Youp’s last tweet

This is a sad day for twit¬≠ter users as one of the most impor¬≠tant dutch cabaret artists, Youp van ‚Äėt hek announced to stop twit¬≠ter¬≠ing:
youp
[‚ÄúLet¬≠zter Tweet, 500 sind mehr als genug. Werde nun wieder andere sinnlose Dinge tun. Viele Dank f√ľr die Aufmerk¬≠samkeit. / Last tweet. 500 are more than enough. I‚Äôm going to do some oth¬≠er sens¬≠less things by now. Thanks for your atten¬≠tion!‚ÄĚ]
And for those that don’t know Youp by now, here’s a song in dutch with a ger­man trans­la­tion:

Tausend Hunger­bäuche in Ruan­da
Mil­lio­nen Hutu­tut­sis gehen drauf
In Chi­na läuft der aller­let­zte Pan­da
Und Chiq­ui­ta ist ne prächtige Banane
Ein Flugzeug st√ľrzt ins Meer, dicht bei Biskaya
Dabei sind hun­derte gestor­ben
Ein Teil wurd’ aufge­fressen von den Haien
Und Chiq­ui­ta ist ne prächtige Banane
Palesti­nenser wer­fen weit­er mit Steinen
Die Umwelt ähnelt immer mehr dem Mond
In Bel­gien sind Kinderchen ver­schwun­den
Und Chiq­ui­ta ist ne prächtige Banane
Ein Tor­na­do fordert 56 Tote
Und Arie, ja, Arie, der kann gehn
Le Pen meint, alle Neger sind auch Juden
Und Chiq­ui­ta ist ne prächtige Banane
Ihr seht die News, Dank sei der Reklame
Seht Ihr wie wir dem Don­ner ent­ge­gen gehn
Von allen Toten vergesst Ihr alle Namen
Außer Chiq­ui­ta
Denn Chiq­ui­ta ist ne prächtige Banane
Ja, ist ne prächtige Banane
Ja, ist ne prächtige Banane
Cha cha cha
youp2
[‚ÄúGebotoxt unter der Bur¬≠ka. Dann bist du reich.‚ÄĚ / ‚ÄúBeing botoxed under your burqa. Then you‚Äôre rich.‚ÄĚ]

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Links zur Schäuble-Frage an Merkel

Rob Savel­berg hat mir fol­gende Links seine Frage an Angela Merkel betr­e­f­fend zugeschickt:

Busi­ness News Radio

Spiegel Online

ZDF / Frontal


TAZ

Net­zeitung

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Zensursula und die Rammstein-Zensur

rammsteinzensur
Zen¬≠sur¬≠su¬≠la hat schon wieder f√ľr eine Zen¬≠sur gesorgt, dies¬≠mal bet¬≠rifft es die Band Ramm¬≠stein und ihr Album ‚ÄúLiebe f√ľr alle‚ÄĚ. Dieses sei jugendge¬≠f√§hrdend. Und schon wieder fragt man sich, was ist denn hier die Gefahr?
Fol­gen­des Lied soll, ganz ern­sthaft, Jugendliche auf die Idee brin­gen Sex ohne Kon­dome zu prak­tizieren.

Die Vorstel¬≠lung der Zen¬≠soren ist schwierig nachzus¬≠p√ľren. Sie stellen sich wohl jeman¬≠den vor, der sagt Schatz ich wollt ger¬≠ade die Kon¬≠dome aus¬≠pack¬≠en, aber da kam ger¬≠ade Ramm¬≠stein im Radio‚Ķ

Aus: Ramm¬≠stein ‚ÄĒ ‚ÄúPussy‚ÄĚ
To big, to small
Size does mat­ter after all
Zu gross, zu klein
Er kön­nte etwas größer sein
Mer­cedes Benz, und Auto­bahn
Alleine in das Aus­land fahren
Reise, Reise, Fahrvergn√ľ¬≠gen
Ich will nur Spaß, mich nicht ver­lieben

