Wenn linke Systeme untergehen

drohsel
Der derzeit¬≠ige Unter¬≠gang der SPD als Gro√ü¬≠partei erin¬≠nert mich schon etwas an den Unter¬≠gang der DDR in seinen let¬≠zten Z√ľgen. Da find¬≠en sich in den √ľbrig gebliebe¬≠nen Organ¬≠i¬≠sa¬≠tions¬≠for¬≠men noch Leute, die das Schiff noch nicht ver¬≠lassen haben, die aber auch nicht bemerkt haben, dass der Zug schon lange abge¬≠fahren ist, dass das Volk von Ihnen ger¬≠ade nichts erwartet, dass die Musik woan¬≠ders gespielt wird.
Das Prinzip ‚ÄúBauer sucht Frau‚ÄĚ
Die SPD hat den Unfall, den sie erlit¬≠ten hat, nicht wahrgenom¬≠men, und wer zu den Leuten geh√∂rt, die ihn nicht wahr genom¬≠men haben, der soll jet¬≠zt die Reper¬≠atur ver¬≠an¬≠lassen? Der Schaden ist noch nicht ein¬≠mal iden¬≠ti¬≠fiziert, nicht per¬≠son¬≠ifiziert. Aber schon sind die ersten linken Oppor¬≠tunis¬≠ten da, die genau wis¬≠sen, in welche Rich¬≠tung die Segel der Partei gepustet wer¬≠den m√ľssen.
Dabei hat die SPD ja nicht nur extern Leute ver­grault, son­dern auch intern. Es hat sich eine soziale Klitsche gebildet, die intern nach den eige­nen Geset­zen funk­tion­iert. Die aber gar nicht auf dem Schirm hat, welch­er Wind ausser­halb weht. Und es ist nun ein­mal heute so, dass wer das nicht mit­bekommt, nach außen kaum ver­mit­tel­bar ist. Das ist der Span­nungs­bo­gen von Bauer sucht Frau.
Ein Dampf­schiff ohne Mas­chine
Diejeni­gen, die von Nöten wären, das Schiff wieder auf den alten sozialdemokratis­chen Kurs zu brin­gen, wur­den wegen dieser sozialen Klitsche fern gehal­ten oder durch sie ver­grault. Genau diese Leute sind nun eben nicht in der Partei, damit die SPD wieder auf bre­it­er Basis Akzep­tanz find­en kann.
Es bedarf ein¬≠er intellek¬≠tuellen Glan¬≠zleis¬≠tung, um ein strate¬≠gis¬≠ches Werk, egal ob in Wort oder Schrift, einzubrin¬≠gen, das Ori¬≠en¬≠tierungspunkt f√ľr die derzeit¬≠i¬≠gen SPDler wer¬≠den kann und das wer¬≠bend diejeni¬≠gen f√ľr die SPD wieder begeis¬≠tern kann, die die SPD auf ihrem Weg in den let¬≠zten 15 Jahren ganz ver¬≠loren hat.
Die Chan¬≠cen f√ľr so einen Fix¬≠punkt sind aber mehr als ger¬≠ing. Die Intellek¬≠tuellen hat man schon ver¬≠grault, ein paar K√ľn¬≠stler beken¬≠nen sich noch zur SPD, aber von denen ken¬≠nt der Durch¬≠schnitts¬≠b√ľrg¬≠er auch schon zwei Drit¬≠tel nicht. Stein¬≠meier ver¬≠weist auf den geschicht¬≠str√§chti¬≠gen Begriff der Sozialdemokratie, Deutsch¬≠land brauche eine starke Sozialdemokratie, aber ihm ent¬≠ge¬≠ht, dass die Wenig¬≠sten heute noch die Begriffe Sozialdemokratie und SPD f√ľr deck¬≠ungs¬≠gle¬≠ich hal¬≠ten.
Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Und jet¬≠zt kit¬≠tet man eben mehr schlecht als recht, was kit¬≠tbar erscheint.  Das Neube¬≠set¬≠zen von Posi¬≠tio¬≠nen, das Hoch¬≠purzeln in der SPD-Hier¬≠ar¬≠chie und der kom¬≠mende Rich¬≠tungsstre¬≠it √ľbert√ľnchen das n√∂tige Selb¬≠st¬≠beken¬≠nt¬≠nis der Partei als ein¬≠er 20%-Partei. Ein Blick zu den sozialdemokratis¬≠chen 20%-Kollegen in den Nieder¬≠lan¬≠den k√∂n¬≠nte heil¬≠sam sein.
Hoff¬≠nung set¬≠zen einige in ein Rot-Rot-Gr√ľn-B√ľnd¬≠nis in NRW, das eine Blau¬≠pause f√ľr k√ľn¬≠ftige Koali¬≠tio¬≠nen wer¬≠den soll. Aber in NRW herrscht noch Schwarz-Gelb, von Wech¬≠sel¬≠stim¬≠mung kann keine Rede sein, und das Schreck¬≠ge¬≠spenst, dass Sahra Wagenknecht in NRW zur Min¬≠is¬≠terin erko¬≠ren wird, sollte man nicht unter¬≠sch√§tzen.
Den Sozen sollte daher eines klar sein: Die Tal­sohle ist noch nicht ver­lassen und vielle­icht noch nicht ein­mal erre­icht.
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Lesetipp:  S√ľd¬≠deutsche Zeitung ‚ÄĒ Wie man einen Mann versenkt

