Gute Nacht

Ich zupfe ja ger­ade Moos aus unserem Garten­lauben­rasen, der wiederum so groß ist, dass ich nicht denke, vor dem Som­mer damit fer­tig zu sein. Und da erläutert Oma Rosi passender­weise, wie es mit dem Lagerkoller in Zeit­en der Coro­n­akrise aussieht.

Bei mein­er Heimatzeitung lese ich ja ger­ade das merk­würdi­ge tägliche Stück, dass die Jour­nal­is­ten kaum eine Ahnung haben, worüber sie sin­nvoll schreiben soll­ten, da das öffentliche Leben ger­ade zurück­ge­fahren wurde. Deswe­gen denkt man wohl, auch ander­swo wäre so Ebbe, dass es doch unter­halt­sam wäre zu wis­sen, wie ein Jour­nal­ist tagsüber seine Kinder bespaßt. Heute hat man Schiffe geguckt. Nein, die Zeitung liegt schein­bar so am Boden, da mag man nicht drauf hauen. Es ist fraglich, ob Leute nicht ger­ade ihr Abo eins­paren, wenn sie weniger Kohle mit nach Hause brin­gen und sowas lesen sollen. Zumal es ander­norts inzwis­chen auch unklar ist, ob jed­er, der ein Zeitungsabo haben möchte, es auch bekommt.

Timo Rieg meint sog­ar, der Joural­is­mus ins­ge­samt befände sich im Kranken­zu­s­tand:

Die viel beschworene Funk­tion fürs demokratis­che Gemein­we­sen kann Jour­nal­is­mus nur haben, wenn er anbi­etet, was zur Mei­n­ungs­bil­dung notwendig ist. (…) Sehr freimütig soll der bay­erische Min­is­ter­präsi­dent Markus Söder die Aus­set­zung der Demokratie verkün­det haben mit den Worten, jet­zt regiere die Medi­zin. Was ser­iös klingt, weil sich die Gen­er­al­is­ten der Poli­tik nach Fach­leuten richt­en wollen, ist tat­säch­lich jedoch noch ein­schnei­den­der als das inzwis­chen ver­hängte “Kon­tak­tver­bot”. Denn in ein­er Demokratie dür­fen niemals die Fach­leute entschei­den, weil sie nicht anstelle der Gesellschaft Ziele bes­tim­men kön­nen. Wenn wir Brand­schutzex­perten der Feuer­wehr regieren lassen, wird es natür­lich keine Kerze, keinen Grill, keinen Herd im Pri­vathaushalt mehr geben — alles brandge­fährlich. Wenn die Unfal­lver­hüter regieren, fährt kein Auto mehr und nie­mand darf mehr eine Leit­er besteigen. Das ist alles richtig — aber die Gesellschaft will es nicht. (…) Fach­leute sollen wie andere Lob­by­is­ten für ihre Posi­tio­nen wer­ben. Für ihren Wun­sch nach möglichst langem Leben, für Wirtschaftswach­s­tum, für Selb­st­bes­tim­mung, für was auch immer. Diese sehr ver­schiede­nen Sichtweisen ver­han­del­bar zu machen ist die Auf­gabe des Jour­nal­is­mus. Im Falle von Coro­na hat er sich dieser Auf­gabe bish­er fast kom­plett ver­weigert.

Google macht dieses Jahr keine Aprilscherze.

Ist unser Bier wegen des Coro­n­avirus’ in Gefahr, fragt die Blödzeitung. Das wäre das Schlimm­ste.

Und während ich mir die Frage stelle: Was bewirkt medi­al so eine Monothe­matik? fahre ich den Rech­n­er runter.

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