Frank Schirrma­ch­er hat sich wieder mit den mod­er­nen Medi­en auseinan­der geset­zt und set­zt zu ein­er weit­eren Endzeitkri­tik an: Schwellen­jahr 2010.
Es ist ein ger­adezu typ­is­ch­er Schirrma­ch­er-Text, so typ­isch, dass man das Vorge­hen Schirrma­ch­ern nen­nen kann: Man winke sich ein paar Gegeben­heit­en aus einem Sach­bere­ich her­an, mache einen Bere­ich aus, der diesen Sach­bere­ich bet­rifft, unter­stelle, dass noch nie­mand diesen Son­der­bere­ich gut genug ver­standen habe, obwohl genau durch diesen entschei­dene Verän­derun­gen zu erwarten sind. Ein paar Zitate von ernan­nten Experten und Geis­teswis­senschaftlern dazu — Fer­tig ist die Laube.
In diesem Text sind die Gegen­stände Google, Twit­ter, die Zeitun­gen, das Inter­net, die Nutzer, der inter­netab­hängige Bürg­er, der Fre­und, der Arzt, die Ein­wan­derungs­be­hörde.
Der Son­der­bere­ich ist Der Algo­rhit­mus von Google. Den ken­nt halt nie­mand, so Schirrma­ch­er, was ihn auch dazu ver­an­lasst von den Algo­rith­men von Google zu sprechen. Was Schirrma­ch­er damit meint und warum das so gefährlich ist, dass das nie­mand ken­nt, ver­rät er nicht.

Vielle­icht meint er die gelis­tete Platzierung von Tex­ten durch Google als Such­mas­chine, bei dem die Hier­ar­chie der Ord­nung dem Benutzer nicht klar ist. Aber warum ist das so prob­lema­tisch, der Benutzer kann doch selb­st weit­er­suchen nach Tex­ten, die er für qual­i­fiziert­er hält. Ein biss­chen mehr Sacher­läuterun­gen wären an dieser Stelle ger­ade für FAZ-Leser, die nicht mit jedem Inter­net-Begriff ver­traut sind, Gold wert.
Auch anson­sten ist unklar, weswe­gen das Prob­lem, das Schirrma­ch­er da vor Augen hat, sich so über­haupt als Prob­lem darstellt und für wen. Von Twit­ter als Echtzeitmedi­um hoppst er anfangs flux zu Google, das ja ger­ade das Echtzeit­medi­ale völ­lig ver­schlafen hat. Über­haupt funk­tion­iert Schirrma­ch­ers Text nur, wenn man unter­stellt, Google sei ein immer weit­er erfol­gre­ich um sich greifend­es Unternehmen. Oder wie Schirrma­ch­er phan­tasiert: Ein Regis­seur unseres Lebens.
Unser aller Big Broth­er, Herrsch­er über das, was uns zu entschei­den doch eigentlich obliegt. Ver­lassen wir aber diese Feuil­leton-Fic­tion, so sieht man sich gle­ich der Frage aus­ge­set­zt, ob nicht Schirrma­ch­ers Text selb­st eine Grund­hal­tung verkör­per­licht, die das Jam­mern der Ver­fechter eines ange­blich unterge­hen­den Qual­ität­sjour­nal­is­mus’ aus­macht:
So ein Text als Blo­gein­trag eines unbekan­nten Ver­fass­er würde kaum jemand ern­sthaft lesen. Dazu ist er schlicht zu chao­tisch was den ver­han­del­ten Gegen­stand bet­rift, zu selb­st­ge­fäl­lig und zu lang. Aber im Feuil­leton der Frank­furter All­ge­meinen Son­ntagszeitung kommt sowas auf der ersten Seite, bewor­ben dazu auf der Front­seite des Son­ntag­blattes.
Das Inter­net, und nicht nur Google, nimmt der­ar­ti­gen Tex­ten, die nicht an sich überzeu­gen, son­dern für eine größere Aufmerk­samkeit medi­al gepusht wer­den müssen, etwas von dieser Push-Möglichkeit.
Was kön­nte dem Qual­ität­sjour­nal­is­mus besseres passieren?

