Einige Journalistinnen und Künstlerinnen in Frankreich, darunter Catherine Deneuve, haben sich gegen die #MeToo-Kampagne gestellt und kriegen dafür jetzt Gegenwind. Wobei es hierbei im Grunde nur um Missverstehen geht: Die #MeToo-Kampange widmet sich gegen sexuelle Übergriffe, soweit ich sehe nicht um Rempeleien oder sowas, über die man auf ungeschickte Weise Aufmerksamkeit erheischen will. Wenn jemand am Tag 20 Mal angerempelt wird, ist das widerum auch keine Kleinigkeit mehr. Es geht also um Handungen in unterschiedlichen Situationen, die unterschiedlich bewertet werden müssen, möglichst ohne unnötigen Flurschaden herbei zu führen, wenn die Sachlage nicht eindeutig ist. Die Frage ist, zieht jemand mit bei einer intendierten Handlung oder dränge ich ihn oder sie dazu etwas zu tun, was sie nicht tun möchte oder zu einer Handlung, von der ich weiß, dass mein Adressat sie nicht wollen kann? Animiere ich einen Freund, die Sorgen Sorgen sein zu lassen und einen zur Entspannung mitzutrinken, oder dränge ich einen Alkoholiker mir beim Alkoholkonsum bei zu stehen? Da gibt es Grauzonen, in denen jeder selbst gefragt ist und objektive Entscheidungen nicht zu treffen sind. Es gibt aber auch eindeutige Situationen und zwar nicht zu knapp. Wir müssen wohl damit leben, dass es Personen auf der einen wie auf der anderen Seite geben wird, die einen Schaden ohne Wiedergutmachung haben. Müssen wir jetzt Angst haben, dass sich Leute nicht mehr trauen, ihren Schwarm anzusprechen, weil das auch schon eine Grenzüberschreitung ist? Nach Jahren zu starken Grenzübertretens, kann doch etwas Vorsicht nicht schaden. Und einfaches, nicht bloß sexuell intendiertes Geschwätz kann einen auch weit bringen.

Und während ich mir die Frage stelle: Brauchen wir einen neuen Flirt-Knigge? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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