Die Eröff­nung der Ruhr.2010 hat Klaus J. Behrendt genutzt, ein­mal mehr Ibben­büren zu erwäh­nen, was uns natür­lich freut, auch wenn Ibben­büren nicht ganz zum Ruhrge­bi­et gehört. Im Inter­view mit Der­West­en sagt er:

Klaus J. Behrendt: Ich bin auf dem Land aufgewach­sen, und das Motor­rad stand für Flex­i­bil­ität. Wir sind abends von Ibben­büren aus nach Osnabrück gefahren…

Diet­mar Bär: …nicht nach Mün­ster in die Stu­den­ten­stadt?

Klaus J. Behrendt: Nee, Osnabrück war näher. Wir haben uns verabre­det, zu viert oder fün­ft, ein­er musste fahren, die anderen haben getrunk­en oder gek­ifft.

Das hat er dann, bes­timmt ohne die Anek­dote, was die anderen in Osna so gemacht haben, im ZDF wieder­holt:
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Klaus J. Behrendt: Ich bin in Hamm geboren, aber die Stadt habe ich kaum ken­nen­gel­ernt. Mein Vater war Kinder­arzt und hat­te, als ich noch klein war, die Chance, die Kinder­sta­tion im Kranken­haus in Ibben­büren zu leit­en. Klar, die Land­schaft mit ihren Hügeln und Bauern­schaften ist schon ver­traut. Aber mein Lebens­mit­telpunkt ist Berlin, und ich lebe da gern.

Dur­chaus ver­ständlich. Berlin ist ja auch bekan­nt als zweitschön­ste Stadt Deutsch­lands nach Ibben­büren.

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Die Eröff­nung der Ruhr.2010 hat Klaus J. Behrendt genutzt, ein­mal mehr Ibben­büren zu erwäh­nen, was uns natür­lich freut, auch wenn Ibben­büren nicht ganz zum Ruhrge­bi­et gehört. Im Inter­view mit Der­West­en sagt er:

Klaus J. Behrendt: Ich bin auf dem Land aufgewach­sen, und das Motor­rad stand für Flex­i­bil­ität. Wir sind abends von Ibben­büren aus nach Osnabrück gefahren…

Diet­mar Bär: …nicht nach Mün­ster in die Stu­den­ten­stadt?

Klaus J. Behrendt: Nee, Osnabrück war näher. Wir haben uns verabre­det, zu viert oder fün­ft, ein­er musste fahren, die anderen haben getrunk­en oder gek­ifft.

Das hat er dann, bes­timmt ohne die Anek­dote, was die anderen in Osna so gemacht haben, im ZDF wieder­holt:

Klaus J. Behrendt: Ich bin in Hamm geboren, aber die Stadt habe ich kaum ken­nen­gel­ernt. Mein Vater war Kinder­arzt und hat­te, als ich noch klein war, die Chance, die Kinder­sta­tion im Kranken­haus in Ibben­büren zu leit­en. Klar, die Land­schaft mit ihren Hügeln und Bauern­schaften ist schon ver­traut. Aber mein Lebens­mit­telpunkt ist Berlin, und ich lebe da gern.

Dur­chaus ver­ständlich. Berlin ist ja auch bekan­nt als zweitschön­ste Stadt Deutsch­lands nach Ibben­büren.

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Anette Pfeif­fer-Klär­le (und gäb es diesen Namen nicht schon, man hätte ihn erfind­en müssen) ist darauf aufmerk­sam gemacht wor­den, dass Karl-Heinz Rum­menigge ein soge­nan­ntes Gedicht von ihr abge­wan­delt auf der Jahre­shauptver­samm­lung von Bay­ern München vor­ge­tra­gen hat und lässt ihn nun wegen unrecht­mäßiger Ver­wen­dung verk­la­gen. Außer­dem hat sie über Rum­menigge auch schon wieder gereimt.