01. Oktober 2009 · Kurz-URL · Seepost · #
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Kosten f√ľr Musik in niederl√§ndischen Blogs

BUMA/STEMRA hat ger¬≠ade ein PDF vorgelegt, in dem dargelegt wird, was das Ein¬≠binden von Musik in nieder¬≠l√§ndis¬≠chen Blogs so kosten soll ab kom¬≠men¬≠dem Jahr. Und da ist man nicht zim¬≠per¬≠lich: 6 einge¬≠bet¬≠tete Lieder kosten 130‚ā¨. Das ver¬≠spricht spa√üige erste Prozesse.
stemra
Soweit ich weiss ist das Pfeifen von Melo­di­en auf öffentlichen Straßen in den Nieder­lan­den noch erlaubt, auch wenn ich finde, dass das auch irgend­wie embed­ded ist.

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Suche Entt√§uschung f√ľrs Leben

Heute ist ein schön­er Tag und aller­höch­ste Zeit, sich mal wieder die Kleinanzeigen vorzunehmen. Ein alt­bekan­ntes Spiel, aber immer wieder lustig.

Du bist schw. und allein?

Schw.? Schwanger? Schw­er­hörig? Ich dachte erst schwul, aber das passt nicht so:

Er, 42 J., su. Sie f√ľr gel. erot Tre¬≠f¬≠fen.

Tja, also, wenn ger¬≠ade eine Dame akut schw. ist, ver¬≠rate Sie mir doch, was das heisst. Man muss ja auf dem Laufend¬≠en bleiben.  Ver¬≠st√§ndlich¬≠er ist da schon dieses:

Hal¬≠lo Unbekan¬≠nte. Du, dkl. haarig, mit Jeans. Ich habe Dich am Sam¬≠stag, 5. Sept., ca. 12.30‚Äď13.00 Uhr bei Deichmann/Real Kauf gese¬≠hen. Ich war auf der Suche nach der Wei√üen Sohle.

INDIANER !!!!

3 Zick­en suchen einen Bock, der nicht nur seine Hörn­er zeigt.

Ich sag‚Äôs immer wieder: So Meta¬≠phern wer¬≠den √ľber¬≠be¬≠w¬≠ertet.

Ruhiger Mann, 62. J., suche nach schw¬≠er¬≠er Ent¬≠t√§uschung f√ľr den Rest meines Lebens

Har¬≠monie wird auch √ľber¬≠be¬≠w¬≠ertet, sich¬≠er, sich¬≠er. Aber gle¬≠ich so neg¬≠a¬≠tiv die Sachen ange¬≠hen? Und so endg√ľltig? Ach so, geht weit¬≠er:

eine liebe, nette Part­ner­in zum Ver­lieben.

Ich dacht schon.

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Die neue Dörflichkeit oder: Hinterm Horizont geht’s weiter

