Klolektüre #16 — Birr, Tilman — Zum Leben ist es schön, aber ich würde da ungern zu Besuch hinfahren

Der Schin­ken war ein Geburts­tags­ge­schenk. Man soll mir ja eher nicht so Bücher schen­ken. Sowas ist immer schwie­rig, wenn der Beschen­ker den Beschenk­ten nicht so kennt. Aber ab und zu pas­siert das dann doch. Und man liest das dann. War ja ein Geschenk. Und man ver­zwei­felt.

Birr ist Slam Poet. Wobei: Heut­zu­ta­ge schimpft er sich Kaba­ret­tist, weil das wohl erwach­se­ner klingt. Und er hat die­ses Buch irgend­wie geschrie­ben, was man nur lesen soll­te, wenn man sich selbst inner­lich einen auf­ge­brach­ten Slam Poe­ten auf­le­ben lässt.

Nüch­tern geht’s nicht. Das Buch will hip sein und kommt mit Städ­te­be­schimp­fun­gen an, die ande­re schon bes­ser vor­ge­macht haben. Das Buch will lus­tig sein. Ist es nicht. Zum Ver­re­cken nicht. Es ist unge­fähr so, als wür­de Jan Hofer das Hör­buch zu Die Super­na­sen ein­spre­chen. Das klingt dann so:

Was haben Sta­lin, Hit­ler und Jack the Rip­per gemein? Sie alle waren mal Kin­der. Das kann doch kein Zufall sein!

Grot­tig.

Die­ser Schmö­ker ein öder Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält folg­lich von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

1 von 5 Ster­nen

Klolektüre #17 — Kühn, Totte — Am Ende der Wels

Geburts­tags­ge­schen­ke in Buch­form kön­nen auch Über­ra­schungs­tref­fer sein, des­we­gen rate ich eigent­lich kaum jemand, außer den erfah­re­nen Fehl­schen­kern, von Buch­ge­schen­ken ab. Eigent­lich kann man die Schin­ken ja auch dann noch irgend­wie ver­wurs­ten als Wei­ter­ge­schenk­tes oder so.

Am Ende des Wels von Tot­te Kühn, der auch bei den Mons­ters of Lie­der­ma­ching — hier mal eine Kost­pro­be — singt, ist so ein Schmö­ker.

Der Erst­ling ent­hält diver­se Erzäh­lun­gen aus dem Leben eines Musi­kers, rea­lis­tisch oder erspon­nen, da greift alles mal inein­an­der. Die Geschich­ten kom­men aber so ent­spannd und nicht über­am­bi­tio­niert daher, dass das Lesen immer wie­der Freu­de berei­tet. Auch hebt sich das Sprach­ni­veau und der Ein­falls­reich­tum Kühns ange­nehm von denen vie­ler sei­ner aktu­ell deutsch sin­gen­den Kol­le­gen ab.

Die­ser Schmö­ker ein kurz­wei­li­ger, über­ra­schend unter­halt­sa­mer Beglei­ter auf unse­rem Don­ner­bal­ken und erhält folg­lich von fünf mög­li­chen Klo­rol­len:

4 von 5 Ster­nen