Links zur Schäuble-Frage an Merkel

Youp’s last tweet

This is a sad day for twit­ter users as one of the most important dutch caba­ret artists, Youp van ‘t hek announ­ced to stop twit­te­ring:
youp
[“Letz­ter Tweet, 500 sind mehr als genug. Wer­de nun wie­der ande­re sinn­lo­se Din­ge tun. Vie­le Dank für die Auf­merk­sam­keit. / Last tweet. 500 are more than enough. I’m going to do some other sen­s­less things by now. Thanks for your atten­ti­on!”]
And for tho­se that don’t know Youp by now, here’s a song in dutch with a ger­man trans­la­ti­on:

Tau­send Hun­ger­bäu­che in Ruan­da
Mil­lio­nen Hutu­tut­sis gehen drauf
In Chi­na läuft der aller­letz­te Pan­da
Und Chi­qui­ta ist ne präch­ti­ge Bana­ne
Ein Flug­zeug stürzt ins Meer, dicht bei Bis­ka­ya
Dabei sind hun­der­te gestor­ben
Ein Teil wurd’ auf­ge­fres­sen von den Hai­en
Und Chi­qui­ta ist ne präch­ti­ge Bana­ne
Pal­es­ti­nen­ser wer­fen wei­ter mit Stei­nen
Die Umwelt ähnelt immer mehr dem Mond
In Bel­gi­en sind Kin­der­chen ver­schwun­den
Und Chi­qui­ta ist ne präch­ti­ge Bana­ne
Ein Tor­na­do for­dert 56 Tote
Und Arie, ja, Arie, der kann gehn
Le Pen meint, alle Neger sind auch Juden
Und Chi­qui­ta ist ne präch­ti­ge Bana­ne
Ihr seht die News, Dank sei der Rekla­me
Seht Ihr wie wir dem Don­ner ent­ge­gen gehn
Von allen Toten ver­gesst Ihr alle Namen
Außer Chi­qui­ta
Denn Chi­qui­ta ist ne präch­ti­ge Bana­ne
Ja, ist ne präch­ti­ge Bana­ne
Ja, ist ne präch­ti­ge Bana­ne
Cha cha cha
youp2
[“Gebo­toxt unter der Bur­ka. Dann bist du reich.” / “Being boto­xed under your bur­qa. Then you’­re rich.”]

