Wenn linke Systeme untergehen

drohsel
Der derzeit­ige Unter­gang der SPD als Groß­partei erin­nert mich schon etwas an den Unter­gang der DDR in seinen let­zten Zügen. Da find­en sich in den übrig gebliebe­nen Organ­i­sa­tions­for­men noch Leute, die das Schiff noch nicht ver­lassen haben, die aber auch nicht bemerkt haben, dass der Zug schon lange abge­fahren ist, dass das Volk von Ihnen ger­ade nichts erwartet, dass die Musik woan­ders gespielt wird.
Das Prinzip “Bauer sucht Frau”
Die SPD hat den Unfall, den sie erlit­ten hat, nicht wahrgenom­men, und wer zu den Leuten gehört, die ihn nicht wahr genom­men haben, der soll jet­zt die Reper­atur ver­an­lassen? Der Schaden ist noch nicht ein­mal iden­ti­fiziert, nicht per­son­ifiziert. Aber schon sind die ersten linken Oppor­tunis­ten da, die genau wis­sen, in welche Rich­tung die Segel der Partei gepustet wer­den müssen.
Dabei hat die SPD ja nicht nur extern Leute ver­grault, son­dern auch intern. Es hat sich eine soziale Klitsche gebildet, die intern nach den eige­nen Geset­zen funk­tion­iert. Die aber gar nicht auf dem Schirm hat, welch­er Wind ausser­halb weht. Und es ist nun ein­mal heute so, dass wer das nicht mit­bekommt, nach außen kaum ver­mit­tel­bar ist. Das ist der Span­nungs­bo­gen von Bauer sucht Frau.
Ein Dampf­schiff ohne Maschine
Diejeni­gen, die von Nöten wären, das Schiff wieder auf den alten sozialdemokratis­chen Kurs zu brin­gen, wur­den wegen dieser sozialen Klitsche fern gehal­ten oder durch sie ver­grault. Genau diese Leute sind nun eben nicht in der Partei, damit die SPD wieder auf bre­it­er Basis Akzep­tanz find­en kann.
Es bedarf ein­er intellek­tuellen Glan­zleis­tung, um ein strate­gis­ches Werk, egal ob in Wort oder Schrift, einzubrin­gen, das Ori­en­tierungspunkt für die derzeit­i­gen SPDler wer­den kann und das wer­bend diejeni­gen für die SPD wieder begeis­tern kann, die die SPD auf ihrem Weg in den let­zten 15 Jahren ganz ver­loren hat.
Die Chan­cen für so einen Fix­punkt sind aber mehr als ger­ing. Die Intellek­tuellen hat man schon ver­grault, ein paar Kün­stler beken­nen sich noch zur SPD, aber von denen ken­nt der Durch­schnitts­bürg­er auch schon zwei Drit­tel nicht. Stein­meier ver­weist auf den geschicht­strächti­gen Begriff der Sozialdemokratie, Deutsch­land brauche eine starke Sozialdemokratie, aber ihm ent­ge­ht, dass die Wenig­sten heute noch die Begriffe Sozialdemokratie und SPD für deck­ungs­gle­ich halten.
Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Und jet­zt kit­tet man eben mehr schlecht als recht, was kit­tbar erscheint.  Das Neube­set­zen von Posi­tio­nen, das Hoch­purzeln in der SPD-Hier­ar­chie und der kom­mende Rich­tungsstre­it übertünchen das nötige Selb­st­beken­nt­nis der Partei als ein­er 20%-Partei. Ein Blick zu den sozialdemokratis­chen 20%-Kollegen in den Nieder­lan­den kön­nte heil­sam sein.
Hoff­nung set­zen einige in ein Rot-Rot-Grün-Bünd­nis in NRW, das eine Blau­pause für kün­ftige Koali­tio­nen wer­den soll. Aber in NRW herrscht noch Schwarz-Gelb, von Wech­sel­stim­mung kann keine Rede sein, und das Schreck­ge­spenst, dass Sahra Wagenknecht in NRW zur Min­is­terin erko­ren wird, sollte man nicht unterschätzen.
Den Sozen sollte daher eines klar sein: Die Tal­sohle ist noch nicht ver­lassen und vielle­icht noch nicht ein­mal erreicht.
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Lesetipp:  Süd­deutsche Zeitung — Wie man einen Mann versenkt