Just a lit­tle bit, just a lit­tle bitch

You’ve got a pussy
I have a dick
So, what’s the prob­lem
Let’s do it quick
So take me now before it’s too late
Life’s too short so I can’t wait
Take me now, oh, don’t you see
I can’t get laid in Ger­many

Mal abge¬≠se¬≠hen, ob man Ramm¬≠stein nun mag oder nicht, steckt doch hin¬≠ter dieser Annahme aber¬≠mals die selt¬≠same Idee, dass das Besch√§fti¬≠gen mit einem Inhalt zur Aus¬≠f√ľhrung des gle¬≠ichgestal¬≠teten Inhalts f√ľhrt. Wobei an dieser Stelle noch sehr fraglich ist, ob dem H√∂r¬≠er die Musik nicht wesentlich inter¬≠essiert und eine explizitere Vorstel¬≠lung des Inhalts mit eventuellen neg¬≠a¬≠tiv¬≠en Asso¬≠ti¬≠a¬≠tio¬≠nen gar nicht statt find¬≠et.
Eben¬≠so soll fol¬≠gen¬≠der Text Jugendliche dazu ver¬≠leit¬≠en Sado¬≠ma¬≠so-Idee auszuf√ľhren:

Aus: Ram¬≠stein ‚ÄĒ ‚ÄúIch tu dir weh‚ÄĚ
Nur f√ľr mich bist du am Leben
Ich steck dir Orden ins Gesicht
Du bist mir ganz und gar ergeben
Du lieb­st mich, denn ich lieb’ dich nicht
Du blutest f√ľr mein See¬≠len¬≠heil
Nur ein klein­er Schnitt und du wirst geil
Der Kör­p­er schon total entstellt
Egal, erlaubt ist, was gefällt

Ich tu dir weh
Tut mir nicht leid
Das tut dir gut
Hört wie es schre­it

Bei dir hab ich die Wahl der Qual
Stachel­draht im Harnkanal
Leg dein Fleisch in Salz und Eit­er
Erst stirb­st du, doch dann leb­st du weit­er
Bisse, Tritte, harte Schläge
Nadeln, Zan­gen und stumpfe Säge
W√ľn¬≠sch dir was, ich sag nicht nein
Und f√ľhr die Nagetiere ein

In der Vorstel­lung der Zen­soren muss wohl auch irgend­wie die Idee angekom­men sein, es gäbe Jugendliche, die sex­uell aktiv sind, sich mit sexver­her­rlichen­dem Mate­r­i­al auseinan­der set­zen, YouPorn und ähn­lich­es nicht ken­nen und dann von Ramm­stein in ihren sex­uellen Prak­tiken beein­trächtigt wer­den. Na, die Jugendlichen möchte ich sehen.
Nein, inhaltlich ist das so Quatsch wie die Zen¬≠sur von DIE √ĄRZTE oder DIE TOTEN HOSEN in den 80ern. Damals kam es wed¬≠er zu Katzen-in-Waschmaschi¬≠nen-Ertr√§nkungsak¬≠tio¬≠nen noch Miss¬≠brauch von Sch√§fer¬≠hun¬≠den. Ein paar Jungs haben ver¬≠bal Spa√ü nicht all¬≠t¬≠agskon¬≠for¬≠men Tex¬≠ten gehabt, eben weil sie mit dem All¬≠t¬≠ag nicht kon¬≠form waren, nicht um etwas auszuleben. Den Gedanken ver¬≠ste¬≠hen einige Medi¬≠en¬≠w√§chter wohl ein¬≠fach nicht.

Ramm¬≠steins ‚ÄúPussy‚ÄĚ hat insofern das Zeug zum Klas¬≠sik¬≠er, schlie√ülich haben wir in den 80ern uns auch nicht um die Zen¬≠sur gek√ľm¬≠mert. Die hat das Inter¬≠esse am All¬≠t¬≠agsnichtkon¬≠for¬≠men ja nur bef√∂rdert.