Merkel ’not amused’ über kritische Frage

Der für den Tele­graaf schrei­ben­de freie Jour­na­list Rob Savel­berg hat sei­nen Arti­kel zur Pres­se­kon­fe­renz zum Ende der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ver­öf­fent­licht. Hier die Über­set­zung aus dem Nie­der­län­di­schen:
http://www.telegraaf.nl/buitenland/5156227/__Luchtjes_aan__Mannschaft___.html?p=22,1
Etwas Faul an Mer­kels Mann­schaft
Die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel war not amu­sed als der Kor­re­spon­dent des Tele­graaf, Rob Savel­berg, sie nach den Umstän­den der Beru­fung von Wolf­gang Schäub­le zum Finanz­mi­nis­ter frag­te.
Mer­kel mach­te ges­tern erleich­tert ihr neu­es Kabi­nett bekannt. Ihre “Mann­schaft” besteht aus einer mit­ter­ech­ten Koali­ti­on von CDU/CSU und FDP, die unse­re Ost­nach­ba­ren aus dem wirt­schaft­li­chen Morast zie­hen muss. Aber es bestehen Zwei­fel über die Ver­trau­ens­wür­dig­keit und Eig­nung eini­ger Minis­ter Mer­kels.
Mit­ten in der größ­ten finan­zi­el­len Kri­se seit 1929, zu einem Zeit­punkt, in dem die Staats­schuld explo­diert und ver­sa­gen­de Ban­ken mit einer hal­ben Bil­li­on Steu­er­geld geret­tet wer­den müs­sen, ver­traut Mer­kel die Finan­zen von 82 Mil­lio­nen Deut­schen an einen kon­ser­va­ti­ven Par­tei­ge­nos­sen, der an einem aku­ten Erin­ne­rungs­ver­lust litt.
Am 2. Dezem­ber 1999 erklär­te Wolf­gang Schäub­le, dass er den obsku­ren Waf­fen­händ­ler Karl-Heinz Schrei­ber nur ein Mal in einem Hotel in Bonn gese­hen habe. Bei der Befra­gung im Deut­schen Bun­des­tag “ver­gaß” Schäub­le, dass er bei einem zwei­ten Tref­fen mit dem Lob­by­is­ten nur einen Tag spä­ter im Büro, einen Brief­um­schlag mit 100.000 DM bekam.
Das ille­ga­le Geschenk blieb mona­te­lang in einer Schub­la­de lie­gen. Schluss­end­lich kos­te­te die Schmier­geld­af­fä­re Alt­kanz­ler Hel­mut Kohl und Kron­prinz Wolf­gang Schäub­le den Kopf. Schrei­ber ist nach jah­re­lan­ger Flucht gera­de an Deutsch­land aus­ge­lie­fert wor­den. Jetzt darf es Schäub­le (67) erneut pro­bie­ren. Mer­kel stam­mel­te ges­tern nach den Fra­gen des Tele­graafs über die beschmutz­te Ver­gan­gen­heit von Schäub­le: “Er hat viel Erfah­rung und unser volls­tes Ver­trau­en.” Die Kanz­le­rin reagier­te etwas von der Rol­le durch die Kon­fron­ta­ti­on mit der Ver­gan­gen­heit, auch Koali­ti­ons­part­ner und neu­er deut­scher Vize­kanz­ler Gui­do Wes­ter­wel­le schloss aus Ver­zweif­lung kurz die Augen.
Schäubles Ernen­nung ist nicht die ein­zi­ge, die zu Stirn­run­zeln führ­te. Im Außen­mi­nis­te­ri­um bekommt es die Welt fort­an mit Wes­ter­wel­le, dem Vize­kanz­ler des größ­ten EU-Lan­des zu tun. Der libe­ra­le Par­tei­vor­sit­zen­de der FDP spricht jedoch deren Spra­chen nicht. Bei einer Pres­se­kon­fe­renz stell­te ein BBC-Repor­ter ihm eine Fra­ge auf eng­lisch und Wes­ter­wel­le zeig­te Ner­ven. Auf dem Video­ka­nal You­Tube kann man sehen, wie Wes­ter­wel­le sich mokiert, in Deutsch­land müs­se deutsch gespro­chen wer­den. Dane­ben schau­te man in Ber­lin sor­ge­voll auf die Rei­sen, die Wes­ter­wel­le in die Ara­bi­sche Welt machen wird. Zwei­fel­los wird er ab und zu sei­nen Lebens­part­ner mit­neh­men, aber es ist unklar, wie mus­li­mi­sche Län­der auf die homo­se­xu­el­le Bezie­hung Wes­ter­wel­les reagie­ren. In jedem Fall wer­den die Bezie­hun­gen zu den USA stark blei­ben. Sowohl die FDP, die CDU und die bay­ri­sche Schwes­ter­par­tei CSU bestehen aus über­zeug­ten Ver­bün­de­ten der trans­at­lan­ti­schen Bezie­hun­gen. Den­noch wird die zwei­te Regie­rung Mer­kels die Ame­ri­ka­ner bit­ten, die letz­ten Kern­waf­fen in Deutsch­land, Über­bleib­sel des Kal­ten Krie­ges, vom Bun­des­ge­biet abzu­zie­hen.
Wei­ter­hin ist die deut­sche Regie­rung das Resul­tat eines poli­ti­schen Stuhl­tan­zes. Der stüm­per­haf­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Franz-Josef Jung, der nie ein­räum­te, dass sich sein Land in Afgha­ni­stan im Krieg befin­det, darf sich jetzt als Arbeits­mi­nis­ter ver­su­chen. Der ein­fluss­rei­che Wirt­schafts­mi­nis­ter, Karl-Theo­dor Graf zu Guten­n­berg, nimmt die Ver­tei­di­gung unter sei­ne Fit­ti­che.
Schäub­le wird als Innen­mi­nis­ter durch Tho­mas Mai­zié­re (CDU), einem engen Ver­trau­ten Mer­kels, ersetzt. Die far­ben­fro­he Ursu­la von der Ley­en, Mut­ter von 7 Kin­dern, bleibt als Fami­li­en­mi­nis­te­rin Ansprech­part­ne­rin von André Rou­vo­et. Eine wei­te­re Über­ra­schung ist die Beru­fung des 36-jäh­ri­gen FDP-ers Phil­ipp Rös­ler, der als viet­na­me­si­sches Kind durch eine deut­sche Fami­lie adop­tiert wur­de, zum Gesund­heits­mi­nis­ter.
mehr:
Rob Savel­berg im Inter­view mit Welt Online:
Schäub­le ist kei­ne sau­be­re Per­son.
Die Über­set­zung wur­de von Rob Savel­berg auto­ri­siert.
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Vol­ker Pis­pers 1993 über Wolf­gang Schäub­le