Eine der mod¬≠er¬≠nen Zivil¬≠i¬≠sa¬≠tion¬≠skrankheit¬≠en ist ja das, was ich mal men¬≠tale Prov¬≠inzial¬≠it√§t nen¬≠nen m√∂chte: Das per¬≠s√∂n¬≠liche Unbe¬≠ha¬≠gen damit, dass man in der Prov¬≠inz wohnt, aber auch der √Ąu√üerungs¬≠drang, dass man ja ger¬≠ade nicht in ein¬≠er Prov¬≠inz wohnt, nicht Prov¬≠inz ist. F√ľr mich sind das zwei Seit¬≠en ein¬≠er Medaille.
Biele¬≠feld ist eine Stadt, auf die der Begriff der Prov¬≠inz eigentlich schon immer ges¬≠timmt hat. In direk¬≠ter N√§he sind die Haup¬≠tquartiere von Gro√ü¬≠fir¬≠men wie Ber¬≠tels¬≠mann, Dr. Oetk¬≠er, Miele, sowas ist aber offen¬≠sichtlich kein Gegenin¬≠diz. Vor ein paar Jahren ging der Biele¬≠felder Wis¬≠senschafts-Preis an Ronald Dworkin. Lauda¬≠tor war damals J√ľr¬≠gen Haber¬≠mas. Der dama¬≠lige Ober¬≠b√ľrg¬≠er¬≠meis¬≠ter lie√ü sich die Gele¬≠gen¬≠heit nicht nehmen, um auch eine kleine Rede zu hal¬≠ten. Er sprach dar√ľber, weswe¬≠gen Biele¬≠feld so inter¬≠es¬≠sant sei, was so sch√∂n sei, warum Biele¬≠feld eben keine Prov¬≠inz sei. Die Rede dauerte 15 Minuten. Einen besseren Beweis, dass Biele¬≠feld Prov¬≠inz ist, h√§tte der Ober¬≠b√ľrg¬≠er¬≠meis¬≠ter nicht liefern k√∂n¬≠nen, als das er ver¬≠an¬≠schaulichte, dass man min¬≠destens eine Vier¬≠tel¬≠stunde braucht, um das Gegen¬≠teil zu behaupten.
Nun gibt es aktuell eine gewisse Bele­bung in dieser Debat­te men­taler Prov­inzial­ität. Und ich neige immer stärk­er dazu, dass man auch Großstät­tern men­tale Prov­inzial­ität unter­stellen kann. Man muss also nicht in tat­säch­lich eher ländlichen Gebi­eten leben, um unter den Fol­gen von Prov­inzial­ität zu lei­den. In Biele­feld merkt man ja auch, dass viele gar nicht darunter lei­den und insofern gar nicht prov­inziell sind, zumin­d­est nicht men­tal.
Es hat einen Artikel von Matthias Kalle in der in Ham¬≠burg erscheine¬≠nen ZEIT gegeben, der sich damit besch√§ftigt, dass ange¬≠blich pl√∂t¬≠zlich ein M√ľnchen-Hype aus¬≠ge¬≠brochen sei. Pro¬≠vokant wird gefragt: ‚ÄěWie kon¬≠nte es dazu kom¬≠men?‚Äú Das ist wohl die Stelle, die prov¬≠inzielle M√ľnch¬≠n¬≠er gekr√§nkt hat: Sollte M√ľnchen inzwis¬≠chen gar nicht mehr w√ľrdig sein, ‚Äěin‚Äú zu sein? Der Text selb¬≠st kr√§nkelt widerum daran, dass der Autor glaubt, M√ľnchens Charak¬≠ter¬≠is¬≠tik nur anhand klein¬≠er Par¬≠ty- und Mode¬≠mo¬≠mente, gespickt mit der neuen deutschen D√∂r¬≠flichkeit fest¬≠machen. Daraus kann keine gute M√ľnchen-Beschrei¬≠bung entste¬≠hen.
derstenz