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Lindsay Lohans Badezimmerparty

lohansbathroom
Manch ein­er wird bei dieser Geschichte auch wieder froh sein, nicht in den USA zu leben:
Ein Online-Klatschblatt hat am Woch­enende, weil wohl son­st nichts anderes abfo­tografier­bar war, das Badez­im­mer von Lind­say Lohan während ein­er Par­ty beständig im Visi­er gehabt und aus ein­er Beobach­tung eine Klatschskan­dalgeschichte machen wollen, was allerd­ings Lind­say Lohan selb­st auf Twit­ter demen­tiert. Das Klatschblatt nimmt als Bestä­ti­gung der Richtigkeit sein­er eige­nen Ver­mu­tung die Unwahrschein­lichkeit, dass es eine Alter­na­tive zur Inter­pre­ta­tion, dass man Lohan beim Dro­genkon­sum ertappt habe, zur Hand.
Den Tweet genauer betra¬≠ch¬≠t¬≠end m√ľsste man auch sagen, dass Lohan eigentlich in Frage stellt, dass es sich bei diesem Badez¬≠im¬≠mer √ľber¬≠haupt um ihr eigenes han¬≠delt. Aber ich frage mich eigentlich nur, weswe¬≠gen so ein auf¬≠dringlich¬≠es Ver¬≠hal¬≠ten von Fotografen nicht schon als Stalk¬≠ing gew¬≠ertet wird.

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Lindsay Lohan’s bathroom party

lohansbathroom
Some­times it feels just good not hav­ing to live in Amer­i­ca. Because I real­ly don’t know why the fol­low­ing behav­iour is not a kind of stalk­ing:
Some pho­tog­ra­ph­er spent his time this week­end in watch­ing Lind­say Lohan’s bath­room win­dow while she was hav­ing a par­ty. And to make at least on tiny thing out of it this pho­tog­ra­ph­er thinks that Lohan’s on his pic­ture tak­ing drugs. Lohan denies this inter­pre­ta­tion where­upon the paper writes sub­lim­i­naly that its inter­pre­ta­tion would be verisim­i­lar and the read­ers should decide.
Well good­nite, if that’s your way to come clos­er to thruths…

