Es ist mal wieder an der Zeit, über den Tellerrand hinaus zu schauen und zu gucken, was andere lokal ausgerichtete Seiten in der Zwischenzeit so getrieben haben.

Bei der NOZ fällt mir immer noch auf, dass das Aussehen der Seite wesentlich besser ist als seine jahrelang vor sich hinsiechende Vorgängerversion. Die Navigationsleiste ist, wenn man sich einmal eingefunden hat, eine gute Orientierungshilfe. Allerdings platziert man immer noch viel zu viele Artikel auf der Startseite, die den Leser einfach erschlagen. Da heißt es Quantität statt Qualität. Von einer Online-Redaktion habe ich vor Jahren schon Flurfunk gehört, entweder erkenne oder finde ich nichts oder daran wird noch gewerkelt. Die NOZ baut wohl auf temporäre Blogs wie Karsten Baumanns WM-Blog, ein Twilight-Blog oder den Blog zur Maiwoche. Immerhin gibt es schon Artikel, die auf Blogs als Internetquellen verweisen. Das ist schon fortschrittlich, wenn man andere Zeitungsseiten betrachtet.
Das hauseigene Videoportal os1.tv erfreut sich guter Gesundheit und ist gerade 1 Jahr geworden. Herzlichen Glückwunsch von hier aus. Ich habe keine Ahnung, infwieweit os1.tv tatsächlich ein Fernsehsender ist, wie dort gerne behauptet wird, aber es gibt regelmäßige Beiträge, die auch am Flughafen Münster/Osnabrück ausgestrahlt werden. Erfreulicherweise wird man durch die Seite im Gegensatz zur Hauptseite nicht mit Werbung bombardiert und der Mut, nicht auf eine gänzlich weiße Seite zu bauen, sei auch mal herausgehoben.

Auch bei der Neuen Westfälischen aus Bielefeld fällt die Werbung auf, allerdings nicht sonderlich positiv: Flash-Banner, die in die Texte reinfallen – nein, sowas irritiert den Leser. Dass sich ab und an Unterseiten in neuen Fenstern öffnen ist für den Leser auch etwas seltsam. Auf eine Menüstruktur wie bei der NOZ hat man verzichtet, der Leser findet alle Links beim ersten Hinschauen. Allerdings sind die Betitelungen nicht immer geglückt und zuviel. Die Startseite der Zeitung hat als Aufmacher eine Bilderabfolge, was als Themenkonzentration ganz sinnvoll ist und auch ausreichend oft geändert wird. Vielleicht sollte man sich aber doch mal dafür erwärmen, daneben Text anzubieten statt einer weiteren grafischen Navigationsfläche, die viele gar nicht nutzen.
Wenn ich es richtig verstanden habe, setzt die NW nicht auf ein Videoportal, sondern auf ihren Blogger Rouven Ridder: Der befüllt den Blogspot und den Bielefelder Westen.
Kritik muss sich die NW aber bei der Gestaltung gefallen lassen: Wieso heißt die Seite nw-news.de und nicht neue-westfaelische.de? Letzteres wäre wie eingängiger und die Zeitung selbst heißt auch nicht nw-news. Wenn man aber schon so verfährt, wieso heißt der Blog nicht NW-Blog und wieso ist nw-blog.de noch frei? Warum ist die Schrift der Texte so klein und nicht vergrößerbar? Rouvens Blogs sind der Idee nach entfaltungsfähig, aber schon die mikrige Schrift und der wenige Platz, den der Blog zur Verfügung hat, machen dem Leser die Navigation durchs Blogdickicht doch sehr schwer.

Kommen wir zur Heimatpostille ivz-online.de: Die Navigation der Seite überzeugt schlicht nicht. Sie ist so aufgebaut, dass man zu allen Seiten gleichschnell kommt, nicht so, dass man zu den begehrten Seiten schnell kommt. Auch ein direkte Links zum hauseigenen Videoportal mazztv.de und zu den hauseigenen Blogs fehlen auf der Startseite. An Texten finden sich auf der Startseite zu viele bundesweite Themen, die man so auf jeder zweiten Nachrichtenplattform findet. Auch sowas schreckt Leser ab. Thematisch fehlt die Konzentration auf die eigenen Qualitäten und stellt den Leser vor ein Durcheinander.
Was die reinen Internetaktivitäten betrifft: Es ist schon ein Kunststück, sein Videoportal Mazztv zu nennen und mazz.tv gar nicht zu besitzen. Das führt zwangsläufig zu Irritationen. Der Name ist ebenso unverständlich wie schwer merkbar: Wieso heißt das Projekt nicht IbbTV oder so? Schön ist allerdings die Konzentration auf lokale Themen. Auch die Video-Kolummne mit Henning Meyer-Veer ist fast schon Kult. Man führt auch Blogs, wie den Neuseeland-Blog, nur ist die Adresse viel zu lang. VIEL ZU LANG.

