Sommerlese

Gary Shteyn­gart — Will­kom­men in Lake Suc­cess Stark star­ten­der Roman ins heu­ti­ge Ame­ri­ka: Einem mil­lio­nen­schwe­ren, aber nicht exor­bi­tant rei­chen Invest­ment­ban­ker fal­len sei­ne Lebens­lü­gen vor die Füße, was nicht weni­ger wird, als er eine Odys­see star­tet, die ihm das Ges­tern wie­der brin­gen soll, wäh­rend ihm das Heu­te weg­schwimmt. Ver­liert zur Mit­te etwas an Span­nung, gip­felt (SPOILERALARM) in der The­se, dass die USA ein Land ist, dass die schlimms­ten Leu­te belohnt, und fin­det ein ver­söhn­li­ches Ende. Etwas merk­wür­dig, dass einem Sozio­pa­then so viel Wohl­wol­len ent­ge­gen­kommt, ansons­ten sehr lesens­wert. 🤍🤍🤍
Georg Geis­mann — Ein­mi­schung ist Bür­ger­pflicht Gesam­mel­te Brie­fe und ande­re Tex­te eines der unter­halt­sams­ten Kan­ti­a­ner. Die­se wer­den zudem in den Kon­text ein­ge­bet­tet, der den blo­ßen PDFs, die man im Netz von ihm fin­det, feh­len. 🤍🤍🤍🤍
Dimit­rij Kapi­tel­man — Das Lächeln mei­nes unsicht­ba­ren Vaters Auto­bio­gra­phisch wir­ken­de Erzäh­lung eines Soh­nes über sei­nen aus der Sowjet­uni­on nach Deutsch­land gekom­me­nen Vaters, der auf Selbst­fin­dungs­trip ist, wäh­rend sein Laden krie­selt. 🤍🤍
Leon de Win­ter — Gero­ni­mo Leid­lich span­nen­de Gesi­chich­te, die an die Ereig­nis­se der Ergrei­fung Osa­ma bin Ladens ange­lehnt ist. 🤍🤍
Rob Wijn­berg — Nietz­sche & Kant lezen de krant Essay­samm­lung des Mit­er­fin­ders von De Cor­re­spon­dent. Unter­halt­sam, süf­fig zu lesen, aber argu­men­ta­tiv ziem­lich ver­blen­det. Die eige­ne, im Nie­der­län­di­schen ver­haf­te­te Es gibt nur Mei­nun­gen, kei­ne Wahr­hei­ten-Atti­tü­de nervt irgend­wann, wenn jeder Arti­kel mit nicht-hin­ter­frag­ten Aus­gangs­la­gen star­tet (“Wo liegt die Moral: In der Tat oder den Fol­gen?”), in denen der Casus kna­xus (Weder noch.) liegt. Ganz gru­se­lig wird es, wenn auf als aus­ge­bil­de­ter Phi­lo­soph auf nicht-hin­ter­frag­te Inter­pre­ta­tio­nen ande­rer Den­ker über ande­re Den­ker gebaut wird.

Die Top10-Tweets des Augusts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Top10-Tweets des Augusts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klolektüre #25: Sauer, Joscha — Das zweite dicke Cartoonbuch

Die­ses Schätz­chen habe ich aus mei­nem Lieb­lings­ge­braucht­buch­la­den und es erhei­tert einen doch schon sehr auf dem Lokus. Nicht jeder Gag zieht, aber dann und wann muss man schon sehr lachen über die aber­wit­zi­gen und ger­ne mal über­trie­be­nen Ein­fäl­le von Joscha Sau­er.

Gera­de für die­je­ni­gen, die Sau­er noch nicht als Lek­tü­re ken­nen, son­dern womög­lich nur aus dem Netz, sei die­ser Schmö­ker sehr emp­foh­len und des­we­gen gibt es von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:
3 von 5 Ster­nen

Wie ich damals den Supermarkt erfand

Als ich noch klein war, da leb­ten wir in einem armen Fischer­dorf in West­fa­len. Wir leb­ten weit fort von der Küs­te, so dass der Fisch­fang sich schwie­rig gestal­te­te, denn der Bus fuhr nur zwei­mal am Tag raus und so früh woll­te auch nie­mand auf­ste­hen.

