Der Verbotsreflex konservativer Politiker

Immer wenn in Deutsch­land etwas ein­schnei­dend Gewalt­tätiges passiert, ste­ht ein Poli­tik­er auf und will irgen­det­was ver­bi­eten. Das ist das Mantra des kon­ser­v­a­tiv­en Poli­tik­ers, von dem er nicht abge­hen will. Weisst man ihn wie bei der Kinder­porn­ode­bat­te darauf hin, dass der­ar­tige Ver­bote nachgewiesen­er­weise untauglich sind, dann sagt er, man werde auch noch anderes unternehmen. Aber Ver­bote müssen sein. Ver­bote sind Selb­stzweck. Das ist eine sehr ein­fach get­rick­te, aber ger­adezu fun­da­men­tal­is­tisch ver­ankerte Sichtweise. Da geht der Kon­ser­v­a­tive nicht von ab. Und er glaubt auch jedem anderen Kon­ser­v­a­tiv­en, der Ver­bote fordert, unange­se­hen der Stich­haltigkeit der Argu­mente, die für ein Ver­bot sprechen sollen.
In der Kinder­porno-Debat­te meinte Frau von der Leyen, dass in Nor­we­gen täglich 18000 Besuche auf Kinder­porno­seit­en ver­hin­dert wer­den wür­den. Das MdB Kristi­na Köh­ler (CDU) glaubt das blind­links. Ohne auf die Idee zu kom­men, das in Frage zu stellen. Man müsste “Zugriffsver­such” mal erk­lären. Sind das Einzelper­so­n­en? Dann wären alle Nor­weger in den let­zten 2 Jahren auf ein­er Kinder­porno­seite gewe­sen. Oder auch Pro­gramme? In Unken­nt­nis der Zahl der­er, die erfol­gre­ich eine Kinder­porno­seite aufrufen, ist diese Zahl, von der nicht mal bekan­nt ist, auf welchen Zeitraum sie bezo­gen wird, untauglich. Krim­i­nal­beamte, die das der­ar­tige Sper­ren ken­nen, weisen darauf hin, dass dieses Sper­ren gegen vorsät­zliche Miss­brauch­er untauglich ist. Ver­hin­dert wer­den nur Zufall­sklicks. Glauben Sie, dass ein Zufall­sklick­er sofort sein Port­mon­naie zückt? Gemessen an den Men­schen, die Sie ken­nen? Wieviele, denken Sie, schließen eine der­ar­tige Seite sofort wieder?
Jet­zt möchte die CDU weit­er­ma­chen mit dem Ver­bi­eten. Im Nach­hall der Geschehnisse von Win­nen­den meint man, Spiele wie Paint­ball und Laser­drom ver­bi­eten zu müssen. Hier werde, so CDU-Poli­tik­er Bos­bach, das Töten simuliert. So ein kon­ser­v­a­tiv­er Poli­tik­er muss nur ein­fach ein Spiel zu ein­er Tötungsaus­bil­dung umdeklar­i­eren und schon meint er, er könne Ver­bote fordern. An dieser Stelle geht es um Begriffs­be­set­zun­gen, nicht um argu­men­ta­tiv gestütztes Überzeugen.
bosbach
Bei Laser­drom ren­nen Sie über ein Spielfeld und schießen mit Lasergewehren Lich­strahlen auf Mit­spiel­er. Sie müssen eine bes­timmte Stelle tre­f­fen, dann ist der Spiel­er getrof­fen und schei­det für eine bes­timmte Zeit aus. Der Geg­n­er kann wegren­nen, sich duck­en und zurückschießen. Bei Völker­ball ren­nen Sie über ein Spielfeld und schmeis­sen Bälle auf Mit­spiel­er. Sie kön­nen jede beliebige Stelle des Kör­pers tre­f­fen. Ist der Spiel­er getrof­fen, schei­det er aus, bis er selb­st jeman­den aus dem “Aus” her­aus trifft. Spiel­er kön­nen wegren­nen, sich duck­en und zurückwerfen.
Wür­den Sie Völker­ball als Tötungssim­u­la­tion anse­hen? Und Laser­drom ist nun eine Tötungssim­u­la­tion, weil statt eines Balles Licht­strahlen ver­wen­det wer­den? Die Spielele­mente sind iden­tisch, das neuere Spiel ist eben nur elek­trotech­nisch aufge­plus­tert. Mit der­sel­ben Logik, nach der Laser­drom eine Tötungssim­u­la­tion ist und Völker­ball ein Kinder­spiel, kön­nte man Fahrräder für gut und Autos für böse halten.
Glauben Sie, Jugendliche spie­len diese Spiele mit ein­er unter­schiedlichen Geis­te­shal­tung? Glauben Sie, ihre Charak­tere änderten sich zum Neg­a­tiv­en? Beim gemein­samen Spiel mit anderen? Das alles glaube ich nicht. Aus einem ein­fachen Grunde: Es sind Spiele und Men­schen wis­sen, was Spiele sind. Dieser Satz klingt sim­pel, aber Sie müssen wirk­lich mit diesem Satz brechen, um sich der kon­ser­v­a­tiv­en Lin­ie Bos­bachs anzuschliessen. Ich dage­gen glaube fol­gen­des: Ich glaube, dass es viele Erwach­sene gibt, die in Kinder- und Jugend­spiele Dinge hinein­deuten, die für die betrof­fe­nen Kinder und Jugendliche nicht Bestandteile dieser Spiele sind.
Sofern Poli­tik­er, wie sie es ger­ade tun, Gegenein­wände gegen Ver­botsvorschläge damit abtun, dass Ver­bots­geg­n­er Greueltat­en Vorschub leis­teten, ste­ht eine demokratis­che Diskus­sion­skul­tur auf dem Spiel. Wird in der poli­tis­chen Diskus­sion wirk­lich noch ver­sucht, Sachar­gu­mente auszudiskutieren?