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Minister of style

Egal welch­es Min­is­ter­amt Karl Theodor zu Gut­ten­berg bek­lei­det, es geht immer auch um seine Klei­dung. Es geht immer auch um Präsen­ta­tion, aus­drucksstark da zu ste­hen, sich gut zu verkaufen.
Das mag man nun als Neben¬≠s√§ch¬≠lichkeit, allen¬≠falls noch der katholis¬≠chen Erziehung geschuldet, die ja auch so sym¬≠bol¬≠√ľber¬≠lastet ist, ankrei¬≠den. Aber dieser Herr schwingt sich ja auf Poli¬≠tik¬≠er zu sein. Und in diesem Amt darf schon mal nachgeschaut wer¬≠den, wie sich die √ľber¬≠bor¬≠dende Sym¬≠bo¬≠l¬≠ik mit den Inhal¬≠ten, die auch dadurch verkauft wer¬≠den, vertr√§gt.
guttenbergfrisiur
[Hin­ter­grund]
Erstaunlich, wie unkri¬≠tisch die deutschen Medi¬≠en aber¬≠mals mit einem Min¬≠is¬≠ter umge¬≠hen. Da wird sein Stil gefeiert, v√∂l¬≠lig ungeachtet des poli¬≠tis¬≠chen Kon¬≠textes, da wird berichtet, er habe die Sit¬≠u¬≠a¬≠tion in Afghanistan Krieg genan¬≠nt, dabei sagt er doch nur, dass er Ver¬≠st√§nd¬≠nis f√ľr all jene haben, die die Sit¬≠u¬≠a¬≠tion Krieg nen¬≠nen. Ver¬≠st√§nd¬≠nis ist ja auch stilis¬≠tisch gese¬≠hen ein ganz aus¬≠geze¬≠ich¬≠netes Mit¬≠tel.
guttenbergfrisiur
Es ist doch wed¬≠er ein Aus¬≠druck von Stil, noch von poli¬≠tis¬≠chem Erfolg, sich in seinen Aus¬≠sagen immer ein Schlupfloch zu lassen, dass man eine konkrete Aus¬≠sage so nicht gemacht hat. Gut¬≠ten¬≠berg will weit¬≠er¬≠hin das Wort ‚ÄúKrieg‚ÄĚ nur f√ľr einen bewaffneten Kon¬≠flikt zwis¬≠chen Staat¬≠en (h√ľb¬≠sch aus¬≠ge¬≠dr√ľckt, nicht?) ver¬≠wen¬≠den. Wenn ein Staat gegen Ter¬≠ror¬≠is¬≠ten vorge¬≠ht, ist das nur ein bewaffneter Kon¬≠flikt. Und an einem solchen Kon¬≠flikt k√∂n¬≠nen deutsche Sol¬≠dat¬≠en nun ein¬≠mal ohne Begriff¬≠ss¬≠chwierigkeit¬≠en teil¬≠nehmen.
Begriff¬≠ss¬≠chwierigkeit¬≠en, in die sich nur Poli¬≠tik¬≠er ver¬≠hed¬≠dern, weil sie ihre eigene Begriff¬≠swelt mit der Real¬≠it√§t nicht gemein¬≠sam und ein¬≠deutig auf einen Schirm brin¬≠gen k√∂n¬≠nen. Denn es soll der Begriff Angriff¬≠skrieg umkurvt wer¬≠den, der einen Grundge¬≠set¬≠zver¬≠sto√ü bedeuten w√ľrde. Dabei ver¬≠wehrt das Grundge¬≠set¬≠zt sich auch schon gegen Hand¬≠lun¬≠gen, die das friedliche Zusam¬≠men¬≠leben zwis¬≠chen den V√∂lk¬≠ern beein¬≠tr√§chti¬≠gen. Gott¬≠sei¬≠dank fall¬≠en da so Sachen wie das Abw¬≠er¬≠fen von Bomben auf Tan¬≠klastz√ľge nicht drunter, das dient eher den Men¬≠schen¬≠recht¬≠en und der Sta¬≠bil¬≠isierung der dor¬≠ti¬≠gen Demokratie.
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mehr:
Deutsche Welle - F√ľhrt die Bun¬≠deswehr Krieg in Afghanistan?
DIE ZEIT - The­ma Afghanistan

