Guten Morgen

Die SPD liegt am Boden schon länger, unverän­dert nach der Neuwahl des Parteivor­standes, und jed­er darf mal drauftreten, ohne dass sich was regt:

Die Partei wirkt eher wie altes, einst wertvolles Porzel­lan, das spröde gewor­den ist. Die SPD ist nicht zer­ris­sen, sie zerbröselt.

Michael Spreng unkt, wie er immer so unkt:

Die GroKo geht deshalb dem Ende ent­ge­gen, weil das neue Duo ulti­ma­tiv Forderun­gen stellen wird, die die CDU/CSU nicht erfüllen kann. Das wäre dann der Bruch. Vielle­icht ist es auch bess­er so: Klare Ver­hält­nisse, eine gute Chance für Schwarz-Grün. Wäre da nicht das Prob­lem, dass die CDU/CSU keinen Kan­zlerkan­di­dat­en hat, hin­ter dem die Wäh­ler und die Partei ste­hen. Aber das kann man noch ändern.

Gor­don Repin­s­ki twit­tert:

Für die #SPD gibt es in den näch­sten Tagen zwei Wege: Erstens, öffentliche Dis­tanzierun­gen, Per­son­al­domi­no, Chaos. Zweit­ens: der gemäßigte Weg in eine ungewisse Zukun­ft. Da ist kluge Führung gefragt — von bish­er führung­suner­fahre­nen desig­nierten Vorsitzenden.

Und während ich mir die Frage stelle: Ist der dritte Weg schon an die Recht­en abge­treten wor­den? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Continue Reading

Die Sendung mit der Maus zum Hören — der erste Radiosender mit Tourette

Um es gle­ich vor­weg zu sagen: Es gibt neuerd­ings eine Art Radiosender, der mit der Sendung mit der Maus gebran­det wird, und er ist fürchterlich.

Anfang Dezem­ber wurde das mit Preisen aus­geze­ich­nete Inter­ne­tra­dio Kira­ka durch Die Sendung mit der Maus zum Hören erset­zt. Dadurch ent­fiel das kom­plette Pro­gramm des Kira­ka, an das Kinder divers­er Alterss­chienen sich gewöh­nt hat­ten, durch eine Art anderthalb­stündi­gen Pod­cast, dem eine halbe Stunde Musik ange­hängt wird. Fast ein­hel­lig neg­a­tiv fällt das Urteil der Eltern aus, die oft erst jet­zt ver­standen haben, dass das Kira­ka in der bish­eri­gen Ver­sion einge­stampft wurde. Kirak­ageschicht­en gibt es weit­er­hin abends um 19.05 Uhr auf WDR 5, aber das erset­zt kein kom­plettes Radio­pro­gramm. Und Kinder ändern auch nicht ein­fach ihre Hörgewohnheiten.

Als Reak­tion lassen Redak­teure der Maus ver­laut­baren, bei Änderun­gen komme es immer zu Irri­ta­tio­nen, ger­ade wenn das gewohnte Pro­gramm nicht mehr da ist, aber man solle dem neuen For­mat eine Chance geben. Leichter gesagt als getan.

Für bish­eri­gen Hör­er ist deut­lich erkennbar, dass weniger unter­schiedliche Musik gesendet wird und neuerd­ings ver­hält­nis­mäßig viel englis­chsprachige Musik. Im aktuellen Pro­gramm Plat­tenkiste wird z.B. Mr. Tam­bourine Man besprochen. Das neue Pro­gramm zielt neuerd­ings dann auch auf Grund­schüler, nicht auf Jün­gere, die mit dem Kira­ka noch etwas anfan­gen kön­nen. Daneben gibt es neue For­mate wie die zwei Frageze­ichen, eine Per­si­flage auf die drei ???, wobei es dahin gestellt sei, wer eine Über­tra­gungsleis­tung des Per­si­flierens würdi­gen soll, außer Erwachsene.

Das wirk­liche Killer­fea­ture des neuen Senders ist allerd­ings das Dauer­au­gengek­limper der Comic­fig­ur Maus. Wenn es ein Rät­sel gibt, bei dem gegen drei unter­schiedlich volle Gläs­er Wass­er geschla­gen wird, dann sind das nicht die Gläs­er 1, 2 und 3, son­dern die der Maus, des Ele­fan­ten und der Ente. Und dazu klimpert die Maus mit den Augen, der Ele­fant trötet und die Ente gack­ert. Wenn dann gesagt wird, welchen Sender man hört, klimpert wieder die Maus. Ab und ann fragt sich ein Mod­er­a­tor, was für ein Geräusch er haben sollte, die Maus habe ja eins — KLIMPER KLIMPER. Die Geräusche sind meist ohne Not einge­baut, nervig und nach­haltig ver­störend, sie sind ja nicht mit dem Erscheinen ein­er Comic­fig­ur ver­bun­den. Aber man wird um’s Ver­reck­en nicht mit dem Gen­erve aufhören, wenn es nach Jörg Schö­nen­born, eine Koryphäe in der Kinderun­ter­hal­tung, geht:

Und selb­st wenn die Maus auch weit­er­hin nicht spricht, am Augen­klimpern wird man sie auch im Radio jed­erzeit erken­nen. Die Maus ist für uns das wichtig­ste Ange­bot, mit dem wir die Beitragszahler von mor­gen fest an unsere wertvollen Pro­gramme binden.