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Mit dem Zweiten sieht man anders

Irgend­wie gehen mir die Mod­er­a­toren des heute-jour­nals schon länger auf den Zeiger. Dort muss ja nach Ende der Sendung, wenn noch die Reak­tio­nen der Mod­er­a­tio­nen im Nachspann einge­fan­gen wer­den, immer gezeigt wer­den, wie lock­er und witzig diese Leute pri­vat so sind. Da wird gelächelt, gescherzt und wird sofort kom­mu­niziert. Eine Unsitte, die die ARD unlängst kopiert hat. Es fehlt nur noch, dass die ARD dem ZDF gle­ich, ihre Haupt­nachricht­en­mod­er­a­toren irgend­wohin in den Urlaub schickt, um von dort nette Videos mit zu brin­gen. Sowas ist ja schnell einge­filmt, und man braucht ja auch nicht unbe­d­ingt Jour­nal­is­ten dafür, die sich wirk­lich einge­hend mit der Kul­tur vor Ort befasst haben.
Ich habe aber ger­ade gar keine Zeit, darüber zu grü­beln, was mit das ZDF da eigentlich über­haupt mit­teilen will, denn das ZDF hat noch so etwas Undeut­lich­es in pet­to: Die ZDF-Infor­ma­tio­nen. Let­zte Woche ver­bre­it­eten BLÖD-Zeitung und die Stuttgarter Nachricht­en via Inter­net, dass Felix Mag­a­th, derzeit Train­er beim VfL Wolfs­burg, in der kom­menden Sai­son Train­er von Schalke 04 wer­den würde. Das ZDF nahm dies ins heute-jour­nal mit auf und sprach als Nachricht­en­quelle von “nach ZDF-Informationen”.
zdfinformation
Wie gesagt, das war nur ein Gerücht aus dem Inter­net. Kann sein, kann nicht sein. Es klingt natür­lich schon irgend­wie blöde, wenn die Jour­nal­is­mus-Profis im ZDF die Mod­er­a­tio­nen sagen lassen wür­den “Gerücht­en aus dem Inter­net zu Folge”. Aber die “ZDF-Infor­ma­tio­nen” waren ja nichts anderes. Doch sicher­lich kann man das Sen­sa­tionelle dieses Gerüchts viel bess­er anpreisen, wenn man Gerüchte mit “ZDF-Infor­ma­tio­nen” ver­sucht zu adeln.
Nun kann man natür­lich darauf hin­weisen, dass der Inhalt dieses Gerüchts vielle­icht nahe an der Wirk­lichkeit liegt. Vielle­icht hat der Mag­a­th unter­schrieben, vielle­icht will Wolfs­burg nicht mehr an ihn zahlen, als er gerne hätte. Und sicher­lich wird man beim ZDF sagen, sofern sich das Gerücht bestätigt: “Haben wir’s euch nicht schon ganz früh gesagt?”
Das Wesentliche an dieser Stelle ist: Langsam, aber sich­er ver­lieren öffentlich-rechtliche Nachricht­ensendun­gen ihren Hauch von Seriosität, wenn sie immer stärk­er als wahrschein­lich wahr ange­se­hene Gerüchte zu Nachricht­en erk­lären und eben­so kol­portieren müssen, wie mod­ern ihre Mod­er­a­toren als Per­sön­lichkeit­en sind. Wenn sie dem Zuschauer zumuten, er könne selb­st sin­nvoll ein­schätzen, ob sich hin­ter dem Wort “ZDF-Infor­ma­tion” ein halt­los­es Gerücht oder eine pro­fes­sionell recher­chierte Nachricht­squelle verbirgt.
Am Tag nach der Ver­bre­itung dieses Gerücht­es haben wed­er der VfL Wolfs­burg oder der FC Schalke 04, noch Felix Mag­a­th dieses Gerücht bestätigt. Diese Infor­ma­tion hat das ZDF nicht gesendet.

