30. Mai 2019 · Logbuch · #· #· #· #

Lange Überschrift, kurze Antwort: Weil es einen Neuansatz bräuchte, der Zeit dauert.

Aber von vorne: Es gab vor einigen, einigen Jahren schon Analysen, die beinhalteten, dass junge Wähler nicht die CDU in Zukunft wählten, sondern die SPD. Während diese Analysen wohl Recht behielten, was die CDU anging, lagen sie bei der SPD falsch. Wer Schokolade nicht mag, nimmt nicht automatisch eine Schokolade-Alternative, er kann auch was ganz anderes wählen.

Diese Analyse hat die SPD in eine Abwarte-Haltung versetzt, den Zuspruch vieler junger Menschen zu den Gr√ľnen war kein Alarmsignal. Man war ja Volkspartei, die Gr√ľnen nur Klientelpartei, die maximal 15% holt. Die CDU hat nicht reagiert, au√üer vielleicht indem man h√∂chst diskutabel qualifizierte Menschen in den Bundestag setzte, ohne innere Gegebenheiten in Frage zu stellen. Wer so dauerhaft wiedergew√§hlt wird, denkt, das geht eben auch immer so weiter.

Pustekuchen. Beide Parteien beinhalten einen Neulinge abschreckenden inneren Zustand. Als Neuling bekommt man das Gef√ľhl, man m√ľsse sich wie im Schrebergartenverein den biederen Zust√§nden anpassen, revolutioniert wird nicht. Das widerspricht aber dem Trend der Zeit, sich kaum anpassen zu m√ľssen, weil man ein ungemein gro√ües Angebot hat, mit dem man sich in seiner Freizeit besch√§ftigen kann. Wer will da in einen verstaubten Club, in dem man zu husten anf√§ngt.

Es ist also kein neuer Zustand, dass CDU und SPD abschreckend auf Jugendliche wirken. Diesen Trend gibt es seit sicher mehr als 20 Jahren. Dieser Zustand l√§sst sich aber nicht mehr so einfach verstecken in der heutigen Zeit. Deswegen ist es im Grunde ein Leichtes, CDU und SPD eben √ľber jene Klinge springen zu lassen. Wie im Video von Rezo zu sehen: Schon eine flotte Sprache l√§sst diese Parteien alt aussehen. Koppelt man das an offensichtlich zutreffende Argumente, wird es heikel mit einer Rhetorikantwort, will man auf Gedeih und Verderb au√üen vor halten, dass man eben √ľberaltert und verstaubt daher kommt.

Und so kommen beim Video von Rezo eben schlicht diese Dinge beisammen: Stichhaltige Argumente mit Witz in klarer Sprache im passenden Zeitgeistoutfit. Da gegen schickt die SPD Lars Klingbeil im Gamerstuhl. Es sind eben in der SPD nirgends junge Leute, die hier Geschmack und Zeitgeist hochhalten hätte können. Die sind nicht da. Da hilft auch kein Gamerstuhl. Wenn sie in ein fremdes Land gehen und die Sprache der dort Lebenden nicht sprechen, die sie auch nicht verstehen, werden die Leute sie komisch anschauen. Am besten lernt man dann erst mal die Sprache.

Genau hieran hapert es gerade bei CDU und SPD: Man denkt, da w√§re doch sicher irgendwie kurzfristig was zu machen, oder man k√∂nnte sich doch mal in die Sessel setzen, in denen sich die jungen Leute wohl f√ľhlen, etwas Klimaschutz und fertig ist die Laube. Nee, dem ist nicht so. Da wird das n√§chste Thema kommen, das offensichtlich zu sehr die Interessen von Unternehmen bevorteilt, und dann ist wieder Ende im Gel√§nde. Eine grunds√§tzliche Neuaufstellung dieser Parteien wird Jahre dauern, bevor sie fruchtet. Da rennen keine Massen denen die T√ľr ein, weil es keine Alternative g√§be. Ist in den letzten 20 Jahren auch nicht passiert.