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Robert Basic möchte mal wieder etwas eher Idelles verkaufen: Seinen Twit­ter-Account @robgreen. Das darf man eigentlich gar nicht, aber lassen wir das erst­mal vorne vor. Es war schon damals eine befremdliche Idee, einen Blog zu verkaufen, einen Twit­ter-Account zu verkaufen ist um so selt­samer.
Aber verkaufen darf man den, wenn man’s darf. Wegen mir kann man so ziem­lich alles verkaufen. Von daher stellt sich eher die Frage, was man Gescheites zu diesem Verkauf sagen soll. Ob es tat­säch­lich jeman­den gibt, der 50.000€ sprin­gen lässt für unter 5000 Fol­low­er? Dann wäre jed­er Fol­low­er 10€ wert. Das heisst: Jede Fol­lower­beziehung. So richtig gesprochen hat Basic ja mit den Wenig­sten.
Diese Masse an Unange­sproch­enen mögen dass aber nicht, Teil­beziehung eines Verkauf­ser­lös­es zu sein, was sich imm, Besucher­rück­gang des heuti­gen Tages wieder­spiegelt:
backtobasic
Aber zurück zur Frage ob sich etwas Sinns­tif­ten­des sagen lässt zur Verkauf­sak­tion, schließlich wirbelt es ordentlich im Blät­ter- und Blog­ger­wald.
Gibt es eine moralis­che Ver­w­er­flichkeit, deren sich Basic schuldig macht?
Wohl kaum, jed­er ander­er kann ja genau­so gut gegen die Twit­ter-AGBs ver­stoßen und einen Preis für seinen Account erheben.
Ist das ein redlich­er Preis?
Fol­low­er bei Twit­ter sind schon etwas anderes als Feedleser. Man nimmt als Fol­low­er oft nur zufäl­lig auf, was der Gefol­gte da ab und an von sich gibt. An den Lip­pen eines Twit­ter­ers hän­gen die wenig­sten. Für moni­tarisier­bar halte ich die Fol­lower­beziehung ohne den­jeni­gen, der als Grund des Fol­gens einst dien­ste, nicht. Insofern ist kein Preis als angemessen betra­cht­bar. Aber man hat schon Pferde kotzen sehen, vielle­icht gibt es irgend­je­man­den, der Geld hat und mit not­falls der Rede vom Spenden-für-einen-guten-Zweck Geld sprin­gen lässt.
Was ist denn der gute Zweck, der hier ver­gold­et wer­den soll?
Das hat bis heute wohl auch noch kein­er so ganz ver­standen. Basic bastelt mit ein­er kleinen Gruppe an Buz­zrid­ers, einem Pro­jekt durch dass die schöne, neue Web‑2.0‑Welt irgend­wie in die Prov­inz gebracht wer­den soll. Vielle­icht will die Prov­inz das gar nicht. Bish­er ste­ht als Ergeb­nis nur ein Word­Press-Theme zum Down­load, zu dem es nun wirk­lich ästhetisch ansprechen­dere Alter­na­tiv­en zur Auswahl ste­hen.
basicwitz
Ist das Ganze nun nichts weit­eres als ein schlechter Witz? Ein über­flüs­siges The­ma?
Für jeden, den Twit­ter gar nicht inter­essiert, ist es in der Tat ziem­lich egal. Den­noch fühlen sich eine ganze Rei­he von Twit­ter­ern auf den Schlips getreten. Warum? Wohl weil sie sich irgend­wie ver­rat­en fühlen. Für viele ist Twit­ter eine sehr per­sön­liche Sache, ein Aus­druck eigen­er sub­jek­tiv­er Hal­tung. Und sowas kann man nicht verkaufen. Insofern ist ein Twit­ter-Account ohne den dazuge­höri­gen Twit­ter­er gehalt­los, kaum jemand hängt an alten Tweeds. Das mag bei Blogs und deren alten Blo­gein­trä­gen noch etwas anders ausse­hen.
Es scheint mit diese gedankliche Wider­sprüch­lichkeit zu sein, die Twit­ter­er stört. Natür­lich wird bemüht anderen Neid zu unter­stellen, aber noch ist ja nichts verkauft, Neid kann also noch gar nicht auf irgen­det­was gerichtet sein.
Was bedeutet der Verkauf für Basic?
Zunächst ein­mal ver­liert Basic wohl erneut etwas von sein­er Rep­u­ta­tion, wenn man bei ihm von so etwas sprechen möchte. Nach dem Verkauf von basic-thinking.de hat er aber schon kein­er son­der­liche Rolle mehr als Blog­ger­er gespielt. Ein Erfolg ist Buz­zrid­ers noch nicht. Vielle­icht kommt das noch. Es wäre ihm vielle­icht irgend­wie zu wün­schen. Denn ewig wird man heisse Luft nicht verkaufen kön­nen.
mehr
Der­West­en: Robert Basic will seinen Twit­ter-Account verkaufen. Ein Inter­view.

