Das BKA nimmt Stellung gegen Bundesregierung


Es scheint schon so ein klei­ner Trend zu wer­den, dass Fach­leu­te in Bezug auf die Aus­füh­run­gen der CDU-Spit­zen die­sen immer wider­spre­chen.
Inner­halb kur­zer Zeit hat sich das BKA nun sowohl gegen Vor­ha­ben von Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Köh­ler als auch von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re aus­ge­spro­chen.
Man kann nur hof­fen, dass irgend­wann auch bei der CDU mal wie­der Leu­te an die ent­schei­den­den Posi­tio­nen kom­men, die in der Lage sind, die Aus­wir­kun­gen ihrer Poli­tik kom­pe­tent genug zu über­schau­en.

Deutsch – FDP, FDP – Deutsch


Seit je her hat man in der FDP alles Frei­heit genannt, was man gut fand. Das war so sim­pel wie bescheu­ert. Bei so einer Heu­te-dies-mor­gen-das-Begriffs­ver­wen­dung kommt dann so ein Geschwur­bel her­aus wie der Glau­be, dass Büro­kra­ti­sie­rung einer der größ­ten Gefähr­der der Frei­heit sei. Ich glau­be, dass Blöd­heit der größ­te Gefähr­der der Frei­heit ist. Womit wir wie­der bei der FDP wären.
Fas­sen wir doch mal ganz kurz zusam­men, wie sich die FDP gera­de bun­des­po­li­tisch die Zukunft vor­stellt:
Jür­gen Trit­tin hat im Okto­ber gemut­maßt, die Bun­des­re­gie­rung pla­ne eine Steu­er­ent­las­tung der Bes­ser­ver­die­nen­den durch Sozi­al­ab­bau. Im Janu­ar 2010 kommt die FDP damit raus, man wol­le Steu­er­sen­kun­gen für Rei­che durch Kür­zun­gen bei Fami­li­en und Arbeits­lo­sen finan­zie­ren. Die­ser Satz ist inso­fern rich­tig, als das Steu­er­ent­las­tun­gen den Rei­chen, den Bes­ser­ver­die­nen­den oder, wie die FDP sie auch ger­ne nennt, den Leis­tungs­trä­gern zugu­te kommt. Für die FDP ist ja die unter­be­zahl­te Alten­pfle­ge­rin, die am Wochen­en­de jam­mern­den Alten die Nacht­töp­fe aus­leert, kei­ne Leis­tungs­trä­ge­rin. Hem­mungs­los über­be­zahl­te Mana­ger, das sind FDP-Leis­tungs­trä­ger.
Kom­men wir zur nächs­ten sprach­li­chen Fein­heit: Die FDP ist für eine Mehr­wert­steu­er­sen­kung für Hotels. Da geht es klei­nen Hotels wie klei­nen Alten­pfle­ge­rin­nen: Die haben da wenig von. Aber gro­ße Hotel­ket­ten, für die rech­net sich das ordent­lich. Nun darf man nicht sagen, die FDP sei in die­sem Punk­te lob­by­is­tisch, denn dann könn­te man ja fast auch sagen, sie sei kor­rupt. Und das klingt nicht gera­de frei. Aber selbst in der CDU kann man die­se poli­ti­sche Hal­tung nicht schö­ner reden als “rei­ne Kli­en­tel­po­li­tik”.
So, und jetzt die Her­aus­for­de­rung:
Lie­ber Leser, ver­su­che mit dem oben Gesag­ten im Hin­ter­kopf das fol­gen­de Zitat von Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger über ihre FDP mög­lichst unir­ri­tiert durch­zu­le­sen:

Wir sind nicht die Par­tei der Bes­ser­ver­die­nen­den und waren es auch nie. Es ist doch ein urli­be­ra­les Ziel, sich für sozia­le Gerech­tig­keit und die Chan­cen des Ein­zel­nen ein­zu­set­zen. Wäh­rend sich Ver­mö­gen­de und Gering­ver­die­ner über Steu­er­erleich­te­run­gen freu­en konn­ten, kamen für die gro­ße Mehr­heit immer neue Las­ten dazu. Dage­gen etwas unter­neh­men zu wol­len, kann doch nicht ernst­haft als Enga­ge­ment für ein paar Bes­ser­ver­die­nen­de abge­tan wer­den.

