Guten Morgen

morgenkaffee

Cig­dem Aky­ol, Tochter von Gas­tar­beit­ern aus dem Ruhrge­bi­et, fühlt sich in Deutsch­land eigentlich nicht son­der­lich diskri­m­iniert — außer in ihrem eige­nen Beruf­s­stand:

Bei meinem ersten Vorstel­lungs­ge­spräch wün­schte ich mir, nicht über Migra­tions­the­men schreiben zu müssen. Mein Ressortleit­er äußerte Ver­ständ­nis, aber es sei ger­ade Ramadan. Ob ich nicht einen türkischen Met­zger porträtieren könne?”

Zip­pert zappt heute über Tun­nelausze­ich­nun­gen.

Wern­er Ruz­ic­ka, Leit­er der Duis­burg­er Film­woche, äußert sich im Inter­view über die Art der derzeit­i­gen Kul­turver­anstal­tun­gen im Ruhrgebiet:

Natür­lich kann Kul­tur keinen Struk­tur­wan­del bewirken — und das nicht nur wegen der des­o­lat­en finanziellen Para­me­ter. Ein Muse­um für jedes aufge­lassene Stahlw­erk — bitte nicht. Aber die Frage ist, inwieweit der Reich­tum der Region, der Reich­tum an Orig­i­nal­ität und Eigensinn, für Besseres genutzt wer­den kann als für verzweifelte Ambi­tio­nen, “Welt­niveau” durch “Wel­treko­rde” zu erre­ichen. Man mag es kaum für Zufall hal­ten, dass die Spek­takel der let­zten zwei Wochen Massen­ver­anstal­tun­gen waren — Massen, die sich für ein Bild kon­fig­uri­erten und als Bild der Massen kom­mu­niziert wur­den. Bis am let­zten Sam­stag aus den Bildern Men­schen hervortraten.

Und während ich mir die Frage stelle: Wie ernüchtert wird die Ruhr 2010 das Ruhrge­bi­et wohl hin­ter­lassen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]

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Wie ist das eigentlich mit … Maibäumen?

Das Schöne an Ostern ist ja: Man weiß, wann’s zuende ist. Anders — zumin­d­est bei mir — sieht es bei Maibäu­men aus.
Eigentlich ist der Maibaum ja der Balz zuzurech­nen und wird am 1. Mai tra­di­ton­s­gemäß aufgestellt. In der Roman­tik war dies ein Phal­lus-Sym­bol und junge, unver­heiratete Män­ner tanzten sich davor einen ab.
Aber was ist das Ende vom Lied? Muss eine holde Maid gefun­den wer­den? Oder stellt der Stän­der anhal­tende Man­neskraft dar?
Der Maibaum auf diesem Bild ste­ht jeden­falls derzeit immer noch. Was immer das einem sagen soll.

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Gut. Fair. Menschlich. Nah.

gutfairmenschlichnah

Ich bin ja bei der Sparkasse. Das ist eigentlich keine Entschei­dung aus Lei­den­schaft. Man ist es eben. Ich bin auch bei der katholis­chen Kirche. Das ist so unge­fähr das­selbe. Nur das die Sparkasse weniger Rit­uale und Feiertage hat: Scheiss­fre­undlichkeit am Schal­ter, alberne Spießerk­lam­ot­ten in den ent­fer­n­testen Käf­fern und eben der Weltspartag.

Meine Hauss­parkasse hat nun ein neues Mot­to oder eben das, was sie dafür hal­ten: Gut. Fair. Men­schlich. Nah. Putzig oder? Engagiert. Zukun­ft­sori­en­tiert. Fre­undlich. Motiviert. wäre sich­er auch eben­so aus­sagekräftig, aber wir sind ja bei der Sparkasse. Da ver­traut man eher den dreibuch­stabi­gen Adjek­tiv­en. Auf jeden Fall sollte man hin­ter jedem Adjek­tiv einen Punkt set­zen, damit der Kreativling hin­ter dieser Kam­pagne meint, er hätte eine Aus­sage rübergebracht.

Möchte nicht jed­er eine Bank, die gut, fair, men­schlich und nah ist? Ich hab ein unge­fähres Bild, was das heißt. Denn meine Bankber­a­terin ist so fair, mich nah dabei sein zu lassen bei den guten Din­gen, die ihr men­schlich wider­fahren. Und das ist doch großar­tig, oder?

Ein­mal schrieb sie, dass sie nun nicht mehr Din­gen­skirchen hieße, son­dern Wum­men­skirchen, denn sie habe geheiratet. Aber sie würde wohl ganz die Alte bleiben. Haha­ha. Und die Tele­fon­num­mer bleibt auch dieselbe. Hahaha.

Schön oder? So men­schlich, so nah. Ich finde es zugegeben­er­maßen nicht so toll, dass es diese Klatsch- und Tratsch­post­boten früher­er Zeit­en nicht mehr gibt. Aber ehrlich gesagt kenne ich die nur vom Hören­sagen. So wie das Kind vom Post­boten. Aber wenn es diese gemütlichen Pläusche mit den Post­boten gegeben hat, na, das muss doch nett gewe­sen sein. Heute ist deren Ein­satz zeitlich so eng gefasst, dass ein Plausch doch nir­gends mehr reinpasst.

Meine Bankber­a­terin nimmt sich also die Zeit, wenn auch nur über eine Info­post. Sie ver­plauscht ihren Plausch somit auch nicht per­sön­lich von Men­sch zu Men­sch, son­dern bre­it aus­gestreut an eine anonyme Masse von Sparkassenkun­den. Und eben auch nur die pos­i­tiv­en Dinge. Inter­es­sant wäre ja ein Brief der Art Also wir haben uns jet­zt schei­den lassen, ich wollt’s nur mal gesagt haben. Ich lasse mich ver­set­zen nach Klein­kleck­ers­dorf, bekomme eine neue Tele­fon­num­mer und sie kön­nen mich jet­zt anrufen, wenn sie ein Haus in Tim­buk­tu kaufen wollen.

Der wird aber nicht mehr kom­men, wie ich diese Woche aus einem Brief von ihr erfahren habe. Denn Frau Wum­men­skirchen, ehe­mals Din­gen­skirchen, bekommt Nach­wuchs. Und sie hat mir geschrieben, dass das ein wun­der­schönes Gefühl ist. Großar­tig oder? Vielle­icht sollte man zurück schreiben. Jeden­falls ist sie jet­zt nicht mehr meine Bankber­a­terin, son­dern der schnei­di­ge Herr Zin­sen­hofen. Aber die Tele­fon­num­mer bleibt dieselbe. Hahaha.

Der Herr Zin­sen­hofen sieht aus wie ein Sin­gle. Ich glaube nicht, dass der mir weit­er solche überkan­didel­ten Briefe schreibt. Aber vielle­icht trau­rige. Das wäre doch mal was: Melan­cholis­che Betra­ch­tun­gen eines Sparkassens­in­gles. Das wäre doch mal so menschlich.

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