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Ist der alte Geis­ter­fahrer-Witz noch bekan­nt? Durchs Autora­dio kommt die Mel­dung, dass einem auf der Auto­bahn, auf die der Fahrer sich befind­et, ein Geis­ter­fahrer befind­et. Woraufhin der Aut­o­fahrer meint: “Ein­er? Hun­derte!”
Eben­so hat sich Springer-Chef Döpfn­er im Man­ag­er-Mag­a­zin seine Mei­n­ung zurecht gez­im­mert. Ein Jahrzehnt lang haben Ver­lage die dumme Idee beherzigt, Inhalte gratis online anzu­bi­eten. Damit müsse nun Schluss sein, der­ar­tige Ideen seien die von Web-Kom­mu­nis­ten.
webkommunist
Na, also, wenn man bei Springer noch nicht mal mehr das Belei­di­gen ander­er vernün­ftig hin­bekommt, ist da wohl tat­säch­lich langsam Krisen­stim­mung. Das hat schon mal wesentlich bess­er funk­tion­iert.
Aber noch mal kurz Herr Döpfn­er im Wort­laut:

Es kann nicht sein, dass die dum­men Old-Econ­o­my-Guys für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Tech­nol­o­gy-Guys sie ein­fach stehlen und bei ihren Wer­bekun­den ver­mark­ten.

Voll gemein, du. Dass die Old-Econ­o­my-Guys den High-Qual­i­ty-Con­tent ihrer Inter­net-Pages in Parts auf den Pages der New-Tech­nol­o­gy-Guys gemoved wiederfind­en, das ist so com­plete­ly fucked up, dass lässt sich not even more in deutsch­er Sprache aus­pushen.
Abge­se­hen davon passiert das ja gar nicht. Google ver­mark­tet keine Artikel ander­er bei seinen Kun­den. Döpfn­ers Kri­tik an den Ver­la­gen, dass es für das Inter­net noch immer kein tragfähiges Wirtschaft­skonzept gibt, dass Jour­nal­is­ten bess­er gefördert wer­den müssten, ist so falsch nicht. Aber eine Beherzi­gung dieser Kri­tik ger­ade im eige­nen Hause ist den Springer-Leuten doch ein­fach nur zu wün­schen.
Den schwarzen Peter anderen Ver­la­gen und den Web-Kom­mu­nis­ten, wer immer sich dadurch ange­sprochen fühlen soll, zu sehen ist aber nur Ausweis der eige­nen verzweifel­ten Lage. Man glaubt wohl auch beim Axel-Springer-Ver­lag nicht, dass die paar kostenpflichti­gen Artikel, die bei Berlin­er Mor­gen­post und Ham­borg­er Abend­blatt nun kauf­bere­it da ste­hen, grundle­gende Verän­derun­gen her­vor­brin­gen wer­den.
Diesen Punkt kann Döpfn­er nicht machen. Es gibt genü­gend kosten­lose Inhalte, die im Inter­net frei ver­füg­bar ist. Das Schöne am Inter­net ist, wenn es da Lück­en gibt, kann jed­er Benutzer selb­st in diese Lücke sprin­gen.
Ander­er­seits haben Buchver­leger immer auf ihr Kul­turgut ver­traut und sind von Wer­bung und ander­weit­igem kosten­losen Lesev­ergnü­gen weit weniger abhängig, auch wenn ihnen Krisen­zeit­en nicht unbekan­nt sind. Leute kaufen eben immer noch Büch­er wegen der Qual­ität­ser­wartung, die sie mit ihnen verbinden und die sie offen­sichtlich oft genugt bestätigt bekom­men.
Sofern das für Zeitungsver­lage nicht gilt, muss man sich wohl ein­fach nach zusät­zlichen Einah­me­quellen umse­hen:
idoepfner