Wenn nun aber das Enga­ge­ment für die gro­ße Mehr­heit sei­tens der FDP nur zur Ver­bes­se­rung der finan­zi­el­len Lage der Bes­ser­ver­die­nen­den führt, dann muss man die FDP-Poli­tik mit den Wor­ten Tho­mas de Mai­ziè­res wohl als “ein wenig gaga” beschrei­ben.
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Die ZEIT: Nackt­scan­ner — Men­schen, seid wür­dig!

Jürgen Rüttgers mobilisiert zum NRW-Wahlkampf


Auf dem Blog Wir-in-NRW.de wur­de der ges­tern rum­ge­schick­te Brief von Jür­gen Rütt­gers ver­öf­fent­licht, mit der er die NRW-CDU-Basis mobi­li­sie­ren möch­te. Und dem geneig­ten Wäh­ler gibt dies die Mög­lich­keit, sich auf das gefasst zu machen, womit die CDU in kom­men­der Zeit punk­ten will: Der pau­scha­len Ver­ur­tei­lung der Links­par­tei. Die Links­par­tei wol­le
a) den Ver­fas­sungs­schutz auf­lö­sen, b) Dro­gen frei­ge­ben, c) Gym­na­si­en, Real­schu­len, Haupt­schu­len auf­lö­sen, d) Reli­gi­ons­un­ter­richt abschaf­fen, e) Unter­neh­men ver­staat­li­chen und f) Haus­be­sit­zer ent­eig­nen.
Zu a) den Ver­fas­sungs­schutz auf­lö­sen Die Lin­ke will in der Tat ohne den Ver­fas­sungs­schutz aus­kom­men, was für sie bedeu­tet, dass kei­ne Bür­ger­be­spit­ze­lung statt­fin­det. Man plant damit aber wohl erst für das Jahr 2080.
Zu b) Dro­gen frei­ge­ben Dro­gen wie Alko­hol und Ziga­ret­ten sind ja schon frei gege­ben. Prä­ven­tiv möch­te die Links­par­tei für eine staat­li­che Regu­lie­rung des Can­na­bis­mark­tes, unter Gewähr­leis­tung des Jugend­schut­zes, nach dem Vor­bild der Nie­der­lan­de, ein­tre­ten.
zu c) Gym­na­si­en, Real­schu­len, Haupt­schu­len auf­lö­sen Es ist schon selt­sam, dass Rütt­gers der SPD vor­wirft, mit einer Par­tei zusam­men arbei­ten zu wol­len, die das drei­stu­fi­ge bis­he­ri­ge Schul­sys­tem abschaf­fen möch­te. Das will die SPD schliess­lich zuguns­ten einer inte­grier­ten Gesamt­schu­le selbst auch.
zu d) Reli­gi­ons­un­ter­richt abschaf­fen Wer das NRW-Wahl­pro­gramm der Lin­ken sich ein­mal anschaut, der fin­det dort, die Links­par­tei sei: für die Ein­füh­rung eines gemein­sa­men Ethik­un­ter­richts als Pflicht­fach. Unter­richt in den ver­schie­de­nen Reli­gio­nen wird nach Mög­lich­keit ange­bo­ten, ist jedoch frei­wil­lig. Es ist in der Tat merk­wür­dig, wie man ernst­haft von einer Tren­nung von Kir­che und Staat spre­chen möch­te, wenn der Staat Schü­ler zu Reli­gi­ons­un­ter­richt in der jet­zi­gen Form ver­pflich­tet.
zu e) Unter­neh­men ver­staat­li­chen Das will die Links­par­tei zwar, aber auch nicht pau­schal alle, nur die­je­ni­gen, die zen­tra­ler Berei­che öffent­li­cher Ver­sor­gung betref­fen, was für die Links­par­tei nur Eon und RWE sind.
zu f) Haus­be­sit­zer ent­eig­nen Das ist etwas pau­schal aus­ge­drückt, schließ­lich sol­len nicht alle Haus­be­sit­zer ent­eig­net wer­den. Aller­dings meint die Links­par­tei: Ohne eine sozia­le Wohn­raum­ver­sor­gung als Teil einer soli­da­ri­schen Stadt­ent­wick­lung wer­den gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung von der Gesell­schaft aus­ge­schlos­sen. Des­halb ist eine öffent­li­che und sozia­le Woh­nungs­po­li­tik eine unver­zicht­ba­re Pflicht und Kern­auf­ga­be des Staa­tes. und for­dert Die Wie­der­ein­füh­rung einer mög­lichst flä­chen­de­cken­den Zweck­ent­frem­dungs­ver­ord­nung. Eine neue Kün­di­gungs­sperr­frist­ver­ord­nung soll­te nicht nur in Gebie­ten mit erhöh­tem Wohn­be­darf son­dern auch in Gebie­ten mit star­ker Umstruk­tu­rie­rung der Eigen­tums­ver­hält­nis­se gel­ten.
Nun soll die­ser Text nicht Wer­bung machen für die Links­par­tei, was ohne­hin bei so vie­len streit­ba­ren Posi­tio­nen unge­mein schwie­rig ist, son­dern nur auf die Paro­len des NRW-Lan­des­va­ters auf­merk­sam machen. Und die sind nun mal stark pole­misch und kaschie­ren, wie z. B. bei der Kon­tro­ver­se um den Reli­gi­ons­un­ter­richt und das Schei­tern der Haupt­schu­le, den Man­gel an eige­nen Posi­tio­nen.

