Guten Morgen

Morgenkaffee

Sibylle Berg inter­essiert sich für den sachgerecht­en Umgang mit Kri­tik.

Die Stat­tkatze merkt: Die Frem­den sind wieder da.

Das The­ma Gut­ten­berg und sein Pla­giat reißt nicht ab und seit ein­er ganzen Woche Bestandteil der Haupt­nachricht­en: Zwar hat das Pro­jekt Gut­ten­plag am Mon­tag seinen Abschluss gefun­den und 70% der Dis­ser­ta­tion als Pla­giat gebrand­markt, und Gut­ten­berg selb­st wollte das The­ma durch Able­gen sein­er Dok­tor­würde been­den, es tauchen aber weit­er­hin plagi­ierte Stellen auf:

Die Berlin­er Zeitung schreibt von ins­ge­samt vier Tex­ten des wis­senschaftlichen Dien­stes des Bun­destags. Kri­tik an Gut­ten­berg kommt inzwis­chen auch von der Bun­deswehr und Bun­destagspräsi­dent Lam­mert (CDU). Die bish­eri­gen Auftritte Gut­ten­bergs reicht­en nicht, die Prob­lematik zu erk­lären, so Lam­mert. Zudem soll Gut­ten­berg die Dok­tor­würde ver­wen­det haben, bevor sie ihm ver­liehen wurde. Gut­ten­berg wird sich heute Nach­mit­tag um 15.40 Uhr den Fra­gen der Oppo­si­tion im Bun­destag stellen.

Beim WDR sieht man in Gut­ten­bergs Ver­hal­ten einen offe­nen Schlag ins Gesicht der Wissenschaft:
[audio:http://medien.wdr.de/m/1298441369/radio/klartext/wdr2_klartext_20110223_0708.mp3]

Und während ich mir die Frage stelle (nu aber ern­sthaft): Warum ist dieser zusam­mengeschus­terte Kopierblödsinn eigentlich so en vogue? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[ Foto: Luc van Gent ]

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Dieter Jasper über Guttenbergs Plagiat

Von Ex-Dok­tor zu Ex-Dok­tor: Der mit seinem bei ein­er Titelmüh­le erkauften erwor­be­nen Dok­tor­grad aufge­flo­gene CDU-Bun­destagsab­ge­ord­nete Dieter Jasper äußert sich zum Pla­giat von Guttenberg:

Aus per­sön­lich­er Erfahrung weiß ich, dass eine solche Debat­te um einen Dok­tor­ti­tel, ins­beson­dere von Kol­le­gen ander­er poli­tis­ch­er Parteien, immer gerne geführt wird. Das wird auch bei zu Gut­ten­berg so sein. Die poli­tis­che Bühne wird dieses The­ma erst ein­mal weit­er auss­chlacht­en. Bedauer­licher­weise gehören solche immer wiederkehren­den Boshaftigkeit­en zum poli­tis­chen Geschäft. Dabei weiß jed­er: Kein Poli­tik­er wird als Wis­senschaftler gewählt.

Die Boshaftigkeit beste­ht darin, diejeni­gen, die mit frag­würdi­gem Dok­tor­ti­tel aufge­flo­gen sind, zu fra­gen, ob ihre Titelkäufe oder Pla­giate vorsät­zlich so erwor­ben wur­den. Dieter Jasper, der gemeint hat, auf rechtlich ein­wand­freiem Wege bei der Uni­ver­sität Treufen einen Dok­tor­grad gegen eine hohe Summe erwor­ben hat, hat sich nie dazu geäußert, ob ihm nicht aufge­fall­en ist, dass bei der Titelmüh­le keine Dozen­ten angestellt sind, dass es keine Lehrver­anstal­tun­gen gibt, keine Räum­lichkeit­en, ja nicht ein­mal, dass sein eigen­er Dok­tor­vater keinen uni­ver­sitären Abschluss besitzt.
Nein, natür­lich wird kein Poli­tik­er gewählt, weil er Wis­senschafter ist. Er wird gewählt, weil er ver­trauenswürdig ist. Und das sind eben diejeni­gen nicht, die Betrug an der Wis­senschaft betreiben mit den höch­sten Wür­den, die man dort erwer­ben kann.
Dieter Jasper hat die Frage nach sein­er Integrität schlicht aus­ge­sessen. Die öffentlichen Fra­gen, die seine Wäh­ler, nicht die Oppo­si­tion stell­ten, hat er nie beant­wortet.
Um ein­mal die Süd­deutsche Zeitung zu zitieren:

Der wenig bekan­nte Bun­destagsab­ge­ord­nete Dieter Jasper ist wohl der dreis­teste unter den Titel­trägern gewe­sen, die im Bun­destag einen Platz haben.

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Was ich noch sagen wollte… zum Plagiat

Karl Theodor zu Gut­ten­berg hat ja sine Kri­tik­er davor gewarnt, dass sie sich nicht der üblen Nachrede schuldig machen sollen, wenn sie ihn des Pla­giats bezichti­gen. Dies sei deswe­gen nicht der Fall, weil nach Gut­ten­bergsprech ein Pla­giat bewusst gemacht wer­den müsse.

Dies ist mit­nicht­en der Fall. Ein Pla­giat ist die Nichtken­ntlich­machung frem­den Inhalts durch einen Autor, so dass der Leser denken muss, es han­dle sich um Gedankengut des Autors. Ob diese Nichtken­ntlich­machung bewusst oder unbe­wusst geschah, ist unerheblich.