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Wenn es das Ziel der CDU derzeit wäre, all das, was sie sich selb­st als Kernkom­pe­ten­zen zuschreibt, nach­haltig zu beschädi­gen, sie kön­nte derzeit wohl nicht erfol­gre­ich­er sein:
Die Wirtschaft­skom­pe­tenz, als deren größtes Beispiel Bay­ern immer herange­zo­gen wurde, ist eben dort als Dil­letan­tismus geoutet wor­den, für den der bayrische Steuerzahler noch Jahre schmer­zlich büßen wird.
Bei der Beset­zung der Min­is­ter­posten zeigte Merkel zunächst bei Schäu­ble auf erschreck­end erbärm­liche Weise, dass das Ver­fahren zur Beset­zung dieses Postens, rein­er eigen­er Parteilob­by­is­mus gewe­sen ist…
10jahrespendenaffaere
… nur um es bei der Beset­zung des Fam­i­lien­min­is­teri­ums erneut zu wieder­holen.
Kurz nach der Bun­destagswahl gab Wolf­gang Schäu­ble zu, dass die Härte, die man im Zuge der Durch­set­zung des Inter­netsper­rver­fahrens an den Tag legte, auch nur der Pro­fil­ierung der eige­nen Partei diente, nicht dem The­ma.
Und schließlich ist es das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um, bei dem sich so langsam die Frage auf­drängt, ob der Parteilob­by­is­mus der CDU auf Kosten von Men­schen­leben geht. Die Süd­deutsche Zeitung schreibt hierüber unter der Über­schrift In diesem ehren­werten Haus, die den ver­fehlten Anspruch kennze­ich­net, vorgestern in ein­er Weise, die fast schon zynisch ist:

Als “Lot­ter­haufen” werde das Min­is­teri­um beschrieben, sagt ein­er aus der Mitte dieses Haufens, was ein­er­seits nicht gerecht sei, ander­er­seits aber habe es schon mas­sive Ver­w­er­fun­gen gegeben unter der Nicht-Führung des Min­is­ters Franz Josef Jung. “In einem des­o­lat­en Zus­tand sei das Haus”, sagt ein ander­er, voller Fürsten­tümer und Kön­i­gre­iche, vom Mis­strauen zer­set­zt, mil­itärisch verun­sichert. Als Grund dafür wird die Regentschaft von Jung angegeben, “den man am lieb­sten gar nicht ein­be­zo­gen hat aus Angst, dass er wieder alles versem­melt”.

Im Artikel Die Höhe kommt Jungs Nach­fol­ger Gut­ten­berg nicht viel bess­er weg:

Als Gut­ten­berg ein paar Wochen im Wirtschaftsmin­is­teri­um gewirkt hat­te, sagte ein Hochrangiger dort, man wisse zwar nicht genau, was er mache, aber alle fän­den ihn net­ter als den Glos. Gut­ten­berg wird Erfolg zugeschrieben, bevor er noch Erfolg nach­weisen kann. Man nimmt ein­fach an, dass der Erfolg in der Nähe von Män­nern — gibt es diesen Typ eigentlich auch bei Frauen? — wie Karl-Theodor zu Gut­ten­berg wohnen muss.

Nun ist Gut­ten­berg aber gar nicht selb­st­tätig so hoch gestiegen, son­dern er ist der Fall jenes Berg­touris­ten, der von Führern auf alle möglichen Gipfel gebracht wird. Als Horst See­hofer in ein­er per­son­ell wie poli­tisch bemerkenswert mar­o­den CSU nach neuen Leuten, einem Gen­er­alsekretär, suchte, fand er Gut­ten­berg. Als Michael Glos aus dem Wirtschaftsmin­is­teri­um floh, fan­den See­hofer und damit auch Angela Merkel wiederum: Gut­ten­berg. Und als Merkel sehr schnell einen Nach­fol­ger für Jung brauchte, den sie auch in ihrer zweit­en Kan­zler­schaft wider besseres Wis­sen im Amt hal­ten wollte, da stand schon wieder bere­it: der mit­tler­weile pro­fes­sionelle Nach­fol­ger Gut­ten­berg. Es mag sein, dass er im kurzfristi­gen Übernehmen von Ämtern viel bess­er ist als im langfristi­gen Führen dieser Ämter. Beim Übernehmen näm­lich zählt der äußere Ein­druck.