Die geistig-politische Wende als Wiedereinführung des Standesdünkels


Recht­zei­tig zum Neu­start der Regie­rung aus CDU, CSU und FDP lan­det die­se einen Tief­schlag nach dem ande­ren. Wäh­rend die CDU ori­en­tie­rungs­los ver­sucht, den Gesamt­scha­den gering zu hal­ten, kämpft die CSU um ihr ram­po­nier­tes Image und die FDP gefällt sich als Oppor­tu­nis­mus­par­tei:
Nach­dem sich die FDP im Wahl­kampf noch als Par­tei der Steu­er­ge­rech­tig­keit und Bür­ger­rech­te auf­ge­spielt hat, ver­schleu­dert sie die­se bei­den Din­ge gera­de zum Spott­preis:
The­ma Nackt­scan­ner: Bun­des­mi­nis­te­rin Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger fin­det Nackt­scan­ner auch akzep­ta­bel, sofern tat­säch­lich ein Gewinn an Sicher­heit ver­bun­den und der Schutz der Intim­sphä­re strikt gewähr­leis­tet wer­de. Die­se Mach­bar­keit einer der­ar­ti­gen strik­ten Gewähr­leis­tung stellt der Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te Peter Schaar gänz­lich in Fra­ge:

Kön­nen die neu­en Scan­ner tat­säch­lich unter­schei­den zwi­schen einer Bein­pro­the­se und einem am Unter­schen­kel ange­brach­ten Gegen­stand? Müs­sen Brust­am­pu­tier­te damit rech­nen, dass ihr Implan­tat offen­bar wird? Wie sieht es mit Trans­se­xu­el­len aus, deren äuße­res Erschei­nungs­bild und die pri­mä­ren Geschlechts­merk­ma­le nicht über­ein­stim­men? Kann der Scan­ner wirk­lich unter­schei­den zwi­schen einem Spreng­stoff­päck­chen und einem künst­li­chen Darm­aus­gang? Und was zeigt der Scan­ner an, wenn Men­schen, die an Inkon­ti­nenz lei­den, eine Win­del tra­gen (das sind allein in Deutsch­land schät­zungs­wei­se an die 10 Mil­lio­nen Betrof­fe­ne)?

