Was ich noch sagen wollte zu… Blogstatistiken

Gera­de wird mein klei­nes Pri­vat­blog wie­der öfters auf­ge­ru­fen, meist über Goog­le, ohne dass ich genau wüss­te, wes­we­gen es zu einer stär­ke­ren Nach­fra­ge kommt. Wahr­schein­lich ist das Wet­ter zu schlecht, um drau­ßen was zu unter­neh­men.

Das bringt mich aber dazu, mal kurz zu erzäh­len, war­um ich auf Blog­sta­tis­ti­ken nicht mehr son­der­lich ach­te. Ich hab letz­tens in klei­ner Run­de mal erzählt, dass ich mit mei­nen eige­nen Blogs so 1000 Leser täg­lich habe. Und dar­auf reagier­ten die Zuhö­rer, von denen eini­ge auch blog­gen und das teil­wei­se schon seit Jah­ren, irgend­wie so beein­druckt, dass ich sofort abge­wun­ken habe.

Die­se Zahl ist zwar eini­ger­ma­ßen um die Such­ma­schi­nen und Bots berei­nigt, hin­ter denen kein Mensch, son­dern eben nur eine Maschi­ne steht. Aber den­noch rede ich bei Leser nur von Zugrif­fen. Unter Leser aber sind ja nur die­je­ni­gen inter­es­sant, die sich wirk­lich mit dem Beschäf­ti­gen, was gebloggt wur­de. Ein sol­cher Leser wür­de sich die Zeit neh­men, den Text zu lesen, nicht sofort wei­ter kli­cken. Ich füh­le mich ja auch nicht als Leser der Bild­zei­tung, nur weil mir ihr Auf­ma­cher im Zei­tungs­la­den in den Blick fällt.

Ich wür­de mich selbst auch nicht als Leser eines Blogs hal­ten, nur weil ich dort mal ein You­tube-Film­chen gese­hen hät­te. Man­che Blogs lei­ten ihre Rele­vanz an der durch­schnitt­li­chen Anzahl der Kom­men­ta­re zu Ein­zel­bei­trä­gen ab. Ich ken­ne aller­dings kein ein­zi­ges Blog, bei dem die Kom­men­ta­re mit dem hohen Anspruch eines Dis­kur­ses lesens­wert wären. oft­mals ist es eben nur Gequat­sche von Leu­ten, die quat­schen wol­len. Das ist kaum aus­sa­ge­kräf­tig.

Dage­gen ken­ne ich vie­le Per­so­nen, die durch­aus mei­ne Arti­kel lesen und mich off­line dar­auf anspre­chen und off­line dar­über reden möch­te, was einem Dis­kurs, wenn man das Wort denn ver­wen­den möch­te, viel näher kommt. Online wäre es eine Ent­spre­chung, wenn vie­le Blogs auf einen bestimm­ten Blog­ar­ti­kel dis­kur­siv reagie­ren wür­den. Das pas­siert aller­dings der­zeit äußerst sel­ten.

Und so redet man, wenn man über Blog­sta­tis­ti­ken redet, über Sta­tis­ti­ken, deren Aus­sa­ge­kraft man selbst kaum ver­stan­den hat, mit Leu­ten, die es eben­so­we­nig oder ganz anders ver­ste­hen. Daher rede ich viel lie­ber über Inhal­te, da weiß man, was man hat.

Hat NRW eigentlich ein ernsthaftes Bildungskonzept?

lehrerdemo

Bei der CDU hat Herr Koch ja kürz­lich raus­ge­hau­en, dass, wenn stark gekürzt wer­den soll in nächs­ter Zeit, der Bil­dungs­be­reich davon nicht ver­schont wer­den wür­de. Da hier eh schon gespart wird, ist Fra­ge ist eigent­lich, wo denn noch.