Daraus kann aber offen¬≠sichtlich eine Kr√§nkung von M√ľnch¬≠n¬≠ern entste¬≠hen, wie der Text Roxy Munich von Beate Wild hat Fieber ein¬≠drucksvoll unter Beweis stellt. Man ist etwas pikiert √ľber die Ein¬≠stel¬≠lung, M√ľnchens Sub¬≠kul¬≠tur erst 2009 f√ľr her¬≠aushebenswert zu eracht¬≠en.  ‚ÄěSch√∂n, dass der Rest Deutsch¬≠lands endlich mal erf√§hrt, dass M√ľnchen eine Sub¬≠kul¬≠tur hat.‚Äú Ver¬≠suchen Sie mal einen Satz zu for¬≠mulieren, der noch prov¬≠inzieller klingt. Ein klein¬≠er, zus√§t¬≠zlich¬≠er Sch√∂n¬≠heits¬≠fleck dieses Satzes ist: Von M√ľnchens Sub¬≠kul¬≠tur hat der Rest Deutsch¬≠lands bis heute nicht wirk¬≠lich erfahren, denn deutsche Feuil¬≠letons sind nun mal nicht mehr massen¬≠wirk¬≠sam. Und eine Sub¬≠kul¬≠tur ist eben nur in Verbindung mit der Kul¬≠tur, von der sie Sub¬≠kul¬≠tur sein m√∂chte, les¬≠bar.
Das heisst, es geht um M√ľnchen: Die einzige Metro¬≠pole Bay¬≠erns, wo sich das, was sich Sub¬≠kul¬≠tur nen¬≠nt, dem √ľbrigge¬≠bliebe¬≠nen Schickim¬≠ic¬≠ki ent¬≠ge¬≠gen stemmt. Ein Kampf gegen die Giu¬≠lia Siegels dieser Welt. Ein M√ľnchen, das heute im Schat¬≠ten Berlins als Deutsch¬≠lands einziger Welt¬≠stadt ste¬≠ht. Wobei, wenn man in Berlin wohnt, man ja meist eh in irgen¬≠deinem kleinen Berlin¬≠er Vier¬≠tel behei¬≠matet ist, das f√ľr sich so gar nichts hat. Aber Berlin ist eben eine Stadt f√ľr K√ľn¬≠stler und f√ľr die, die sich f√ľr K√ľn¬≠stler hal¬≠ten, ein Kul¬≠turepizen¬≠trum, dessen Ausw√ľchse allerd¬≠ings au√üer¬≠halb Berlins schon kaum noch jeman¬≠den inter¬≠essieren. Den¬≠noch ist der 30‚ā¨-Flug M√ľnchen-Berlin stark nachge¬≠fragt, f√ľr manchen ist dies der Ausweg aus der eige¬≠nen men¬≠tal¬≠en Prov¬≠inzial¬≠it√§t. Vielle¬≠icht f√§llt die auch in Berlin ein¬≠fach nicht so auf, weil man auf Br√ľder und Schwest¬≠ern im Geiste trifft.
Wenn sie das Feuil¬≠leton der Frank¬≠furter All¬≠ge¬≠meinen Zeitung auf¬≠schla¬≠gen, k√∂n¬≠nen sie genau das in den Berlin¬≠er Artikeln rausle¬≠sen: Dem Schreiber ist es wichtiger √ľber irgen¬≠det¬≠was zu schreiben, weil es in Berlin stat¬≠tfind¬≠et, als auf den Punkt zu kom¬≠men, der der Sache nach inter¬≠es¬≠sant sein soll. Schlim¬≠mer ist das nur noch in den Aus¬≠gaben von der Fre¬≠itag. Das macht widerum die in M√ľnchen her¬≠aus¬≠gegebene S√ľd¬≠deutsche Zeitung so inter¬≠es¬≠sant: Die Abwe¬≠sen¬≠heit eines allt√§glichen Drangs von Lokalpa¬≠tri¬≠o¬≠tismus, der ger¬≠ade in let¬≠zter Zeit zum Aus¬≠graben wirk¬≠lich guter The¬≠men gef√ľhrt hat, die in handw¬≠erk¬≠lich her¬≠vor¬≠ra¬≠gen¬≠den Tex¬≠ten unterkom¬≠men.
Heutzu­tage ist so ein biss­chen Prov­inzial­ität vielle­icht gar nicht so verkehrt.