The­ma Steu­er­ge­rech­tig­keit: Unter dem von der FDP für unkri­ti­sier­bar gehal­te­nen Aus­spruch “Wachs­tum schafft Arbeit” geben sich bei der FDP die Wirt­schafts­lob­by­is­ten der­art die Klin­ke in die Hand, dass von einem Wäh­ler­auf­trag nicht ernst­haft noch eine Rede sein kann. Dabei wird der Begriff “Wachs­tum” als Lösung aller wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me z.b. von Mein­hard Mie­gel (CDU) stark in Fra­ge gestellt:

Mitt­ler­wei­le haben wir einen mate­ri­el­len Lebens­stan­dard erreicht, der soviel höher ist als der Lebens­stan­dard der übri­gen Mensch­heit, dass es nicht mehr sinn­voll sein kann, wei­ter in die­se Rich­tung zu mar­schie­ren. Und abge­se­hen davon ist es gar nicht mehr mög­lich, die­se Art von mate­ri­el­lem Wachs­tum immer wei­ter zu trei­ben. Die natür­li­chen Res­sour­cen fal­len aus. Die Ener­gie fällt aus. Die Umwelt­be­las­tung nimmt zu. Wir müs­sen also Abschied neh­men von dem ursprüng­lich mal sinn­vol­len, aber mitt­ler­wei­le über­hol­ten Kon­zept.

Die geis­tig-poli­ti­sche Wen­de der FDP, sie ist nicht mehr als die Wie­der­ein­füh­rung des alten Stan­des­dün­kels. Ein Relikt einer Zeit, die man schon für über­wun­den hielt. Aber wer sagt, das Wen­den immer posi­tiv sein müs­sen. Dabei wäre eine sozi­al-ener­gie­po­li­ti­sche Wen­de der­zeit doch so begrü­ßens­wert.

Aktua­li­sie­rung
Als ob es noch eines wei­te­ren Nach­wei­ses bedurft hät­te: Der FDP-Gesund­heits­mi­nis­ter lässt Reform von Lob­by­is­ten erar­bei­ten.
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Vol­ker Pis­pers über das Wachs­tums­dog­ma:

WDR 2 Klar­text: Die FDP gegen den Rest der Welt
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Die ZEIT: Die Bun­des­re­gie­rung rui­niert die Bun­des­bank
Sci­ence­B­logs: Das Soli­da­ri­täts­schrei­ben für IQWiG-Chef Sawi­cki
SPIEGEL Online: Ärz­te machen sich für kri­ti­schen Arz­nei­mit­tel­prü­fer stark
Süd­deut­sche Zei­tung: CSU und FDP — Neu­ro­ti­sches Ver­hält­nis

Rummenigges Gedicht

Anet­te Pfeif­fer-Klär­le (und gäb es die­sen Namen nicht schon, man hät­te ihn erfin­den müs­sen) ist dar­auf auf­merk­sam gemacht wor­den, dass Karl-Heinz Rum­me­nig­ge ein soge­nann­tes Gedicht von ihr abge­wan­delt auf der Jah­res­haupt­ver­samm­lung von Bay­ern Mün­chen vor­ge­tra­gen hat und lässt ihn nun wegen unrecht­mä­ßi­ger Ver­wen­dung ver­kla­gen. Außer­dem hat sie über Rum­me­nig­ge auch schon wie­der gereimt.

Was für Aus­sprü­che man wie ver­wen­den kann, das ist etwas, was ich mich auch schon gefragt habe, schließ­lich ver­wen­de ich hier dau­ernd frem­de Tweets in eige­nen Bei­trä­gen. Zwar gibt man irgend­wie in den AGBs von Twit­ter sei­ne Tweets frei, doch ob das recht­lich in Deutsch­land rele­vant ist, wür­de ich mal bezwei­feln.
Daher hol­te ich mir mal Rat und da sag­te man mir, dass es doch sehr frag­lich wäre, ob die Schöp­fungs­hö­he die­ser Tweets, die ich ver­wen­de so hoch ist, dass sie als Kunst ein­ge­stuft wer­den könn­ten. Ansons­ten wären mei­ne Bei­trä­ge ja immer noch als eige­ne Kunst­schöp­fung zu sehen, die doch min­des­tens eine eben­so hohe Höhe hät­ten.
Das Gericht, das mög­li­cher­wei­se über Rum­me­nig­ges Gedicht urtei­len darf, bekä­me also die schö­ne Chan­ce, den in Rede ste­hen­den Rei­men die Schö­fungs­hö­he eines ernst­haf­ten Kunst­ge­gen­stan­des abzu­spre­chen. Das wäre doch mal was!
Bis zur end­gül­ti­gen Klä­rung trös­te ich mich dann mit Rai­nald Gre­be: “Hat die deut­sche Spra­che so etwas ver­dient?”