Die Revolution der Kabarettisten

Ganz inter­es­sant ist die Sym­bio­se zwei­er Kaba­rett-TV-Sen­dun­gen der letz­ten Zeit. Da besuch­ten Urban Pri­ol und Georg Schramm, die eigent­lich in der ZDF-Sen­dung Neu­es aus der Anstalt zuhau­se sind, die Mit­ter­nachts­spit­zen im WDR. Und im Gegen­zug besuch­te sie Mit­ter­nachts­spit­zen-Chef Jür­gen Becker in der Anstalt. Man mag sich, soviel ist sicher.
Was die Sache aber erst rich­tig inter­es­sant macht ist neben der per­so­nel­len die inhalt­li­che Sym­bio­se: In bei­den Sen­dun­gen wur­de gera­de­zu zu einer Revol­te auf­ge­ru­fen:
Mit­ter­nachts­spit­zen, WDR, 10. Okto­ber 2009

Neu­es aus der Anstalt, ZDF, 20. Okto­ber 2009

Aber an wen rich­ten sich unse­re lie­ben Kaba­ret­tis­ten denn genau? An das anwe­sen­de Publi­kum? An Poli­ti­ker? An den gemei­nen Zuschau­er? An Leu­te, die auf Grund ihres Appells eine Initia­ti­ve ergrei­fen?
Mir wäre eine genaue Beant­wor­tung hier­bei aber eigent­lich auch wie­der wum­pe. Dass Leu­te sich laut­stark für eine Ver­bes­se­rung ihrer mise­ra­blen Situa­ti­on ein­set­zen, ist zwei­fel­los lan­ge über­fäl­lig.
Lese­hin­weis: Jean Zeig­ler — Der Auf­stand des Gewis­sens

CDU gibt zu, Kinderpornografie instrumentalisiert zu haben

„Die gesam­te kul­tu­rel­le Men­ta­li­tät bei uns, reprä­sen­tiert durch Bush oder durch Jung oder durch Schäub­le, ist ein­ge­stellt auf eine gespal­te­ne Welt. Und wenn man sich den ers­ten Kreuz­zug mal anschaut, dann war das schon damals ganz genau­so.”
Horst Eber­hard Rich­ter im Inter­view mit der taz