Über­haupt zählt bei der CDU ja nur noch der Ein­druck: Christliche Werte und demokratis­che Prozesse sind so weit an den Rand gedrückt, wie sel­ten zuvor und eigentlich nur noch schmück­endes Bei­w­erk. Aber die Blöße, dass Parteilob­by­is­mus die ersten bei­den Buch­staben der Partei längst über­flügelt hat, will und kann sich bei der CDU sicher­lich nie­mand geben. PU macht jet­zt auch als Begriff nicht so einen schick­en Ein­druck.
Passend zum idee­len Ausverkauf der Partei unter­sucht nun nach der Süd­deutschen Zeitung (“Ohne ihr Net­zw­erk aus Uni, Poli­tik und pri­vatem Umfeld wäre die Min­is­terin nicht Frau Dok­tor. ”) auch der Deutsch­land­funk die Dok­torar­beit von Kristi­na Köh­ler und meint:

Um es gle­ich vor­weg zu sagen: Nie­mand sollte 39,95 Euro für dieses Buch aus­geben.

Die Arbeit ver­gle­icht Hal­tun­gen von CDU-Mit­gliedern, die im Bun­destag sitzen, mit solchen CDU-Mit­gliedern, die nicht im Bun­destag sitzen. Die Grun­dan­nahme ist also, es verän­dert sich in der Hal­tung etwas, wenn sie im Bun­destag sitzen. Und aus diesem Unter­schiedsver­hält­nis will Köh­ler Schlüsse ziehen, was rein wis­senschaftlich betra­chtet, vol­lkom­men boden­los ist. Aus Umfragezetteln kön­nen Sie nur sin­nvoller­weise das dort Angekreuzte wiedergeben, alle weit­eren Rückschlüsse sind willkür­liche Speku­la­tio­nen, die eher das wiedergeben, was der Speku­lant daraus erschliessen will.

Im Kern soll­ten die Befragten sagen, was ihnen wichtiger ist: Frei­heit oder Gle­ich­heit. Das Ergeb­nis war vorherse­hbar: Natür­lich ist Gle­ich­heit für Mit­glieder und Bun­destagsab­ge­ord­nete der CDU weniger wichtig als Frei­heit. Wobei Frei­heit im Sinne von Kristi­na Köh­lers Unter­suchung vor allem die Frei­heit des Wirtschaftens und des Strebens nach materiellem Wohl­stand ist. Von Frei­heit im Sinne von Bürg­er­recht­en und Pri­vat­sphäre ist nicht die Rede, kann auch nicht die Rede sein bei Kristi­na Köh­ler.

Das ist dann wohl grund­sät­zlich wie die Hal­tung der FDP: Man nen­nt immer nur das frei, was man ger­ade gut find­et.

Wer sich bis zum Ende durchgekämpft hat, der begreift, dass die ganzen 303 Seit­en der Dis­ser­ta­tion von Frau Dr. Köh­ler eigentlich nichts weit­er sind als eine Auf­forderung an die CDU, ihre neolib­erale Pro­gram­matik von 2005 zu rea­n­imieren. Der Fir­nis der Wis­senschaft kann diese Botschaft kaum überdeck­en.

Au, weia.
Ander­er­seits ist diese Analyse auch nur fol­gerichtig: Wenn eine Partei ihre Ide­ale verkauft, macht sie Platz für grob­schläch­terige Ideen wie den Neolib­er­al­is­mus.

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Thomas Stadler bilanziert ganz richtig:
Wie nun­mehr bekan­nt wurde, war [der Umstand, dass die große Mehrzahl der Serv­er, die auf aus­ländis­chen Sper­rlis­ten als kinder­pornografisch aufge­führt sind, in Europa und den USA ste­hen,] den Bun­destags­frak­tio­nen, ins­beson­dere der SPD-Frak­tion, bere­its vor der Abstim­mung im Bun­destag pos­i­tiv bekan­nt und zwar inter­es­san­ter Weise auf­grund eines Schreibens des BKA. (…)
Die SPD set­zt dem nun­mehr die Kro­ne auf, indem sie diese Infor­ma­tion, die ihr bere­its im Zeit­punkt ihrer Zus­tim­mung zum Zugangser­schwerungs­ge­setz bekan­nt war, als Begrün­dung dafür her­anzieht, sich nachträglich gegen das Gesetz auszus­prechen. Damit set­zt die Partei ein ein­sames High­light in Sachen Unglaub­würdigkeit, das kaum mehr zu top­pen ist.