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Kosten für Musik in niederländischen Blogs

BUMA/STEMRA hat ger­ade ein PDF vorgelegt, in dem dargelegt wird, was das Ein­binden von Musik in nieder­ländis­chen Blogs so kosten soll ab kom­men­dem Jahr. Und da ist man nicht zim­per­lich: 6 einge­bet­tete Lieder kosten 130€. Das ver­spricht spaßige erste Prozesse.
stemra
Soweit ich weiss ist das Pfeifen von Melo­di­en auf öffentlichen Straßen in den Nieder­lan­den noch erlaubt, auch wenn ich finde, dass das auch irgend­wie embed­ded ist.

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Suche Enttäuschung fürs Leben

Heute ist ein schön­er Tag und aller­höch­ste Zeit, sich mal wieder die Kleinanzeigen vorzunehmen. Ein alt­bekan­ntes Spiel, aber immer wieder lustig.

Du bist schw. und allein?

Schw.? Schwanger? Schw­er­hörig? Ich dachte erst schwul, aber das passt nicht so:

Er, 42 J., su. Sie für gel. erot Treffen.

Tja, also, wenn ger­ade eine Dame akut schw. ist, ver­rate Sie mir doch, was das heisst. Man muss ja auf dem Laufend­en bleiben.  Ver­ständlich­er ist da schon dieses:

Hal­lo Unbekan­nte. Du, dkl. haarig, mit Jeans. Ich habe Dich am Sam­stag, 5. Sept., ca. 12.30–13.00 Uhr bei Deichmann/Real Kauf gese­hen. Ich war auf der Suche nach der Weißen Sohle. 

INDIANER !!!!

3 Zick­en suchen einen Bock, der nicht nur seine Hörn­er zeigt.

Ich sag’s immer wieder: So Meta­phern wer­den überbewertet.

Ruhiger Mann, 62. J., suche nach schw­er­er Ent­täuschung für den Rest meines Lebens

Har­monie wird auch über­be­w­ertet, sich­er, sich­er. Aber gle­ich so neg­a­tiv die Sachen ange­hen? Und so endgültig? Ach so, geht weiter:

eine liebe, nette Part­ner­in zum Verlieben.

Ich dacht schon.

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Die neue Dörflichkeit oder: Hinterm Horizont geht’s weiter

