Morgenkaffee Bei der NZZ liest Heribert Seifert den deutschen Medien gehörig die Leviten:

Die Aufklärer, die hier auftreten, reden im Gestus strenger Kolonialoffiziere, die ihren noch immer nicht diskurshygienisch stubenreinen Eingeborenen die Leviten lesen, aber auf keinen Fall zuhören wollen.

John Oliver brilliert wieder einmal mit einer Analyse gewählter Richter in den USA.

Sacha Brohm gibt Lebenstipps.

Und während ich mir die Frage stelle: Gibt’s jemals wieder kulturell sowas wie die 90er? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

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Man muss halt einräumen, dass die Donots Musik für Mitzwanzigerplusminus machen. Und wie sich die Donots ihrer Zielgruppe anbiedern, dass ist schon erstaunlich rückgratlos, wo sie sich doch selbst ganz andersherum einschätzen würden. Die Donots sind monothematisch, ironiefrei, sprachlich auch auf deutsch hörbar begrenzt, textlich irgendwo in den 80ern, nur musikalisch fallen sie nicht aus dem Rahmen. Brüllen reißt da nichts raus. Im Einzelnen:

1. Ich mach nicht mehr mit Verlogenes, zielgruppenaffines Rumgeplärre. Wer sich vom Stadtmarketingverein Ibbenbüren einen Preis übergeben lässt für die gute Werbung für ihre Heimatstadt, der macht eben doch jeden Blödsinn mit.

2. Dann ohne mich Nächster Song, selber Inhalt: Die Doofen sollen besser ohne mich weitermachen. Schnarch.

3. Junger Mann zum mitleiden gesucht Boarderlinersong. Wenn die Gitarren nicht wären, nicht erwähnenswert.

04. Problem kein Problem Burnoutsong: „Ich hab kein Problem, ich bin das Problem.“

05. Du darfst niemals glücklich sein Nein, auch in diesem Lied stolpert man dauernd über Sprache, so das sprachliche Unkonformität zum Stilmittel erhoben werden muss. „Wie du fällst und dich dann fängst, wie du singst, selbst wenn du brennst…“ – so ein Liedtext muss ja auch gefüllt werden.

06. Kaputt Alles muss kaputt sein, wieso warum weshalb? Weiß der Geier oder weiß er nicht.

07. Weiter Ich-gegen-die-anderen-Durchhalteparolensong, alles wie gehabt.

08. Kopf bleibt oben Das Herz bleibt an, das Hirn bleibt aus. Rosenstolz hätten es nicht schlimmer machen können.

09. Hier also weg Flotte Nummer. Textlich muss jemand weg, wieso auch immer.

10. Straßenköter Noch so ein Ich-muss-raus-ich-werd-euch-nicht-vermissen-Song. So langsam würde man Geld bezahlen wollen für ein anderes Thema.

11. Das Ende der Welt ist längst vorbei Ja, es geht noch simpler, wenn der Songtitel den Inhalt des Songs komplett beinhaltet. Yeah, yeah, yeah.

12. Besser als das „Das“ ist der Alltag, besser sind „wir“. Noch Fragen?

13. Immer noch I mog di. Wir können uns alles sagen. So sind wir eben, wir Kindergartenkinder.

14. Hansaring, 2-10 Uhr Endlich am Ende des Albums. „Das soll nie zuende gehen“, doch das sollte es besser. Diese Selbstabfeierei erträgt man nicht weiter.

Wohlwollender wird das Ganze hier gesehen.

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John B. Moore hat sich die englischsprachige Version angehört.

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