Wählerfang mit der NRW-CDU

Dorfinfo.de mel­det, dass NRW-Minis­ter­prä­si­dent Jür­gen Rütt­gers zu einem gro­ßen Neu­jahrs­emp­fang für Men­schen im Ehren­amt auf einem Brief­bo­gen mit einem Foto des “Lan­des­va­ters” ein­ge­la­den hat­te, ohne irgend­ei­nen Hin­weis auf die CDU zu geben:

Als die Ehren­amt­ler in Hüs­ten anka­men stell­te sich her­aus, dass der Emp­fang von der CDU orga­ni­siert wor­den war und laut Bericht im WDR als Wahl­kampf­auf­takt für den anste­hen­den Land­tags­wahl­kampf dien­te. Vie­le Ehren­amt­ler ver­lie­ßen dar­auf­hin den Emp­fang vor­zei­tig, (…) Auf den Dank an die Ehren­amt­ler war­te­te man ver­geb­lich, sie kamen nicht in der Rede vor.


Wie man in den Kom­men­ta­ren sieht, gehen zudem die Pro-Rütt­gers-Arti­kel der Rhei­ni­schen Post den Lesern zuneh­mend auf den Geist.
[via]

Mischa-Sarim Vérollet: Ordentlich Bechern

Ich hat­te mal eine leich­te Aus­ein­an­der­set­zung mit Mischa-Sarim Vérol­let bei den Blog­boys über eine Kri­tik an einer sei­ner Auf­trit­te in Bie­le­feld. Sein Buch wur­da da als etwas seicht dar­ge­stellt, ich weiss nur noch soviel, dass ich die Kri­ti­ke­rin gegen Ver­ol­let ver­tei­digt habe (Ich ver­wen­de hier und im Fol­gen­den die im Web2.0 unge­wöhn­li­che Sie-Form, um nicht ver­däch­tigt zu wer­den, eine ein­fa­che Ver­kum­pe­lung mit dem Künst­ler zu betrei­ben).
Ich glau­be, dass ich wei­ter­hin Stel­lung bezie­hen wür­de, wenn es um die Kunst Vérol­lets geht, was sei­ne Qua­li­tät angeht, da sei­ne Tex­te Tex­te zur Dar­stel­lung sind, weni­ger allein für sich über­zeu­gen. Ich fin­de es gar nicht ange­nehm, sowas zu behaup­ten, den­ke mich aber als ehr­li­cher Mensch qua­si ver­pflich­tet, mit sowas nicht hin­term Busch zu ver­blei­ben.
Die­se ein­läu­ten­den Wor­te sei­en nur das Gesamt­kunst­werk Vérol­lets umschrei­bend vor­aus­ge­schickt für fol­gen­des Video, das wohl in Zusam­men­ar­beit mit Sebastian23 ent­stan­den ist. In die­sem Video ver­bin­det Vérol­let dar­stel­len­des Thea­ter, Kunst­kri­tik und Selbst­re­fle­xi­on von Benut­zern des soge­nann­ten Web 2.0.

Die Dar­stel­lung Vérol­lets ist prä­gnant, im Aus­druck genau rich­tig über­trie­ben und in einer pas­sen­den zeit­li­chen Kür­ze, um den Betrach­ter irri­tiert zu las­sen. Viel­leicht ist Ver­ol­let gar nicht mehr ein­ge­fal­len, aber als Kunst­be­trach­ter muss man davon aus­ge­hen, dass hier genau gear­bei­tet wur­de: Das Video wirft in der Form des expres­sio­nis­ti­schen Thea­ters Fra­gen zur halt­lo­sen Abfeie­rung des eige­nen Ver­hal­tens auf und zur unre­flek­tier­ten Erwar­tungs­hal­tung eines You­tube-Zuschau­ers.
Es ist merk­wür­dig, dass offen­bar für die­se Art von Kunst im Web2.0 noch gar kein Begriff exis­tiert, jeden­falls ist mir kei­ner geläu­fig. Das Gegen­teil von die­ser Kunst­form wäre der epic fail, also eine auf­ge­nom­me­ne Situa­ti­on, in der ein den Zeit­geist wider­spie­geln­des, unre­flek­tier­tes Fehl­ver­hal­ten exem­pla­risch auf den Punkt gebracht wird.
Ent­spre­chend müss­te man Vérol­lets Video als epic hit bezeich­nen. Wie auch immer, ich könnt’s mir stun­den­lang anse­hen.