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Wenn Blogger streiten…

Ach, Gottchen. Schön­stes Wet­terchen da draußen, aber man stre­it­et sich in der Blog­gosphäre. Na, komm, keine Angriffe an diesen Punkt schon. Ich nenne mal mit “Blo­gosphäre” all diejeni­gen, die in Deutsch­land aus welchen Grün­den auch immer, einen Blog betreiben. Ohne irgend ein weit­eres Kennzeichen.
Als eine Art Dachver­band gab sich da die Re:publica aus, und das stößt eini­gen Blog­gern zutief­st unan­genehm auf. Denn Blogs sind für viele Darstel­lung der eige­nen Sichtweise. Etwas Pri­vates, etwas Sub­jek­tives. Das gilt für das Blog desjeni­gen, der keine Leser hat, bis zu großen Blogs wie dem von Ste­fan Nigge­meier. Sehr inter­es­sant an dieser Stelle ist es, das selb­st einige Jour­nal­is­ten diese Eige­nart von Pri­vat­blogs nicht bemerken. Auch was Ste­fan Nigge­meier blog­gt ist sub­jek­tiv. Es muss nicht objek­tiv­en Maßstäben angepasst sein, es muss nicht ein­mal son­der­lich aus­ge­wogen sein. In ein­er Zeitung ist das die Leitlin­ie, selb­st in Kom­mentaren stört über­zo­gene Sub­jek­tiv­ität. Aber Blog­ger sind in ihren Blogs frei, frei nach Sch­nautze zu reden. Insofern ist ein Blog ein Refugium Einzel­ner. Und das ist auch völ­lig okay so.
Man kann nun Blogs auch offen­er gestal­ten. Als Tech­nikblogs oder The­men­blogs. Je weniger in der­ar­ti­gen Blogs stark sub­jek­tive Darstel­lun­gen ohne son­der­lich­es Kennze­ichen vorkom­men, desto objek­tiv­er sind sie. Desto sach­ge­nauer muss aber auch gear­beit­et wer­den. Und es sind solche Blogs, die tat­säch­lich der etablierten Presse in Konkur­renz treten. Sicher­lich in äußerst geringem Maße, viel gerin­ger­er als viele das möcht­en, aber immerhin.
Die Mach­er der Re:publica haben meines Eracht­es den Fehler gemacht, dieses nicht so her­auszustellen. Der Slo­gan, dass jed­er Presse sei, ist über­zo­gen, unge­nau. Es will ja auch gar nicht jed­er Blog­ger ein Presse­or­gan sein. Viele sind eben nicht scharf darauf, eine Konkur­renz zur Presse darzustellen, es ist ihnen schlicht egal. Dass sich in diesem Fall die etablierte Presse provoziert fühlt, ist nicht verwunderlich.
Das macht die Re:publica aber noch längst nicht zu ein­er Anmaßung, der­art, wie pikiert der eine oder andere auf diese Kon­ferenz reagiert. Grund­sät­zlich finde ich es toll, wenn jemand so eine Ver­anstal­tung auf die Beine bekommt. Diese spezielle ist sicher­lich für alle geeignet, die sich für über das rein Sub­jek­tive hin­aus­ge­hen­den Blogs inter­essieren und informieren wollen. Und sicher­lich gibt es da aus­tauschbare Erfahrun­gen und mögliche Trends. Oft­mals trifft man auf unaus­gereifte Gedanken, die ver­wor­den wer­den, aber genau das ist ja auch Sinn ein­er solchen Ver­anstal­tung. Es geht nicht allein um vorzeig­bare Erfolge. Dass die Ver­anstal­tung natür­lich inhaltlich kri­tisiert wer­den sollte, ste­ht auf einem anderen Blatt.
Und daher: Draußen ist Sonne, holt euch alle mal wieder ein Eis!

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Die Größe des Harald Schmidt