Ich habe schon mal geschrie­ben, dass ich nicht den­ke, dass die CDU-Leu­te sel­ber den gan­zen Blöd­sinn glau­ben, den sie rund um das Inter­net­sper­ren­ge­setz so faseln. Und jetzt gera­de denkt Wolf­gang Schäub­le, ist es pas­send, auch mal öffent­lich ein­zu­räu­men, dass man natür­lich sel­ber nicht all den Blöd­sinn glau­be, den man da wäh­rend des Wahl­kamp­fes vom Sta­pel gelas­sen hat.
Das macht Schäub­le natür­lich nicht ganz so direkt und nicht genau auf irgend­wel­che Aus­sa­gen bezo­gen, son­dern nur mit Blick auf die eige­ne Glaub­wür­dig­keits­ret­tung:
Der Minis­ter gab hand­werk­li­che Feh­ler beim soge­nann­ten Zugangs­er­schwe­rungs­ge­setz für Stopp­schil­der im Inter­net zu. Das Gesetz zum Schutz vor Kin­der­por­no­gra­fie sei im End­spurt des Wahl­kamp­fes auch des­halb ent­stan­den, um die CDU gegen­über ande­ren Par­tei­en abzu­set­zen.[1. (via) ]
“Hand­werk­li­che Feh­ler” nennt man das heut­zu­ta­ge in der Poli­tik. Was für eine Per­ver­si­on.
Wis­sen Sie, wenn ich einen Tisch kau­fe und da sind nur drei Tisch­bei­ne dran, dann glau­be ich an einen hand­werk­li­chen Feh­ler. Aber wenn erfah­re­ne Poli­ti­ker ein sen­si­bles The­ma auf­grei­fen, im vol­len Bewusst­sein, dass sie damit die Opfer von Kin­des­miss­hand­lun­gen instru­men­ta­li­sie­ren, ohne dass die­se davon auch nur irgend­wie pro­fi­tie­ren, und nur um das Pro­fil der eige­nen Par­tei zu schär­fen, dann ist das nur eines: Berufs­zy­nis­mus.
Die CDU ist die Par­tei der Dop­pel­mo­ral. Was das C unter den drei Buch­sta­ben noch ver­lo­ren hat — ich habe kei­ne Ahnung.

Bodo Hombach über das Internet-Manifest

Bodo Hom­bach hat sich zum Inter­net-Mani­fest geäu­ßert. Es ist aber schon mehr als das, es geht auch um die rund um die Zen­sur­su­la-Geschich­te rum­schwir­ren­de Fra­ge nach einer Regu­lie­rung des Inter­nets.
Nun ist Bodo Hom­bach sicher kein Schrift­stel­ler höchs­ter Qua­li­tät und im Jar­gon der Blogs schreibt er auch nicht. Aber das soll­te man mal kurz bei­sei­te las­sen. Dazu soll­te man bei Hom­bachs Text des­sen Anspie­lun­gen auf ande­re Din­ge bei­sei­te las­sen, ich habe nicht den Ein­druck gewon­nen, dass sie zur Kläung des Inhalts bei­tra­gen.
Wor­um geht es Hom­bach also? Es geht ihm dar­um, einen netz­werk­ar­ti­gen Fix­punkt dar zu stel­len zwi­schen Per­so­nen, die den “alten” Medi­en ver­schrie­ben sind, Per­so­nen, wie den Inter­net-Mani­fes­tern, die bei­des ken­nen, aber eher dem Inter­net anhän­gig sind, und letz­ten Endes auch Per­so­nen, die ganz dem Inter­net anhän­gen. Das ist inso­fern inter­es­sant, als dass Hom­bach poli­tisch und wirt­schaft­lich abso­lut kein Nobo­dy ist.
Was sagt Hom­bach? Erstaun­lich wenig für 6 aus­ge­druck­te Seiten[1. Tho­mas Knü­wer hat ein­zel­ne Sät­ze Hom­bachs aus dem Text genom­men und dar­aus eine Brand­re­de ver­fasst. Das scheint mir nicht zu funk­tio­nie­ren, weil Hom­bach ein­fach nicht gut genug schreibt, als dass sich dar­aus kon­kret able­sen lies­se, ob er gegen jeman­den bestimm­tes gera­de etwas sagen möch­te oder nur irgend­wel­che Argu­men­te aus dem Weg räumt. ]: Das Inter­net braucht Regeln und die Men­schen soll­ten dem Inter­net dadurch ihren Stem­pel auf­drü­cken, um so Cha­os und Ver­bre­chen Ein­halt zu gebie­ten.
hombachim
Ich fin­de, dage­gen spricht eigent­lich auch nichts. Zumin­dest kann man dies als eine Posi­ti­on in einer Inter­net­de­bat­te durch­aus ver­tre­ten.
Das Ding ist nur, es gibt schon Regeln und neu­er­dings schei­nen sich beson­ders Poli­ti­ker und alt­her­ge­kom­me­ne Medi­en­ma­cher auf die Fah­nen geschrie­ben zu haben, gegen die­se Regeln ihren auf Kon­trol­le und Pro­fit gebürs­te­ten Stem­pel mit aller Macht anwen­den zu wol­len. Und eben das wird nicht rei­bungs­los funk­tio­nie­ren.
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Fuß­no­te:

Did God not create heaven and earth?