Der Extremismusbegriff der Bundesfamilienministerin

Patrick Gen­sing wirft Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Köh­ler die mut­wil­li­ge Ver­ein­fa­chung des Begriffs “Extre­mis­mus” vor. Köh­ler hat­te anfangs gemeint, sie wol­le die Gel­der gegen den Rechts­extre­mis­mus zuguns­ten von Pro­gram­men gegen angeb­li­chen Links­extre­mis­mus kür­zen. Davon ist sie abge­gan­gen, nun aber will ihr Minis­te­ri­um 2 Mil­lio­nen Euro für Pro­gram­me gegen Links­extre­mis­mus und isla­mi­schen Extre­mis­mus auf­le­gen. Gen­sing kri­ti­siert vehe­ment die Ver­ein­heit­li­chung die­ser Din­ge unter dem Begriff “Extre­mis­mus”.
Wenn die­se Sach­ver­hal­te unter einem gleich­ma­chen­den Extre­mis­mus­be­griff gefasst wer­den, so Gen­sing,

wer­den ver­meint­li­che Gemein­sam­kei­ten über­be­tont, offen­sicht­li­che Unter­schie­de aber ver­nach­läs­sigt. Dass links­ra­di­ka­le Sze­nen bei­spiels­wei­se aus­schließ­lich in Groß­städ­ten zu fin­den sind, rechts­extre­me Sze­nen jedoch eher im länd­li­chen Raum agie­ren, ist nur ein gro­ßer Unter­schied, der durch eine Gleich­set­zung, bzw. Zusam­men­fas­sung der “Extre­mis­men” ver­wischt wird.

Gen­sing sieht durch die Dar­le­gung des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums, die der Extre­mis­mus­theo­rie gleich­kommt, eine Gefahr:

Die Extre­mis­mus­theo­rie ori­en­tiert sich aus­schließ­lich an der FDGO (Frei­heit­lich Demo­kra­ti­schen Grund­or­dung). Wer tat­säch­lich oder angeb­lich gegen die­se agiert, wird zum Extre­mis­ten erklärt. Die Moti­va­ti­on wird aus­ge­klam­mert – und somit auch sämt­li­che Inhal­te. So kön­nen bei­spiels­wei­se Men­schen, die sich gegen die Abschie­be­pra­xis in Deutsch­land und für das Blei­be­recht von Flücht­lin­gen ein­set­zen, schnell zu Fein­den der FDGO erklärt wer­den – obwohl sich die­se Per­so­nen FÜR Men­schen­rech­te ein­set­zen.

Den Nut­zen einer sol­chen Begriffs­ver­ein­heit­li­chung sieht Gen­sing hier­in:

Die­se Ver­ein­fa­chung ist aber von den Ver­fech­tern der Extre­mis­mus­theo­rie offen­bar gewollt, denn so las­sen sich ele­gant zwei Flie­gen mit einer Klap­pe schla­gen. Denn Kri­ti­ker und Geg­ner der bestehen­den Ver­hält­nis­se kön­nen bequem zu Extre­mis­ten gemacht wer­den, eine inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung ist dann nicht mehr nötig.