Eine der mod­er­nen Zivil­i­sa­tion­skrankheit­en ist ja das, was ich mal men­tale Prov­inzial­ität nen­nen möchte: Das per­sön­liche Unbe­ha­gen damit, dass man in der Prov­inz wohnt, aber auch der Äußerungs­drang, dass man ja ger­ade nicht in ein­er Prov­inz wohnt, nicht Prov­inz ist. Für mich sind das zwei Seit­en ein­er Medaille.
Biele­feld ist eine Stadt, auf die der Begriff der Prov­inz eigentlich schon immer ges­timmt hat. In direk­ter Nähe sind die Haup­tquartiere von Groß­fir­men wie Ber­tels­mann, Dr. Oetk­er, Miele, sowas ist aber offen­sichtlich kein Gegenin­diz. Vor ein paar Jahren ging der Biele­felder Wis­senschafts-Preis an Ronald Dworkin. Lauda­tor war damals Jür­gen Haber­mas. Der dama­lige Ober­bürg­er­meis­ter ließ sich die Gele­gen­heit nicht nehmen, um auch eine kleine Rede zu hal­ten. Er sprach darüber, weswe­gen Biele­feld so inter­es­sant sei, was so schön sei, warum Biele­feld eben keine Prov­inz sei. Die Rede dauerte 15 Minuten. Einen besseren Beweis, dass Biele­feld Prov­inz ist, hätte der Ober­bürg­er­meis­ter nicht liefern kön­nen, als das er ver­an­schaulichte, dass man min­destens eine Vier­tel­stunde braucht, um das Gegen­teil zu behaupten.
Nun gibt es aktuell eine gewisse Bele­bung in dieser Debat­te men­taler Prov­inzial­ität. Und ich neige immer stärk­er dazu, dass man auch Großstät­tern men­tale Prov­inzial­ität unter­stellen kann. Man muss also nicht in tat­säch­lich eher ländlichen Gebi­eten leben, um unter den Fol­gen von Prov­inzial­ität zu lei­den. In Biele­feld merkt man ja auch, dass viele gar nicht darunter lei­den und insofern gar nicht prov­inziell sind, zumin­d­est nicht mental.
Es hat einen Artikel von Matthias Kalle in der in Ham­burg erscheine­nen ZEIT gegeben, der sich damit beschäftigt, dass ange­blich plöt­zlich ein München-Hype aus­ge­brochen sei. Pro­vokant wird gefragt: „Wie kon­nte es dazu kom­men?“ Das ist wohl die Stelle, die prov­inzielle Münch­n­er gekränkt hat: Sollte München inzwis­chen gar nicht mehr würdig sein, „in“ zu sein? Der Text selb­st kränkelt widerum daran, dass der Autor glaubt, Münchens Charak­ter­is­tik nur anhand klein­er Par­ty- und Mode­mo­mente, gespickt mit der neuen deutschen Dör­flichkeit fest­machen. Daraus kann keine gute München-Beschrei­bung entstehen.
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Daraus kann aber offen­sichtlich eine Kränkung von Münch­n­ern entste­hen, wie der Text Roxy Munich von Beate Wild hat Fieber ein­drucksvoll unter Beweis stellt. Man ist etwas pikiert über die Ein­stel­lung, Münchens Sub­kul­tur erst 2009 für her­aushebenswert zu eracht­en.  „Schön, dass der Rest Deutsch­lands endlich mal erfährt, dass München eine Sub­kul­tur hat.“ Ver­suchen Sie mal einen Satz zu for­mulieren, der noch prov­inzieller klingt. Ein klein­er, zusät­zlich­er Schön­heits­fleck dieses Satzes ist: Von Münchens Sub­kul­tur hat der Rest Deutsch­lands bis heute nicht wirk­lich erfahren, denn deutsche Feuil­letons sind nun mal nicht mehr massen­wirk­sam. Und eine Sub­kul­tur ist eben nur in Verbindung mit der Kul­tur, von der sie Sub­kul­tur sein möchte, lesbar.
Das heisst, es geht um München: Die einzige Metro­pole Bay­erns, wo sich das, was sich Sub­kul­tur nen­nt, dem übrigge­bliebe­nen Schickim­ic­ki ent­ge­gen stemmt. Ein Kampf gegen die Giu­lia Siegels dieser Welt. Ein München, das heute im Schat­ten Berlins als Deutsch­lands einziger Welt­stadt ste­ht. Wobei, wenn man in Berlin wohnt, man ja meist eh in irgen­deinem kleinen Berlin­er Vier­tel behei­matet ist, das für sich so gar nichts hat. Aber Berlin ist eben eine Stadt für Kün­stler und für die, die sich für Kün­stler hal­ten, ein Kul­turepizen­trum, dessen Auswüchse allerd­ings außer­halb Berlins schon kaum noch jeman­den inter­essieren. Den­noch ist der 30€-Flug München-Berlin stark nachge­fragt, für manchen ist dies der Ausweg aus der eige­nen men­tal­en Prov­inzial­ität. Vielle­icht fällt die auch in Berlin ein­fach nicht so auf, weil man auf Brüder und Schwest­ern im Geiste trifft.
Wenn sie das Feuil­leton der Frank­furter All­ge­meinen Zeitung auf­schla­gen, kön­nen sie genau das in den Berlin­er Artikeln rausle­sen: Dem Schreiber ist es wichtiger über irgen­det­was zu schreiben, weil es in Berlin stat­tfind­et, als auf den Punkt zu kom­men, der der Sache nach inter­es­sant sein soll. Schlim­mer ist das nur noch in den Aus­gaben von der Fre­itag. Das macht widerum die in München her­aus­gegebene Süd­deutsche Zeitung so inter­es­sant: Die Abwe­sen­heit eines alltäglichen Drangs von Lokalpa­tri­o­tismus, der ger­ade in let­zter Zeit zum Aus­graben wirk­lich guter The­men geführt hat, die in handw­erk­lich her­vor­ra­gen­den Tex­ten unterkommen.
Heutzu­tage ist so ein biss­chen Prov­inzial­ität vielle­icht gar nicht so verkehrt.

