Der Verbotsreflex konservativer Politiker

Immer wenn in Deutsch¬≠land etwas ein¬≠schnei¬≠dend Gewalt¬≠t√§tiges passiert, ste¬≠ht ein Poli¬≠tik¬≠er auf und will irgen¬≠det¬≠was ver¬≠bi¬≠eten. Das ist das Mantra des kon¬≠ser¬≠v¬≠a¬≠tiv¬≠en Poli¬≠tik¬≠ers, von dem er nicht abge¬≠hen will. Weisst man ihn wie bei der Kinder¬≠porn¬≠ode¬≠bat¬≠te darauf hin, dass der¬≠ar¬≠tige Ver¬≠bote nachgewiesen¬≠er¬≠weise untauglich sind, dann sagt er, man werde auch noch anderes unternehmen. Aber Ver¬≠bote m√ľssen sein. Ver¬≠bote sind Selb¬≠stzweck. Das ist eine sehr ein¬≠fach get¬≠rick¬≠te, aber ger¬≠adezu fun¬≠da¬≠men¬≠tal¬≠is¬≠tisch ver¬≠ankerte Sichtweise. Da geht der Kon¬≠ser¬≠v¬≠a¬≠tive nicht von ab. Und er glaubt auch jedem anderen Kon¬≠ser¬≠v¬≠a¬≠tiv¬≠en, der Ver¬≠bote fordert, unange¬≠se¬≠hen der Stich¬≠haltigkeit der Argu¬≠mente, die f√ľr ein Ver¬≠bot sprechen sollen.
In der Kinder¬≠porno-Debat¬≠te meinte Frau von der Leyen, dass in Nor¬≠we¬≠gen t√§glich 18000 Besuche auf Kinder¬≠porno¬≠seit¬≠en ver¬≠hin¬≠dert wer¬≠den w√ľr¬≠den. Das MdB Kristi¬≠na K√∂h¬≠ler (CDU) glaubt das blind¬≠links. Ohne auf die Idee zu kom¬≠men, das in Frage zu stellen. Man m√ľsste ‚ÄúZugriffsver¬≠such‚ÄĚ mal erk¬≠l√§ren. Sind das Einzelper¬≠so¬≠n¬≠en? Dann w√§ren alle Nor¬≠weger in den let¬≠zten 2 Jahren auf ein¬≠er Kinder¬≠porno¬≠seite gewe¬≠sen. Oder auch Pro¬≠gramme? In Unken¬≠nt¬≠nis der Zahl der¬≠er, die erfol¬≠gre¬≠ich eine Kinder¬≠porno¬≠seite aufrufen, ist diese Zahl, von der nicht mal bekan¬≠nt ist, auf welchen Zeitraum sie bezo¬≠gen wird, untauglich. Krim¬≠i¬≠nal¬≠beamte, die das der¬≠ar¬≠tige Sper¬≠ren ken¬≠nen, weisen darauf hin, dass dieses Sper¬≠ren gegen vors√§t¬≠zliche Miss¬≠brauch¬≠er untauglich ist. Ver¬≠hin¬≠dert wer¬≠den nur Zufall¬≠sklicks. Glauben Sie, dass ein Zufall¬≠sklick¬≠er sofort sein Port¬≠mon¬≠naie z√ľckt? Gemessen an den Men¬≠schen, die Sie ken¬≠nen? Wieviele, denken Sie, schlie√üen eine der¬≠ar¬≠tige Seite sofort wieder?
Jet¬≠zt m√∂chte die CDU weit¬≠er¬≠ma¬≠chen mit dem Ver¬≠bi¬≠eten. Im Nach¬≠hall der Geschehnisse von Win¬≠nen¬≠den meint man, Spiele wie Paint¬≠ball und Laser¬≠drom ver¬≠bi¬≠eten zu m√ľssen. Hier werde, so CDU-Poli¬≠tik¬≠er Bos¬≠bach, das T√∂ten simuliert. So ein kon¬≠ser¬≠v¬≠a¬≠tiv¬≠er Poli¬≠tik¬≠er muss nur ein¬≠fach ein Spiel zu ein¬≠er T√∂tungsaus¬≠bil¬≠dung umdeklar¬≠i¬≠eren und schon meint er, er k√∂nne Ver¬≠bote fordern. An dieser Stelle geht es um Begriffs¬≠be¬≠set¬≠zun¬≠gen, nicht um argu¬≠men¬≠ta¬≠tiv gest√ľtztes √úberzeu¬≠gen.