Resümee? Es entwickelt sich! Unterm Strich läuft nichts richtig schlecht bei den Zeitungen, wenn auch nicht so bahnbrechend, wie diese sich das denken. Als Leser wünscht man sich ab und an, sie würden nicht versuchen, auf jeder Hochzeit zu tanzen und ein wenig mehr ihre Lokalkompetenz nach vorne schieben.

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Niveaulimbo ist ja das Jugendwort des Jahres geworden, was allerdings unter den meisten Jugendlich gänzlich ungebräuchlich bis unbekannt ist. Es ist nicht unkreativ, mir aber auch schon seit Jahren geläufig. Niveaulimbo bezeichnet das stetige Sinken des Niveaus in kulturellen Angelegenheiten. Der Begriff ist etwas verfehlt, da beim Limbo ja jede neue Runde schwieriger wird, was bei einem einfachen Sinken von etwas nicht unbedingt gesagt ist.

Egal. Ich habe mir am Wochenende mal ein neues Update für die aktuelle deutsche Jugendsprache geholt. Und von der Jugendsprachkulturfront lässt sich vermelden: Es heißt nicht mehr

Boah, ey.

Naja, vielleicht hieß der Ausruf des Erstaunens für manche jugendliche Zeitgenossen auch noch nie so. Künftig heisst es nur etwas anders. Der Jungsprächling von heute verwendet nach Informationen einer Lehrerin das Wort

Aboh.

In der konkreten Sprechkonfrontation hört sich das dann so an:

Lehrerin: Der Dennis kann sich jetzt mal seinen Kakao von vorne abholen.
Dennis: Aboh!

Der Dennis wurde dann auch gefragt, wass denn Aboh eigentlich heiße und meinte daraufhin:

Aboh? Ey, das heißt alles!

Alles? Aboh!

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Es gibt unter Philosophen Leute, die sich der Sprachphilosophie verschrieben haben und demnach auf korrekte Verwendung von Worten pochen. Ich halte sowas ja für übertrieben, wegen mir darf jeder Sprache so verwenden, wie er will, solange er sich einigermaßen deutlich ausdrückt und nicht widerspricht. Aber ich befürchte, so ein kleiner Sprachphilosoph steckt in jedem.

Warum ich sowas gerade schreibe? Die IFI befasst sich gerade mit der Ästhetik der Bauruine am Unteren Markt und zitiert in diesem Zusammenhang Stadtbaurat Robert Stadler mit den Worten, über Geschmack ließe sich nicht streiten. Die IFI sieht hierin den Ausweis Stadlers, der erwarteten Hässlichkeit des Baus hilflos gegenüber zu stehen.

Immerhin ist Stadlers Ausspruch ein Zitat von Kant. Jedenfalls hat sich Kant in der Kritik der Urteilskraft damit beschäftigt. Man könne über Geschmack nicht disputieren, da in Sachen der Ästhetik keine begriffliche Objektivität erlängt werden kann, aber man könne über Geschmack streiten. Das aber nur in Hinsicht auf die Hoffnung der Verständigung.

Stadler muss nun diesen Ausspruch entweder als Floskel meinen, oder als „über Geschmack lässt sich nicht disputieren“ oder als Streiten in der Hoffnung auf eine Verständigung.

Ich tippe in der Tat auf das Mittlere: Es soll gesagt werden, dass man die Ästhetik des Baus nicht sinnvoll kritisieren kann, weil jeder einen subjektiven Geschmack hat. Eine Hoffnung auf Verständigung ist da nicht drin. Demnach hätte Stadler besser gesagt, über Geschmack lasse sich nicht disputieren. Aber vielleicht war es auch nur eine Floskel.

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Es kommt ordentlich Schnee runter im Tecklenburger Land, wie man auf folgenden zwei Bildern von gestern Abend und heute früh erkennen kann:

Wenn ich das richtig sehe, ist auch in Ibbenbüren das Streusalz für die Straßen ausgegangen und sie werden nur noch grob geräumt. Was ich bisher noch nicht kannte, sind Kleinräumer, die spätabends hier und da Einfahrten frei schieben.

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