Und schlie√ülich w√§ren wir dann am √ľber allem stehenden Problem: Das wirkliche Missst√§nde wegen der Unf√§higkeit von Beteiligten zerschreddert werden, die nicht begreifen, dass es, so lange es diese Erde gibt, immer Katastrophenopportunisten gibt, die das √úbel herbeisehenen und entsprechend bef√∂rdern.

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Es ist schon unglaublich, was die CDU-Vorsitzende da gerade auf Twitter ablässt:

Muss man wirklich der CDU-Vorsitzenden erkl√§ren, dass sie sich im zweiten Satz bez√ľglich des ersten widerspricht? Was sollen das den f√ľr Regeln f√ľr Youtuber wie Rezo sein, wenn nicht Meinungs√§u√üerungsverbote?

Das ist gar nicht passiert, Rezos Rede von der Zerstörung der CDU betraf die unterstellte Zerstörung, die von der CDU ausgeht. Das ist jetzt nicht so schwer zu verstehen.

Das Ganze scheint wohl nach diesem Tweet verteidigend abgefeuert worden zu sein. Die CDU verliert nicht nur auf YouTube, jetzt auch auf Twitter.

Next, please.

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Dass es so etwas gibt, wie ein Wahlbeeinflussungsverbot auf Twitter, ist im Grunde schon ein Grund, den Dienst argw√∂hnisch zu begegnen. W√§re ich nicht l√§ngst im Fediverse sicher gelandet, es w√ľrde mir Bauchschmerzen bereiten.

Thomas Stadler ist der Zugang zu seinem Twitter-Account gesperrt worden, weil angeblich ein alter Tweet von ihm dazu diene, Wahlen zu beeinflussen. Sowas D√§mliches √ľberhaupt zu behaupten, ist schon eine Ansage. Stadlers in Rede stehender Tweet beinhaltet einen Rat an AfD-W√§hler, ihren Wahlzettel zu unterschreiben. Er ist mit einem Smiley am Ende versehen, der einen Zaunpfahlwink auf den Irrsinn des Rates darstellt, denn durch das Unterschreiben wird der Wahlzettel ung√ľltig. Hierin eine ernsthafte Empfehlung zu sehen, beinhaltet, dass man Scherze nicht versteht oder dass man einr√§umt, dass es Personen gibt, denen es nicht m√∂glich ist, diesen Scherz zu verstehen, die aber w√§hlen d√ľrfen. Was f√ľr sich genommen wieder ein Witz w√§re.

Kurz und gut: Ich glaube nicht, dass Twitter noch zu helfen ist.

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Die SPD, seit jeher ängstlich darauf bedacht, nicht mit Kommunisten verwechselt zu werden, hat denn auch ihre Opposition gege die konservativen Strategien der kapitalistischen Parteien nie lange durchgehalten. Ein Trauerspiel mit open end.

Heinrich Hannover¬†(aus: Die Republik vor Gericht 1954‚Äď1974. Erinnerungen eines unbequemen Rechtsanwalts, 1998, S. 80f.)

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Ausgehufft¬†w√§re auch eine sch√∂ne √úberschrift gewesen. Aber egal, ist das jetzt eigentlich normal, dass eine √ľberhypete Zeitungsinternetplattform, die nie einl√∂sen konnte, was sie sein wollte,¬†eingestellt wird¬†und es wird nicht eingestanden, was die wirklichen Gr√ľnde sind?

man habe sich zuletzt nicht auf eine gemeinsame Unternehmensstrategie einigen können

Das ist ja auch nur Unternehmenssprech f√ľr: Bla bla.

‚ÄúDie deutsche Huff Post hat gezeigt, dass man innerhalb k√ľrzester Zeit ein neues Nachrichtenangebot in die Top 10 f√ľhren kann.‚ÄĚ Eine Lizenzvergabe des Titels durch ein anderes Unternehmen in Deutschland sei nicht geplant.

Sie waren so erfolgreich, dass niemand den Titel der Seite oder die Seite selbst haben will. Da war ja Basic Thinking besser dran irgendwie.