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Die taz-Piraten oder: Wie man eine Verschwörungstheorie entert

tazpiraten
Wenn sich in let¬≠zter Zeit wirk¬≠lich eine deutsche Zeitung um ein externes Watch-Blog bem√ľht, dann ist es die tageszeitung, kurz taz.
Als Ines Pohl im ver¬≠gan¬≠genen Som¬≠mer die Leitung der taz von Bascha Mika √ľber¬≠nahm, sagte sie:

Bascha Mika warnt davor, dass die ‚Äětaz‚Äú zur√ľck¬≠f√§llt in eine Zeit der Grabenk√§mpfe und zur√ľck¬≠kehrt in ide¬≠ol¬≠o¬≠gis¬≠che Eck¬≠en von vorgestern. Das wird der ‚Äětaz‚Äú auch mit mir in der Chefredak¬≠tion nicht passieren.


Links zu sein hei√üt f√ľr mich auch, kri¬≠tisch und auf¬≠st√§ndisch sein, Attribute, die f√ľr die ‚Äětaz‚Äú ja passen.

Wirk­lich?
In den let­zten Wochen fiel ver­stärkt auf, wie die taz die Piraten­partei ins Visi­er nahm.
Im Artikel Die Untiefen der Frei­heit kon­sta­tiert Albrecht von Lucke, man wird sich, sofern die Piraten­partei nicht ihren Frei­heits­be­griff klärte,
nicht dar√ľber wun¬≠dern k√∂n¬≠nen, wenn sich auch in Zukun¬≠ft hin¬≠ter dem Pirat¬≠en-Label alle m√∂glichen zwielichti¬≠gen ‚ÄúFrei¬≠heitlichen‚ÄĚ ver¬≠sam¬≠meln wer¬≠den.
Julia Seel­iger weiss aus dem Umstand, dass das Vor­standsmit­glied der Piraten­partei Andreas Popp naiv­er Weise der rechts­gerichteten Zeitung Junge Frei­heit ein Inter­view gegeben hat, den Schluss zu ziehen:
Aber¬≠mals ist es der Piraten¬≠partei passiert, unsen¬≠si¬≠bel gegen√ľber recht¬≠slasti¬≠gen Argu¬≠men¬≠ta¬≠tio¬≠nen gewe¬≠sen zu sein.
Rhetorik f√ľr Anf√§nger. Wenn sie jeman¬≠dem nichts direkt vor¬≠w¬≠er¬≠fen k√∂n¬≠nen, ver¬≠suchen sie es indi¬≠rekt. Das Inter¬≠view ging √ľber¬≠haupt nicht um rechte The¬≠men, der Inter¬≠view¬≠er ver¬≠suchte nicht, dem Inter¬≠viewten Mei¬≠n¬≠un¬≠gen unterzuschieben[1.
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1. Diskutabel ist dabei nat√ľr¬≠lich der Satz des Inter¬≠view¬≠ers Linke, soziale Parteien ste¬≠hen klas¬≠sisch f√ľr soziale Ent¬≠m√ľndi¬≠gung zugun¬≠sten eines stark bemut¬≠tern¬≠den Staates.
Aber Popp pari­ert diesen Satz
] oder zu bef√∂rdern. Was also tun? Wer¬≠fen sie ihm geschwurbeltes Zeugs vor, wie ‚Äúunsen¬≠si¬≠bel gegen√ľber recht¬≠slasti¬≠gen Argu¬≠men¬≠ta¬≠tio¬≠nen‚ÄĚ zu sein. Recht¬≠slastige Argu¬≠men¬≠ta¬≠tio¬≠nen sind nicht behan¬≠delt wor¬≠den, aber gef√ľhlt sind sie eben f√ľr die sen¬≠si¬≠blen tazler immer im Spiel. Da kann man argu¬≠men¬≠ta¬≠tiv nichts mehr anricht¬≠en: Gef√ľh¬≠le unter¬≠ste¬≠hen der pri¬≠vat¬≠en √Ąu√üerungs¬≠berech¬≠ti¬≠gung.
Felix Lee mut¬≠ma√üt nach der Bun¬≠destagswahl, die Piraten¬≠partei freue sich √ľber
720.000 Euro, die dem­nächst in ihre Parteikassen fließen wer­den. An der Finanzsi­t­u­a­tion wird es also nicht liegen, falls der nun anste­hende Parteiauf­bau scheit­ern sollte.
Offen¬≠bar geht man bei der taz davon aus, dass ein anste¬≠hen¬≠der Parteiauf¬≠bau scheit¬≠ert. Lee und Seel¬≠iger kom¬≠men zu der erstaunlichen Ein¬≠sicht, einiges spr√§che f√ľr den