Gestern lief die let­zte Sendung von “Schmidt und Pocher” über den Sender. Und in der deutschen Medi­en­land­schaft war klar, dass es danach gediegene bis neg­a­tive Abgesänge auf die Sendung geben werde. Um so einen Text zu machen, ist es zudem von Nöten, das Wesentliche des Abends rauszukriegen, was viele im Weg­gang Pochers zu Sat1 oder dessen Kri­tik an Volk­er Her­res sah. Sehr bemüht, das alles.
Viel inter­es­san­ter ist es dage­gen, ein­mal ein wenig über den Spielab­bruch Har­ald Schmidts zu reflek­tieren. Mit ein paar Zuschauern sollte irgen­dein Spiel gemacht wer­den, wobei alle Beteiligten Hütchen mit Nation­al­itäten auf­set­zen soll­ten, die sie darstellen. Ein­er der Zuschauer war wohl mit damit, dass er das Hütchen mit Ital­ien abbekam, alles andere als zufrieden. Er kom­men­tierte dies mit “Scheiss-Ital­iener” und wieder­holte diese Äußerun­gen unmit­tel­bar: “Scheiss-Ital­iener”. Schmidt brach das Spiel sogle­ich ab, ging mit Pocher zurück zu ihren Schreibtis­chen und liess die Kan­di­dat­en aus dem Pub­likum im Off der Bühne stehen.
schmidtpocher
Wie @aliceantonia das Vorkomm­nis genau ver­standen hat, weiss ich nicht. Vielle­icht mochte sie nur die ver­störende Wirkung, die dieses Vorkom­nis in der Sendung hat­te. Vielle­icht fand sie Schmidts Hal­tung richtig.
In jedem Fall stimmt ich ihr im Resul­tat dur­chaus zu: Der Abbruch, d.h. die Entschei­dung, das Spiel abzubrechen, war großar­tig. Und es zeigt ein­mal mehr die Klasse Har­ald Schmidts und was Oliv­er Pocher hierzu fehlt. Let­zter­er fragte, nach­dem sie sich auf ihre Büroses­sel niederge­lassen hat­ten nach dem Grund des Abbruchs, “man hätte doch drüber reden können.”
Hätte man? “Scheiss-Ital­iener” ist ein Inbe­griff für Frem­den­feindlichkeit. Das mag der Pub­likums­gast gar nicht so gemeint haben. Der war vielle­icht nur so ent­täuscht, dass es nicht kriegt, was es unbe­d­ingt will. Ein der­ar­tiger Inbe­griff bleibt es.
Har­ald Schmidt besitzt nun die geistige Fähigkeit, diese (im gün­stig­sten Falle) spon­tane Ent­gleisung sofort richtig einzuschätzen. Und das ist schon eine Kun­st. Das Erörtern der Hal­tung des Stu­dio­gastes bringt der Sendung nichts, gehört nicht in diese und als flap­sig kann der Mod­er­a­tor diese Bemerkung, die auf sein­er Bühne stat­tfind­et, nicht durchge­hen lassen. Schmidt bricht also ab und mod­eriert unaufgeregt und nicht weit­er auf die Störung einge­hend weiter.
Schmidt weiß wohl, um auf bish­erige “Eklats” dieser Sendung zu kom­men, dass er als Mod­er­a­tor mit­tel­prächtige Nazi-Par­o­di­en und obszöne Geschenke à la “Fotzensekrete” tolerieren kann, aber Frem­den­feindlichkeit nicht. Das schafft eine Verbindung zu ein­er Schmidteinan­der-Folge, in der sich eine Anruferin über Türken-Witze in der Sendung beschw­ert. Schmidt vertei­digte diese damit, dass in der Sendung Deutsche wie Türken ver­al­bert wer­den. Ver­al­bern ist also okay, Frem­den­feindlichkeit nicht. Insofern war der Abbruch völ­lig folgerichtig.
Und ja, ich glaube, das war großartig.
Nach­trag: In den Kom­mentaren wurde ganz richtig ange­merkt, dass das Zitat so falsch ist.

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Schtonknormal

Nicht nur der Focus, auch der STERN liess gestern bezüglich der Berichter­stat­tung über einen Amok­lauf Pietät ver­mis­sen. Ich habe dies so getwittert.
stern1
Was war passiert? Das Gerücht über einen Amok­lauf machte die Runde. Für den STERN gin­gen die Alar­m­glock­en (im 1.Link) an, die Inter­net­nutzer schon jet­zt auf die eige­nen Seit­en zu lock­en, auch wenn genauere Infor­ma­tio­nen noch nicht da waren:
stern11
Nach­dem mehr Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung standen, wurde der entsprechende Link (im 2.Link) nochmal getwit­tert und mit dem Hin­weis verziert, es gäbe auch eine “Twit­ter-Über­sicht”. Dies ist etwas ver­wun­der­lich, da der­selbe Autor ein wenig später behauptet, in Twit­ter gäbe es zum Amok­lauf gar keine sin­nvollen Tweets.stern2
Im von mir angegebene 3. Link wird sich über die Pietät­losigkeit der Twit­ter­nutzer ausgelassen:
stern3
Das liest sich so noch ganz nett. Im Artikel aber liest man:

Dank Twit­ter find­en Amok­läufe und Katas­tro­phen auf den Mon­i­toren statt.
Wenn der Pöbel gle­ichzeit­ig zum Nachricht­en­empfänger und Versender wird, bleibt häu­fig viel auf der Strecke.
Während aus­ge­bildete Jour­nal­is­ten eigentlich wis­sen, wie mit Namen, Adressen und Bildern umge­gan­gen wer­den darf, erfährt man bei Twit­ter schnell, wie der mut­maßliche Täter heißt.
So funk­tion­iert das Web. Aus ein­er Mel­dung wird eine Law­ine, die den Wahrheits­ge­halt oft unter sich begräbt. Das Jed­er-kann-mit­machen-Inter­net zeigt seine Fratze.

Hier denkt ein Jour­nal­ist am Tage eines tödlich ver­laufe­nen Amok­laufs zu einem Zeit­punkt, an dem die großen Fernse­hanstal­ten ihre Son­der­sendun­gen vor­bere­it­en, es sei passend, anhand der Tweets über den Amok­lauf mit Twit­ter abzurechnen.
Ich vertei­di­ge hier wirk­lich nicht die Tweets irgendwelch­er Twit­ter-Nutzer. Ich habe Twit­ter nicht ver­wen­det, um mir ein Bild über die Geschehnisse zu machen. Ich habe pietät­lose Dinge heute nicht gele­sen. Manch­mal ist Twit­ter so schnellebig, dass Tweets an einem vor­beirauschen. Der Artikel des STERNS rauscht nicht. Er rauscht nicht und er erre­icht sicher­lich deut­lich mehr Leser als die einzel­nen Tweets, über die sich der Autor so exaltiert, die er aber nicht ver­linkt, und denen er eine besorgnis­er­re­gende Ver­bre­itung unterstellt.
Mich inter­essieren hier auch nicht die Verärgerun­gen von Print­jour­nal­is­ten über Blogs und die ver­meintlich neue Wun­der­waffe Twit­ter. Es wird nur an dieser Stelle deut­lich, dass wohlmöglich nicht Blogs der größte Feind von Print­jour­nal­is­ten sind, son­dern die eigene hek­tis­che Unbe­dachtheit, in der sie sich äußern.