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Die Depression der anderen

Wenn man in der Sache der Selb¬≠st¬≠t√∂¬≠tung Robert Enkes etwas Gutes zu for¬≠mulieren sucht, greift man derzeit gerne dazu, dass es derzeit immer¬≠hin gut sei, dass √ľber Depres¬≠sion gesprochen werde. Aber es wird immer nur von der Depres¬≠sion ander¬≠er gesprochen. Es wird davon gesprochen, wie man Betrof¬≠fe¬≠nen hil¬≠ft, wie sich die Masse ver¬≠hal¬≠ten soll, ob man Leis¬≠tungss¬≠portlern als √Ėffentlichkeit zuviel zumutet.
tabuisierungskartell
Nie¬≠mand redet √∂ffentlich √ľber Depres¬≠sion als seinem Gef√ľhl. Hier w√ľrde ich noch den Unter¬≠schied machen, ob man das Gef√ľhl ein¬≠er Depres¬≠sion ken¬≠nt oder ob man an ein¬≠er Depres¬≠sion erkrankt ist. Ich w√ľrde den Gedanken der Ziel- und Zweck¬≠losigkeit des eige¬≠nen Han¬≠delns, des eige¬≠nen Lebens darunter ver¬≠ste¬≠hen, welch¬≠es zu einem anhal¬≠tenden, nieder¬≠dr√ľck¬≠enden Gef√ľhl f√ľhrt. Wenn sie erkrankt sind, ist dieses Gef√ľhl all¬≠ge¬≠gen¬≠w√§r¬≠tig, selb¬≠st in eher lusti¬≠gen Sita¬≠tio¬≠nen. Irgend¬≠wann konkur¬≠ri¬≠eren angenehme und nieder¬≠dr√ľck¬≠ende Gef√ľh¬≠le aktiv miteinan¬≠der und schein¬≠bar k√∂n¬≠nen die neg¬≠a¬≠tiv¬≠en Gef√ľh¬≠le lan¬≠gan¬≠dauern¬≠der sein als die pos¬≠i¬≠tiv¬≠en.
Man befind¬≠et sich in ein¬≠er Spi¬≠rale, in der vieles zusam¬≠menkommt: Die eigene Belas¬≠tung, die All¬≠t¬≠agssi¬≠t¬≠u¬≠a¬≠tio¬≠nen, das Leben mit seinen Mit¬≠men¬≠schen, der Blick in die Zukun¬≠ft. Jedes dieser Dinge wird eigentlich f√ľr sich geregelt, aber mit dem Gedanken, dass all das zu nichts f√ľhrt, l√§sst sich auch alles verbinden. Es ist schwieriger, das Pos¬≠i¬≠tive damit langfristig damit zu verbinden.
Wenn Robert Enke es als Prob­lem sah, dass nach sein­er Ansicht das Jugen­damt es in Erwä­gung zieht, ihm wegen sein­er Krankheit sein vor weni­gen Monat­en adop­tiertes Kind wegzunehmen. und ihn das in so kurz­er Zeit so stark belastet hat, dann muss man von ein­er starken Erkrankung sprechen. Und auch wenn ich kein Arzt bin, scheint mir die einzig passende Maß­nahme zu sein, dass man eine der­ar­tige Per­son sofort raus aus dem All­t­ag nimmt. Wer solchen Men­schen helfen will, muss ver­suchen, deren Gedankengänge nachzuze­ich­nen, ihnen Kon­tra geben, wo man meint, dass eine falsche Rich­tung eingeschla­gen wird.
Vor weni¬≠gen Tagen hat Andr√© Agas¬≠si √ľber seine schw¬≠eren Gedanken als Leis¬≠tungss¬≠portler gesprochen und wie er Stef¬≠fi Graf gesagt hat, dass er das Ten¬≠nis¬≠gesch√§ft has¬≠se. Und danach spricht er von der Antwort Stef¬≠fi Grafs wie von einem erleuch¬≠t¬≠en¬≠den Moment. Sie sagte: ‚ÄúHas¬≠sen wir es nicht alle?‚ÄĚ
Hier haben Sie den d√ľsteren Gedanken, hier haben sie den Weg weg aus der D√ľster¬≠n¬≠is. Das scheint nicht anders zu gehen, als dass man immer auch von sich selb¬≠st spricht. Vom Kopf her bildet man so eine Gemein¬≠schaft, die der¬≠jeni¬≠gen, die sich Depres¬≠sive als sie verun¬≠sich¬≠ernde Gegenge¬≠mein¬≠schaft erfind¬≠en, ent¬≠ge¬≠gen¬≠tritt und diese sich aufl√∂sen l√§sst.
Solange man aber nur von der Depres¬≠sion der anderen spricht, ist das Tabu √ľber dem The¬≠ma Depres¬≠sion nicht weg.