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Der Ausverkauf der FDP

Als im letz­ten Jahr ein paar Leu­te mit Blogs, die die CDU bis­her nicht son­der­lich wahr­ge­nom­men hat­te, den Auf­stand prob­ten gegen die Inter­net­zen­sur, da mein­te Ursu­la von der Ley­en noch, dass das ja nur 134.000 Ein­zel­mei­nun­gen gewe­sen sei­en, die da gegen ihr Vor­ha­ben votiert hat­ten. Die Mehr­heit der Deut­schen sei schließ­lich nicht auf die Stra­ße gegan­gen.
Ganz so läs­sig sah man das anders­wo in der CDU offen­sicht­lich nicht, da ist die Rede davon, man habe viel Lehr­geld bezah­len müs­sen. Stimmt schon irgend­wie: Wenn der­ar­ti­ge Aktio­nen, die sich gegen Vor­ha­ben der CDU wen­den, zum Trend wer­den, ver­liert man sicher­lich Wäh­ler. Aber lus­ti­ger­wei­se klingt die Äuße­rung so, als sei das mit dem Lehr­geld­zah­len vor­bei.
Aber immer­hin hat sich die­ser kri­ti­sche Trend der­zeit ein wenig auf FDP ver­scho­ben. Und dort weiss man sich eben­so wenig zu ori­en­tie­ren und zu weh­ren, wie die CDU zei­tens der für sie fast über­flüs­si­gen Zen­sur­su­la-Debat­te.

Die FDP weist bei der Kri­tik an der Lob­by-Spen­den­ga­la dar­auf hin, dass an jenem Abend kei­ne Spen­de über die anzei­gen­ver­pflich­ten­de Sum­me von 50.000€ gegan­gen ist. Man muss eben nur wis­sen, wie man dem Gesetz ein Schnipp­chen schlägt.
Wer zuvor auf sei­ner Inter­net­sei­te damit prahlt, dass es sich bei den dama­li­gen Spen­den um ein Rekord­ergeb­nis gehan­delt hat, dem könn­te es ja auch in den Sinn gekom­men sein, dar­auf zu ach­ten, dass kei­ne Ein­zel­spen­de zu hoch ist, solan­ge die Gesamts­pen­de die­ser Lob­by die Par­tei freu­de­tau­meln lässt.
Freu­de­trun­kend ver­fasst man bei der FDP dann auch sol­che gol­di­gen Sät­ze:

Ganz im Sti­le des Barack-Oba­ma-Wahl­kamp­fes wur­den die Spen­der vom FDP-Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Hans-Jür­gen Beer­feltz mit einer Logen-Ein­la­dung bei der „Schla­ger­nacht des Jah­res“ in der O2-World belohnt.

Das stimmt natür­lich: Zum Sti­le des Oba­ma-Wahl­kamp­fes gehör­te es sicher­lich nicht, die Wäh­ler von den Idea­len der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei und von einem Poli­tik­wech­sel zu über­zeu­gen — die woll­ten über­teu­er­te Logen­kar­ten für abge­half­ter­te Par­tye­vents unters Volk brin­gen!
An der Ret­tung der libe­ra­len Repu­ta­ti­on ver­su­chen sich der­zeit nur unbe­hol­fen wir­ken­de Neu­ein­stei­ger in der Bun­des­po­li­tik und Jour­na­lis­ten, denen eine kri­ti­sche Selbst­re­fle­xi­on nie in den Sinn kom­men wür­de:
Der beken­nen­de FDP-Fan Ulf Pos­ch­ardt hat in der Welt einen kom­plett par­tei­neh­men­den Kom­men­tar ver­öf­fent­licht, der die Kri­ti­ker der FDP als nai­ve Demo­kra­tie-Phan­tas­ten dar­stellt. Man müs­se der Wirt­schaft so hel­fen, wie es die FDP tue, dann wäre schliess­lich allen gehol­fen.
Groß­ar­tig unna­iv, nicht wahr? Dass gera­de die klein- und mit­tel­stän­di­schen Hote­liers sagen, die Mehr­wert­steu­er­ent­las­tung käme nur den gro­ßen Ket­ten zugu­te, weil für die Klei­nen der höhe­re Büro­kra­tie­auf­wand die ver­min­der­te Mehr­wert­steu­er ega­li­sier­te, über­geht Pos­ch­ardt dabei völ­lig, wie auch jede ande­re inhalt­li­che Ana­ly­se.
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Süd­deut­sche Zei­tung: Die Rabatt-Köni­ge der FDP
Micha­el Spreng: FDP — Die Stern­schnup­pen-Par­tei