Fortbe­stand der Inter­net-Partei auch nach der Bun­destagswahl. […]
Zudem w√ľrde es
nicht ver¬≠wun¬≠dern, wenn bere¬≠its die n√§ch¬≠ste Bun¬≠desregierung speziell einen Staatssekret√§r f√ľr die Online-Welt abstem¬≠pelt. ‚ÄĒ Dem Gedanken¬≠gang der Autoren zufolge wohl das Aus f√ľr die Piraten¬≠partei.
Der Erfolg der Piraten­partei in Schwe­den
gibt den Pirat¬≠en Selb¬≠st¬≠be¬≠wusst¬≠sein ‚Äď zu Unrecht. Denn sie sind bei weit¬≠em nicht die einzi¬≠gen, die die Net¬≠zwelt¬≠the¬≠men behan¬≠deln.
Bei der taz weiss man wohl inzwis­chen auch, wann welche Partei zurecht selb­st­be­wusst sein darf. Ist das nicht schon ein Partei-ergreifen?
Heute schreibt Paul Wrusch den Artikel Der Pirat, der ein¬≠mal Nazi war. Nazis, Neo-Nazis und Recht¬≠sex¬≠treme, das ist bei der taz offen¬≠sichtlich ein¬≠er¬≠lei. Der wesentlich¬≠ste Punkt des Artikels √ľber ein Piraten¬≠mit¬≠glied, das zuvor extrem rechts engagiert war, ist hier¬≠bei schon in der √úber¬≠schrift fest¬≠ge¬≠hal¬≠ten:
Unter­wan­derung­s­ten­den­zen.
Wer die taz ver¬≠fol¬≠gt hat, der weiss wie Wrusch √ľber die Piraten¬≠partei:
Die tut sich im Umgang mit der­ar­ti­gen Fällen und der Abgren­zung nach Rechts noch schw­er.
Am Ende, als Höhep­unkt des Artikels, kommt Wrusch zu sein­er eigentlichen Mes­sage, die im Kern nichts anderes ist als eine Ver­schwörungs­the­o­rie:
Die Recht¬≠en unter¬≠dessen wis¬≠sen, dass ihnen von den Pirat¬≠en Konkur¬≠renz um W√§h¬≠ler¬≠stim¬≠men dro¬≠ht: Vor allem junge M√§n¬≠ner k√∂n¬≠nten zu den Pirat¬≠en √ľber¬≠laufen, f√ľrcht¬≠en sie. Auf dem Info¬≠por¬≠tal gesamtrechts.net fordert ein anonymer Kolum¬≠nist daher schon Anfang August offen: ‚ÄúWerdet rechte Pirat¬≠en‚ÄĚ. Ein direk¬≠ter Aufruf zur Unter¬≠wan¬≠derung.
Als ob das noch nicht pein­lich genug wäre, darf sich Wrusch seine Fehlin­ter­pre­ta­tion von den Recht­en um die Ohren hauen lassen:
Wir haben den Parteis­trate­gen des recht­en Lagers anger­at­en, sich der The­men der Piraten­partei anzunehmen, um auf diese Weise so wenige Jung- und Erst­wäh­ler wie möglich an die Piraten­partei zu ver­lieren.
Das ist in der Tat so in der zitierten Textpas¬≠sage nachzule¬≠sen. Dass diese Pas¬≠sage auch von NPD-Info.net falsch gele¬≠sen wurde, und vielle¬≠icht vom taz-Autor nur √ľber¬≠nom¬≠men wurde, lin¬≠dert den Schaden wenig.
Kom¬≠men wir also zum Aus¬≠gangspunkt zur√ľck: Der Ver¬≠such der taz, ihre Autoren ‚Äúkri¬≠tisch‚ÄĚ auf das ver¬≠meintlich unge¬≠f√§hrliche Piraten¬≠partei-The¬≠ma anzuset¬≠zen, scheint offen¬≠sichtlich aus dem Rud¬≠er zu ger¬≠at¬≠en. Denn immer wieder behan¬≠deln die Autoren eher ihre eige¬≠nen Posi¬≠tio¬≠nen und Vorurteile als Faz¬≠it ihrer Texte, als dass sie Sach¬≠la¬≠gen m√∂glichst objek¬≠tiv analysieren. Ich weiss nicht, ob sich die Autoren damit in der ide¬≠ol¬≠o¬≠gis¬≠chen Schmud¬≠del-Ecke befind¬≠en, von der Bascha Mika sprach, aber sauber ist das nicht.