Bad news for crea­tio­nists: The one who claims God crea­ted hea­ven and earth can’t rela­te that to Gene­sis. That’s what Ellen van Wol­de is going to say tomor­row mor­ning in her inau­gu­ral speech in Nij­me­gen, the Net­her­lands.
In Gene­sis there’s only writ­ten down that God par­ted hea­ven and sea, so the­re was some­thing the­re befo­re.
Does­n’t that mean God only used evo­lu­ti­on?
genesis11

Als Gott mit der Schöpfung anfing, gab es schon Meeresleben

Die Schöp­fungs­leh­re kriegt nach lan­ger Zeit wie­der mal ein Update: Wer behaup­tet, dass Gott Him­mel und Erde geschaf­fen hat, kann sich dafür nicht auf die Schöp­fungs­ge­schich­te der Bibel bezie­hen. Das meint die Nim­we­ge­ner Theo­lo­gie­pro­fes­so­rin Ellen van Wol­de in ihrer mor­gi­gen Antritts­vor­le­sung.
Denn dort ist nur die Rede davon, dass Gott Him­mel und Erde von­ein­an­der trenn­te. Da war also schon was. Schlech­te Zei­ten für Krea­tio­nis­ten, wenn der obers­te Boss schon auf die Evo­lu­ti­on zurück­ge­grif­fen hat, oder?
genesis11

Die taz-Piraten oder: Wie man eine Verschwörungstheorie entert

tazpiraten
Wenn sich in letz­ter Zeit wirk­lich eine deut­sche Zei­tung um ein exter­nes Watch-Blog bemüht, dann ist es die tages­zei­tung, kurz taz.
Als Ines Pohl im ver­gan­ge­nen Som­mer die Lei­tung der taz von Bascha Mika über­nahm, sag­te sie:

Bascha Mika warnt davor, dass die „taz“ zurück­fällt in eine Zeit der Gra­ben­kämp­fe und zurück­kehrt in ideo­lo­gi­sche Ecken von vor­ges­tern. Das wird der „taz“ auch mit mir in der Chef­re­dak­ti­on nicht pas­sie­ren.


Links zu sein heißt für mich auch, kri­tisch und auf­stän­disch sein, Attri­bu­te, die für die „taz“ ja pas­sen.