Nun hat die SPD im Wahl­kampf getönt, es fehl­ten 5000 Stel­len, wäh­rend die CDU mein­te, man habe aber doch 5000 Leh­rer neu ein­ge­stellt. Dies sei­en aber nur Neu­an­stel­lun­gen auf Grund von Leh­rern, die in Ren­te gin­gen.

Wir wol­len mal nicht unter den Tisch fal­len las­sen, dass es die NRW-SPD gewe­sen ist, die auf die fixe Idee kam, am Feri­en­be­ginn Leh­rer mas­siv zu ent­las­sen und zu Schul­be­ginn die­sel­ben Leh­rer wie­der ein­zu­stel­len, um Geld zu spa­ren. Das wür­de ich ja gern mit Poli­ti­kern im Land­tag machen. Fair­ness für alle.

Aber schau­en wir uns die aktu­el­le Lage mal am Bei­spiel für Grund­schul­leh­rer im Regie­rungs­be­zirk Müns­ter an. Sie kön­nen auch den angren­zen­den Regie­rungs­be­zirk Det­mold mit ins Boot neh­men, da sieht es ähn­lich aus. In bei­den Bezir­ken woh­nen ins­ge­samt 4,6 Mil­lio­nen Nord­rhein-West­fa­len. Also: 5000 “neue” Stel­len, wie­vie­le Grund­schul­leh­rer wur­den wohl bei die­sen Zah­len nach offi­zi­el­len Anga­ben im letz­ten Schul­halb­jahr und im kom­men­den neu in den Regie­rungs­be­zir­ken Müns­ter und Det­mold ein­ge­stellt?

Null.

Nie­mand. Offen­bar kann man als Grund­schul­leh­rer gera­de nicht ein­mal als Ver­tre­tung in den Schul­be­trieb kom­men. Und wenn doch mal was frei ist, soll­te man sich als Leh­rer wohl je nach Lan­des­re­gie­rung dar­auf ein­stel­len, zwi­schen Anstel­lung und Hartz IV hin und her zu pen­deln.

Lei­der wur­de im Wahl­kampf ja nicht über Inhal­te gespro­chen. Sonst hät­te man ja erfah­ren kön­nen, ob irgend­ei­ne Par­tei nach den Pat­zern der Ver­gan­gen­heit über ein frucht­ba­res Bil­dungs­kon­zept ver­fügt. Ansons­ten sehe ich bei Poli­ti­ker­stel­len eigent­lich ein gro­ßes Ein­spa­rungs­po­ten­ti­al.

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Bild­quel­le: http://www.flickr.com/photos/grantneufeld/ / CC BY-NC 2.0

Noch mehr Spionagefunktionen bei Facebook

Ich hab ja erst vor kur­zem geschrie­ben, dass Face­book per­sön­li­che Infor­ma­tio­nen auf ande­ren Inter­net­sei­ten auf­tau­chen lässt, ohne dass man bei Face­book direkt ange­mel­det ist. Natür­lich auch ohne Infor­ma­ti­on, dass Face­book so etwas tut. Es ist nur ein klei­ner gedank­li­cher Schritt, anzu­neh­men, dass Face­book auf ähn­li­chem Wege Infor­ma­tio­nen von ande­ren Sei­ten, die ein Face­book-Benut­zer ansurft, ver­ar­bei­tet.

Und genau das ist mir gera­de pas­siert. Ich rufe einen Arti­kel bei Bild­blog auf und wun­de­re mich etwas über das Arti­kel­en­de. Das sah so aus:

bildblogfaebook

War­um wohl ist das Face­book-Käst­chen in nie­der­län­di­scher Spra­che?

Das könn­te damit etwas zu tun haben, dass ich eini­ge Minu­ten zuvor auf einer nie­der­län­di­schen Inter­net­sei­te gewe­sen bin. Aller­dings ist dort kein Face­book-Plug­in zu fin­den und irgend­wie ist es selt­sam, dass sich auch mei­ne Face­book-Start­sei­te ins Nie­der­län­di­sche gewan­delt hat. Und natür­lich: Ange­mel­det bei Face­book war ich die gan­ze Zeit nicht. [Btw: Was ist eigent­lich die genaue Defi­ni­ti­on von Phis­hing?]