An der Uni­ver­sität Bayreuth geben Doko­toran­den eine ehren­wörtliche Erk­lärung ab, kein Pla­giat in diesem Sinne abzuliefern. Das mit dem Ehren­wort oder erhren­wörtlich als ein Wie-ein-Ehren­wort ist ein Überbleib­sel von Aber­glaube in der uni­ver­sitären Land­schaft, wie Kant sagen würde. Wenn man jeman­dem nicht glaubt, ergibt sich dadurch kein Unter­schied, dass dieser Jemand ein Ehren­wort abgibt. Ein Dok­torand ver­sichert durch diese Erk­lärung zumin­d­est, dass er ver­standen hat, was ein Pla­giat ist, dass er kein Pla­giat ein­re­ichen wird, und dass er es ver­ste­ht, wenn seine Arbeit durch Nach­weise als Pla­giat dargestellt wird.

Gut­ten­berg beg­ibt sich daher ger­ade auf das dünne Eis, dass er sagt, er habe kein Pla­giat began­gen, lediglich ein paar Fehler. Diese Dar­legung wider­spricht der Erk­lärung, die er abgegeben hat. 

Die “Fehler” in Gut­ten­bergs Arbeit sind allerd­ings der­maßen umfan­gre­ich, dass er selb­st den Überblick ver­loren hat, wieviel er plagi­iert hat. In der Aussprache im Bun­destag hat er vier Texte des wis­senschaftlichen Dien­stes als Teil sein­er Dok­torar­beit aus­gewiesen und kon­nte den Vor­wurf der SPD nicht abstre­it­en, dass zwei weit­ere Texte des wis­senschaftlichen Dien­stes ver­wen­det wor­den sind.

Man kann gar keinen Anspruch erheben, jeman­dem bewusstes oder unbe­wusstes Plagi­ieren vorzuw­er­fen, ein­fach weil man Men­schen immer nur vor den Kopf schaut. Angesichts des Umfangs der Pla­giate in Gut­ten­bergs Dok­torar­beit müsste das unbe­wusste Plagi­ieren allerd­ings so inten­siv gewe­sen sein, dass es ein­er geisti­gen Umnach­tung des Autors gleichkommt. 

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Schneller Doktorgradentzug der Uni Bayreuth ist völlig ok

Sel­ten ist wohl einem Dok­toran­den so schnell seine Dok­tor­würde ent­zo­gen wor­den wie Karl-Theodor Gut­ten­berg. In diesem Fall hat die Uni­ver­sität Bayreuth vol­lkom­men richtig gehan­delt. Die Beweise seien erdrück­end, hat man hin­ter vorge­hal­tener Hand gesagt. Und das sind sie ja auch. Allein die 8 Nach­weise von Prof. Fis­ch­er-Les­cano haben für diese Entschei­dung aus­gerecht. Die schnelle Entschei­dung war auch deswe­gen richtig, weil so Druck von der Uni­ver­sität und den Dozen­ten genom­men wird.

Die nach­fol­gen­den Nach­weise durch Gut­ten­plag haben jeden Zweifel aus­geräumt, dass es sich um die Nichtz­i­tierun­gen durch Gut­ten­berg um Verse­hen han­delte. Bei verse­hentlichen Nichtz­i­tierun­gen kann eine Prü­fungskom­mis­sion die Dok­tor­würde beste­hen lassen. Dies wurde aber im Fall Gut­ten­berg vol­lkom­men ausgeschlossen.

Die Uni­ver­sität wird noch inten­siv prüfen, ob man einen Täuschungsvor­satz nach­weisen kann. Aber es spricht schon Bände, wenn Ombuds­mann Diethelm Klip­pel sagt, dass es sich bei diesem Pla­giat nicht um einen Bagatell­fall han­delt. Sowas sagt man, wenn man nicht rechts­be­grif­flich von ein­er vorsät­zlichen Täuschung sprechen möchte.

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Nach der Promotionsordnung ist Guttenberg ein Täuscher

Upsala, da ist der Bayreuther Uni­ver­sität­sleitung vielle­icht doch ein Las­pus unter­laufen. Der Uni­ver­sität­spräsi­dent hat gesagt, man habe einen Vor­satz zu täuschen nicht nachgewiesen. Allerd­ings ist die Täuschung, die kein Verse­hen ist, die Grundbe­din­gung für den Entzug ein­er Dis­ser­ta­tion laut Pro­mo­tion­sor­d­nung der Rechts- und Wirtschaftswis­senschaften in Bayreuth. Man dürfte also Gut­ten­berg mit Ver­weis auf diese Entschei­dung einen Täusch­er nen­nen.

Aktu­al­isierung

Okay, das ist dann doch etwas spitzfind­i­ger. Zwar ver­weist die Uni­ver­sität in ihrer Erk­lärung auf die Pro­mo­tion­sor­d­nung und das, was dort später als Täuschung aus­gelegt wird, allerd­ings bezieht man sich zur Rück­nahme des Dok­tor­grades auf das Ver­wal­tungsver­fahrens­ge­setz, §48. Man nimmt also nur einen rechtswidri­gen Ver­wal­tungsakt zurück, der deswe­gen rechtswidrig ist, weil die Pro­mo­tion­sor­d­nung Täuschung nicht erlaubt.

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