Was für Aussprüche man wie ver­wen­den kann, das ist etwas, was ich mich auch schon gefragt habe, schließlich ver­wende ich hier dauernd fremde Tweets in eige­nen Beiträ­gen. Zwar gibt man irgend­wie in den AGBs von Twit­ter seine Tweets frei, doch ob das rechtlich in Deutsch­land rel­e­vant ist, würde ich mal bezweifeln.
Daher holte ich mir mal Rat und da sagte man mir, dass es doch sehr fraglich wäre, ob die Schöp­fung­shöhe dieser Tweets, die ich ver­wende so hoch ist, dass sie als Kun­st eingestuft wer­den kön­nten. Anson­sten wären meine Beiträge ja immer noch als eigene Kun­stschöp­fung zu sehen, die doch min­destens eine eben­so hohe Höhe hät­ten.
Das Gericht, das möglicher­weise über Rum­menigges Gedicht urteilen darf, bekäme also die schöne Chance, den in Rede ste­hen­den Reimen die Schö­fung­shöhe eines ern­sthaften Kun­st­ge­gen­standes abzus­prechen. Das wäre doch mal was!
Bis zur endgülti­gen Klärung tröste ich mich dann mit Rainald Grebe: “Hat die deutsche Sprache so etwas ver­di­ent?”

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Rechtzeit­ig zum Neustart der Regierung aus CDU, CSU und FDP lan­det diese einen Tief­schlag nach dem anderen. Während die CDU ori­en­tierungs­los ver­sucht, den Gesamtschaden ger­ing zu hal­ten, kämpft die CSU um ihr ram­poniertes Image und die FDP gefällt sich als Oppor­tunis­mus­partei:
Nach­dem sich die FDP im Wahlkampf noch als Partei der Steuerg­erechtigkeit und Bürg­er­rechte aufge­spielt hat, ver­schleud­ert sie diese bei­den Dinge ger­ade zum Spottpreis:
The­ma Nack­tscan­ner: Bun­desmin­is­terin Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er find­et Nack­tscan­ner auch akzept­abel, sofern tat­säch­lich ein Gewinn an Sicher­heit ver­bun­den und der Schutz der Intim­sphäre strikt gewährleis­tet werde. Diese Mach­barkeit ein­er der­ar­ti­gen strik­ten Gewährleis­tung stellt der Bun­des­daten­schutzbeauf­tragte Peter Schaar gän­zlich in Frage:

Kön­nen die neuen Scan­ner tat­säch­lich unter­schei­den zwis­chen ein­er Bein­prothese und einem am Unter­schenkel ange­bracht­en Gegen­stand? Müssen Bru­stam­putierte damit rech­nen, dass ihr Implan­tat offen­bar wird? Wie sieht es mit Trans­sex­uellen aus, deren äußeres Erschei­n­ungs­bild und die primären Geschlechtsmerk­male nicht übere­in­stim­men? Kann der Scan­ner wirk­lich unter­schei­den zwis­chen einem Sprengstoff­päckchen und einem kün­stlichen Dar­maus­gang? Und was zeigt der Scan­ner an, wenn Men­schen, die an Inkon­ti­nenz lei­den, eine Windel tra­gen (das sind allein in Deutsch­land schätzungsweise an die 10 Mil­lio­nen Betrof­fene)?

The­ma Steuerg­erechtigkeit: Unter dem von der FDP für unkri­tisier­bar gehal­te­nen Ausspruch “Wach­s­tum schafft Arbeit” geben sich bei der FDP die Wirtschaft­slob­by­is­ten der­art die Klinke in die Hand, dass von einem Wäh­ler­auf­trag nicht ern­sthaft noch eine Rede sein kann. Dabei wird der Begriff “Wach­s­tum” als Lösung aller wirtschaftlichen Prob­leme z.b. von Mein­hard Miegel (CDU) stark in Frage gestellt:

Mit­tler­weile haben wir einen materiellen Lebens­stan­dard erre­icht, der soviel höher ist als der Lebens­stan­dard der übri­gen Men­schheit, dass es nicht mehr sin­nvoll sein kann, weit­er in diese Rich­tung zu marschieren. Und abge­se­hen davon ist es gar nicht mehr möglich, diese Art von materiellem Wach­s­tum immer weit­er zu treiben. Die natür­lichen Ressourcen fall­en aus. Die Energie fällt aus. Die Umwelt­be­las­tung nimmt zu. Wir müssen also Abschied nehmen von dem ursprünglich mal sin­nvollen, aber mit­tler­weile über­holten Konzept.

Die geistig-poli­tis­che Wende der FDP, sie ist nicht mehr als die Wiedere­in­führung des alten Standes­dünkels. Ein Relikt ein­er Zeit, die man schon für über­wun­den hielt. Aber wer sagt, das Wen­den immer pos­i­tiv sein müssen. Dabei wäre eine sozial-energiepoli­tis­che Wende derzeit doch so begrüßenswert.