Viel­leicht gibt es für die­se Selt­sam­keit eine Spit­zen­er­klä­rung, dass nur irgend­et­was im Brow­ser oder zwi­schen den kom­mu­ni­zie­ren­den Com­pu­tern schief gelau­fen ist und natür­lich kei­ne Infor­ma­ti­on an Face­book wei­ter gege­ben wur­de. Aber wer wür­de sowas denn noch voll­kom­men glau­ben? Daher bekommt Face­book bei mir nun sei­nen eige­nen klei­nen Brow­ser, in dem nichts ande­res als Face­book ange­surft wird. Viel­leicht hilft das ja.

Moin

morgenkaffee

Chris­ti­na Hahn hat sich in Essen die Ver­an­stal­tung Jugend forscht 2010 ange­tan und ist offen­sicht­lich von der Ober­fläch­lich­keit der Ver­an­stal­tung und der sich in ihr son­nen­den Poli­ti­kern, Wirt­schafts­men­schen und Eltern ziem­lich genervt.

Thang hat Kopf-Wackel-Gifs zusam­men­ge­stellt, bei denen einem schwind­lig wird.

Bei Car­ta regt man sich sehr über ein Por­trait von Peter Kru­se in der FAZ auf. Dar­in ver­sucht Edo Reents mehr wol­lend als über­zeu­gend den auf der Repu­bli­ca gefei­er­ten Psy­cho­lo­gen und Unter­neh­mer als Hoch­stap­ler zu ent­tar­nen:

Peter Kru­se gilt im Inter­net[!] vie­len als Guru. Dabei gehört auch er nur zu den Leu­ten, die das Ein­fa­che kom­pli­ziert erklä­ren und sich als Bera­ter geben. Man muss ihn gar nicht hören; schon wenn man ihn sieht, denkt man: Der Mann ist alles in einem — Faust, Luther und Moses, dazu viel­leicht noch eine Pri­se Pee­per­korn. Von Faust hat er den Wis­sens­drang, von Luther das “Hier ste­he ich …

Tja, was ein Pech. Faust, Luther und Moses, all die coo­len Figu­ren, die das Ein­fa­che kom­pli­ziert erklä­ren, sind schon weg. Da blie­ben dann wohl für Reents von Don Qui­chot­te nur die Wind­müh­len zum Hoch­sta­peln übrig.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wann wer­den die Schirr­ma­chers die­ser Welt wohl ein­se­hen, dass Feuil­le­ton-Eitel­kei­ten außer­halb des Feuil­le­tons so über­le­bens­fä­hig sind wie Karp­fen an Land? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]

Moin

morgenkaffeeJeff Jar­vis dia­gnos­ti­ziert nach dem Vor­fall der angeb­lich ver­se­hent­lich auf­ge­nom­me­nen WLan-Daten den deut­schen Medi­en ein Hass-Ver­hält­nis zu Goog­le. Was soll­te Goog­le schon mit in einem will­kür­li­chen Moment zufäl­lig auf­ge­nom­me­nen Daten aus einer Stra­ße anfan­gen?
Im Taxi-Blog wird statt in einer Anzei­ge in einem Blog­ein­trag fest­ge­hal­ten, wie Tors­ten bei­na­he an einer unein­seh­ba­ren Kreu­zung von einem Poli­zei­wa­gen über den Hau­fen gefah­ren wor­den wäre.
Vero­na Pooth, ehe­mals Feld­busch, darf ihre Sen­dung Engel im Ein­satz auf RTL 2 wie­der­auf­neh­men, auch wenn die Staats­an­walt­schaft nach wie vor gegen sie ermit­telt. RTL 2‑Chef Jochen Star­ke bewirbt die Sen­dung mit fol­gen­den Wor­ten:

Mit Engel im Ein­satz zei­gen wir unser sozia­les Gesicht. Es geht uns um Wer­te wie Ver­ant­wor­tung. Es gibt immer noch genug Men­schen, die unschul­dig in Not gera­ten. Wir kön­nen nicht allen hel­fen, aber wenigs­tens eini­gen von ihnen.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Wo kön­nen sich denn ande­re In-Not-Gera­te­ne für die Mode­ra­ti­on der­ar­ti­ger Shows bewer­ben? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.
[Foto: Luc van Gent]

Moin

morgenkaffee
Rou­ven ver­zich­tet auf Ruhm und Ehre und schmeisst den I‑li­ke-But­ton von Face­book raus. Grund dafür war, dass Face­book sei­ne Face­book-Sei­te unge­fragt unter Anga­be sei­ner Freun­de bewirbt. Dane­ben pos­tet er ein Video, anhand des­sen  Face­book-Benut­zer mal che­cken kön­nen, was sie an Daten tat­säch­lich Face­book zur Ver­fü­gung stel­len, und wie sie es abstel­len kön­nen.
Beim Stern beant­wor­tet man die von Jeff Jar­vis auf­ge­stell­te Fra­ge, was Goog­le mit den “ver­se­hent­lich” auf­ge­nom­me­nen Daten hät­te machen kön­nen: Stand­ort­be­stim­mung von Gerä­ten ohne GPS. Auch in den USA schüt­telt man über das Ver­hal­ten Goo­gles den Kopf.
Anne Roth hat sich im Zuge der Ver­öf­fent­li­chung der neu­en Kri­mi­nal­sta­tis­tik mit der Deu­tung des Rück­gangs der Gewalt­ta­ten aus­ein­an­der­ge­setzt und sieht den Spie­gel gegen den Links­extre­mis­mus kämp­fen. Dane­ben möch­te Innen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re Blogs gegen die Kri­mi­nel­len ein­set­zen.
Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Ist das Blog­gen für Gewalt­lo­sig­keit das neue Kuscheln für den Welt­frie­den? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.
[Foto: Luc van Gent]

Was ich noch sagen wollte zu… Volker Becks Demokratieverständnis


Bei den Grü­nen hat sich MdB Vol­ker Beck auf Twit­ter zu Wort gemel­det, der sich von den Pira­ten ver­ra­ten fühlt. Für die­se Äuße­rung wird er von der Bun­des­ge­schäfts­füh­re­rin Stef­fi Lem­ke gede­ckelt. Dar­auf hin zieht Beck den Schwanz ein, titu­liert sei­nen dazu­ge­hö­ri­gen Blog­ar­ti­kel als Iro­nie um und ver­sucht klar zu stel­len:

Mein Anlie­gen war es, unauf­ge­regt die Fra­ge zu dis­ku­tie­ren, ob man eine Wahl­ent­schei­dung nach den Umset­zungs­chan­cen für poli­ti­sche Inhal­te im Rah­men der wahr­schein­li­chen Mehr­heits­ver­hält­nis­se fällt oder allein danach, wel­cher Par­tei man sich zuschreibt.