Aber, hier wird ja nur etwas offen­gelegt, was auch schon länger bekan­nt gewe­sen ist: Die SPD hat aus Wahlkampf­tak­tik dem Gesetz zu ges­timmt.
Ich habe damals mal ein Mit­glied der SPD, das sich in den höheren Kreisen ausken­nt, gefragt, wie das denn einzuschätzen sei mit der Hal­tung der SPD, wo ihr doch ger­ade so an die 132.000 poten­tielle Wäh­ler flöten gehen.
Da wurde ich gefragt, ob ich denn gar nicht wüsste, wie das bei Parteien so abgin­ge? Wenn bei abgeordnetenwatch.de beispiel­sweise einem Abge­ord­neten eine bes­timmte Frage nach der Hal­tung der SPD gestellt werde, dann holt er die ihm zugeschick­te vorge­fer­tigte Mei­n­ung der Partei her­vor und kopiert die 1:1 da rein. Und so müsse ich mir das dann auch bei dieser Frage vorstellen: Irgend­je­mand hat da was beschlossen, aus welchen Grün­den auch immer, und dass zieht man jet­zt durch. Wenn das jet­zt falsch begrün­det ist oder dem einzel­nen quer läuft: Pech!
spdglaube
Ich bin mir ziem­lich sich­er, dass das genau­so auch bei der CDU und anderen Parteien läuft. Nur: In der so agilen Öffentlichkeit wie sie momen­tan herrscht, funk­tion­iert das nicht mehr so sauber. Parteien dür­fen sich eben nicht wun­dern, wenn Gepflo­gen­heit­en, die intern nich­tau­tonome Parteigänger zu akzep­tieren haben, extern von den Bürg­ern als Quatsch ange­se­hen wer­den. Ganz ein­fach, weil es das ist: Quatsch.
Frak­tion­szwang war nie Bürg­er­wille. Frak­tion­szwang oder wie die CDU es artver­wandt nen­nt: Geschlossen­heit soll nach ein­er aufgek­lärten Diskus­sion hergestellte, inner­parteiliche Einigkeit darstellen. Es wird aber durch die Öffentlichkeit nur noch als Maulko­r­b­ver­fahren wahrgenom­men. Das ist eben die öffentliche Ein­schätzung von Poli­tik. Volkspartei ist da nie­mand mehr, wer lässt sich schon pri­vat so ein Maulko­r­b­ver­fahren gefall­en? Deswe­gen gibt es keinen Trend, in solche Parteien einzutreten. Und dieses Geschlossen­heits­dik­tum ist auch, weil es eben nicht mehr als ein Dik­tum ist, anti-aufk­lärerisch, d.i. eine klärende, aber eben auch zeitaufwändi­ge Diskus­sion wird zugun­sten der Bas­ta-Poli­tik aufgegeben. Wer soll nun aber jeman­den wählen, der seinem eige­nen Denken, das zumin­d­est den Anspruch ein­er aufgek­lärten Hal­tung hat, so ekla­tant wider­spricht? Deswe­gen schwindet die Wäh­lerzus­tim­mung der Parteien.
Die SPD hat ein paar Köpfe aus­ge­tauscht, aber eben keine Gepflo­gen­heit­en geän­dert. Wenn sie sich jet­zt ern­thaft wun­dert, weswe­gen keine Verän­derung bei der Zus­tim­mung der Bürg­er ein­tritt, so sei ihr gesagt: Noch ist die SPD in Umfra­gen 6% vor den Grü­nen. Noch.