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Wie die Uni Bielefeld kaputtreformt

Grotemeyer
Dies ist ein beze¬≠ich¬≠nen¬≠des Bild. Es zeigt den Rek¬≠tor der Uni¬≠ver¬≠sit√§t Biele¬≠feld im Jahre 1977 auf ein¬≠er Hebe¬≠b√ľhne, damit er von Studieren¬≠den und Mitar¬≠beit¬≠ern bei sein¬≠er Ansprache bess¬≠er ver¬≠standen wird. Er ist umringt, um der Aufmerk¬≠samkeit willen. W√ľrde man heutzu¬≠tage den aktuellen Rek¬≠tor der¬≠art auf eine Hebe¬≠b√ľhne stellen, dann wohl nur deswe¬≠gen, um ihn vor Wur¬≠fgeschossen zu sch√ľtzen und damit ihn nie¬≠mand umringt.
Nein, heutzu­tage sieht es so aus, wenn Rek­tor und Studierende sich begeg­nen:
rektor2009
[Das Orig­i­nal­fo­to von Chris­t­ian Weis­che find­en Sie hier.]
Da muss man Polizei und externe Sicher­heit­skräfte anheuern. Es ist bess­er, wenn der Rek­tor den Studieren­den nicht zu nahe kommt. Ein Papamo­bil ist noch in Arbeit.
Im 40. Jahr ihres Beste¬≠hens sieht sich die Leitung der Uni¬≠ver¬≠sit√§t der gr√∂√üten Abnei¬≠gung durch die Studieren¬≠den seit ihrem Beginn ent¬≠ge¬≠gen. Die √ľber¬≠hastete Ein¬≠f√ľhrung von Bach¬≠e¬≠lor-Mas¬≠ter-Sys¬≠tems, das noch nie zufrieden¬≠stel¬≠lend funk¬≠tion¬≠iert hat, und die Ein¬≠f√ľhrung von Stu¬≠di¬≠enge¬≠b√ľhren, deren Nach¬≠weis, dass sie das Studi¬≠um der Studieren verbessern, seit Jahren auf sich warten l√§sst, haben ihren Teil zu dieser neg¬≠a¬≠tiv¬≠en Entwick¬≠lung beige¬≠tra¬≠gen.
Und seien wir doch ehrlich: Wer behauptet heute noch ern¬≠sthaft, dass die Stu¬≠di¬≠enge¬≠b√ľhren dazu dienen soll¬≠ten? Die Studieren¬≠den sind Geldge¬≠ber, damit die Uni sich als Forschung¬≠sein¬≠rich¬≠tung bess¬≠er pro¬≠fil¬≠ieren kann.
In k√ľrzester Zeit hat die Uni¬≠ver¬≠sit√§t¬≠sleitung die Frage aufge¬≠wor¬≠fen, was an dieser Hochschule noch ‚ÄúUni¬≠ver¬≠sit√§t‚ÄĚ sein soll. Noch schwieriger wird es beim Begriff der Reform-Uni¬≠ver¬≠sit√§t. Zu Beginn der Uni¬≠ver¬≠sit√§t war damit gemeint, dass eine Uni¬≠ver¬≠sit√§t entste¬≠hen soll, bei der unter den Talaren eben nicht der Muff von 1000 Jahren sein soll. Und damit meinte man damals z.B. M√ľn¬≠ster. Ein Anspruch, den die Uni schon lange aufgegeben hat: Die Uni¬≠ver¬≠sit√§t Biele¬≠feld heute genau¬≠so unbe¬≠weglich und unzug√§nglich wie die einst kri¬≠tisierten Unis und schickt sich an, ger¬≠ade darin auch noch Vor¬≠re¬≠it¬≠er zu sein: Reformieren um der Reform willen. Da wird nicht geschaut, wie sin¬≠nvoll ein Vorhaben ist, es wird ein¬≠fach blind rumver√§n¬≠dert. Und dabei wur¬≠den die Studieren¬≠den¬≠in¬≠ter¬≠essen ange¬≠h√∂rt, nur um sie als Ange¬≠h√∂rte ignori¬≠eren zu k√∂n¬≠nen. Es wurde und wird nicht argu¬≠men¬≠tiert, es wer¬≠den Macht¬≠spielchen aus¬≠ge¬≠tra¬≠gen.
Bei den derzeit¬≠i¬≠gen Protesten wurde der Rek¬≠tor nach der Abschaf¬≠fung der Stu¬≠di¬≠enge¬≠b√ľhren gefragt, was er ohne Begr√ľn¬≠dung ver¬≠warf. Fr√ľher meinte das Rek¬≠torat inkl. des neuen Rek¬≠tors noch, dass man die Stu¬≠di¬≠enge¬≠b√ľhren sofort abschaf¬≠fen w√ľrde, sobald mit diesen Dinge bezahlt w√ľr¬≠den, die zuvor das Land bezahlt h√§tte oder sofern Lehre hier¬≠durch erset¬≠zt werde. Bei¬≠des ist heutzu¬≠tage Gang und Gebe.
Solange man aber eben nur auf seine Macht­po­si­tion baut und nicht auf Ver­ständi­gung, solange man nicht sieht, dass man den Draht zu den Studieren­den seit Jahren ver­loren hat, solange ist man gut berat­en, als Rek­tor ein­er Uni­ver­sität in der Uni­ver­sität Polizeis­chutz anzu­fordern.
Lesetipp: Es muss ein Druck durch Deutsch­land gehen