Da wir aber eh alle nicht so die gro­ßen Fisch­esser waren, da traf es sich ganz gut, dass zwei Brü­der auf die Idee kamen, Essen wie Fisch und Fleisch vor Ort zu ver­kau­fen. Es waren die Brü­der Alda und Aldo, deren Geschäf­te genau bei­ein­an­der lagen. Aller­dings waren die Ein­gän­ge der Geschäf­te ganz gegen­sätz­lich gele­gen und die Stra­ßen lagen so umständ­lich zu ein­an­der, dass man wie­der den Bus neh­men muss­te, wenn man Sachen aus bei­den Geschäf­ten brauch­te. Und das war ziem­lich oft der Fall. Denn um sich geschäft­lich nicht in die Que­re zu kom­men, waren die Waren­be­stän­de bei­der Geschäf­te ganz unter­schied­lich. Dosen gab es nur bei Alda und Dosen­öff­ner nur bei Aldo. Milch gab es nur bei Aldo, Milch­spei­sen nur bei Alda. Mäu­se nur bei Alda, Kne­te nur bei Aldo. Und so wei­ter.

Eines Tages muss­te ich für den Geburts­tag mei­ner Tan­te einen Kuchen backen. Es soll­te der bes­te Geburts­tags­ku­chen wer­den, den das Fischer­dorf je gese­hen hat­te. Und so ging ich zu Aldo und sam­mel­te alles in mei­nen Korb, was ich brauch­te: Zucker, Salz, Eier, Schmalz, Milch, Mehl und Grorsch. Dann brauch­te ich nur noch den Safran und so spat­zier­te ich fro­hen Mutes zum Exo­ti­sche-Zuta­ten-Regal. Aber ach, das Exo­ti­sche-Zuta­ten-Regal ende­te genau beim Buch­sta­ben R, direkt an der Gebäu­de­wand. Da ich aber kei­ne Rüs­sels­hei­mer Rübengrein in mei­nen Kuchen schüt­ten woll­te, war ich etwas ver­wun­dert.
“Ja”, sag­te da Herr Aldo, “bei den Zuta­ten ist das so, dass ich nur die Exo­ti­schen Zuta­ten von Boden­ge­wäch­sen bis R füh­re und mein Bru­der Alda die bis Z, die aus­schließ­lich vom Baum­ge­wäch­sen stam­men.” “Ja, ja”, rief da sein Bru­der Aldo durch die Wand, “kom­men Sie ruhig her­über, wir haben ja noch drei Stun­den geöff­net. Und so viel Safran, wir müs­sen ihn ver­kau­fen, haha!”. Ich schau­te sei­nen Bru­der hil­fe­su­chend an. “Ja, tut mir ja auch leid”, aber sag­te da Herr Aldo, “die Schlag­fer­tig­keit und der Witz sind lei­der auch nur drü­ben zu haben.”

Ich mach­te eine abwin­ken­de Resi­gnier­be­we­gung in die Luft und woll­te schon abge­hen, da hör­te ich ein Pol­tern wie von umfal­len­den Stei­nen. Ich muss­te wohl bei mei­ner Wink­be­we­gung an die Wand gekom­men sein und die­se hielt noch kei­nem Druck stand. Sie war näm­lich von einem Mau­rer hoch­ge­zo­gen wor­den, des­sen Bru­der mit sei­nem Unter­neh­men beim Mau­ern­hoch­zie­hen immer für Putz und Speis zustän­dig war und der war noch nicht da gewe­sen.
Und so schau­ten wir ver­dutzt Herrn Aldo vor sei­nem Safran an. “Das ist ja eine Super­idee, ihre Idee mit dem Durch­bruch”, sag­te da Herr Aldo. “Da kön­nen unse­re Kun­den viel schnel­ler all ihre Waren kau­fen, wenn sie schon ein­mal hier sind.” Und so wur­de aus zwei Geschäf­ten ein super Markt.