Guten Morgen

morgenkaffee

Beson­dere Met­alle in Com­put­ern und Handys stam­men entste­hen oft­mals durch Sklave­nar­beit in Kon­go. Im Zusam­men­hang damit ster­ben monatlich 45.000 Men­schen, die Hälfte davon Kinder. Jet­zt soll der Markt diese Sit­u­a­ton “sank­tion­ieren, obwohl der Markt schuld ist.”

In der Frank­furter Rund­schau befasst man sich mit dem schle­ichen­den Tod der Bre­mer Nachricht­en, ein­er der ältesten Zeitun­gen Deutsch­land. Die würde eigentlich nur noch aus dem Weser Kuri­er beste­hen und inhaltlich keine eigen­ständi­ge Zeitung sein. Inter­es­sant ist, dass dies in der FR ste­ht, der ein ähn­lich­es Schick­sal droht.

Hat­te die FAZ let­ztens noch gemeint, es würde mit dem Engage­ment der Autoren der Wikipedia zuende gehen, weiß der Tagesspiegel, dass es eher anders aussieht: In Deutsch­land wird die Wikipedia von 1000 beson­ders aktiv­en Autoren betreut, die im Monat 100 oder mehr Artikel redigieren.

Und während ich mir die Frage stelle: Warum wirbt nicht mal eine Zeitung damit, dass bei ihr eigene Autoren schreiben? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

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Abschluss von Ab in die Mitte

Inder IVZ ist mal ein auf­fal­l­end schön geschrieben­er Artikel von Brigitte Striehn über die Abschlussver­anstal­tung von Ab in die Mitte erschienen. Er hebt sich angenehm raus, aus dem manch­mal auftre­tenden Schön­schreiben ein­er Sache oder dem stakka­tiv­en Haupt­satzband­wurm, den man ab und an in Lokalzeitun­gen antrifft. Hier wird dem Leser durch den Bericht ein gutes Bild des let­zten Abends geboten. 

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Denkmal auf dem Christuskirchplatz in Ibbenbüren soll entfernt werden

Vor der Chris­tuskirche in Ibben­büren gibt es ein Schaufen­ster. Dort hing ein­mal ein Zettel drin, in dem mit dem Begriff “Denkmal” gespielt wor­den ist. Denkmal — denk doch mal. So unge­fähr. Ich weiß nicht mehr, ob man sich auch auf das Denkmal vor der Chris­tuskirche bezog, aber dass man in Bezug auf Denkmäler zum Nach­denken anre­gen wollte, das hat man in der evan­ge­lis­chen Gemeinde dort mal angeregt.

Dieselbe Gemeinde, in deren Namen also dere­inst zum Reflek­tieren über Denkmäler aufgerufen wurde, möchte nun eben ein solch­es abbauen, und zwar das bekan­nteste unter allen: Das Kriegerdenkmal auf dem Kirch­platz. Pfar­rer Lohmey­er meinte, dieses verkör­pere einen zynis­chen Gedanken. Auf dem Denkmal ste­ht geschrieben, dass nie­mand das Leben gewin­nen könne, wenn er nicht sein Leben dafür ein­set­zte. Dies sei zynisch gegenüber den Sol­dat­en, die keine Wahl gehabt hät­ten, ihr Leben einzuset­zen oder nicht.

Diese Inter­pre­ta­tion ist nicht ganz unprob­lema­tisch. Es kommt etwas darauf an, wie man “Leben” in diesem Zitat inter­pretiert. Wenn ein Land im Krieg ange­grif­f­en wird, muss es Leben ein­set­zen, um sein eigenenes, selb­st­bes­timmtes Leben zu vertei­di­gen. Eine solche Inter­pre­ta­tion ergibt einen guten Sinn. Das Denkmal erin­nert aber auch an den 1. Weltkrieg, und das war ein Angriff­skrieg der Deutschen. Hier­für muss aber kein Leben einge­set­zt wer­den. Darauf bezo­gen wäre das Zitat in der Tat zynisch.

Herr Lohmey­er warb allerd­ings für den Plan des Abbaus des Denkmals mit der Aus­sicht, dass auf dem Kirch­platz eine Art Park zur Entspan­nung instal­liert wer­den kön­nte: “Ruhe und Kraft im Schat­ten der Kirche — das gefällt mir!” zitiert ihn die IVZ. Dass ein Kriegerdenkmal für eine well­ness loca­tion Platz machen soll, erscheint mir aber auch zynisch.

Immer­hin beweist dieses Denkmal tat­säch­lich, dass Denkmäler eine Funk­tion haben. Es scheint nicht möglich zu sein, das Denkmal vor der Chris­tuskirche abzubauen, ohne über dessen Sinn und Zweck zu disku­tieren. Und dass heisst: Über Krieg und Geschichte reden. Nichts schlecht­es in Zeit­en, in denen für die Men­schen der Krieg oft keine per­sön­liche Erfahrung ist.

In Ibben­büren gibt es auch ander­swo ähn­lich gedachte Denkmäler, wie hier an der Graven­horster Straße:

DSCF1507

Dieses Denkmal ist für den Betra­chter vielle­icht etwas zugänglich­er, da auf lyrische Zierde verzichtet wurde, und Namen aufgeschrieben sind, über deren Fam­i­lien­zugeörigkeit man noch gedankliche Verbindun­gen her­stellen kann.

Dass das Kriegerdenkmal vor der Chris­tuskriche keine Schön­heit ist, ist jedem klar. Dass der umgebende Kirch­hof nicht eben ist, sicher­lich auch. Muss aber die Idee dieses Platzes vor Angenehmheit­ser­wä­gun­gen Platz machen? Keine leichte Frage. 

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