Aktu­al­isierung
Als ob es noch eines weit­eren Nach­weis­es bedurft hätte: Der FDP-Gesund­heitsmin­is­ter lässt Reform von Lob­by­is­ten erar­beit­en.
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Volk­er Pis­pers über das Wach­s­tums­dog­ma:

WDR 2 Klar­text: Die FDP gegen den Rest der Welt
[flash]http://medien.wdr.de/m/1262972228/radio/klartext/wdr2_klartext_20100108_1834.mp3[/flash]
Die ZEIT: Die Bun­desregierung ruiniert die Bun­des­bank
Sci­ence­Blogs: Das Sol­i­dar­itätss­chreiben für IQWiG-Chef Saw­ic­ki
SPIEGEL Online: Ärzte machen sich für kri­tis­chen Arzneimit­tel­prüfer stark
Süd­deutsche Zeitung: CSU und FDP — Neu­ro­tis­ches Ver­hält­nis

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Auf dem Blog Wir-in-NRW.de wurde der gestern rumgeschick­te Brief von Jür­gen Rüttgers veröf­fentlicht, mit der er die NRW-CDU-Basis mobil­isieren möchte. Und dem geneigten Wäh­ler gibt dies die Möglichkeit, sich auf das gefasst zu machen, wom­it die CDU in kom­mender Zeit punk­ten will: Der pauschalen Verurteilung der Linkspartei. Die Linkspartei wolle
a) den Ver­fas­sungss­chutz auflösen, b) Dro­gen freigeben, c) Gym­nasien, Realschulen, Hauptschulen auflösen, d) Reli­gion­sun­ter­richt abschaf­fen, e) Unternehmen ver­staatlichen und f) Haus­be­sitzer enteignen.
Zu a) den Ver­fas­sungss­chutz auflösen Die Linke will in der Tat ohne den Ver­fas­sungss­chutz auskom­men, was für sie bedeutet, dass keine Bürg­erbe­spitzelung stat­tfind­et. Man plant damit aber wohl erst für das Jahr 2080.
Zu b) Dro­gen freigeben Dro­gen wie Alko­hol und Zigaret­ten sind ja schon frei gegeben. Präven­tiv möchte die Linkspartei für eine staatliche Reg­ulierung des Cannabis­mark­tes, unter Gewährleis­tung des Jugend­schutzes, nach dem Vor­bild der Nieder­lande, ein­treten.
zu c) Gym­nasien, Realschulen, Hauptschulen auflösen Es ist schon selt­sam, dass Rüttgers der SPD vor­wirft, mit ein­er Partei zusam­men arbeit­en zu wollen, die das dreistu­fige bish­erige Schul­sys­tem abschaf­fen möchte. Das will die SPD schliesslich zugun­sten ein­er inte­gri­erten Gesamtschule selb­st auch.
zu d) Reli­gion­sun­ter­richt abschaf­fen Wer das NRW-Wahl­pro­gramm der Linken sich ein­mal anschaut, der find­et dort, die Linkspartei sei: für die Ein­führung eines gemein­samen Ethikun­ter­richts als Pflicht­fach. Unter­richt in den ver­schiede­nen Reli­gio­nen wird nach Möglichkeit ange­boten, ist jedoch frei­willig. Es ist in der Tat merk­würdig, wie man ern­sthaft von ein­er Tren­nung von Kirche und Staat sprechen möchte, wenn der Staat Schüler zu Reli­gion­sun­ter­richt in der jet­zi­gen Form verpflichtet.
zu e) Unternehmen ver­staatlichen Das will die Linkspartei zwar, aber auch nicht pauschal alle, nur diejeni­gen, die zen­traler Bere­iche öffentlich­er Ver­sorgung betr­e­f­fen, was für die Linkspartei nur Eon und RWE sind.
zu f) Haus­be­sitzer enteignen Das ist etwas pauschal aus­ge­drückt, schließlich sollen nicht alle Haus­be­sitzer enteignet wer­den. Allerd­ings meint die Linkspartei: Ohne eine soziale Wohn­raumver­sorgung als Teil ein­er sol­i­darischen Stad­ten­twick­lung wer­den große Teile der Bevölkerung von der Gesellschaft aus­geschlossen. Deshalb ist eine öffentliche und soziale Woh­nungspoli­tik eine unverzicht­bare Pflicht und Ker­nauf­gabe des Staates. und fordert Die Wiedere­in­führung ein­er möglichst flächen­deck­enden Zweck­ent­frem­dungsverord­nung. Eine neue Kündi­gungssper­rfristverord­nung sollte nicht nur in Gebi­eten mit erhöhtem Wohnbe­darf son­dern auch in Gebi­eten mit stark­er Umstruk­turierung der Eigen­tumsver­hält­nisse gel­ten.
Nun soll dieser Text nicht Wer­bung machen für die Linkspartei, was ohne­hin bei so vie­len stre­it­baren Posi­tio­nen unge­mein schwierig ist, son­dern nur auf die Parolen des NRW-Lan­des­vaters aufmerk­sam machen. Und die sind nun mal stark polemisch und kaschieren, wie z. B. bei der Kon­tro­verse um den Reli­gion­sun­ter­richt und das Scheit­ern der Hauptschule, den Man­gel an eige­nen Posi­tio­nen.