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Man macht sich doch so langsam Sor­gen um Hen­drik Wüst. Da ist es gar nicht so lange her, dass er in das Visi­er der NRWSPD ger­at­en ist, nun sieht er seine Stunde gekom­men, doch ein­mal zurück zu schla­gen. Die Bildzeitung meint unter Beru­fung auf Gerüchte, dass link­sex­trem­istis­che Tat­en ins­ge­samt in Deutsch­land zugenom­men haben, und Herr Wüst meint: Die SPD ist schuld, genauer die NRWSPD. Denn diese habe eine Zusam­me­nar­beit mit der Linkspartei in Nor­drhein-West­falen bish­er kün­ftig nicht aus­geschlossen.
Und bei ein­er so unklaren poli­tis­chen Lage in der Oppo­si­tion in Nor­drhein-West­falen, da rastet der Link­sex­treme in Sach­sen-Anhalt ja gle­ich aus und haut irgendwem auf die Mütze.
Gerüchte der Bildzeitung zum Poli­tikum hochstil­isieren: Noch alles klar, Herr Wüst?
mehr:
Wir in NRW: Affäre Wüst: Das Bauernopfer — Güteter­min gescheit­ert / Erneute Kündi­gung bei der CDU
Ste­fan Nigge­meier: Malen nach Zahlen

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Nicht, dass man heute mor­gen nicht schon min­destens etwas geschmun­zelt hätte, dass man beim Ham­burg­er Abend­blatt, ein­er dem Axel-Springer-Ver­lag zuge­höri­gen Zeitung, verkün­dete, for­t­an seinen “Qual­ität­sjour­nal­is­mus” online nur noch gegen Bares zu vertick­en: Jet­zt hat man Grund genug, das Schmun­zeln gegen ein Lachen zu tauschen, denn @Yatil und Chris zeigen, dass die Artikel prob­lem­los les­bar sind ohne dafür zu bezahlen.
springerlacher
Bei Springer ist man halt immer noch nicht im Inter­net­zeital­ter angekom­men.

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Heute machen sich die zu Springer gehörende Zeitun­gen Ham­burg­er Abend­blatt und Berlin­er Mor­gen­post daran, Inhalte des Lokalteils nur noch kostenpflichtig anzu­bi­eten. Man müsse gegen das Mut­ter-There­sa-Prinzip ange­hen, Wer­beein­nah­men seien im Inter­net nicht gewin­nträchtig, Benutzer seien durch kosten­lose Inhalte ver­wöh­nt, jam­mer, jam­mer, blabla.
abendzeitunghamburg
Wenn man sich jet­zt die Lokalberichte für das Gebi­et Pin­neberg beim Ham­burg­er Abend­blatt anschaut, dann sieht man, dass die Berichte ein­er­seits nicht ger­ade neu sind und ander­er­seits schon ander­swo, das heisst hier, hier, hier, hier, hier und hier, zu lesen sind.
Dass sich Inhalte ander­swo find­en lassen, ist an sich noch nicht ver­wun­der­lich, schliesslich sind die Infor­ma­tio­nen selb­st nicht durch irgen­det­was geschützt. Es ist eben nur das Ein­brin­gen der eige­nen Aufar­beitung eines The­mas, der einen Mehrw­ert eines Artikels aus­macht. Irgend­wie scheint mir das als Leser des Lokalange­bots der Ham­burg­er Abend­blatt nicht ersichtlich, dass Aufar­beitung dort so stat­tfind­et, dass man seine Brief­tasche zückt.
Auf qual­i­ta­tive Defizite ver­weist auch schon ein Wir-wollen-Geld-von-den-Nutzern-Recht­fer­ti­gungsar­tikel: Hier ver­schwim­men hal­b­gare Analy­sen des Inter­net­zeital­ters mit dem Drang, eine Lösung für das Über­leben der Zeitun­gen zu find­en:

Zudem bes­tim­men im Inter­net nicht die Medi­en­häuser der analo­gen Welt die Spiel­regeln. Hier haben neue Unternehmen wie die Such­mas­chine Google das Sagen, die in Wirk­lichkeit glob­al agieren­der Wer­bev­er­mark­ter ist. Leg­endär ist mit­tler­weile der Ausspruch des Ver­legers Hubert Bur­da, dass im Inter­net mit Wer­bung nur „lausige Pen­nys“ zu ver­di­enen seien.