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Die taz-Piraten oder: Wie man eine Verschwörungstheorie entert

tazpiraten
Wenn sich in let­zter Zeit wirk­lich eine deutsche Zeitung um ein externes Watch-Blog bemüht, dann ist es die tageszeitung, kurz taz.
Als Ines Pohl im ver­gan­genen Som­mer die Leitung der taz von Bascha Mika über­nahm, sagte sie:

Bascha Mika warnt davor, dass die „taz“ zurück­fällt in eine Zeit der Grabenkämpfe und zurück­kehrt in ide­ol­o­gis­che Eck­en von vorgestern. Das wird der „taz“ auch mit mir in der Chefredak­tion nicht passieren.


Links zu sein heißt für mich auch, kri­tisch und auf­ständisch sein, Attribute, die für die „taz“ ja passen. 

Wirklich?
In den let­zten Wochen fiel ver­stärkt auf, wie die taz die Piraten­partei ins Visi­er nahm.
Im Artikel Die Untiefen der Frei­heit kon­sta­tiert Albrecht von Lucke, man wird sich, sofern die Piraten­partei nicht ihren Frei­heits­be­griff klärte,
nicht darüber wun­dern kön­nen, wenn sich auch in Zukun­ft hin­ter dem Pirat­en-Label alle möglichen zwielichti­gen “Frei­heitlichen” ver­sam­meln werden.
Julia Seel­iger weiss aus dem Umstand, dass das Vor­standsmit­glied der Piraten­partei Andreas Popp naiv­er Weise der rechts­gerichteten Zeitung Junge Frei­heit ein Inter­view gegeben hat, den Schluss zu ziehen:
Aber­mals ist es der Piraten­partei passiert, unsen­si­bel gegenüber recht­slasti­gen Argu­men­ta­tio­nen gewe­sen zu sein.
Rhetorik für Anfänger. Wenn sie jeman­dem nichts direkt vor­w­er­fen kön­nen, ver­suchen sie es indi­rekt. Das Inter­view ging über­haupt nicht um rechte The­men, der Inter­view­er ver­suchte nicht, dem Inter­viewten Mei­n­un­gen unterzuschieben[1.
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1. Diskutabel ist dabei natür­lich der Satz des Inter­view­ers Linke, soziale Parteien ste­hen klas­sisch für soziale Ent­mündi­gung zugun­sten eines stark bemut­tern­den Staates.
Aber Popp pari­ert diesen Satz
] oder zu befördern. Was also tun? Wer­fen sie ihm geschwurbeltes Zeugs vor, wie “unsen­si­bel gegenüber recht­slasti­gen Argu­men­ta­tio­nen” zu sein. Recht­slastige Argu­men­ta­tio­nen sind nicht behan­delt wor­den, aber gefühlt sind sie eben für die sen­si­blen tazler immer im Spiel. Da kann man argu­men­ta­tiv nichts mehr anricht­en: Gefüh­le unter­ste­hen der pri­vat­en Äußerungsberechtigung.
Felix Lee mut­maßt nach der Bun­destagswahl, die Piraten­partei freue sich über
720.000 Euro, die dem­nächst in ihre Parteikassen fließen wer­den. An der Finanzsi­t­u­a­tion wird es also nicht liegen, falls der nun anste­hende Parteiauf­bau scheit­ern sollte.
Offen­bar geht man bei der taz davon aus, dass ein anste­hen­der Parteiauf­bau scheit­ert. Lee und Seel­iger kom­men zu der erstaunlichen Ein­sicht, einiges spräche für den