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Seit je her hat man in der FDP alles Frei­heit genan­nt, was man gut fand. Das war so sim­pel wie bescheuert. Bei so ein­er Heute-dies-mor­gen-das-Begriffsver­wen­dung kommt dann so ein Geschwurbel her­aus wie der Glaube, dass Bürokratisierung ein­er der größten Gefährder der Frei­heit sei. Ich glaube, dass Blöd­heit der größte Gefährder der Frei­heit ist. Wom­it wir wieder bei der FDP wären.
Fassen wir doch mal ganz kurz zusam­men, wie sich die FDP ger­ade bun­de­spoli­tisch die Zukun­ft vorstellt:
Jür­gen Trit­tin hat im Okto­ber gemut­maßt, die Bun­desregierung plane eine Steuer­ent­las­tung der Besserver­di­enen­den durch Sozial­ab­bau. Im Jan­u­ar 2010 kommt die FDP damit raus, man wolle Steuersenkun­gen für Reiche durch Kürzun­gen bei Fam­i­lien und Arbeit­slosen finanzieren. Dieser Satz ist insofern richtig, als das Steuer­ent­las­tun­gen den Reichen, den Besserver­di­enen­den oder, wie die FDP sie auch gerne nen­nt, den Leis­tungsträgern zugute kommt. Für die FDP ist ja die unter­bezahlte Altenpflegerin, die am Woch­enende jam­mern­den Alten die Nacht­töpfe ausleert, keine Leis­tungsträgerin. Hem­mungs­los über­bezahlte Man­ag­er, das sind FDP-Leis­tungsträger.
Kom­men wir zur näch­sten sprach­lichen Fein­heit: Die FDP ist für eine Mehrw­ert­s­teuersenkung für Hotels. Da geht es kleinen Hotels wie kleinen Altenpflegerin­nen: Die haben da wenig von. Aber große Hotelket­ten, für die rech­net sich das ordentlich. Nun darf man nicht sagen, die FDP sei in diesem Punk­te lob­by­is­tisch, denn dann kön­nte man ja fast auch sagen, sie sei kor­rupt. Und das klingt nicht ger­ade frei. Aber selb­st in der CDU kann man diese poli­tis­che Hal­tung nicht schön­er reden als “reine Klien­telpoli­tik”.
So, und jet­zt die Her­aus­forderung:
Lieber Leser, ver­suche mit dem oben Gesagten im Hin­terkopf das fol­gende Zitat von Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er über ihre FDP möglichst unir­ri­tiert durchzule­sen:

Wir sind nicht die Partei der Besserver­di­enen­den und waren es auch nie. Es ist doch ein urlib­erales Ziel, sich für soziale Gerechtigkeit und die Chan­cen des Einzel­nen einzuset­zen. Während sich Ver­mö­gende und Ger­ingver­di­ener über Steuer­erle­ichterun­gen freuen kon­nten, kamen für die große Mehrheit immer neue Las­ten dazu. Dage­gen etwas unternehmen zu wollen, kann doch nicht ern­sthaft als Engage­ment für ein paar Besserver­di­enende abge­tan wer­den.

Wenn nun aber das Engage­ment für die große Mehrheit seit­ens der FDP nur zur Verbesserung der finanziellen Lage der Besserver­di­enen­den führt, dann muss man die FDP-Poli­tik mit den Worten Thomas de Maiz­ières wohl als “ein wenig gaga” beschreiben.
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Die ZEIT: Nack­tscan­ner — Men­schen, seid würdig!