Wirk­lich?
In den letz­ten Wochen fiel ver­stärkt auf, wie die taz die Pira­ten­par­tei ins Visier nahm.
Im Arti­kel Die Untie­fen der Frei­heit kon­sta­tiert Albrecht von Lucke, man wird sich, sofern die Pira­ten­par­tei nicht ihren Frei­heits­be­griff klär­te,
nicht dar­über wun­dern kön­nen, wenn sich auch in Zukunft hin­ter dem Pira­ten-Label alle mög­li­chen zwie­lich­ti­gen “Frei­heit­li­chen” ver­sam­meln wer­den.
Julia See­li­ger weiss aus dem Umstand, dass das Vor­stands­mit­glied der Pira­ten­par­tei Andre­as Popp nai­ver Wei­se der rechts­ge­rich­te­ten Zei­tung Jun­ge Frei­heit ein Inter­view gege­ben hat, den Schluss zu zie­hen:
Aber­mals ist es der Pira­ten­par­tei pas­siert, unsen­si­bel gegen­über rechts­las­ti­gen Argu­men­ta­tio­nen gewe­sen zu sein.
Rhe­to­rik für Anfän­ger. Wenn sie jeman­dem nichts direkt vor­wer­fen kön­nen, ver­su­chen sie es indi­rekt. Das Inter­view ging über­haupt nicht um rech­te The­men, der Inter­view­er ver­such­te nicht, dem Inter­view­ten Mei­nun­gen unterzuschieben[1.
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1. Dis­ku­ta­bel ist dabei natür­lich der Satz des Inter­view­ers Lin­ke, sozia­le Par­tei­en ste­hen klas­sisch für sozia­le Ent­mün­di­gung zuguns­ten eines stark bemut­tern­den Staa­tes.
Aber Popp pariert die­sen Satz
] oder zu beför­dern. Was also tun? Wer­fen sie ihm geschwur­bel­tes Zeugs vor, wie “unsen­si­bel gegen­über rechts­las­ti­gen Argu­men­ta­tio­nen” zu sein. Rechts­las­ti­ge Argu­men­ta­tio­nen sind nicht behan­delt wor­den, aber gefühlt sind sie eben für die sen­si­blen tazler immer im Spiel. Da kann man argu­men­ta­tiv nichts mehr anrich­ten: Gefüh­le unter­ste­hen der pri­va­ten Äuße­rungs­be­rech­ti­gung.
Felix Lee mut­maßt nach der Bun­des­tags­wahl, die Pira­ten­par­tei freue sich über
720.000 Euro, die dem­nächst in ihre Par­tei­kas­sen flie­ßen wer­den. An der Finanz­si­tua­ti­on wird es also nicht lie­gen, falls der nun anste­hen­de Par­tei­auf­bau schei­tern soll­te.
Offen­bar geht man bei der taz davon aus, dass ein anste­hen­der Par­tei­auf­bau schei­tert. Lee und See­li­ger kom­men zu der erstaun­li­chen Ein­sicht, eini­ges sprä­che für den
Fort­be­stand der Inter­net-Par­tei auch nach der Bun­des­tags­wahl. […]
Zudem wür­de es
nicht ver­wun­dern, wenn bereits die nächs­te Bun­des­re­gie­rung spe­zi­ell einen Staats­se­kre­tär für die Online-Welt abstem­pelt. — Dem Gedan­ken­gang der Autoren zufol­ge wohl das Aus für die Pira­ten­par­tei.
Der Erfolg der Pira­ten­par­tei in Schwe­den
gibt den Pira­ten Selbst­be­wusst­sein – zu Unrecht. Denn sie sind bei wei­tem nicht die ein­zi­gen, die die Netz­welt­the­men behan­deln.
Bei der taz weiss man wohl inzwi­schen auch, wann wel­che Par­tei zurecht selbst­be­wusst sein darf. Ist das nicht schon ein Par­tei-ergrei­fen?
Heu­te schreibt Paul Wrusch den Arti­kel Der Pirat, der ein­mal Nazi war. Nazis, Neo-Nazis und Rechts­extre­me, das ist bei der taz offen­sicht­lich einer­lei. Der wesent­lichs­te Punkt des Arti­kels über ein Pira­ten­mit­glied, das zuvor extrem rechts enga­giert war, ist hier­bei schon in der Über­schrift fest­ge­hal­ten:
Unter­wan­de­rungs­ten­den­zen.
Wer die taz ver­folgt hat, der weiss wie Wrusch über die Pira­ten­par­tei:
Die tut sich im Umgang mit der­ar­ti­gen Fäl­len und der Abgren­zung nach Rechts noch schwer.
Am Ende, als Höhe­punkt des Arti­kels, kommt Wrusch zu sei­ner eigent­li­chen Mes­sa­ge, die im Kern nichts ande­res ist als eine Ver­schwö­rungs­theo­rie:
Die Rech­ten unter­des­sen wis­sen, dass ihnen von den Pira­ten Kon­kur­renz um Wäh­ler­stim­men droht: Vor allem jun­ge Män­ner könn­ten zu den Pira­ten über­lau­fen, fürch­ten sie. Auf dem Info­por­tal gesamtrechts.net for­dert ein anony­mer Kolum­nist daher schon Anfang August offen: “Wer­det rech­te Pira­ten”. Ein direk­ter Auf­ruf zur Unter­wan­de­rung.
Als ob das noch nicht pein­lich genug wäre, darf sich Wrusch sei­ne Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on von den Rech­ten um die Ohren hau­en las­sen:
Wir haben den Par­tei­stra­te­gen des rech­ten Lagers ange­ra­ten, sich der The­men der Pira­ten­par­tei anzu­neh­men, um auf die­se Wei­se so weni­ge Jung- und Erst­wäh­ler wie mög­lich an die Pira­ten­par­tei zu ver­lie­ren.
Das ist in der Tat so in der zitier­ten Text­pas­sa­ge nach­zu­le­sen. Dass die­se Pas­sa­ge auch von NPD-Info.net falsch gele­sen wur­de, und viel­leicht vom taz-Autor nur über­nom­men wur­de, lin­dert den Scha­den wenig.
Kom­men wir also zum Aus­gangs­punkt zurück: Der Ver­such der taz, ihre Autoren “kri­tisch” auf das ver­meint­lich unge­fähr­li­che Pira­ten­par­tei-The­ma anzu­set­zen, scheint offen­sicht­lich aus dem Ruder zu gera­ten. Denn immer wie­der behan­deln die Autoren eher ihre eige­nen Posi­tio­nen und Vor­ur­tei­le als Fazit ihrer Tex­te, als dass sie Sach­la­gen mög­lichst objek­tiv ana­ly­sie­ren. Ich weiss nicht, ob sich die Autoren damit in der ideo­lo­gi­schen Schmud­del-Ecke befin­den, von der Bascha Mika sprach, aber sau­ber ist das nicht.