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Wie der niederländische Außenminister twittert

Während in Deutsch­land Poli­tik­er eher behäbig mit Twit­ter umge­hen und schon für das Ein­richt­en eines Twit­ter-Accounts hochgelobt wer­den, behan­delt man das The­ma in den Nieder­lan­den intensiver.
Eine Stu­dentin aus Rot­ter­dam analysierte die Twit­terei des nieder­ländis­chen Außen­min­is­ters Maxime Ver­ha­gen. Dies ist die Über­set­zung eines Artikels hierzu von frank-ly.nl:
“In let­zter Zeit haben diverse Blogs, aber auch Main­streamme­di­en­dem Twit­ter-Zugang von Maxime Ver­ha­gen große Beach­tung geschenkt. Es ist eigentlich über diesen Poli­tik­er schon alles geschrieben wor­den, aber soweit ich weiß nicht aus ein­er wis­senschaftlichen Annäherung her­aus. Daphne Jacob­sen ist Stu­dentin an der Uni­ver­sität von Rot­ter­dam, wo sie den Mas­ter Medi­en & Jour­nal­is­tik belegt. Sie hat eine Unter­suchung über Maxime Ver­ha­gen gemacht für den Work­shop “Bürg­er, Jour­nal­is­ten und Poli­tik­er im Web 2.0”. Schon ihre Mit­stu­den­ten haben sich für Poli­tik­er auf Hyves (nieder­ländis­che Ver­sion von Face­book) entsch­ieden, sie jedoch für Twitter. […]
Die zen­trale Frage der Unter­suchung lautet: “Welche Rolle spielt Twit­ter im Kon­takt von Maxime Ver­ha­gen und seinem Umfeld?”. Es ist eine qual­i­ta­tive Unter­suchung, die aus drei Teilen beste­ht, einem Vorgehens‑, einem Inhalts- und einem Rezep­tion­steil. Im fol­gen­den alle drei Teile aus der Vogelperspektive:
Der Vorge­hen­steil bein­hal­tet die Teil­frage “Auf welche Weise ver­wen­det Maxime Ver­ha­gen Twit­ter, und wie macht sich das bemerk­bar?” Um dies zu unter­suchen hat Jacob­sen sechs Inter­viewfra­gen gestelt. Lei­der hat­ten wed­er der Außen­min­is­ter, noch sein Press­esprech­er Zeit, diese zu beant­worten. Der Press­esprech­er ließ wis­sen, dass es genug Inter­views geben, aus denen sie diese Infor­ma­tio­nen her­holen könne. @maximeverhagen gibt in diesen Inter­views an, dass das Informieren der Bürg­er über die Aus­rich­tung der Außen­poli­tik und wie diese in der Prax­is erkennbar wird die Haupt­gründe für ihn seien, um zu twittern.
Der Inhalt­steil stellt die Fra­gen “Wie sehen die tweets von Ver­ha­gen und sein­er Fol­low­er inhaltlich aus und worüber tauschen sie sich aus?” Zur Beant­wor­tung dieser Fra­gen wur­den 300 Tweets in Form ein­er Inhalt­s­analyse begutachtet wor­den. Die Tweets umfassen einen Zeitraum vom 08.12.2008 bis 10.01.2009. Der Außen­min­is­ter gibt unge­fähr 10 Tweets am Tag ab, wovon zwei Drit­tel Antworten auf andere Tweets sind. Es gibt unge­fähr 50 Men­schen, die in einem fes­ten Aus­tausch mit dem Min­is­ter ste­hen. Sie fra­gen meist nach Din­gen, die sein Amt als Außen­min­is­ter betreffen.
Zum Schluß kommt der Rezep­tion­steil “Wie bew­erten Bürg­er Twit­ter und welche Rolle spielt Twit­ter für sie?”. Zur Beant­wor­tung dieser Frage hat Jacob­sen 29 Fol­low­er von Ver­ha­gen ein paar Fra­gen gestellt. […] Der Großteil der Befragten arbeit­et in der Kom­mu­nika­tions-Medi­en­branche und alle Befragten geben an, Twit­ter der Unter­hal­tung wegen und für soziale Kon­tak­te zu ver­wen­den. Die Hälfte aller Befragten gibt an, Twit­ter zu ver­wen­den, um auf ihrem Fachge­bi­et auf der Höhe zu bleiben. Ein klein­er Anteil meinte, man habe erhofft, dass Ver­ha­gen etwas aus seinem Pri­vatleben erzählen würde. Sie wüssten nun immer­hin einiges mehr über seine Amtsführung.
Schluß­fol­gerung
In dieser Analyse ste­ht die Frage zen­tral, welche Rolle Twit­ter im Kon­takt mit Maxime Ver­ha­gen und seinem Umfeld spielt. An Hand der Unter­suchungsre­sul­tate kann sehr wohl etwas über die Inter­ak­tiv­ität von Ver­ha­gen und ander­er Twit­ter­er gesagt wer­den. Aus diversen Unter­suchun­gen kommt her­aus, dass Poli­tik­er Inter­ne­tan­wen­dun­gen ver­wen­den, um Men­schen, die sich für Poli­tik inter­essieren, weit­er ans­pornen, sich mit ihren (denen der Poli­tik­er) poli­tis­chen Ideen zu beschäftigen.
Bei Maxime Ver­ha­gen ist das offenkundig anders. Es geht oft­mals um pri­vate Dinge und nicht all seine Fol­low­er haben Inter­esse an Poli­tik. Daher ist diese Inter­ak­tion etwas außergewöhn­lich. Hier muss allerd­ings eine gewisse Trennschärfe hereinge­bracht wer­den, da die betrof­fe­nen Twit­ter­er nicht repräsen­ta­tiv sind für die nieder­ländis­che Bevölkerung. Es sind im all­ge­meinen sehr gut aus­ge­bildete Men­schen aus der Kom­mu­nika­tions- und Medi­en­branche oder Men­schen mit ein­er starken Tech­nikaffinität bei Twit­ter unterwegs.”
Noch keine ganz großen Forschungsergeb­nisse, aber eine dur­chaus inter­es­sante Annährung an das Phänomen Twit­ter, wie ich finde.