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Es scheint schon so ein klein­er Trend zu wer­den, dass Fach­leute in Bezug auf die Aus­führun­gen der CDU-Spitzen diesen immer wider­sprechen.
Inner­halb kurz­er Zeit hat sich das BKA nun sowohl gegen Vorhaben von Bun­des­fam­i­lien­min­is­terin Köh­ler als auch von Bun­desin­nen­min­is­ter de Maiz­ière aus­ge­sprochen.
Man kann nur hof­fen, dass irgend­wann auch bei der CDU mal wieder Leute an die entschei­den­den Posi­tio­nen kom­men, die in der Lage sind, die Auswirkun­gen ihrer Poli­tik kom­pe­tent genug zu über­schauen.

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Auch an Wei­h­nacht­en ver­schont man die deutsche Leser­schaft beim Axel Springer Ver­lag nicht mit ihrer nervi­gen Kam­pagne gegen die Tagess­chau-iPhone-App. Und redete man in den ver­gan­genen Tagen noch von der Wahrung des Qual­ität­sjour­nal­is­mus’ und der Mei­n­ungsvielfalt, schlägt man nun genau diesen bei­den Din­gen ins Gesicht.

Nun hat man drei Poli­tik­er gefun­den, die gerne mal wieder ihren Namen über die Bildzeitung pro­motet sehen möcht­en. Und auch diese drei Wich­tel übernehmen artig die Unter­gang-des-Abend­land-Attitüde, die diesen lächer­lichen Stre­it begleit­et. Tit­uliert wird der Artikel, der die Aus­sagen der drei Poli­tik­er dar­legt, wie fol­gt:

Alle Parteien einig. Poli­tik­er kri­tisieren Tagess­chau-App

Bei den Aus­sagen han­delt es sich offen­sichtlich nicht um Stand­punk­te der Parteien. Selb­st wenn dem so wäre — zur Bun­destagswahl 2009 sind 27 Parteien ange­treten. Aus der Hal­tung von 3 Parteien zu schließen, alle Parteien seien dieser Mei­n­ung, ist ziem­lich­er Unsinn.
Lars Kling­beil wird so zitiert, als nähme er diesen Stre­it zum Anlass, um eine neue Gebührenord­nung der öffentlich-rechtlichen Sender zu fordern. Unklar ist, ob er sich über­haupt über diese Soft­ware geäußert hat. Burkhard Müller-Sönksen, ein Stam­m­gast in den Artikeln des Springer-Konz­erns, bedankt sich schein­bar auf seine Weise für die medi­ale Präsenz, indem er gegen die Tagess­chau-App wet­tert, diese werde von ein­er Mehrheit über die Gebühren bezahlt, käme aber nur ein­er Min­der­heit zugute. Mit dem Argu­ment kön­nte man die Gebär­den­sprach­dol­metsch­er bei den Nachricht­ensendun­gen auch gle­ich raus­kick­en.
Wolf­gang Börnsen bescheinigt gegenüber der Bild ARD und ZDF, auf dem besten Wege zu sein, ein Kartell zu betreiben. Zuvor hat­te Börnsen in der Bild Gün­ter Grass aufge­fordert, seinen Lit­er­aturnobel­preis zurück zugeben. Nur mal so für diejeni­gen, die ger­ade nicht wis­sen, wo das Niveau hängt, wenn Poli­tik­er wie Börnsen in der Bild was fordern.
Ein Artikel, den man unter Qual­ität­sjour­nal­is­mus ver­buchen kön­nte, und der ähn­lich in der WELT ste­ht, ist dies nicht. Alle drei Poli­tik­er erweck­en eher den Ein­druck, dieses The­ma als Trit­tbrett, um mal wieder öffentlich in Erschei­n­ung zu treten, zu ver­wen­den.
Und was die Mei­n­ungsvielfalt ange­ht, die der Axel Springer Ver­lag durch die Tagess­chau-App eben­falls in Gefahr sieht: Nach­dem auf der Seite der WELT in den Kom­mentaren die Diskus­sion um die App sich ver­stärkt in eine Kri­tik am Axel Springer Ver­lag wan­delte, sper­rte man kurz­er­hand bei der WELT die Kom­men­tar­funk­tion.
Qual­ität­sjour­nal­is­mus und Mei­n­ungsvielfalt sind eben für manche Ver­leger nichts weit­er als Mode-Etiket­ten ohne eige­nen Inhalt.
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Tagesspiegel : App-Poli­tik­er