Der Rund­funkrat des WDR find­et die Umstel­lung allerd­ings toll:

An dem neuen Audio­pro­gramm für Kinder begrüßt der Rund­funkrat, dass die starke Fernsehmarke „MAUS“ genutzt wird, um eine engere Bindung mit der Ziel­gruppe und eine höhere Reich­weite im Radio- und Inter­net­bere­ich zu gener­ieren. Er unter­stützt in diesem Zusam­men­hang die Entwick­lung von kreativ­en Maus-Mag­a­zi­nen als Pod­casts, die eine starke Marke benöti­gen, um sich am Markt durch­set­zen zu können.

Äh, nee, sie brauchen ein starkes Pro­gramm, keine starke Marke. Und genau das haben die ger­ade abgesägt. Ein viel­ge­hörter Pod­cast in Deutsch­land heißt “Gemis­cht­es Hack”, ein ander­er “Das kleine Fernse­hbal­lett” — große Reich­weite ohne son­der­lich greifende Marke. Und war Kira­ka keine Marke?

Liebes Redak­tions-Team, es ist sehr trau­rig, dass es die Bären­bude nicht mehr gibt :(( Mein Sohn ist richtig betrof­fen und wir Eltern trauern auch. Vor allem die tolle Musikauswahl aus der Bären­bude wer­den wir alle in der Fam­i­lie ver­mis­sen. Soo viele tolle CDs haben wir in der Bären­bude entdeckt…Ich war entset­zt über die schlechte Qual­ität der Musik in der Sendung mit der Maus zum Hören — schlimm­ste bil­lige Chart­musik, fast auss­chließlich englisch, so dass die Kinder sie schlecht oder gar nicht ver­ste­hen. Richtig schlimm. Gibt es irgend­wo die Möglichkeit die alten Fol­gen Bären­bude nachzuhören? Viele Grüße Fam­i­lie Reinhard

Aus dem Kiraka-Gästebuch

Das Ganze ist ein Alp­traum: Kindern zur Wei­h­nacht­szeit den Radiosender weg­nehmen und gegen einen über­bran­de­ten Klon zu erset­zen, bei dem die Eltern gebeten wer­den, ihm eine Chance zu geben. Als ob man vorher Rück­sicht genom­men hätte oder auf Kri­tik einge­ht, außer indem man sie wegwedelt. 

Es ist schon klar, dass ein Inter­net­sender nicht unge­mein viele Hör­er hat, so wird man auch die hun­derte neg­a­tive Kom­mentare aus­sitzen kön­nen. Es wäre nur schön, wenn man fes­thal­ten kön­nte, dass der Kira­ka ein aus­gereifter Kinder­sender war mit Reporta­gen, passender Musik in Aktu­al­ität, Qual­ität und Quan­tität, witzi­gen Geschicht­en, die Kinder fast jeden Alters belustigt haben und Rou­ti­nen, an die sich Kinder gerne gewöh­nt haben. Brumm, brumm, brumm.

Continue Reading

Hufeisenjournalismus

Kom­men wir mal wieder zu schö­nen Wörtern, die es ver­di­ent haben, in den eige­nen Sprach­wortschatz Ein­gang zu find­en: Hufeisen­jour­nal­is­mus. Bis auf weit­eres Nina Scholz zuschreib­bar:

Kann der pseudoob­jek­tive Hufeisen­jour­nal­is­mus endlich weg bitte? Denn es gilt was @liebernichts schreibt: “„die einen sagend so, die anderen so“-journalismus at its worst. vielle­icht unge­wollt die beste ver­an­schaulichung des hil­flosen und fatal­en umgangs viel­er medi­en mit rechts”

Continue Reading

Guten Morgen

Kom­men wir zum alltäglichen Wahnsinn: Die Staat­san­waltschaft Düs­sel­dorf lehnt eine Strafver­fol­gung gegen den Düs­sel­dor­fer Ober­bürg­er­meis­ter Thomas Geisel bezüglich der Düs­sel­dor­fer Umwelt­spur ab wegen Was-zum-Kuck­uck-haben-Sie-denn-ger­aucht Nicht­straf­barkeit. Aber das Begleit­fo­to ist schön.

Es gibt das 12-teilige Krip­penset jet­zt auch in ein­er Bernd-Höcke-Ver­sion. Dessen Flügel­gruppe taucht ab sofort in der Recht­sex­trem­is­mus-Sta­tis­tik der Behör­den auf.

Ab dem neuen Jahr gilt die Bonpflicht für jeden Einkauf, was sicher­lich mehr Papi­er ver­schlin­gen wird, dafür aber mehr Steuergeld bringt, meint Lothar Bind­ing.

Und während ich mir die Frage stelle: Kann man nicht auch ein recy­cletes Bon­pa­pi­er vorschreiben? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Continue Reading

Frohe Weihnachten!

Continue Reading