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Obamas Begriffskorrektur

Der neue Präsi­dent geht auf seine Weise mit über­frachteten Infor­ma­tio­nen um: In den ersten Tagen ist vor allem die Schließung des Gefan­genen­lagers Guan­tanamo als poli­tis­chem Neuan­fang durch Oba­ma gewürdigt wor­den. Allerd­ings fan­den erste Verän­derun­gen schon bei sein­er Antrittsrede statt.
inauguration
Barack Oba­ma bricht mit der Aus­druck­sweise der Vorgänger­regierung. Man kann sich jet­zt natür­lich stre­it­en, ob es ein­fach nicht seine Aus­druck­sweise war oder ob eben nur die Vorgänger­regierung eine selt­same Aus­druck­sweise ver­wen­det hat. Aber damit ist Schluß: Die Begriffe “Achse des Bösen” und die pauschale Ein­teilung der Welt in “gut und böse”, “wer nicht mit uns ist, ist gegen uns” scheint ein amerikanis­ches Relikt der tur­bu­len­ten Anfangs­jahre dieses Jahrtausends zu werden.
Gott­sei­dank, kann man da nur sagen. Statt “gut und böse” ver­wen­det “Oba­ma “gut und schlecht”, wenn auch nicht in Beziehung auf Län­der, Rassen oder Ter­ror­grup­pen, son­dern auf Banken. Und da ist noch die Frage, ob es über­haupt möglich gewe­sen wäre, Banken als böse zu betiteln. Aber ich unter­stelle mal, dass Oba­ma “böse” in den Altwörter­schrank schmeisst. Wer immer dieses Wort ver­wen­det, akzep­tiert, dass beiläu­fig aus­ge­sagt wird, ein Men­sch, eine Volks­gruppe sei von Grund auf ver­an­lagt dazu, schlecht zu han­deln. Solche Leute kann man natür­lich gut von sich selb­st unter­schei­den. Nie­mand sagt über sich selb­st, man würde grund­sät­zlich daneben liegen.
Aber was ist das für eine Vorstel­lung vom Men­schen als möglicher­weise grund­sät­zlich böse? Eine mit­te­lal­ter­liche, wie mir scheint. Eine andere Begriffsver­wen­dung drückt daher ein anderes Welt­bild aus, ein aufgeklärteres.
Es ist zumin­d­est inter­es­sant zu sehen, dass Oba­mas Poli­tik nicht davon gekennze­ich­net ist, sich über neg­a­tive Begriffe zu pro­fil­ieren. Bis­lang waren die starken, gängi­gen Begriffe durch­weg pos­i­tiv­er Natur. Vielle­icht kommt man eines Tages dazu, dass hier ein ger­adezu gegen­sät­zlich­es Ver­hal­ten von Oba­ma- und Bush-Regierung zu sehen ist.