Fortbe­stand der Inter­net-Partei auch nach der Bun­destagswahl. […]
Zudem würde es
nicht ver­wun­dern, wenn bere­its die näch­ste Bun­desregierung speziell einen Staatssekretär für die Online-Welt abstem­pelt. — Dem Gedanken­gang der Autoren zufolge wohl das Aus für die Piratenpartei.
Der Erfolg der Piraten­partei in Schweden 
gibt den Pirat­en Selb­st­be­wusst­sein – zu Unrecht. Denn sie sind bei weit­em nicht die einzi­gen, die die Net­zwelt­the­men behandeln. 
Bei der taz weiss man wohl inzwis­chen auch, wann welche Partei zurecht selb­st­be­wusst sein darf. Ist das nicht schon ein Partei-ergreifen?
Heute schreibt Paul Wrusch den Artikel Der Pirat, der ein­mal Nazi war. Nazis, Neo-Nazis und Recht­sex­treme, das ist bei der taz offen­sichtlich ein­er­lei. Der wesentlich­ste Punkt des Artikels über ein Piraten­mit­glied, das zuvor extrem rechts engagiert war, ist hier­bei schon in der Über­schrift festgehalten:
Unter­wan­derung­s­ten­den­zen.
Wer die taz ver­fol­gt hat, der weiss wie Wrusch über die Piratenpartei:
Die tut sich im Umgang mit der­ar­ti­gen Fällen und der Abgren­zung nach Rechts noch schwer.
Am Ende, als Höhep­unkt des Artikels, kommt Wrusch zu sein­er eigentlichen Mes­sage, die im Kern nichts anderes ist als eine Verschwörungstheorie:
Die Recht­en unter­dessen wis­sen, dass ihnen von den Pirat­en Konkur­renz um Wäh­ler­stim­men dro­ht: Vor allem junge Män­ner kön­nten zu den Pirat­en über­laufen, fürcht­en sie. Auf dem Info­por­tal gesamtrechts.net fordert ein anonymer Kolum­nist daher schon Anfang August offen: “Werdet rechte Pirat­en”. Ein direk­ter Aufruf zur Unterwanderung.
Als ob das noch nicht pein­lich genug wäre, darf sich Wrusch seine Fehlin­ter­pre­ta­tion von den Recht­en um die Ohren hauen lassen:
Wir haben den Parteis­trate­gen des recht­en Lagers anger­at­en, sich der The­men der Piraten­partei anzunehmen, um auf diese Weise so wenige Jung- und Erst­wäh­ler wie möglich an die Piraten­partei zu verlieren.
Das ist in der Tat so in der zitierten Textpas­sage nachzule­sen. Dass diese Pas­sage auch von NPD-Info.net falsch gele­sen wurde, und vielle­icht vom taz-Autor nur über­nom­men wurde, lin­dert den Schaden wenig.
Kom­men wir also zum Aus­gangspunkt zurück: Der Ver­such der taz, ihre Autoren “kri­tisch” auf das ver­meintlich unge­fährliche Piraten­partei-The­ma anzuset­zen, scheint offen­sichtlich aus dem Rud­er zu ger­at­en. Denn immer wieder behan­deln die Autoren eher ihre eige­nen Posi­tio­nen und Vorurteile als Faz­it ihrer Texte, als dass sie Sach­la­gen möglichst objek­tiv analysieren. Ich weiss nicht, ob sich die Autoren damit in der ide­ol­o­gis­chen Schmud­del-Ecke befind­en, von der Bascha Mika sprach, aber sauber ist das nicht.

