
Ich habe meinen Text zu Aygül Özkan gestern morgen damit begonnen, dass ich meinte, dass es mit ihr in der CDU noch sehr heiter werden könnte. Ich hatte gar nicht erwartet, dass sich genau diese Erwartung im Laufe des Tages noch derart bestätigen sollte. Aber zwischen Aufklärung und christlicher Tradition, zwischen rationalen Argumenten und Starrsinnigkeit zermürbt sich da die christliche Volkspartei.
David McAllister hat folgenden Blödsinn zu Protokoll gegeben:
Ministerpräsident Christian Wulff, die designierte Sozialministerin Aygül Özkan und ich haben deutlich gemacht, dass das Niedersächsische Schulgesetz nicht geändert wird und Kreuze an niedersächsischen Schulen erwünscht sind. Das Kreuz ist aus Sicht der CDU ein Symbol der Toleranz auch gegenüber anderen Religionen. Die über das Wochenende entstandenen Irritationen und Missverständnisse sind damit ausgeräumt.
Da hat aber jemand ordentlich Muffensausen vor einer Wählerabschreckung. Anders ist dieser Unfug, nach dem eine Muslimin eingesehen hat, dass sie sich christliche Kreuze an niedersächsischen Schulen erwünsche, nicht zu verstehen. Soweit musste sie wohl vorsichtshalber zurückrudern, um für diese Partei Ministerin werden zu können.
Aber dieser Ausdruck von Intoleranz, gegeben dadurch, dass man die designierte muslimische Ministerin in kürzester Zeit von einer Haltung, die durch das Bundesverfassungsgericht und vernünftiges, aufgeklärtes Nachdenken gestützt ist, zur Behauptung des Gegenteils bewegt, wird gottseidank gleich im nächsten Satz persifliert:
Das — widerum — durch Intoleranz gegenüber anderen Religionen seinen Platz in staatlichen Gebäuden zugewiesene Symbol sei für sich genommen ein Symbol der Toleranz gegenüber anderen Religionen. SCHNÖFF — TÄ TÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!


Wirklich lustige Aktion der CDU. Ich versuche ja derzeit immer um zwei Ecken zu denken und den geheimen Plan der Union zu sehen, doch noch NRW zu gewinnen. Neben den üblichen Mitteln kurz vor der Wahl (gute Konjunkturprognosen, Terrorangst, “schleichende Islamisierung”) muss es doch noch einen Masterplan geben. Aber hier sehe ich das wirklich nicht. Oder lässt sich Frau Özkan für die CDU opfern um das Feindbild Muslim latent zu stärken? Sollen die Christen nach all den Missbrauchsskandalen wieder geeint werden? Na ja, vielleicht wirklich zuviel Verschwörungstheorie. Die Frau hat wohl wirklich einfach nur vergessen in welcher Partei sie ist.
Man kann sagen, dass Wulff das derzeitige Politik-Interesse rund um die NRW-Wahl ganz geschickt für sich genutzt hat, vielleicht will er ja noch bundespolitisch was werden. Je nachdem, wie abgestimmt das Ganze mit Rüttgers war, wird der aber nicht so gut auf dieses Intermezzo zu sprechen sein, gerade wenn Deutsch-Türken jetzt den Eindruck gewinnen, dass Ökan in der CDU bevormundet wird. Einen kurzfristigen, wahlbeeinflussenden Nutzen scheint mir das Ganze jedenfalls nicht zu haben.