Mauseschutz

Es ging ja schon mal durch die Runde, dass in klas­sis­chen deutschen Märchen doch ziem­liche, der Sache nach erst­mal unbe­grün­dete Grausamkeit­en den Kindern vorge­set­zt wer­den. Man denke an die ältere Dame, die Hänsel in den Ofen schub­st, dann die Hände patscht und zufrieden und ohne psy­chis­chen Schaden nach Hause geht. Das wird dann auch unter Notwehr Min­der­jähriger ver­bucht, nicht unter Rache. Beim Struwwelpeter wer­den dage­gen schon für weniger schwere Tat­en die Dau­men abgeschnit­ten. Das scheint aber so hin­genom­men zu wer­den, von Abwand­lun­gen dieser Geschicht­en ist mir nichts bekannt.

Auch bei den klas­sis­chen Liedern kom­men immer wieder kleine Grausamkeit­en vor: Mariechen, die noch während des Liedes dahingemet­zelt wird, der Schnei­der, der Mäuse ummurkst, damit er ein schönes Popp­ma­nee hat, und der Fuchs, dem emp­fohlen wird, die Gans zu ver­scho­nen und stattdessen eine Maus, die der Schnei­der wohl überse­hen hat, zu ver­speisen. Immer schön auf gesunde Ernährung acht­en, liebe Kinderchen!

Da höre ich heute aus dem Kinderz­im­mer, dass da doch wohl Gegenini­tia­tiv­en ini­ti­iert werden:

Nimm, du brauchst nicht Gänse­brat­en, mit der Wurst vorlieb.

Da ist Gans wohl noch wer­tiger als Schwein oder Pferd? Ich dachte, ger­ade von den Wildgänsen hät­ten wir doch gar zu viele. Müssten wir ihm nicht genau die empfehlen, um den Bestand natür­lich zu ver­min­dern? Die weißen soll er mal schön auf der Wiese lassen, die sind so schön anzuse­hen, aber die dreck­i­gen braunen kann er doch haben.

Aber die sind ja meist in den Parks in der Nähe der Men­schen, die sind ja nicht doof und bevölk­ern die Wiesen der Bauern. Da kommt ja kaum ein­er vor­bei und bringt Bro­tra­tio­nen mit.

Was bringt also eine Rede­ab­wand­lung, wenn man keine Kon­se­quen­zen mit­nimmt? Wenn man keine Fuch­stun­nel in den Park fordert? Keine Fress­stan­dards für Wildtiere? Die stre­unen­den Katzen gin­ge es mit Bio™maus doch sich­er auch nicht schlechter.

Doch vielle­icht etwas zu umständlich, da bleibt man auf hal­ben Wege lieber stehn. Nach­er kostet das noch Geld. Aber dann kön­nte man auch so ehrlich sein und sagen:

Fuchs, hau rein, wenn du kannst, wir tun’s auch.

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