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Krethi und Plethi bei der FAZ

krethi
Die Frank­furter All­ge­meine Zeitung nährt wieder die Unter­stel­lung, ihr linkes Feuil­leton sei eigentlich nur dazu da, den recht­skon­ser­v­a­tiv­en Wirtschaft­steil im Auge des Lesers abzuschwächen.
In einem gr√∂√ü¬≠ten¬≠teils aus¬≠geglich¬≠enen, aber in Kern¬≠s√§tzen doch erschreck¬≠end alt¬≠back¬≠e¬≠nen Artikel hat Melanie Amann die ‚ÄúBach¬≠e¬≠lor-Sklaven‚ÄĚ ins Visi¬≠er genom¬≠men. Die unter¬≠schwellige Annahme ist, dass man sich in Zeit¬≠en von Masse¬≠nuni¬≠ver¬≠sit√§ten vom Begriff der Uni¬≠ver¬≠sit√§t tren¬≠nen muss und nur noch Hochschulen vorfind¬≠et, den Schw¬≠er¬≠punkt auf Schule.
Gest√ľtzt werde trotz aller Stu¬≠den¬≠tenkri¬≠tik diese Analyse durch Mei¬≠n¬≠ung¬≠sum¬≠fra¬≠gen, nach denen die Studieren¬≠den derzeit gl√ľck¬≠lich¬≠er(!) seien als fr√ľher, Stu¬≠di¬≠eng√§nge weniger abge¬≠brochen w√ľr¬≠den, die Studieren¬≠den durch die Mod¬≠u¬≠latisierung mehr Halt h√§t¬≠ten und Ziele und Sinn der Lehrein¬≠heit¬≠en bess¬≠er nachvol¬≠lz√∂¬≠gen.
Kurzum: Eigentlich find­en wir ein Schlaraf­fen­land an Hochschulen vor, die Bach­e­lor-Stu­den­ten sind nur schlicht zu blöd, die schöne neue Welt zu begreifen.
Begreifen kann man sie aber auch nur, wenn man v√∂l¬≠lig aus¬≠blendet, dass die Ver¬≠wirtschaftlichung der Stu¬≠di¬≠eng√§nge die Studieren¬≠den aus pri¬≠vatwirtschaftlichen Gr√ľn¬≠den davon abh√§lt, sich selb¬≠st in der Uni-Land¬≠schaft zu ori¬≠en¬≠tieren, dass Lehrende oft¬≠mals so v√∂l¬≠lig √ľber¬≠lastet sind, dass fraglich ist, inwiefern sie und ihre Lehre √ľber¬≠haupt Halt, Ori¬≠en¬≠tierung und Ziele bieten kann. Und der Umstand, dass hier ern¬≠sthaft einge¬≠wor¬≠fen wird, das Studi¬≠um mache inzwis¬≠chen gl√ľck¬≠lich¬≠er als fr√ľher, greift die Ern¬≠sthaftigkeit dieses Artikels an.
Und so schliesst dieser Artikel mit der weisen Formel, dass zwar die Stu¬≠den¬≠ten nicht in jedem Fall, aber generell deut¬≠lich zufrieden¬≠er seien. Das ‚Äúsagen die Forsch¬≠er‚ÄĚ. Die Gl√ľcks¬≠forsch¬≠er des Schlaraf¬≠fen¬≠lan¬≠des eben. Man sollte nur hinzuf√ľ¬≠gen: Was generell gilt, gilt eben auch f√ľr den Einzelfall, eben weil es generell gilt. Schlaraf¬≠fen¬≠land hin oder her.