bosbach
Bei Laser¬≠drom ren¬≠nen Sie √ľber ein Spielfeld und schie√üen mit Lasergewehren Lich¬≠strahlen auf Mit¬≠spiel¬≠er. Sie m√ľssen eine bes¬≠timmte Stelle tre¬≠f¬≠fen, dann ist der Spiel¬≠er getrof¬≠fen und schei¬≠det f√ľr eine bes¬≠timmte Zeit aus. Der Geg¬≠n¬≠er kann wegren¬≠nen, sich duck¬≠en und zur√ľckschie√üen. Bei V√∂lker¬≠ball ren¬≠nen Sie √ľber ein Spielfeld und schmeis¬≠sen B√§lle auf Mit¬≠spiel¬≠er. Sie k√∂n¬≠nen jede beliebige Stelle des K√∂r¬≠pers tre¬≠f¬≠fen. Ist der Spiel¬≠er getrof¬≠fen, schei¬≠det er aus, bis er selb¬≠st jeman¬≠den aus dem ‚ÄúAus‚ÄĚ her¬≠aus trifft. Spiel¬≠er k√∂n¬≠nen wegren¬≠nen, sich duck¬≠en und zur√ľck¬≠w¬≠er¬≠fen.
W√ľr¬≠den Sie V√∂lker¬≠ball als T√∂tungssim¬≠u¬≠la¬≠tion anse¬≠hen? Und Laser¬≠drom ist nun eine T√∂tungssim¬≠u¬≠la¬≠tion, weil statt eines Balles Licht¬≠strahlen ver¬≠wen¬≠det wer¬≠den? Die Spielele¬≠mente sind iden¬≠tisch, das neuere Spiel ist eben nur elek¬≠trotech¬≠nisch aufge¬≠plus¬≠tert. Mit der¬≠sel¬≠ben Logik, nach der Laser¬≠drom eine T√∂tungssim¬≠u¬≠la¬≠tion ist und V√∂lker¬≠ball ein Kinder¬≠spiel, k√∂n¬≠nte man Fahrr√§der f√ľr gut und Autos f√ľr b√∂se hal¬≠ten.
Glauben Sie, Jugendliche spie¬≠len diese Spiele mit ein¬≠er unter¬≠schiedlichen Geis¬≠te¬≠shal¬≠tung? Glauben Sie, ihre Charak¬≠tere √§nderten sich zum Neg¬≠a¬≠tiv¬≠en? Beim gemein¬≠samen Spiel mit anderen? Das alles glaube ich nicht. Aus einem ein¬≠fachen Grunde: Es sind Spiele und Men¬≠schen wis¬≠sen, was Spiele sind. Dieser Satz klingt sim¬≠pel, aber Sie m√ľssen wirk¬≠lich mit diesem Satz brechen, um sich der kon¬≠ser¬≠v¬≠a¬≠tiv¬≠en Lin¬≠ie Bos¬≠bachs anzuschliessen. Ich dage¬≠gen glaube fol¬≠gen¬≠des: Ich glaube, dass es viele Erwach¬≠sene gibt, die in Kinder- und Jugend¬≠spiele Dinge hinein¬≠deuten, die f√ľr die betrof¬≠fe¬≠nen Kinder und Jugendliche nicht Bestandteile dieser Spiele sind.
Sofern Poli­tik­er, wie sie es ger­ade tun, Gegenein­wände gegen Ver­botsvorschläge damit abtun, dass Ver­bots­geg­n­er Greueltat­en Vorschub leis­teten, ste­ht eine demokratis­che Diskus­sion­skul­tur auf dem Spiel. Wird in der poli­tis­chen Diskus­sion wirk­lich noch ver­sucht, Sachar­gu­mente auszud­isku­tieren?

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