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Frank Schirrma­ch­er hat sich wieder mit den mod­er­nen Medi­en auseinan­der geset­zt und set­zt zu ein­er weit­eren Endzeitkri­tik an: Schwellen­jahr 2010.
Es ist ein ger­adezu typ­is­ch­er Schirrma­ch­er-Text, so typ­isch, dass man das Vorge­hen Schirrma­ch­ern nen­nen kann: Man winke sich ein paar Gegeben­heit­en aus einem Sach­bere­ich her­an, mache einen Bere­ich aus, der diesen Sach­bere­ich bet­rifft, unter­stelle, dass noch nie­mand diesen Son­der­bere­ich gut genug ver­standen habe, obwohl genau durch diesen entschei­dene Verän­derun­gen zu erwarten sind. Ein paar Zitate von ernan­nten Experten und Geis­teswis­senschaftlern dazu — Fer­tig ist die Laube.
In diesem Text sind die Gegen­stände Google, Twit­ter, die Zeitun­gen, das Inter­net, die Nutzer, der inter­netab­hängige Bürg­er, der Fre­und, der Arzt, die Ein­wan­derungs­be­hörde.
Der Son­der­bere­ich ist Der Algo­rhit­mus von Google. Den ken­nt halt nie­mand, so Schirrma­ch­er, was ihn auch dazu ver­an­lasst von den Algo­rith­men von Google zu sprechen. Was Schirrma­ch­er damit meint und warum das so gefährlich ist, dass das nie­mand ken­nt, ver­rät er nicht.

Vielle­icht meint er die gelis­tete Platzierung von Tex­ten durch Google als Such­mas­chine, bei dem die Hier­ar­chie der Ord­nung dem Benutzer nicht klar ist. Aber warum ist das so prob­lema­tisch, der Benutzer kann doch selb­st weit­er­suchen nach Tex­ten, die er für qual­i­fiziert­er hält. Ein biss­chen mehr Sacher­läuterun­gen wären an dieser Stelle ger­ade für FAZ-Leser, die nicht mit jedem Inter­net-Begriff ver­traut sind, Gold wert.
Auch anson­sten ist unklar, weswe­gen das Prob­lem, das Schirrma­ch­er da vor Augen hat, sich so über­haupt als Prob­lem darstellt und für wen. Von Twit­ter als Echtzeitmedi­um hoppst er anfangs flux zu Google, das ja ger­ade das Echtzeit­medi­ale völ­lig ver­schlafen hat. Über­haupt funk­tion­iert Schirrma­ch­ers Text nur, wenn man unter­stellt, Google sei ein immer weit­er erfol­gre­ich um sich greifend­es Unternehmen. Oder wie Schirrma­ch­er phan­tasiert: Ein Regis­seur unseres Lebens.
Unser aller Big Broth­er, Herrsch­er über das, was uns zu entschei­den doch eigentlich obliegt. Ver­lassen wir aber diese Feuil­leton-Fic­tion, so sieht man sich gle­ich der Frage aus­ge­set­zt, ob nicht Schirrma­ch­ers Text selb­st eine Grund­hal­tung verkör­per­licht, die das Jam­mern der Ver­fechter eines ange­blich unterge­hen­den Qual­ität­sjour­nal­is­mus’ aus­macht:
So ein Text als Blo­gein­trag eines unbekan­nten Ver­fass­er würde kaum jemand ern­sthaft lesen. Dazu ist er schlicht zu chao­tisch was den ver­han­del­ten Gegen­stand bet­rift, zu selb­st­ge­fäl­lig und zu lang. Aber im Feuil­leton der Frank­furter All­ge­meinen Son­ntagszeitung kommt sowas auf der ersten Seite, bewor­ben dazu auf der Front­seite des Son­ntag­blattes.
Das Inter­net, und nicht nur Google, nimmt der­ar­ti­gen Tex­ten, die nicht an sich überzeu­gen, son­dern für eine größere Aufmerk­samkeit medi­al gepusht wer­den müssen, etwas von dieser Push-Möglichkeit.
Was kön­nte dem Qual­ität­sjour­nal­is­mus besseres passieren?

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