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Die Halbwertszeit der New York Times

Irgend­wie hat es jed­er schon gehört, dass es in diesem Jahr zu deut­lichen Verän­derun­gen kommt, aber wie das genau ablaufen soll, ist noch unklar. In Deutsch­land redet man bish­er öffentlich nur von Kurzarbeit, heute kam die Mel­dung rein, bei SAP stün­den 600 Arbeit­splätze durch Nichtwiedere­in­stel­lung auf der Kippe. Die Arbeit­slosen­zahlen sind stärk­er gestiegen als gedacht, was aber auch auf den Win­ter zurück­ge­führt wird. Klingt nicht gut, aber auch nicht so drama­tisch wie die 25.000 Arbeit­splätze, die die Nieder­lande in den ver­gan­genen Monat­en schon ver­loren hat.
Wirtschaftlich krieselt es auch bei den Zeitun­gen. Außer­dem ist dies ein Bere­ich, der es mit grund­sät­zlichen Verän­derun­gen zu tun bekom­men wird. Viele Leute lesen im Inter­net, was sie nicht zusät­zlich auf Papi­er kaufen wer­den. Viele schreiben im Inter­net, wodurch vie­len die Zeit fehlt, sich noch auf eine Zeitung zu konzentrieren.
Beson­ders hart scheint es da derzeit die New York Times zu treffen.Das Mag­a­zin The Atlantic befasst sich in sein­er dies­monati­gen Aus­gabe mit den Fra­gen, wie lange diese Zeitung noch durch­hält. 2007 hat­te das Blatt begonnen, seine Artikel voll­ständig online zu pub­lizieren, um attrak­tiv­er für Wer­bekun­den zu wer­den. Aber der Schuss scheint nach hin­ten gegan­gen zu sein.
Das Wall­street Jour­nal ver­meldete in der ver­gan­genen Woche, dass der mexikanis­che Mil­liardär Car­los Slimm Ret­ter der Zeitung würde und 250 Mio. in die New York Times pumpt. Kurz danach wurde allerd­ings bekan­nt, dass dieses Geld mit 14,5% verzinst ist. Der Zeitung muss es also schon sehr dreck­ig gehen, wenn man einen der­ar­ti­gen Kred­it annehmen muss.
Atlantic-Autor Michar Hirschhorn unkt, dass die New York Times bere­its in Kürze durch Google, CBS oder Microsoft über­nom­men und aus­geschlachtet wer­den k?nnte. Was ein Alb­traum für die Zeitungswirtschaft.
Wer von den deutschen Zeitun­gen dran glauben wird müssen, das scheint noch offen zu sein. Auss­chließen ist da aber nichts. Mich per­sön­lich würde wohl das Ende ein­er kleineren Zeitung inhaltlich wenig stören. Sich­er, sollte die FAZ der­art aus­geschlachtet wer­den, wäre das schon stark gewöh­nungs­bedürftig. Aber deren neu­mod­ern­er Hang, die Pop­kul­tur zu huldigen, ist auch schon gewöhnungsbedürftig.

9 Jahre lang habe ich früher gerne die Wochen­zeitung Die Woche gele­sen, bis sie eingestellt wurde. Die Zeitung sollte langfristig Konkur­renz zu Die Zeit wer­den, was aber nicht geklappt hat. Wie Mar­cel Reich-Ran­ic­ki ihr damals bescheinigte, fehlte ihr ein­fach die Leser­schaft, neben den etablierten Zeitung brauchte man keine weit­ere. So sehr ich Die Woche auch mochte, das mark­treg­ulierende Argu­ment des Lit­er­atur­pap­stes musste ich gel­ten lassen. Dabei war es die erste größere Zeitung, die bunte Bilder veröf­fentlicht hat. Am läng­sten wehrte sich die FAZ dage­gen, aber mit­tler­weile ist dies der Stan­dard. Auch dass man ein kleineres For­mat ver­wen­dete war neu. Aber all das war nicht geschäft­stüchtig: Die Woche machte jährlich 500.000€ minus.
Vielle­icht ist dies eh ein Erleb­nis, dass man kün­ftig nicht mehr haben wird: Eine sich etablierende, neue Zeitung.