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Als Gott mit der Schöpfung anfing, gab es schon Meeresleben

Die Schöp­fungslehre kriegt nach langer Zeit wieder mal ein Update: Wer behauptet, dass Gott Him­mel und Erde geschaf­fen hat, kann sich dafür nicht auf die Schöp­fungs­geschichte der Bibel beziehen. Das meint die Nimwe­gen­er The­olo­giepro­fes­sorin Ellen van Wolde in ihrer morgi­gen Antrittsvorlesung.
Denn dort ist nur die Rede davon, dass Gott Him­mel und Erde voneinan­der tren­nte. Da war also schon was. Schlechte Zeit­en für Kreation­is­ten, wenn der ober­ste Boss schon auf die Evo­lu­tion zurück­ge­grif­f­en hat, oder?
genesis11

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Did God not create heaven and earth?

Bad news for cre­ation­ists: The one who claims God cre­at­ed heav­en and earth can’t relate that to Gen­e­sis. That’s what Ellen van Wolde is going to say tomor­row morn­ing in her inau­gur­al speech in Nijmegen, the Netherlands.
In Gen­e­sis there’s only writ­ten down that God part­ed heav­en and sea, so there was some­thing there before.
Does­n’t that mean God only used evolution?
genesis11

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Bodo Hombach über das Internet-Manifest

Bodo Hom­bach hat sich zum Inter­net-Man­i­fest geäußert. Es ist aber schon mehr als das, es geht auch um die rund um die Zen­sur­su­la-Geschichte rum­schwirrende Frage nach ein­er Reg­ulierung des Internets.
Nun ist Bodo Hom­bach sich­er kein Schrift­steller höch­ster Qual­ität und im Jar­gon der Blogs schreibt er auch nicht. Aber das sollte man mal kurz bei­seite lassen. Dazu sollte man bei Hom­bachs Text dessen Anspielun­gen auf andere Dinge bei­seite lassen, ich habe nicht den Ein­druck gewon­nen, dass sie zur Kläung des Inhalts beitragen.
Worum geht es Hom­bach also? Es geht ihm darum, einen net­zw­erkar­ti­gen Fix­punkt dar zu stellen zwis­chen Per­so­n­en, die den “alten” Medi­en ver­schrieben sind, Per­so­n­en, wie den Inter­net-Man­i­festern, die bei­des ken­nen, aber eher dem Inter­net anhängig sind, und let­zten Endes auch Per­so­n­en, die ganz dem Inter­net anhän­gen. Das ist insofern inter­es­sant, als dass Hom­bach poli­tisch und wirtschaftlich abso­lut kein Nobody ist.
Was sagt Hom­bach? Erstaunlich wenig für 6 aus­ge­druck­te Seiten[1. Thomas Knüw­er hat einzelne Sätze Hom­bachs aus dem Text genom­men und daraus eine Bran­drede ver­fasst. Das scheint mir nicht zu funk­tion­ieren, weil Hom­bach ein­fach nicht gut genug schreibt, als dass sich daraus konkret able­sen liesse, ob er gegen jeman­den bes­timmtes ger­ade etwas sagen möchte oder nur irgendwelche Argu­mente aus dem Weg räumt. ]: Das Inter­net braucht Regeln und die Men­schen soll­ten dem Inter­net dadurch ihren Stem­pel auf­drück­en, um so Chaos und Ver­brechen Ein­halt zu gebieten.
hombachim
Ich finde, dage­gen spricht eigentlich auch nichts. Zumin­d­est kann man dies als eine Posi­tion in ein­er Inter­net­de­bat­te dur­chaus vertreten.
Das Ding ist nur, es gibt schon Regeln und neuerd­ings scheinen sich beson­ders Poli­tik­er und althergekommene Medi­en­mach­er auf die Fah­nen geschrieben zu haben, gegen diese Regeln ihren auf Kon­trolle und Prof­it gebürsteten Stem­pel mit aller Macht anwen­den zu wollen. Und eben das wird nicht rei­bungs­los funktionieren.
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Fußnote:

