Sendezeiten

Während der Nach­wuchs auf der Baby­wa­gen­fahrt zur Krabbel­gruppe friedlich den Mor­gen ver­schlum­mert, vertreibe ich mir gerne die Spatzierzeit mit Hör­buch­ern. Derzeit lausche ich dem neuesten Houelle­becq. Beson­ders genieße ich den fast unmöglichen All­t­agsquan­ten­sprungsp­a­gat, wenn ich vor Ort angekom­men die Kopfhör­er abset­ze und vom erzählten Aufeinan­dertr­e­f­fen von safti­gen Mösen und glänzend geleck­ten Prügelschwänzen auf das Intonieren von Mein Dack­el Walde­mar und ich in Mit­ten beschwingter Neu­mamis umzuswitschen habe.

Warteschlangenlogik

fussgaengerzone Hin­ter mir an der Super­mark­tkasse schlur­fen zwei Rent­ner an, um sich in die Warteschlange einzurei­hen.

Wal­dorf Wenn ich eben ste­hen geblieben wäre, wäre ich jet­zt viel weit­er vorne. Ich war schon eben hier.

Statler Ich war schon vorige Woche hier.

(Rent­nergelächter.)

Seconhandladeneskalation

Kundin Ich inter­essiere mich für das Kleid auf der Anzieh­puppe dort drüben…
Verkäuferin Ach ja?
Kundin Wür­den Sie mir helfen, es abzuziehen?
Verkäuferin Ich weiß nicht, ob das geht.
Kundin Man muss ein­fach nur anheben, denke ich.
Verkäuferin Das passt Ihnen nie.
Kundin Woher wollen Sie das wis­sen?
Verkäuferin Das ist 38.

Lokführerstreik

Ich vertrete mir kurz vor dem Essen­er Haupt­bahn­hof die Füße und tre­ffe auf einen Zug­be­gleit­er, der sich ger­ade eine Zigaret­ten­pause gön­nt.

“Na, mor­gen großer Streik­tag?”

- “Na, das wer­den wir mal sehen. Genau weiß noch kein­er, was mor­gen los ist. Eigentlich alles ein ganz großer Schwachsinn. Und wenn die sich mor­gen wieder wie beim let­zten Mal zum Grillen verabre­den,

Hoeneß

Da tre­ffe ich den Uli an der Wurst­braterei, wie er sein Würstchen ger­ade in den Senf auf der Papp­schale tunkt. Bes­timmt wie immer, mäßig Anteil nehmend an sein­er Umge­bung. Und irgend­wie bleibt man doch nicht schweigend daneben ste­hen.

“Alles gut?”

- “Was soll schon sein? Läuft alles.”

“Naja, die Presse und die Staat­san­waltschaft sitzt dir doch im Nack­en.

Lauter Loser

Neulich traf ich Gott in mein­er Stammkneipe und zwis­chen Bier und Korn kamen wir ins Gespräch.

“Sag mal, was ist denn da oben eigentlich los? Ein sparsüchtiger Argen­tinier wird Papst, durch die Wirtschaft ver­lot­tert die Moral und das Wet­ter passt doch auch vorne und hin­ten nicht.”

- “Ach, hör bloß auf!”

“Na, sag doch!”

- “Das war damals wun­der­bar geplant: Die Moral wird an die Kirche out­ge­sourced und wir kön­nen uns da oben einen schö­nen Lenz machen,

Großstadt

A large city can­not be expe­ri­en­tial­ly known;
its life is too man­i­fold for any indi­vid­ual
to be able to par­tic­i­pate in it.

Aldous Hux­ley

Ich habe noch etwas Zeit, bevor die dritte Aus­gabe von Gebrochen Deutsch anfängt, meine Fre­undin und ihre Fre­undin kom­men erst in ein­er hal­ben Stunde, also starte ich ein Stadt­melan­cholieren,