Die Fra­ge scheint für Beck beant­wor­tet, schließ­lich führt er nichts dazu an, wes­we­gen man gute Grün­de haben könn­te, allein danach zu wäh­len, wel­cher Par­tei man sich zuschreibt. Das Wort allein liest sich auch so, als sei hier­in weni­ger Wahl­frei­heit ent­hal­ten, als wenn man tak­tisch wählt. Die Wort­wahl wel­cher Par­tei man sich zuschreibt klingt, als ob hier vom Fan-sein eines Fuß­ball­clubs die Rede ist.
Es ist ein wenig selt­sam, dass es gera­de ein Grü­ner ist, der das tak­ti­sche Wäh­len anpreist. Schließ­lich wuss­te man als Wäh­ler der Grü­nen vor der Stimm­ab­ga­be zur Land­tags­wahl 2010 über­haupt nicht, für was für eine Koali­ti­on er da gestimmt hät­te: Ampel, Jamai­ka, Rot-Grün, Rot-rot-grün — es war schlicht alles drin.
Nun scheint Beck zudem der Ansicht zu sein, dass man zum Anstoß einer Dis­kus­si­on jede gleich wie gefärb­te Fra­ge in die Run­de wer­fen darf ohne für die Fär­bung kri­ti­siert zu wer­den. So ver­ste­he ich zumin­dest den Vor­stoß, den Bei­trag als Iro­nie zu beti­teln und nicht mehr als ernst­haf­te Äuße­rung. Und da kann man eben was gegen haben.
Was für ein Demo­kra­tie­ver­ständ­nis ist es eigent­lich, Wäh­lern zu emp­feh­len, nicht mehr Poli­ti­ker inhalt­lich so ernst zu neh­men, dass man des­sen Stim­me mit sei­ner Stim­me unter­stützt, unab­hän­gig davon, wel­che poli­ti­schen Mög­lich­kei­ten sich die­sem dadurch erge­ben? Fühlt sich der Wäh­ler da noch ernst genom­men? Fühlt sich der Sach­po­li­ti­ker, dem aus Tak­tik Stim­men ent­zo­gen wer­den, da noch ernst genom­men? Soll­ten wir Wahl­er­geb­nis­se umrech­nen in die Ergeb­nis­se der Leih­stim­men und die der authen­ti­schen?
Es ist eine Sache, wenn sich Wäh­ler ent­täuscht zei­gen, sei es, weil ihre eige­ne Stim­me angeb­lich nichts bewirkt, oder weil Koali­tio­nen her­aus­kom­men, die nie­mand gewählt hat. Etwas ande­res ist es, wenn Poli­ti­ker die Ent­schei­dungs­be­rech­ti­gung ernst­haft abge­ge­be­ner Wahl­stim­men unter­gra­ben. So gese­hen ist es ver­wun­der­lich, wie inten­siv man nach­forscht, was Mit­glie­der der Links­par­tei über die Legi­ti­mi­tät der DDR sagen, und wie inten­siv man igno­riert, wie die Mit­glie­der des Bun­des­tags ihrer­seits eigent­lich Demo­kra­tie ver­ste­hen.
Aber eigent­lich war ja auch alles Iro­nie, wenn ich das rich­tig ver­stan­den habe.

Edo Reents: Peter Kruse – Der Vollweise

Die FAZ hat inzwi­schen Edo Reents’ Schmäh­ar­ti­kel auf Peter Kru­se frei zugäng­lich gemacht. Und so kann nun jeder kos­ten­los nach­voll­zie­hen, wie Reents aus der nicht unbe­rech­tig­ten Ana­ly­se, dass Kru­se popu­lär­wis­sen­schaft­lich daher­kommt, die Grund­stim­mung zu erzeu­gen ver­sucht, Kru­se sei ein intel­lek­tu­el­ler Hoch­stap­ler.
Dabei outet Reents sich aller­dings deut­lich selbst als vor­ur­teils­be­haf­te­ter Laie:

Es ist Kru­se, der die bei­den Lager auf­ein­an­der los­lässt, und zwar auf zwei­fel­haf­ter Grund­la­ge: Nur 191 Per­so­nen wur­den dazu befragt. Fach­krei­se begeg­nen den dar­aus abge­lei­te­ten The­sen skep­tisch. Jür­gen Kuri, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur des IT-Maga­zins „c’t“, hält das für „eine sta­tis­tisch wenig aus­sa­ge­kräf­ti­ge Grund­la­ge und wis­sen­schaft­lich nicht halt­bar“.