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Mediale Unabhängigkeit

Ver­e­na Friederike Hasel hat im Tagesspiegel einen Patch­work-Artikel über Blogs veröf­fentlicht. Inter­es­san­ter­weise wurde sich auf den Artikel in der Blo­gosphäre kaum bezo­gen. Nur Spree­blick und Coffee&TV rümpften etwas ihr pekiertes Näschen.
Dabei ist der Artikel, wie ich finde, schön geschrieben. Und man sollte ihn auch als Patch­work-Artikel lesen. Sie ver­sucht zwar auch einen generellen Aus­blick über die Blogs und was sie noch ler­nen müssen zu geben, aber das klappt irgend­wie nicht. Kann man auch ignori­eren. Sie wirft einen sach­lichen Blick auf Blogs, durch die Augen ein­er Leserin, die nun nicht über alle Maßen blo­gaf­fin ist. Dazu passt es nicht, die Posi­tion im Artikel zu wech­seln und irgendwelche Wer­tigkeit­en ins Spiel zu brin­gen. Hätte man auch nicht müssen. Aber egal.
Hasel kratzt aber an zwei Din­gen, die ich ganz inter­es­sant finde. Ein­er­seits, die von ihr abgelehnte “Bühne der Frei­heit”, die Blogs darstellen — wer immer das auch behaupten mag. Ander­er­seits die Frage, weswe­gen Blogs in Deutsch­land sich nicht so durchge­set­zt haben.
Über Frei­heit hat­te ich es ja schon ein­mal. Hasel lässt ihren Gedanken aber verküm­mern. Blogs seien keine “Bühne der Frei­heit”, weil der Blog von Pax erst durch den Guardian gehypt wer­den musste. Und eine weitre­ichende Ver­bre­itung von Blogs stünde ent­ge­gen, dass sie zuviel Infor­ma­tion böten, als dass eine größere Anzahl von Lesern die Muße hät­ten, sie zu durchstöbern.
Es ist völ­lig unklar, weswe­gen Blogs nun keine “Bühne der Frei­heit”, was immer damit gemeint sein soll, sind und ob bei­de nach­fol­gen­den Gedanken dage­gen sprächen. Damit meint man doch eine pub­lizis­tis­che Unab­hängigkeit. Gewährt im aller­grundle­gen­sten Fall durch kosten­lose Blo­gan­bi­eter. Zeitun­gen dür­fen sich ja viel eher die Frage stellen, ob sie eher eine “Bühne der Frei­heit” sind, wenn es sich heutzu­tage keine einzige Tageszeitung leis­ten kann, nicht über das Dschun­gel­camp zu bericht­en. Blogs kön­nen das. Ohne Prob­leme. Und ohne zu befürcht­en, dass man deswe­gen out wer­den würde. Die Blogs leis­ten sich genau die jour­nal­is­tis­che Frei­heit, mit denen Zeitun­gen einst ange­fan­gen sind. Vielle­icht sind Zeitungs­mach­er weniger über Blogs, son­dern über den Ver­lust des eige­nen früheren Sta­tus’ so sauer.
Der zweite inter­es­sante Gedanke Hasels dreht sich um die the­ma­tis­che Bedeu­tungslosigkeit deutsch­er Blogs. Diese Diskus­sion gibt es in anderen Län­dern eben so. Immer wird der Ver­gle­ich mit Ameri­ka angestrebt, dort seien Blogs viel tiefer ver­ankert. Dort spie­len aber auch Radiosendun­gen poli­tisch eine bedeut­samere Rolle als in Deutsch­land. Nie­mand beschw­ert sich um die Bedeu­tungslosigkeit von WDR 4.
In der Tat sind die bekan­ntesten deutschen Blogs erschreck­end seicht. Hasel unkt, dass kön­na damit zusam­men hän­gen, dass bish­er kein spek­takulär­er Coup gelandet wor­den sei, was damit zusam­men­hän­gen kön­nte, dass Deutsche wenig blo­gaf­fin seien. Auch kein son­der­lich überzeu­gen­der Schluss. Blöd für die Zeitun­gen bleibt weit­er­hin, dass in Blogs die Gefahr lauert, dass sie an Niveau deut­lich zulegen.
Ich denke eher, dass deutsche Zeitun­gen doch ziem­lich gut sind. Was wirk­lich poli­tisch rel­e­vant ist, wird von denen aufge­grif­f­en und durch kluge Köpfe wiedergegeben. Die gegen­seit­ige Konkur­renz spornt da auch an. Das ist doch gut. Deutsch­land­in­terne The­men sind also qua­si vergeben an Zeitun­gen, wenn die schon nicht ein­mal mehr ihre Pfoten von Pop­kul­turscheiss wie dem Dschun­gel­camp lassen können.
Derzeit wären deutsch­landex­terne aber deutsch­landrel­e­vante The­men ein Freiplatz. Es gibt viele Krisen­ge­bi­ete, die in deutschen Zeitun­gen nicht unterkom­men, weil die zuständi­gen Redak­teuere meinen, sie hät­ten keinen Platz dafür.
Es ist schon son­der­bar, dass deutsche Zeitungsleser derzeit bess­er über die Lage im Dschun­gel­camp informiert sind als über die Lage der Hutus und Tut­sis. Und komme mir nun nie­mand mit, das eine sei doch nun Feuil­leton und das andere der Poli­tik­teil. Wie zynisch möcht­en Sie wer­den? Statt Leuten bei der Zivil­i­sa­tion zu helfen, entzivil­isiert man lieber zur Unter­hal­tung abge­halfterte Ex-Stars. Und die Zeitun­gen müssen darüber schreiben. Sie müssen es. Ver­ste­hen Sie? Sie müssen es:
TAZ, FAZ, Süd­deutsche, Tagesspiegel, Welt, NOZ, Die ZEIT, Frank­furter Rund­schau, Berlin­er Mor­gen­post, Rheinis­che Post, Ham­burg­er Abend­blatt, Gen­er­al Anzeiger Bonn, Neuß-Greven­broich­er Zeitung, Berlin­er Zeitung, Augs­burg­er All­ge­meine, Wet­ter­auer Zeitung, tz, Mit­teldeutsche Zeitung, Köl­ner Express und und und.
Dies scheint aber nur ein Virus zu sein, das deutsche Zeitun­gen anheim­fällt. Die Neue Zürich­er Zeitung kann auch seit 3 Jahren ganz gut ohne.
Damit fällt aber auch das Argu­ment der Unüber­sichtlichkeit von diversen Blogs, aus denen der User mühevoll seine Infor­ma­tio­nen her­aus­suchen muss. In Zeitun­gen muss er mit­tler­weile genau­so fil­tern, um neben Dschun­gel­camp-arti­gen Bericht­en und Wer­bung das Inter­es­sante zu finden.

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