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Letztens bekam ich auch eine E-Mail als Bitcoin-Erpressungsversuch-Spam, in der mir ein Passwort richtig zugeordnet wurde und eine E-Mail-Adresse ebenso. Nur, dass ich beides nie in dieser Kombination verwendet habe, die betreffende E-Mail-Adresse war immer nur eine Weiterleitungsadresse. Im Grunde ist mir nur mitgeteilt worden, dass man es eben nicht geschafft hat, mir die Daten so zu entlocken, dass man Zugang zu einem E-Mail-Postfach bek√§me. Man m√ľsste es eben nur hinbekommen, das Netz mit falschen Daten zu fluten.

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Seiten zu verlinken, das macht man bei Zeitungsinternetseiten nicht so gerne. Aber wenn es zu Partnerseiten geht, dann …

Der Betrunkene versuchte durch lautstarke Hilferufe auf sich aufmerksam zu machen. Und tatsächlich bemerkten Fahrgäste den Mann auf der Zugkopplung. Ob sie ihn retten konnten, lesen Sie bei den Kollegen von (Link zur Partnerseite)

Das sind sicherlich solche Journalisten, die nicht begreifen, dass die Krise des Journalismus hausgemacht ist.

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Harald Wehmeier und Andreas Altenburgs NDR-Fernsehserie Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres gehen gerade mit eben dieser in die zweite Staffel. Und zur Freude der Zuschauer ist dies kein lauer Aufguss der ersten: Mit Container-Ingo, gespielt von Klaas Heufer-Umlauf, wird erfolgreich eine in die Geschichte passende Figur präsentiert.

Manfred Schweers (großartig fies-schmierig dargestellt von Ulrich Bähnk) übernimmt halblegal den Friseur-Salon, in dem Jennifer arbeitet, und stellt den abgehalfterten C-Promi Container-Ingo ein, der den Laden zum Laufen bringen soll.

Ging die erste Staffel noch darum, dass der Kapitalismus genau die Träume unerreichbar macht, die er anpreist, haben wir nun eine Figur, die an genau dieser Stelle gescheitert ist und zurückkommt. Das alles verleiht der Comedy-Serie eine gewisse bittere Note und ist insofern von den beiden Autoren Wehmeier und Altenburg ein gelungener Sprung ins Unbekannte, waren doch bisher ihre Radio-Figuren bloß lustige Vertreter des Präkariats.

Trotz dieser Wendung werden die Randfiguren liebevoll dargestellt: Jennifers Oma (herzerwärmend lebenserfahren gespielt von Doris Kunstmann), deren Freund, ihr Ex-Chef, ihr Ex-Freund, sogar sich selbst als Fans von Container-Ingo legen sie ein an ihr Fanobjekt gerichtetes entlarvendes „Du kennst auch keine Leute mehr“ in den Mund, weil es auch den Fans nicht um die angehimmelten Personen selbst geht. Zwei Folgen ist die Hauptfigur fast nur Staffage, wäre sie nicht von der zauberhaften Katrin Ingendoh gespielt. Ein Serien-Juwel, leider versteckt. Die Folgen sind in der Mediathek ansehbar.

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Hier war in der letzten Woche doch eher weniger los, weil wir Madeira erkundeten und ich mich selbst ein wenig mit Instagram besch√§ftigt habe. Und da bedeutet netzwerken ja so viel wie: Alle man wem folgen, da wird ja wesentlich intensiver zur√ľckverfolgt als auf Twitter. Es ist auch ganz lustig, da mit eigenen Bildern kreativ gestaltend umzugehen, aber irgendwann ist man dieser Besch√§ftigung auch √ľberdr√ľssig und alleine die Likes helfen da auch nicht weiter. Und wenn man dann in der eigenen Timeline nur noch Hackfressenselfies zu sehen bekommt oder √ľberfilterte Stilleben, dann sehnt man sich doch das erdende Bloggen wieder herbei.

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