Herr Reents, die c’t ist doch kein Fach­kreis für wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en.
Auch ande­re Ana­ly­sen Reents sind kaum ver­ständ­lich:

Doch die Güte und die Geduld des Welt­wei­sen [Kru­se] kön­nen schnell umschla­gen in beleh­ren­den Zorn über den Unver­stand derer, die auch mit­re­den wol­len. Das war am Ran­de der Re:publica wäh­rend eines Inter­views zu erle­ben, das Alex­an­der Klu­ges Sen­der dctp mit ihm führ­te. Schon die Ein­stiegs­fra­ge nach den Netz­wer­ken, die er benut­ze, war ihm nicht gut genug: „Jetzt müs­sen wir gleich schon anfan­gen, theo­re­tisch zu wer­den“, sag­te er kopf­schüt­telnd: „Wel­che Netz­wer­ke mei­nen Sie?“ Damit hat­te er den Mode­ra­tor so weit, die her­ab­las­sen­de Lek­ti­on schließ­lich mit Demut zu quit­tie­ren: „Immer wie­der inspi­rie­rend, mit Ihnen zu reden!“

Das ver­ste­he ich nun über­haupt nicht: Wie kann denn die Ein­zel­fra­ge, wel­ches Netz­werk von meh­re­ren, in einer bestimm­ten Fra­ge in Fra­ge kom­men, einem Fra­ge­stel­ler gegen­über demü­ti­gend sein?
Reents sieht sich unbe­irrt selbst als Auf­klä­rer, als Ent­lar­ver des Flö­ten­spie­ler von Hameln, was er dann aber doch lie­ber ande­re sagen lässt:

Eini­ge durch­schau­en ihn aber auch. „Da steht er nun und gene­riert Mehr­hei­ten der schlich­ten Art“, sag­te Diet­mar Moews von der Pira­ten­par­tei. Blog­ger und Inter­net­kom­men­ta­to­ren äußern sich unver­blümt: „Kru­se ist der Hyper-Schwo­bler des Inter­nets, ver­gleich­bar nur mit Franz Becken­bau­er im Fuß­ball oder mit Peter Slo­ter­di­jk im Lite­ra­tur­be­trieb. Mit sei­ner Bra­chi­al­rhe­to­rik, sei­ner enorm schnel­len Sprech­ge­schwin­dig­keit, wel­che dem Zuhö­rer kei­ne Chan­ce zu einem kla­ren Gedan­ken lässt, ver­mit­telt er die Illu­si­on, er hät­te unglaub­lich Bedeu­ten­des und Weg­wei­sen­des mit­zu­tei­len.“

Wer Auf­klä­rung aber der­art pole­misch in Angriff nimmt, der droht zu schei­tern. Und eben dies pas­siert dem Ger­ma­nis­ten Reents nach all die­sem unqua­li­fi­zier­ten Rums­psy­cho­lo­gi­sie­ren über die Per­son Kru­ses am Ende des Tex­tes noch ein­mal:

In der Regel wer­den von Next­prac­ti­ce weni­ger als zwei­hun­dert Per­so­nen befragt; dafür wird das mit dem Attri­but „qua­li­ta­ti­ves Inter­view“ ver­se­hen — als hät­ten alle ande­ren Inter­views kei­ne Qua­li­tät. Auf den Anspruch auf wis­sen­schaft­li­che Serio­si­tät, dar­auf, etwas Rele­van­tes über unse­re Gesell­schaft aus­zu­sa­gen und sie über Bera­tung auch zu beein­flus­sen, reagiert man in Fach­krei­sen mit Geläch­ter. Ursu­la Dehm, die beim ZDF seit vie­len Jah­ren Medi­en­for­schung betreibt, kriegt sich gar nicht wie­der ein: „Da dreht sich einem das Empi­ri­ker-Herz um. Das ist quir­li­ger Non­sens.“