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Als Gott mit der Schöpfung anfing, gab es schon Meeresleben

Die Sch√∂p¬≠fungslehre kriegt nach langer Zeit wieder mal ein Update: Wer behauptet, dass Gott Him¬≠mel und Erde geschaf¬≠fen hat, kann sich daf√ľr nicht auf die Sch√∂p¬≠fungs¬≠geschichte der Bibel beziehen. Das meint die Nimwe¬≠gen¬≠er The¬≠olo¬≠giepro¬≠fes¬≠sorin Ellen van Wolde in ihrer morgi¬≠gen Antrittsvor¬≠lesung.
Denn dort ist nur die Rede davon, dass Gott Him¬≠mel und Erde voneinan¬≠der tren¬≠nte. Da war also schon was. Schlechte Zeit¬≠en f√ľr Kreation¬≠is¬≠ten, wenn der ober¬≠ste Boss schon auf die Evo¬≠lu¬≠tion zur√ľck¬≠ge¬≠grif¬≠f¬≠en hat, oder?
genesis11

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Did God not create heaven and earth?

Bad news for cre­ation­ists: The one who claims God cre­at­ed heav­en and earth can’t relate that to Gen­e­sis. That’s what Ellen van Wolde is going to say tomor­row morn­ing in her inau­gur­al speech in Nijmegen, the Nether­lands.
In Gen­e­sis there’s only writ­ten down that God part­ed heav­en and sea, so there was some­thing there before.
Does­n’t that mean God only used evo­lu­tion?
genesis11

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Bodo Hombach √ľber das Internet-Manifest

Bodo Hom­bach hat sich zum Inter­net-Man­i­fest geäußert. Es ist aber schon mehr als das, es geht auch um die rund um die Zen­sur­su­la-Geschichte rum­schwirrende Frage nach ein­er Reg­ulierung des Inter­nets.
Nun ist Bodo Hom­bach sich­er kein Schrift­steller höch­ster Qual­ität und im Jar­gon der Blogs schreibt er auch nicht. Aber das sollte man mal kurz bei­seite lassen. Dazu sollte man bei Hom­bachs Text dessen Anspielun­gen auf andere Dinge bei­seite lassen, ich habe nicht den Ein­druck gewon­nen, dass sie zur Kläung des Inhalts beitra­gen.
Worum geht es Hom¬≠bach also? Es geht ihm darum, einen net¬≠zw¬≠erkar¬≠ti¬≠gen Fix¬≠punkt dar zu stellen zwis¬≠chen Per¬≠so¬≠n¬≠en, die den ‚Äúalten‚ÄĚ Medi¬≠en ver¬≠schrieben sind, Per¬≠so¬≠n¬≠en, wie den Inter¬≠net-Man¬≠i¬≠festern, die bei¬≠des ken¬≠nen, aber eher dem Inter¬≠net anh√§ngig sind, und let¬≠zten Endes auch Per¬≠so¬≠n¬≠en, die ganz dem Inter¬≠net anh√§n¬≠gen. Das ist insofern inter¬≠es¬≠sant, als dass Hom¬≠bach poli¬≠tisch und wirtschaftlich abso¬≠lut kein Nobody ist.
Was sagt Hom¬≠bach? Erstaunlich wenig f√ľr 6 aus¬≠ge¬≠druck¬≠te Seiten[1. Thomas Kn√ľw¬≠er hat einzelne S√§tze Hom¬≠bachs aus dem Text genom¬≠men und daraus eine Bran¬≠drede ver¬≠fasst. Das scheint mir nicht zu funk¬≠tion¬≠ieren, weil Hom¬≠bach ein¬≠fach nicht gut genug schreibt, als dass sich daraus konkret able¬≠sen liesse, ob er gegen jeman¬≠den bes¬≠timmtes ger¬≠ade etwas sagen m√∂chte oder nur irgendwelche Argu¬≠mente aus dem Weg r√§umt. ]: Das Inter¬≠net braucht Regeln und die Men¬≠schen soll¬≠ten dem Inter¬≠net dadurch ihren Stem¬≠pel auf¬≠dr√ľck¬≠en, um so Chaos und Ver¬≠brechen Ein¬≠halt zu gebi¬≠eten.
hombachim
Ich finde, dage­gen spricht eigentlich auch nichts. Zumin­d­est kann man dies als eine Posi­tion in ein­er Inter­net­de­bat­te dur­chaus vertreten.
Das Ding ist nur, es gibt schon Regeln und neuerd¬≠ings scheinen sich beson¬≠ders Poli¬≠tik¬≠er und althergekommene Medi¬≠en¬≠mach¬≠er auf die Fah¬≠nen geschrieben zu haben, gegen diese Regeln ihren auf Kon¬≠trolle und Prof¬≠it geb√ľrsteten Stem¬≠pel mit aller Macht anwen¬≠den zu wollen. Und eben das wird nicht rei¬≠bungs¬≠los funk¬≠tion¬≠ieren.
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Fußnote:

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CDU gibt zu, Kinderpornografie instrumentalisiert zu haben

‚ÄěDie gesamte kul¬≠turelle Men¬≠tal¬≠it√§t bei uns, repr√§sen¬≠tiert durch Bush oder durch Jung oder durch Sch√§u¬≠ble, ist eingestellt auf eine ges¬≠pal¬≠tene Welt. Und wenn man sich den ersten Kreuz¬≠zug mal anschaut, dann war das schon damals ganz genau¬≠so.‚ÄĚ
‚Äď Horst Eber¬≠hard Richter im Inter¬≠view mit der taz