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CDU gibt zu, Kinderpornografie instrumentalisiert zu haben

„Die gesamte kul­turelle Men­tal­ität bei uns, repräsen­tiert durch Bush oder durch Jung oder durch Schäu­ble, ist eingestellt auf eine ges­pal­tene Welt. Und wenn man sich den ersten Kreuz­zug mal anschaut, dann war das schon damals ganz genauso.”
Horst Eber­hard Richter im Inter­view mit der taz

Ich habe schon mal geschrieben, dass ich nicht denke, dass die CDU-Leute sel­ber den ganzen Blödsinn glauben, den sie rund um das Inter­netsper­renge­setz so faseln. Und jet­zt ger­ade denkt Wolf­gang Schäu­ble, ist es passend, auch mal öffentlich einzuräu­men, dass man natür­lich sel­ber nicht all den Blödsinn glaube, den man da während des Wahlkampfes vom Stapel gelassen hat.
Das macht Schäu­ble natür­lich nicht ganz so direkt und nicht genau auf irgendwelche Aus­sagen bezo­gen, son­dern nur mit Blick auf die eigene Glaub­würdigkeit­sret­tung:
Der Min­is­ter gab handw­erk­liche Fehler beim soge­nan­nten Zugangser­schwerungs­ge­setz für Stopp­schilder im Inter­net zu. Das Gesetz zum Schutz vor Kinder­pornografie sei im End­spurt des Wahlkampfes auch deshalb ent­standen, um die CDU gegenüber anderen Parteien abzuset­zen.[1. (via) ]
“Handw­erk­liche Fehler” nen­nt man das heutzu­tage in der Poli­tik. Was für eine Perversion.
Wis­sen Sie, wenn ich einen Tisch kaufe und da sind nur drei Tis­chbeine dran, dann glaube ich an einen handw­erk­lichen Fehler. Aber wenn erfahrene Poli­tik­er ein sen­si­bles The­ma auf­greifen, im vollen Bewusst­sein, dass sie damit die Opfer von Kindesmis­shand­lun­gen instru­men­tal­isieren, ohne dass diese davon auch nur irgend­wie prof­i­tieren, und nur um das Pro­fil der eige­nen Partei zu schär­fen, dann ist das nur eines: Berufszynismus.
Die CDU ist die Partei der Dop­pel­moral. Was das C unter den drei Buch­staben noch ver­loren hat — ich habe keine Ahnung.

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Die Revolution der Kabarettisten

Ganz inter­es­sant ist die Sym­biose zweier Kabarett-TV-Sendun­gen der let­zten Zeit. Da besucht­en Urban Pri­ol und Georg Schramm, die eigentlich in der ZDF-Sendung Neues aus der Anstalt zuhause sind, die Mit­ter­nachtsspitzen im WDR. Und im Gegen­zug besuchte sie Mit­ter­nachtsspitzen-Chef Jür­gen Beck­er in der Anstalt. Man mag sich, soviel ist sicher.
Was die Sache aber erst richtig inter­es­sant macht ist neben der per­son­ellen die inhaltliche Sym­biose: In bei­den Sendun­gen wurde ger­adezu zu ein­er Revolte aufgerufen:
Mit­ter­nachtsspitzen, WDR, 10. Okto­ber 2009

Neues aus der Anstalt, ZDF, 20. Okto­ber 2009

Aber an wen richt­en sich unsere lieben Kabaret­tis­ten denn genau? An das anwe­sende Pub­likum? An Poli­tik­er? An den gemeinen Zuschauer? An Leute, die auf Grund ihres Appells eine Ini­tia­tive ergreifen?
Mir wäre eine genaue Beant­wor­tung hier­bei aber eigentlich auch wieder wumpe. Dass Leute sich laut­stark für eine Verbesserung ihrer mis­er­ablen Sit­u­a­tion ein­set­zen, ist zweifel­los lange überfällig.
Lese­hin­weis: Jean Zei­gler — Der Auf­s­tand des Gewissens

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