Was in Fach­krei­sen ein qua­li­ta­ti­ves Inter­view genannt wird, und wie­vie­le Ver­suchs­per­so­nen für eine wis­sen­schaft­li­che akzep­tier­te Ana­ly­se benö­tigt wer­den, das ist Reents völ­lig unbe­kannt. Auch dass Reents bei Fach­krei­sen für wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en nur die c’t und das ZDF ein­fal­len, erzeugt eine gewis­se Irri­ta­ti­on. Aber er ist anfäl­lig für Leu­te, die lachen, soviel ver­steht der Leser.
Nun mag Kru­se popu­lär­wis­sen­schaft­lich und für eini­ge platt daher­kom­men, das ändert nichts dar­an, dass eine wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se nicht dadurch falsch wird, dass ein Laie wie Reents sie nicht ver­steht. Wäre Reents der Auf­klä­rer des Phä­no­mens Kru­se, er hät­te wis­sen­schaft­lich auf der Höhe sein müs­sen, dies sach­lich ver­ständ­lich begrün­den zu kön­nen. So aber ist er genau der unwis­sen­schaft­li­che, vor­ur­teils­ver­haf­te­te Wind­müh­len­ana­lyst, den er in Kru­se zu erken­nen glaubt.
Mehr
Bei Gun­n­ar­sohn sind Reak­tio­nen auf den Text ver­sam­melt.

Moin

morgenkaffee
Bei den Ruhr­ba­ro­nen hat man wei­ter­hin Namens­pro­ble­me: Aus irgend­wel­chen Grün­den wird dort gegen die Alt­vor­de­ren der SPD gewet­tert. Titel des Bei­trags ist SPD muss Unto­te ver­ab­schie­den. Genannt wird irr­tüm­lich Hans von Dohn­anyi. Der wur­de 1945 im KZ Sach­sen­hau­sen getö­tet. Pein­lich.
In Bay­ern darf eine 38jährige Sci­en­to­lo­gin wei­ter­hin Kin­der betreu­en, sofern es den Eltern immer mit­teilt, dass sie Sci­en­to­lo­gin ist.
Das Goog­le-Wlan-Miss­ge­schick könn­te gericht­li­che Fol­gen haben.
In den sonst so offe­nen Nie­der­lan­den erhält die Prü­de­rie Ein­zug: Einer TV-Mode­ra­to­rin wird ein neu­er Job aus­ge­schla­gen, weil sie einen unlieb­sa­men, poli­tisch ein­schlä­gi­gen Freund hat und auch das nie­der­län­di­sche Play­mate des Jah­res darf bei ihrem bis­he­ri­gen Arbeit­ge­ber auf Grund ihrer Frei­zü­gig­keit die Kof­fer packen.
Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Was packt ein Nackt­mo­del eigent­lich in sei­ne Kof­fer? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.
[Foto: Luc van Gent]

Moin

morgenkaffee

An der Uni Bie­le­feld soll nun erst­mals aus Stu­di­en­bei­trä­gen eine Pro­fes­sur bezahlt wer­den. Dass das Rek­to­rat Stu­di­en­ge­büh­ren abschaf­fen woll­te, wenn Stu­di­en­ge­büh­ren Lan­des­leis­tun­gen erset­zen, scheint man über die Jah­re kom­plett ver­drängt zu haben. Und dass die NRW-SPD die Abschaf­fung der Stud­ne­ge­büh­ren als wesent­li­che For­de­rung in den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen benennt, scheint die Uni auch nicht zu küm­mern.

Wom­ke beschäf­tigt die Fra­ge, war­um Twit­ter trotz Aus­la­ge­rung des ganz nor­ma­len All­tags­blöd­sinns nicht zu einer qua­li­ta­ti­ven Ver­bes­se­rung der Blogs geführt hat.

Dani­el Fie­ne berich­tet über einen bizar­ren Radio-Logo-Streit, der ein­fach durch hohe finan­zi­el­le For­de­run­gen been­det wird: wie radio waf, radio güters­loh, radio bie­le­feld und co. auf den nach­wuchs pfei­fen.

Und wäh­rend ich mir die Fra­ge stel­le: Gibt es Kri­ti­ken, die nur noch in Blogs aus­ge­spro­chen wer­den kön­nen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

[Foto: Luc van Gent]