Nat√ľr¬≠lich gibt es Papp¬≠k√∂ppe unter den demon¬≠stieren¬≠den Bach¬≠e¬≠lor-Stu¬≠den¬≠ten. Deren mitunter unange¬≠bracht¬≠es Ver¬≠hal¬≠ten und deren Ansicht¬≠en l√∂sen aber die Argu¬≠mente, von denen Frau Amann v√∂l¬≠lig absieht, falls sie sie √ľber¬≠haupt ken¬≠nt, und die kri¬≠tisierten Stu¬≠dien¬≠zust√§nde nicht in Luft auf. Abge¬≠se¬≠hen davon sehe ich gar nicht ein, weswe¬≠gen nach Frau Amann die Uni¬≠ver¬≠sit√§t heutzu¬≠tage nur durch Beschu¬≠lung mit ihren Studieren¬≠den klar kom¬≠men kann.
Ohne diese Vor¬≠ein¬≠genom¬≠men¬≠heit¬≠en gegen√ľber dum¬≠men Bach¬≠e¬≠lor-Stu¬≠den¬≠ten und der Uni¬≠ver¬≠sit√§t als Beschu¬≠lungsanstalt ist der Text doch eigentlich nur besser¬≠wis¬≠serisch und der Sache nach nichtssagend. Aber wes‚Äô Brot ich e√ü, des‚Äô Lied ich sing.
***
Belusti­gend ist in diesem Zusam­men­hang auch die Aus­sage von Mar­gret Win­ter­man­tel: Es bewege sich schon etwas an den Uni­ver­sitäten, die Studieren­den seien nur äußerst ungeduldig.
Die Studieren¬≠den sehen seit Anbe¬≠ginn des Bach¬≠e¬≠lors, d.h. seit √ľber 8 Jahren, den seit Anbe¬≠ginn beste¬≠hen¬≠den Bele¬≠bungs¬≠ma√ü¬≠nah¬≠men der Tot¬≠ge¬≠burt Bach¬≠e¬≠lor durch die Uni¬≠ver¬≠sit√§tsver¬≠ant¬≠wortlichen zu. Her¬≠aus¬≠gekom¬≠men ist √ľber¬≠all ein Flick¬≠w¬≠erk, dass es mit der Qual¬≠it√§t der vorheri¬≠gen Aus¬≠bil¬≠dung nie aufnehmen kon¬≠nte. Durchge¬≠f√ľhrt wer¬≠den sollte es mit Per¬≠so¬≠n¬≠en, bei denen nie unter¬≠sucht wurde, wie gut diese die Ver√§n¬≠derun¬≠gen, die nur am Schreibtisch geboren wur¬≠den, umset¬≠zen k√∂n¬≠nen.
Angesichts dieses heil­losen Durcheinan­ders auf Kosten der All­ge­mein­heit, das immer nur dem Ziel hin­ter­her­hächelte, dass die Uni­ver­sitäten es irgend­wann finanziell und qual­i­ta­tiv mit den amerikanis­chen aufnehmen kön­nten, sind die Stu­den­ten ver­hält­nis­mäßig reserviert gewe­sen.

24. November 2009 · Kurz-URL · Seepost · #
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