nie ver­stan­den. Das steht bei Pra­li­nen­schach­teln doch hin­ten immer genau drauf, was drin ist.
    Du und ich, wir wissen’s nich’!
    - Läuft außer Kon­kur­renz.

    Was ich noch sagen wollte zu… Johannes B. Kerner


    Es ist gera­de mal ein hal­bes Jahr her, da war der Johan­nes Bap­tist Ker­ner, damals noch als Cool­ness­fak­tor des ZDF leger JBK genannt, nicht son­der­lich gut zu spre­chen auf die Inter­net­platt­form Twit­ter. Gemein­sam mit Stef­fen Sie­bert gei­ßel­te er den Inter­net­dienst qua­si als Zei­chen moder­ner Deka­denz. Twit­ter sei, so Ker­ner,

    ein völ­li­ger Unsinn, zumin­dest völ­lig gehalt­los für jour­na­lis­ti­sches Arbei­ten, und ich hof­fe, ins­be­son­de­re die Anwe­sen­den, haben nichts dage­gen, wenn ich die­sen Affen…

    Eine gefak­te Twitter-Johannes‑B.-Kerner-Seite sei

    die Gren­ze des Erträg­li­chen

    Und heu­te? Heu­te ist Ker­ner bei Sat1 den Berg der Bedeu­tungs­lo­sig­keit her­un­ter­ge­pur­zelt. Die Mar­ke ZDF war offen­sicht­lich wich­ti­ger für die Mar­ke Ker­ner als umge­kehrt. Die Zuschau­er­zah­len wol­len und wol­len nicht anstei­gen und was macht man da? Na?
    Man bet­telt bei Twit­ter um Auf­merk­sam­keit und Inhal­te:
    kernertwitter
    Ist man bei Sat1 inzwi­schen so weit, dau­er­haft an die Gren­ze des Erträg­li­chen zu gehen? Und ist Stef­fen Sie­bert von der Exis­tenz  sei­ner  Twit­ter-Sei­te unter­rich­tet? Du und ich — wir wissen’s nich’!

    Was ich noch sagen wollte zu… Multitasking

    Gera­de ist die Lei­su­re Time Stu­die raus, die besagt, dass Jung-Deutsch­land ent­ge­gen ande­rer Ver­mu­tun­gen unge­mein Mul­ti­tas­king fähig sein soll. Also nicht nur die Frau­en.

    Ande­rer­seits ist in einer Stu­die von vor 2 Jah­ren ja schon raus­ge­fun­den wor­den, dass Mul­ti­tas­ker leicht Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten bekom­men, weil die immer alles nur so halb machen und sel­ten eine Sache allein rich­tig.

    Das mit dem Mul­ti­tas­king gehört also auf den­sel­ben Müll­hau­fen, auf dem vor kur­zem schon der Body-Mass-Index gelan­det ist. Auch wenn die Poli­zei da wohl immer noch dran glaubt. Man muss eben nur dran glau­ben. Viel­leicht tes­ten die die ange­hen­den Poli­zis­ten auch auf Mul­ti­tas­king­fä­hig­keit.

    Irgend­wann kom­men die mit ihren Stu­di­en da drauf, dass man ein­fach dar­auf ach­ten soll­te, sei­ne Sachen gut zu machen. Aber … Du und ich — wir wissen’s nich’!

    Kurz zur nervigen Inkompetenz von Blödzeitung und Spiegel in Sachen Sandra Bullock

    Spie­gel Online beginnt sei­nen ers­ten Arti­kel zur angeb­li­chen Affä­re des Man­nes von San­dra Bul­lock wie folgt:

    Unver­ges­sen ihre trä­nen­rei­che Dan­kes­re­de bei der Oscar-Ver­lei­hung: San­dra Bul­lock schwärm­te von ihrem Ehe­mann Jes­se James.

    Auch BILD, das Qua­li­täts­me­di­um aus dem Hau­se Sprin­ger, weiss:

    Noch letz­te Woche soll Jes­se sei­nem Tat­too-Luder geschrie­ben haben: „Ich den­ke an dich heu­te mor­gen.“ Das war am 14. März – weni­ge Tage nach­dem San­dra Bul­lock ihren Gat­ten nichts ahnend in ihrer Oscar-Rede erwähnt hat­te.

    Und was könn­te hier­an falsch sein? Röch­töööööööch: San­dra Bul­lock erwähnt ihren Mann bei der Dan­kes­re­de für ihren Oscar über­haupt nicht:


    Ja, unver­ges­sen, lie­ber Spie­gel. Und was das nichts ahnend angeht, lie­be Bild, bit­te den Blick ab der 9. Sekun­de noch­mal genau anschau­en.