Ich habe schon mal geschrieben, dass ich nicht denke, dass die CDU-Leute sel¬≠ber den ganzen Bl√∂dsinn glauben, den sie rund um das Inter¬≠netsper¬≠renge¬≠setz so faseln. Und jet¬≠zt ger¬≠ade denkt Wolf¬≠gang Sch√§u¬≠ble, ist es passend, auch mal √∂ffentlich einzur√§u¬≠men, dass man nat√ľr¬≠lich sel¬≠ber nicht all den Bl√∂dsinn glaube, den man da w√§hrend des Wahlkampfes vom Stapel gelassen hat.
Das macht Sch√§u¬≠ble nat√ľr¬≠lich nicht ganz so direkt und nicht genau auf irgendwelche Aus¬≠sagen bezo¬≠gen, son¬≠dern nur mit Blick auf die eigene Glaub¬≠w√ľrdigkeit¬≠sret¬≠tung:
Der Min¬≠is¬≠ter gab handw¬≠erk¬≠liche Fehler beim soge¬≠nan¬≠nten Zugangser¬≠schwerungs¬≠ge¬≠setz f√ľr Stopp¬≠schilder im Inter¬≠net zu. Das Gesetz zum Schutz vor Kinder¬≠pornografie sei im End¬≠spurt des Wahlkampfes auch deshalb ent¬≠standen, um die CDU gegen√ľber anderen Parteien abzuset¬≠zen.[1. (via) ]
‚ÄúHandw¬≠erk¬≠liche Fehler‚ÄĚ nen¬≠nt man das heutzu¬≠tage in der Poli¬≠tik. Was f√ľr eine Per¬≠ver¬≠sion.
Wis­sen Sie, wenn ich einen Tisch kaufe und da sind nur drei Tis­chbeine dran, dann glaube ich an einen handw­erk­lichen Fehler. Aber wenn erfahrene Poli­tik­er ein sen­si­bles The­ma auf­greifen, im vollen Bewusst­sein, dass sie damit die Opfer von Kindesmis­shand­lun­gen instru­men­tal­isieren, ohne dass diese davon auch nur irgend­wie prof­i­tieren, und nur um das Pro­fil der eige­nen Partei zu schär­fen, dann ist das nur eines: Beruf­szynis­mus.
Die CDU ist die Partei der Dop¬≠pel¬≠moral. Was das C unter den drei Buch¬≠staben noch ver¬≠loren hat ‚ÄĒ ich habe keine Ahnung.

10. Oktober 2009 · Kurz-URL · Seepost · #
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Die Revolution der Kabarettisten

Ganz inter¬≠es¬≠sant ist die Sym¬≠biose zweier Kabarett-TV-Sendun¬≠gen der let¬≠zten Zeit. Da besucht¬≠en Urban Pri¬≠ol und Georg Schramm, die eigentlich in der ZDF-Sendung Neues aus der Anstalt zuhause sind, die Mit¬≠ter¬≠nachtsspitzen im WDR. Und im Gegen¬≠zug besuchte sie Mit¬≠ter¬≠nachtsspitzen-Chef J√ľr¬≠gen Beck¬≠er in der Anstalt. Man mag sich, soviel ist sich¬≠er.
Was die Sache aber erst richtig inter­es­sant macht ist neben der per­son­ellen die inhaltliche Sym­biose: In bei­den Sendun­gen wurde ger­adezu zu ein­er Revolte aufgerufen:
Mit­ter­nachtsspitzen, WDR, 10. Okto­ber 2009

Neues aus der Anstalt, ZDF, 20. Okto­ber 2009

Aber an wen richt­en sich unsere lieben Kabaret­tis­ten denn genau? An das anwe­sende Pub­likum? An Poli­tik­er? An den gemeinen Zuschauer? An Leute, die auf Grund ihres Appells eine Ini­tia­tive ergreifen?
Mir w√§re eine genaue Beant¬≠wor¬≠tung hier¬≠bei aber eigentlich auch wieder wumpe. Dass Leute sich laut¬≠stark f√ľr eine Verbesserung ihrer mis¬≠er¬≠ablen Sit¬≠u¬≠a¬≠tion ein¬≠set¬≠zen, ist zweifel¬≠los lange √ľber¬≠f√§l¬≠lig.
Lese¬≠hin¬≠weis: Jean Zei¬≠gler ‚ÄĒ Der Auf¬≠s¬≠tand des Gewis¬≠sens

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