Die neue Dörflichkeit oder: Hinterm Horizont geht’s weiter

Eine der moder­nen Zivi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten ist ja das, was ich mal men­ta­le Pro­vin­zia­li­tät nen­nen möch­te: Das per­sön­li­che Unbe­ha­gen damit, dass man in der Pro­vinz wohnt, aber auch der Äuße­rungs­drang, dass man ja gera­de nicht in einer Pro­vinz wohnt, nicht Pro­vinz ist. Für mich sind das zwei Sei­ten einer Medail­le.
Bie­le­feld ist eine Stadt, auf die der Begriff der Pro­vinz eigent­lich schon immer gestimmt hat. In direk­ter Nähe sind die Haupt­quar­tie­re von Groß­fir­men wie Ber­tels­mann, Dr. Oet­ker, Mie­le, sowas ist aber offen­sicht­lich kein Gegen­in­diz. Vor ein paar Jah­ren ging der Bie­le­fel­der Wis­sen­schafts-Preis an Ronald Dwor­kin. Lau­da­tor war damals Jür­gen Haber­mas. Der dama­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter ließ sich die Gele­gen­heit nicht neh­men, um auch eine klei­ne Rede zu hal­ten. Er sprach dar­über, wes­we­gen Bie­le­feld so inter­es­sant sei, was so schön sei, war­um Bie­le­feld eben kei­ne Pro­vinz sei. Die Rede dau­er­te 15 Minu­ten. Einen bes­se­ren Beweis, dass Bie­le­feld Pro­vinz ist, hät­te der Ober­bür­ger­meis­ter nicht lie­fern kön­nen, als das er ver­an­schau­lich­te, dass man min­des­tens eine Vier­tel­stun­de braucht, um das Gegen­teil zu behaup­ten.
Nun gibt es aktu­ell eine gewis­se Bele­bung in die­ser Debat­te men­ta­ler Pro­vin­zia­li­tät. Und ich nei­ge immer stär­ker dazu, dass man auch Groß­stät­tern men­ta­le Pro­vin­zia­li­tät unter­stel­len kann. Man muss also nicht in tat­säch­lich eher länd­li­chen Gebie­ten leben, um unter den Fol­gen von Pro­vin­zia­li­tät zu lei­den. In Bie­le­feld merkt man ja auch, dass vie­le gar nicht dar­un­ter lei­den und inso­fern gar nicht pro­vin­zi­ell sind, zumin­dest nicht men­tal.
Es hat einen Arti­kel von Mat­thi­as Kal­le in der in Ham­burg erscheine­nen ZEIT gege­ben, der sich damit beschäf­tigt, dass angeb­lich plötz­lich ein Mün­chen-Hype aus­ge­bro­chen sei. Pro­vo­kant wird gefragt: „Wie konn­te es dazu kom­men?“ Das ist wohl die Stel­le, die pro­vin­zi­el­le Münch­ner gekränkt hat: Soll­te Mün­chen inzwi­schen gar nicht mehr wür­dig sein, „in“ zu sein? Der Text selbst krän­kelt wider­um dar­an, dass der Autor glaubt, Mün­chens Cha­rak­te­ris­tik nur anhand klei­ner Par­ty- und Mode­mo­men­te, gespickt mit der neu­en deut­schen Dörf­lich­keit fest­ma­chen. Dar­aus kann kei­ne gute Mün­chen-Beschrei­bung ent­ste­hen.
derstenz