Nein, liebes Ham­burg­er Abend­blatt, Qual­ität­sjour­nal­is­mus sieht anders aus als dieses Geschwurbel. Gott­sei­dank bes­tim­men die Medi­en­häuser nicht die Spiel­regeln im Inter­net, das wäre ja noch schön­er. Die Aufdeck­ung, dass Google nicht Such­mas­chine, son­dern “in Wirk­lichkeit glob­al agieren­der Wer­bev­er­mark­ter” ist, ist von boden­lose Seichtigkeit und “in Wirk­lichkeit” nur Eines: Fut­terneid. Immer­hin: Dass Hubert Bur­da “leg­endäre Aussprüche” abson­dert, das ist mir neu.
Hin­ter dieser Fas­sade steckt ver­mut­lich nicht die Selb­st­sicher­heit eines Qual­ität­sjour­nal­is­ten, der auf Bezahlung seine Arbeit ver­trauen kann, son­dern die Verun­sicherung eines Ver­lagshaus­es, dass im Inter­net seine Felle davon schwim­men sieht. Aber selb­st Schuld: Wer durch zu oft kopierte Presseagen­turmel­dun­gen und durch dick aufge­tra­gene Klatsch­seit­en seine Zeitung zu ein­er Rumpel­bude macht, der sollte sich nicht wun­dern, wenn sie nie­mand mehr für eine Desiger­woh­nung hält.

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Tumulte im Nieder­säch­sis­chen Land­tags wegen eines Twit­ter-Beitrags:

Zahlre­iche Abge­ord­nete aller Frak­tio­nen sprangen erbost von ihren Stühlen auf und liefer­ten sich hitzige Wort­ge­fechte.

Was war passiert? CDU-Frak­tion­schef @DavidMcAllister hat­te nach Hin­weis von MdL @ChristianDuerr fol­gen­den Tweet vom recht­spoli­tis­chen Sprech­er der Grü­nen, @Helge_Limburg, vorge­le­sen:
schuenemann
Was doch ein Kinder­garten. Inzwis­chen hat man bei den Grü­nen wohl einge­se­hen, dass der so enge Ver­gle­ich mit dem öster­re­ichis­chem Recht­spoli­tik­er Heinz-Chris­t­ian Stra­che und dem nieder­ländis­chen Recht­spoli­tik­er Geert Wilders unpassend ist.
Das stimmt natür­lich auch. Denn wed­er Stra­che noch Wilders haben bish­er irgend so etwas zus­tande gebracht wie z.B. eine Moschee-Kon­trolle. Das gibt es so nur in Deutsch­land, bess­er gesagt in Nieder­sach­sen.

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Alfred Neven Dumont hat sich zu Wort gemeldet, der die in anderen Län­dern bere­its geführte Debat­te der Zukun­ftssicherung von Zeitun­gen aufn­immt.
Und ich finde es grund­sät­zlich eigentlich schon mal eine inter­es­sante Frage, weswe­gen die Deutschen ihre Fernse­hen zwangsweise finanziell unter­stützen, aber nicht ihre Zeitung, von deren finanzieller Unter­stützung sie also viel schneller absprin­gen kön­nen. Dass keine Mehrw­ert­s­teuer auf Zeitun­gen erhoben wer­den soll, naja, das wäre zumin­d­est ein Ansatz.
neven
Aber hil­ft das? Allen Zeitun­gen die Mehrw­ert­s­teuer zu erlassen? Dass dann die Bildzeitung 40ct kostet? Das ret­tet den kri­tis­chen Jour­nal­is­mus in Deutsch­land? Ich habe da so meine Zweifel, ungeachtet der Tat­sache, dass ich 2€ für eine einzelne Tageszeitung für einen inzwis­chen gewöh­nungs­bedürfti­gen Preis halte: Da über­lege ich schon mal, inwiefern ich heute Zeit genug habe, die Zeitung angemessen zu lesen.
Und solange die Zeitun­gen nicht mit der Zeit gehen, ist auch schw­er­lich einzuse­hen, weswe­gen man ihnen jet­zt schon eine der­ar­tige Erle­ichterung ver­schaf­fen will, nur weil Schwarzse­her den Unter­gang der Zeitung her­beiunken.
Lesetipp: taz: Der Löwe von Köln hat gebrüllt

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