Dar­aus kann aber offen­sicht­lich eine Krän­kung von Münch­nern ent­ste­hen, wie der Text Roxy Munich von Bea­te Wild hat Fie­ber ein­drucks­voll unter Beweis stellt. Man ist etwas pikiert über die Ein­stel­lung, Mün­chens Sub­kul­tur erst 2009 für her­aus­he­bens­wert zu erach­ten.  „Schön, dass der Rest Deutsch­lands end­lich mal erfährt, dass Mün­chen eine Sub­kul­tur hat.“ Ver­su­chen Sie mal einen Satz zu for­mu­lie­ren, der noch pro­vin­zi­el­ler klingt. Ein klei­ner, zusätz­li­cher Schön­heits­fleck die­ses Sat­zes ist: Von Mün­chens Sub­kul­tur hat der Rest Deutsch­lands bis heu­te nicht wirk­lich erfah­ren, denn deut­sche Feuil­le­tons sind nun mal nicht mehr mas­sen­wirk­sam. Und eine Sub­kul­tur ist eben nur in Ver­bin­dung mit der Kul­tur, von der sie Sub­kul­tur sein möch­te, les­bar.
Das heisst, es geht um Mün­chen: Die ein­zi­ge Metro­po­le Bay­erns, wo sich das, was sich Sub­kul­tur nennt, dem übrig­ge­blie­be­nen Schi­cki­mi­cki ent­ge­gen stemmt. Ein Kampf gegen die Giu­lia Sie­gels die­ser Welt. Ein Mün­chen, das heu­te im Schat­ten Ber­lins als Deutsch­lands ein­zi­ger Welt­stadt steht. Wobei, wenn man in Ber­lin wohnt, man ja meist eh in irgend­ei­nem klei­nen Ber­li­ner Vier­tel behei­ma­tet ist, das für sich so gar nichts hat. Aber Ber­lin ist eben eine Stadt für Künst­ler und für die, die sich für Künst­ler hal­ten, ein Kul­ture­pi­zen­trum, des­sen Aus­wüch­se aller­dings außer­halb Ber­lins schon kaum noch jeman­den inter­es­sie­ren. Den­noch ist der 30€-Flug Mün­chen-Ber­lin stark nach­ge­fragt, für man­chen ist dies der Aus­weg aus der eige­nen men­ta­len Pro­vin­zia­li­tät. Viel­leicht fällt die auch in Ber­lin ein­fach nicht so auf, weil man auf Brü­der und Schwes­tern im Geis­te trifft.
Wenn sie das Feuil­le­ton der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung auf­schla­gen, kön­nen sie genau das in den Ber­li­ner Arti­keln raus­le­sen: Dem Schrei­ber ist es wich­ti­ger über irgend­et­was zu schrei­ben, weil es in Ber­lin statt­fin­det, als auf den Punkt zu kom­men, der der Sache nach inter­es­sant sein soll. Schlim­mer ist das nur noch in den Aus­ga­ben von der Frei­tag. Das macht wider­um die in Mün­chen her­aus­ge­ge­be­ne Süd­deut­sche Zei­tung so inter­es­sant: Die Abwe­sen­heit eines all­täg­li­chen Drangs von Lokal­pa­trio­tis­mus, der gera­de in letz­ter Zeit zum Aus­gra­ben wirk­lich guter The­men geführt hat, die in hand­werk­lich her­vor­ra­gen­den Tex­ten unter­kom­men.
Heut­zu­ta­ge ist so ein biss­chen Pro­vin­zia­li­tät viel­leicht gar nicht so ver­kehrt.